Train-Freitag mit Ryanair auf Schienen [mB] (Reiseberichte)

JanZ, HB, Samstag, 04.04.2026, 21:22 (vor 12 Stunden, 41 Minuten)

Den gestrigen Tag haben wieder viele genutzt, um mit möglichst lauten Autos herumzufahren. Ich habe mich stattdessen meinem Lieblingsverkehrsmittel gewidmet und relativ spontan beschlossen, mit dem GoVolta zu fahren, einem neuen privaten Fernzug, der Amsterdam und Hamburg bzw. Berlin verbindet. Derzeit fährt er beide Strecken nur je dreimal pro Woche, so dass man mit einer Zuggarnitur auskommt. In beiden deutschen Städten fährt man nicht bis zum jeweiligen Hauptbahnhof, sondern Endstation ist in Harburg bzw. Gesundbrunnen.

Nach einigem Überlegen buche ich die Route Hamburg-Harburg – Hengelo: Harburg, obwohl der Zug auch in Bremen hält, um dort ein gutes Foto machen zu können, und Hengelo, um die Kluskurve mitzunehmen, auf der er den Osnabrücker Hauptbahnhof umfährt. GoVolta scheint das Konzept von Billigfliegern übernommen zu haben, nachdem im günstigen Preis nur das Nötigste enthalten ist und alle weiteren Leistungen extra kosten. So ist in den 45 Euro für meine Fahrkarte zwar die verpflichtende Sitzplatzreservierung enthalten, ich zahle aber noch mal 12,50 Euro extra, um mir einen Platz (in dem Fall am Fenster) aussuchen zu können. Bei der Buchung erhalte ich nicht direkt die Fahrkarte, sondern eine Reservierungsbestätigung mit einem Link zum Check-in, den ich spätestens vier Stunden vor der Abfahrt durchführen muss. Erst danach erhalte ich einen QR-Code (ja, wirklich), den ich bei der Kontrolle im Zug vorzeigen muss.

Als ich am Karfreitag am Bahnhof ankomme, erwische ich noch die RB, die eigentlich eine Stunde vorher fahren sollte – das Stellwerk in Tostedt war gestört. Jetzt läuft der Betrieb aber wieder an, und so überholt uns der GoVolta unterwegs. In Harburg angekommen, gelingen mir tatsächlich recht gute Bilder vom Zug:

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Die Wagen sind ehemalige belgische mit Vis-à-vis-Sitzanordnung, die man innen anscheinend nahezu unverändert gelassen hat. Die 1.-Klasse-Wagen heißen jetzt Comfort und die der 2. Klasse Economy. Die Economy ist auch tatsächlich recht gut besetzt. In meiner Vierergruppe sitzt aber praktischerweise sonst niemand.

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Der eine Sitz mir gegenüber hat schon deutlich bessere Zeiten gesehen, aber das scheint nicht repräsentativ zu sein.

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So geht die Fahrt relativ gemächlich los. In Sottrum gehen diesmal wir in die Überholung, um sage und schreibe den RE, den ICE und den Flixtrain vorbeizulassen, und erreichen HB trotzdem pünktlich. Vor HO wird es dann spannend, denn hier biegen wir in den Vorbahnhof und dann auf die Kluskurve ab, die die beiden Ebenen des Turmbahnhofs direkt verbindet. Ein Halt im Bahnhof ist dadurch nicht möglich. Auch in Rheine halten wir nicht, und der nächste Halt in Bad Bentheim scheint nur dem Lokwechsel zu dienen, denn eine Fahrkarte dorthin buchen konnte man nicht. Hier kommen wir stolze 20 Minuten vor Plan an, so dass wir den ICE vorbeilassen müssen. Dadurch kann auch die Bentheimer Eisenbahn nur verspätet einfahren, die RB nach Bielefeld wartet aber den Anschluss ab.

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Bad Bentheimer Bahnsteigbild: ICE und GoVolta

Mein Zug bekommt jetzt die Nase gebrochen, also eine niederländische Lok im „Nez-cassé“-Design vorgespannt.
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Die kurze Weiterfahrt nach Hengelo nutze ich noch für ein Bild der Toilette, die unten offen ist und daher ein Hinweisschild hat, das ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Sonst ist sie aber einigermaßen sauber und funktionstüchtig.

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Dann ist mein Zielbahnhof erreicht. Ich steige aus dem Zug, der hier nur zum Ausstieg hält, und nutze die Stunde Aufenthalt für einen Bummel durch die Stadt, bei der natürlich auch ein Besuch bei Albert Heijn nicht fehlen darf. Zuerst wirkt die Stadt recht ausgestorben, was aber nicht am Karfreitag liegt (der hier auch gar kein Feiertag ist), sondern an der Uhrzeit. Der Supermarkt hat auch noch offen, und am Rathaus ist die Gastronomie gut gefüllt. Ich nutze sie ebenfalls für eine Pokébowl.

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Pannenhilfe alleine scheint nicht zu reichen

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Der Rathausturm von Hengelo

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Den Rückweg trete ich komplett mit dem Deutschlandticket an, da das nur unwesentlich länger dauert als mit dem Fernverkehr. In Diepholz überholt meinen RE 9 der verspätete ICE, der um diese Uhrzeit auch hier hält. Da ich aber maximal eine Viertelstunde sparen würde, verzichte ich auf den Umstieg und erreiche so gegen Viertel vor elf wieder meinen Heimatbahnhof.

Das ist alles sehr schockierend

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Samstag, 04.04.2026, 22:27 (vor 11 Stunden, 35 Minuten) @ JanZ
bearbeitet von Der Blaschke, Samstag, 04.04.2026, 22:29

Huhu.

Den GoVolta habe ich nämlich in Harburg ankommen sehen. Da stiegen bannig massig Leutchen aus.

Das mit der Stellwerksstörung Tostedt ging vormittags so gegen 9 Uhr los. Ich kam Richtung Hamburg noch durch. In Buchholz hatte man Flix Rtg Süden eine Pause gegönnt; der Bahnsteig war voll mit stehenden und rauchenden Fahrgästen.

Für den Metronom problematisch: die Äste nach Bremen und Uelzen sind umlauftechnisch miteinander verknüpft. So breitet sich das Durcheinander schön aus.

Ich wartete in Harburg an 4 auf den Lüneburger, dem +30 prognostiziert waren. Kurz vor Abfahrt hieß es dann: fährt von 2 - denn da kam die RB 41 mit über einer Std Verspätung auch an.

Nach Lüneburg und zurück fuhr man dann mit +30. Zurück wurde wieder kurzfristig in Harburg gebrochen. Es hieß es, nach Bremen könne man sitzenbleiben. Dann aber: nee, raus, wir rangieren um. Und als ich grad Essen fasste, hieß es, fährt doch von 1 nach Bremen.

Und letztens war GoVolta auch viel zu früh in Bad Bentheim. Mußte die eingefahrene Bentheimer schnell vom Bahnsteig weg in den hauseigenen Bahnhofsteil, um den ICE durchzulassen.

Wenn ich hier lese, dass man wieder die Bentheimer vorm Bf hat warten lassen, bekomme ich schon wieder Kreislauf. Gern blockieren die Helden des Stellwerkes Gleis 2 mit einem Güterzug. Und dann muss eben entweder die Eurobahn dran glauben, wenn sie aus Rheine kommt oder die Bentheimer. Eine einzige Katastrophe ist das - will ich zu den Bentheimern, muss ich stets eine Std früher ab Wissingen fahren, wenn ich einigermaßen sicher sein will, dass ich den richtigen Zug erreiche. Elend pur.

Die Aufenthaltsqualität in Bad Bentheim ist dabei überschaubar. Das frühere Café ist weg - da ist jetzt n Fitnessstudio drin. Voll sinnig am Bahnhof. Also sitzt man rum oder geht zur Tanke nebenan oder fährt mit der Eurobahn nach Hengelo und zurück.


Schockierend jetzt nur, dass Forenkollege JanZ dann ja gestern mittag in Harburg ziemlich nebenan gewesen sein muss ... Die Welt ein Dorf.

Wobei mich GoVolta wegen der Kluskurve auch noch reizt. Einmal gibt's das für 19€ - aber just da kann ich nicht.

Planmäßig fuhr ich die Kluskurve im Leben nur einmal - in den 1990ern nachts mit dem Verstärker-D-Zug aus Holland nach Skandinavien; D 1236 oder so?


Schöne Grüße von jörg

heute bislang ggü dem Plan jetzt DREI Stunden verspätet unterwegs. Nix mehr mit Einkaufen ... Kann in Ostern zur teuren Tanke oder den Pizzablitz bestellen. Und beim ICE konnte ich meine Sprachkünste zwecks kostenloser Mitfahrt nicht testen; der fährt heute fast 2 Std früher, womit genau der benötigte Takt in Bremen ausfiel und sich somit die Verspätung von 2 auf 3 Std erhöhte. Und die letzte Etappe kommt noch ... ;-). Aber um es mit J-C zu sagen: alles rosarot!

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"Zu Lebzeiten will ich gerne bescheiden sein; doch wenn ich tot bin, soll man natürlich anerkennen, dass ich ein Genie war." (Michel Audiard)

Das ist alles sehr schockierend

sunny007, Samstag, 04.04.2026, 22:45 (vor 11 Stunden, 17 Minuten) @ Der Blaschke

Planmäßig fuhr ich die Kluskurve im Leben nur einmal - in den 1990ern nachts mit dem Verstärker-D-Zug aus Holland nach Skandinavien; D 1236 oder so?

https://www.fernbahn.de/datenbank/suche/?zug_id=19910101237

Gefunden! 1997 war es. 22./23.6. - TMT-Geschichten.

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Sonntag, 05.04.2026, 00:02 (vor 10 Stunden, 0 Minuten) @ sunny007
bearbeitet von Der Blaschke, Sonntag, 05.04.2026, 00:06

Planmäßig fuhr ich die Kluskurve im Leben nur einmal - in den 1990ern nachts mit dem Verstärker-D-Zug aus Holland nach Skandinavien; D 1236 oder so?

https://www.fernbahn.de/datenbank/suche/?zug_id=19910101237

Hey.

Wieder daheim. Und nachgeschaut:


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Gleich am ersten Tag.

Erst etwas cruisen. Bad Bentheim Hannover und zurück. Mit dem 1237 nach Hamburg. Nach Flensburg war ein Soldaten-IC. Gab sogar noch Platz in einem Abteil. In Flensburg waren ein paar Soldaten nörgelig, die in Rendsburg hätten raus müssen. Waren auf den Schaffner sauer. Der bremste die aber schnell ein - man könne sich auch über das fehlende Ticket ab Rendsburg unterhalten und über die Rückfahrt. Plötzlich war alles gut. Die Garnitur fuhr als IC ja wieder zurück. Da schlief ich. Dann rüber ins Erzgebirge. Abends nach Köln und über Nacht nach Lübeck und Stralsund. Von dort mit dem damaligen MEGA-RE nach Cottbus: 6 Std, 17 Min. Da tat mir mächtig der Hintern weh! In der nächsten Nacht der 1549 von Bochum nach Dresden war ein Glücksgriff: normal war der immer sehr voll; an eigenes Abteil nicht zu denken. Darauf die Nacht erinnere mich noch: der 482 nach Kopenhagen war recht voll. Ich hatte zwar ein Abteil, aber alle waren belegt. In Fulda stand der 351 Basel ==> Binz gegenüber. Beide Züge tauschten Kurswagen. Erst schaute ich einer Ratte zu, die ne Chipstüte ins Versteck bringen wollte. Dann sah ich, dass im 351 mehrere Abteile leer waren. Spontan machte ich also rüber. Vor Stendal wurde ich wach. Kursbuch in die Hand und wie man sieht, fuhr ich also statt Richtung Fehmarn ins Erzgebirge. Übers Markersdorfer Viadukt. Aue ==> Chemnitz 2 Std. Ich erinnere mich noch, wie bergab der Meister seine Diesellok ausschaltete und wir stets bremsend mit 10 km/h Ewigkeiten auf einen Haltepunkt zutuckerten. Der Nachtzug Dresden Stuttgart war nie sehr voll. Morgens die Stichfahrt nach Augsburg ging vmtl zur Bank; Geld abheben. Und dann nach 6 Tagen und Nächten, die ich stets im Zug verbrachte, mal nach Hause. Richtig duschen, Klamotten wechseln und wieder los.

So war das ein Jahrzehnt lang jeden Sommer. 4 Wochen Freiheit. Nachts gab es reichlich Züge, wo man eben das Schlafproblem lösen konnte. Es reichte, sich so ab 16/17 Uhr Gedanken zu machen, wie man die Nacht überbrücken könnte; es fand sich dann immer eine umsetzbare Idee.

Und was immer geil war: viele Nacht-D-Züge waren am Morgen Pendlerzüge. Manche Schaffner versuchten, rechtzeitig "aufzuräumen". Wer den ersten WERNER-Film kennt, die Szene im Krankenhaus - so ähnlich lief das dann auch ab. Die Pendler waren von uns Jungspunden logischerweise schwer genervt. Und kämpften natürlich ihre Sitzplätze frei. Meistens verzogen wir uns dann in den Gang. Fenster auf, so dass es schön dröhnte im ganzen Wagen. Und den Hintern an die Abteiltür gelehnt. Und vor allem das Wissen: die trostlosen Gestalten müssen jetzt trostlos zur Arbeit - wir dagegen würden wieder einen geilen Tag mit hunderten geilen Erlebnissen genießen. Internet gab's nicht; Handys, wo Mama uns kontrollieren konnte, auch nicht. Und so mußten wir auch nicht alle 5 Std anrufen, wo wir sind. Wir waren weg, einen Tag oder drei oder fünf. Mama sah ja, wenn wir wiederkamen - das mußte reichen.

Es war Freiheit pur! Man hatte Ideen, dann kam man auf neue Ideen. Oder der Zug war zu voll. Und dann fuhr mal halt woanders hin. Oder einfach 3x hin und her am Stück zwischen Fulda und Würzburg über die neue SFS mit nem IC. Und mangels Internet, Forum und Wissen wurde nicht alles endlos vorgeplant, minutengenau getimed und im Forum tausend Fragen gestellt, wie dies und das geht und vorab Wagenreihung und Loknummer gecheckt. Es gab ein paar monatliche Eisenbahnzeitungen und das Kursbuch. Fertig.

Gegenüber heute haben wir sicherlich 100.000 Dinge verpasst, die heute ein Must-It wären. Nur störte das nicht, weil wir es ja nicht wußten. Dafür war das Erlebte, weil ja unerwartet, umso nachhaltiger und manches ist im Gedächtnis geblieben. Heute wird ausgiebig bejammert, wenn die Realität ne Fotowolke schickt oder nen Gegenzug. Und dann muss im Fotoshop alles künstlich bearbeitet werden, damit man Bilder ins Forum stellt von Dingen, die man so gar nicht gesehen hat.

Doch, die heutigen Möglichkeiten sind schon toll; keine Frage. Unsere Zeit damals war aber genau so toll; nur eben anders.

Ich find's nur schade, dass die jungen Leute heute selbst bei Neuauflage solcher Tickets mangels geeigneter Nachtzug gar nicht mehr 24/7 - und zwar wirklich 7 *g* - Zug fahren können. Aber okay, die heutigen Jungs wären nach 2 Tagen und Nächten eh völlig am Ende. Da war unsereins da doch weniger zart besaitet ...


Schöne Grüße von jörg

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"Zu Lebzeiten will ich gerne bescheiden sein; doch wenn ich tot bin, soll man natürlich anerkennen, dass ich ein Genie war." (Michel Audiard)

Ab Oktober auch im ICE

Berlin-Express, nähe BPHD, Samstag, 04.04.2026, 22:52 (vor 11 Stunden, 10 Minuten) @ Der Blaschke

Wobei mich GoVolta wegen der Kluskurve auch noch reizt. Einmal gibt's das für 19€ - aber just da kann ich nicht.

Wenn es für die Amsterdam - Berlin Züge dann über Hamburg geht, sogar mit Halt an der Altstadt von Osnabrück. Das gibt es ab 14,99€ vom Hamburger Bergedorf bis zur Osnabrücker Altstadt, inklusive Hamburger Güterumgehungsbahn und Kluskurve.

Da bekomme ich aber Angst ...

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Sonntag, 05.04.2026, 00:18 (vor 9 Stunden, 44 Minuten) @ Berlin-Express

Hey.

Wenn es für die Amsterdam - Berlin Züge dann über Hamburg geht, sogar mit Halt an der Altstadt von Osnabrück. Das gibt es ab 14,99€ vom Hamburger Bergedorf bis zur Osnabrücker Altstadt, inklusive Hamburger Güterumgehungsbahn und Kluskurve.

Ja, da habe ich Angst. Weil du BERGEDORF erwähnst. Da fahr ich dann einmal mit, 4 Std Verspätung, Wandfensterplatz, Gastronomie ohne Funktion, völlige Überfüllung, so dass man nicht mal zum WC kommt - und mit im Zug sitzt der Bergedorfer Jung J-C, der uns allen dann erklärt, dass das alles superduperhypermegatoll ist und wenn überhaupt Unzulänglichkeiten, das dann nur an uns liegen kann. Ich hätte ja in Rheine keine Cola trinken müssen. In Groningen kam er neulich ne Stunde zu spät an - aber das war ganz toll und genial. So einer wird dann mal Chef. Da er aber nicht der erste ist, sondern es ja auch heute schon so Helden gibt, weiß man ja, warum die Lage so ist, wie sie ist. Und warum es eine Illusion ist, zu glauben, es könne jemals besser werden. Die nächsten 10 Jahre hat man sich da oben ja schon mal Ruhe erobert ...


Schöne Grüße von jörg

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"Zu Lebzeiten will ich gerne bescheiden sein; doch wenn ich tot bin, soll man natürlich anerkennen, dass ich ein Genie war." (Michel Audiard)

Lotto

Alter Köpenicker, BSPF, Sonntag, 05.04.2026, 08:36 (vor 1 Stunden, 26 Minuten) @ JanZ

Derzeit fährt er beide Strecken nur je dreimal pro Woche,

Ich frage mich bei solchen Fahrplänen immer, was sich derjenige, der sich das ausgedacht hat, davon wohl versprochen hat? Es gleicht ja einem Lotteriespiel, wenn sich der Fahrplan zufällig mit dem Reiseplan eines potentiellen Fahrgastes kreuzt. Erst vor kurzem versuchte ich, eine Fahrt im European Sleeper zu buchen. Leider fuhr der nie an den Tagen, an denen ich ihn hätte gebrauchen können. Erinnert ein bißchen an die BahnCard Gold.

Man muss halt einfach mal anfangen.

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Sonntag, 05.04.2026, 09:46 (vor 17 Minuten) @ Alter Köpenicker

Hey.

Derzeit fährt er beide Strecken nur je dreimal pro Woche,

Ich frage mich bei solchen Fahrplänen immer, was sich derjenige, der sich das ausgedacht hat, davon wohl versprochen hat? Es gleicht ja einem Lotteriespiel, wenn sich der Fahrplan zufällig mit dem Reiseplan eines potentiellen Fahrgastes kreuzt.

Ja. Aber irgendwie muss man ja erstmal anfangen. Soweit ich gelesen habe bzw in Erinnerung habe, denkt man ja wohl über "täglich" und eine zweite Zuggarnitur nach.

Ich halte es auch gar nicht für doof, zum Start tatsächlich 2 verschiedene Relationen auszuprobieren. Bei GoVolta wird man ja merken, was sich besser entwickelt: Hamburg oder Berlin. Bei Hamburg direkt ist man ja z.B. im Moment konkurrenzlos ganz im Gegensatz zu Berlin.

Ich war jedenfalls positiv überrascht über all die Aussteiger in Hamburg.

Was die Reisebedürfnisse angeht: es geht ja nicht nur um den Tag, sondern ja auch noch um die Uhrzeit. 1x täglich muss ja auch passen ...

Aber das macht Flix ja auch nicht soooooo viel anders; zumindest vom Start. Und langsam kann man Flix glaube ich als etabliert betrachten, auch wenn der Umfang im Vergleich zu DB Fern mickrig ist. Aber die Flixe, die ich so sehe, sind auch stets gut besucht.

Und der Wettbewerb ist ohnehin ein Segen. Sieht man ja an der Rollbahn. DB Fern wollte Jahrhunderte von Sprintern nix wissen. Die Nobelmarke Metropolitan scheiterte kläglich, weil "nobel" nun mal nicht zur Eisenbahn hierzulande passt. Also machte man nix. Kaum kam dann erst HKX und dann Flix, wurde DB Fern munter und sicherte sich Expresstrassen, um weitere Konkurrenz zu verhindern.

Deswegen müssen wir dringendst weg vom Deutschlandtaktplan und der Priorisierung von DB Fern auf Jahrzehnte. Und ob man jetzt für GoVolta wirklich keine besseren Trassen zur Verfügung stellen konnte? Kann sein, kann nicht sein. Allein dass das Netz aber demselben Konzern gehört, der fast monopolartig Fernverkehr drauf fährt und nennenswerte Teile im Nahverkehr, läßt eine gewisse Bevorzugung der konzerneigenen EVU zumindest ab und an vermuten. Es muss daher dringendst eine "Bahnreform 22" her. Alles EVU muss aus der DB raus. Alles privat - der Staat muss da raus. Wir haben keine staatliche Lkw-Spedition; wir brauchen auch kein staatliches Zugunternehmen. Auch das Netz muss staatsferner werden. Es geht ja nicht, dass alle 4 Jahre die Eigentümerstruktur geändert wird und über den Grad der Unterfinanzierung verhandelt wird. Da müssen neue Ideen her. Ich bin für eine gGmbH, an der sich neben Staat z.B. auch alle EVU beteiligen müssen, die auf dem Netz herumfahren soll. Der Anschein der Eigenmächtigkeit der DB - ob berechtigt oder nicht - muss beendet werden. Das System leidet nicht unter zu viel Wettbewerb, sondern unter zu wenig Wettbewerb. So macht es sich nämlich jeder Akteur bequem in seiner kleinen Nische. Bringt Leistung, wenn es den Aufwand gerade mal stemmen kann und läßt es, wenn es mal schwierig ist - solange die Hauptfinanzierungsquelle Staatsknete ist, ist's egal. Entweder mache ich dann alles staatlich, was zu einer Katastrophe führt - Bundesbahn und Reichsbahn haben ja 40 Jahre bewiesen, dass sie es nicht können; schon gar nicht, wenn man sie finanziell austrocknet. Oder ich dränge das Staatliche so weit wie möglich raus und überlasse den Akteuren den Markt.

Den Schock, was Wettbewerb auslöst, sieht man ja beim in der Branche äußerst ungeliebten Deutschlandticket, was die meisten liebend gerne wieder abschaffen würden. Plötzlich konnte Kunde sein Ticket überall kaufen; man musste sich was einfallen lassen, damit Kunde das im eigenen Hause kauft. Plötzlich spielten die ganzen verschiedenen Minitarife eine Rolle. Wieso haben die nebenan Waben und ich Zonen und wieso klingt mein Tarif plötzlich so kompliziert und teuer. Und all die in jahrzehntelanger Mühe erfundenen Einzeltariflösungen gelten plötzlich sls unübersichtlich. Ein schwerer Schock für all die Provinzfürsten, deren Horizont bislang spätestens an der Landkreisgrenze endete. Sie wurden wachgemacht und müssen plötzlich aktiv sich um Kunden bemühen und ihre Provinztarife verteidigen und attraktiv für DT-Nichtkunden machen. Und das alles nur, weil die Politik gar nicht ahnte, was sie da am Ende einer langen Nachtsitzung eigentlich beschloss. Dass der ungewollte Initiator FDP nunmehr in die Bedeutungslosigkeit versinkt, dürfte man in den Kreisen mit Schadenfreude aufnehmen. Während wir Bahn-/DT-fans ein Denkmal aufstellen sollten für Volker Wissing und wir auch ein bißchen den ideologieverbohrten Grünen danken sollten, die ungewollt das DT ermöglichten.

Ach ja, FROHE OSTERN! Juchhu, Jesus ist wieder da! Ich hör jetzt auch auf mit dem Geschreibsel; der Pflegedienst rückt an. Und nachher düse ich noch rüber zu einer Insel der Glückseligkeit im deutschen Bahnwesen: der kleinen, aber feinen Bentheimer Eisenbahn. Noch kann man da die 40 Min Pause in Neuenhaus genießen, falls der Bäcker direkt im Bf geöffnet hat.


Schöne Grüße von jörg

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