Über den Malojapass zur Ferrovia Jonica in Kalabrien 3/3 41B (Reiseberichte)

TD, Freitag, 03.04.2026, 18:26 (vor 3 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum dritten und letzten Teil unserer kleinen Tour durch Kalabrien. Im zweiten Teil waren wir mit dem Nachtzug von Mailand nach Villa S. Giovanni gefahren und hatten auf der Ferrovia Jonica die Südspitze Kalabriens umrundet. In Crotone haben wir einen Übernachtungsstopp eingelegt.

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Am dritten Reisetag erkunden wir die weitere Strecke der Ferrovia Jonica bis Metaponto, von dort fahren wir nach Salerno, wo das nächste Hotelzimmer wartet. Am letzten Reisetag fahren wir von Salerno über Florenz und Mailand nach Hause an den Bodensee.


Tag 3: Crotone – Metaponto - Salerno

Eine Tour durch eine Region mit spärlichem Zugangebot entlastet immerhin von der Qual der Wahl. Die erste brauchbare Verbindung in Richtung Norden verlässt Crotone um 11:39 Uhr. Da können wir es heute gemütlich angehen lassen.

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Verbeulte Autos und Schlaglöcher vor dem Bahnhof stehen sinnbildlich für das andere Gesicht von Crotone. Nach dem Niedergang der Chemieindustrie und einer verheerenden Überschwemmung 1996 leidet die Stadt unter einem Bevölkerungsrückgang und einem der niedrigsten Durchschnitteinkommen in Italien.

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Aber der Zugbetrieb funktioniert, pünktlich rollt der 3-Wagen-Intercity 564 von Reggio di Calabria nach Taranto ein. Die mit einer Diesellokomotive vom Typ D.445 bespannten Züge dürften mittlerweile Geschichte und durch Hybrid-Triebzüge vom Typ Hitachi Blues ersetzt worden sein.

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Wir erkunden nun die weitere Strecke der Ferrovia Jonica. Die Strecke folgt dem Küstenverlauf, mal etwas im Hinterland, mal direkt am Wasser. Der Himmel präsentiert sich heute grau, zwischendurch fallen ein paar Regentropfen. Daher habe ich von dieser Etappe nur wenige Bilder.

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Die Bahnstrecke wurde und wird abschnittsweise elektrifiziert und modernisiert, der aktuelle Fahrplan weist auf der Strecke einen Schienenersatzverkehr aus. Die Ferrovia Jonica ist insgesamt 472 Kilometer lang.

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Es wurmt mich schon etwas, dass wir die letzten vier Kilometer der Ferrovia Jonica auslassen müssen, aber Fahrplanzwänge sprechen halt schon sehr für einen Umstieg am Abzweigbahnhof von Metaponto. Hier trifft die Bahnstrecke aus Richtung Salerno auf die Ferrovia Jonica.

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Aus Taranto rollt der Intercity in Richtung Rom ein, wir fahren mit diesem Zug bis Salerno. Diesmal handelt es sich um einen „ausgewachsenen“ Fernzug mit ein paar mehr Wagen als das letzte Exemplar, die Verbindung ist bereits seit längerer Zeit elektrifiziert.

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Wir sind nun auf der Ferrovia Basentana unterwegs, sie verbindet die ionische mit der tyrrhenischen Küste und überquert dabei den Apennin. Vor uns liegt eine dreistündige, landschaftlich reizvolle Fahrt. Beim Bau wurde eine Streckenführung durch das Tal des Flusses Basento gewählt, auf der Ostrampe kommt die eingleisige Strecke daher ohne größere Tunnel aus.

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Die Landschaft vor dem Zugfenster wird zunehmend hügeliger. Wir fahren durch die Region Basilicata, die Strecke verläuft hier am Rande eines Naturparks. Es gibt wenige Bahnhöfe, teilweise liegen diese recht einsam während die zugehörigen Orte mitunter kilometerweit in den Bergen verstreut sind. Die Bewirtung im Zug besteht aus einem Automaten-Abteil.

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Den Scheitelpunkt erreicht die Strecke unweit der Regionalhauptstadt Potenza auf knapp 800 Metern über Meer. Auf der Fahrt hinunter in Richtung Salerno führen die Gleise durch ein schluchtartiges Tal des Flusses Platano.

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Bei Battipaglia mündet die Ferrovia Basentana in die Bahnstrecke von Reggio di Calabria nach Salerno. Wir fahren bis Salerno, die Hafenstadt haben wir als Übernachtungsstopp ausgewählt. Unsere Stadterkundung zwischen Strandpromenade und Altstadt fällt aufgrund Regenwetters etwas kürzer aus.

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Bekannteste Sehenswürdigkeit von Salerno ist das Castello di Arechi aus dem 6. Jahrhundert. Wir begnügen uns allerdings mit einem Blick hinauf zur Burg auf dem Monte Bonadies.

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Den Abend verbringen wir im Centro Storico mit seinen engen Gassen und alten Gemäuern. Beim übernächsten Bild sind wir bei der Kathedrale San Matteo angekommen.

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Das letzte Bild unserer nächtlichen Erkundungstour zeigt die ehemalige Kirche Santa Sofia, sie war Teil eines Klosters, heute wird der Bau für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt.

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Tag 4: Salerno – Florenz – Mailand – Lugano – Zürich – Weinfelden - Konstanz

Heute steht die Rückfahrt an den Bodensee an. Und die hatte mir bei der Planung etwas Kopfzerbrechen bereitet. Wir sind am Sonntag nach dem Brückentag zu Christi Himmelfahrt unterwegs. Christi Himmelfahrt ist zwar in Italien kein Feiertag, aber in der Schweiz. Mit etwas Mut zum Risiko hinsichtlich gestückelter Fahrkarten finden sich schließlich doch noch Alternativen zu ausgebuchten bzw. überteuerten Zügen.

Wir haben unweit des Bahnhofs übernachtet und machen uns nach dem Frühstück auf den Weg zur Stazione.

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Hier startet der .italo nach Venedig, am Bahnsteig steht ein ETR 675 von Alstom bereit. Die 250 km/h schnellen Triebzüge sind auch unter dem Namen „Italo EVO“ bekannt. Die gehören zwar zur Pendolino-Serie, verfügen aber nicht über Neigetechnik.

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Für die Strecke bis Florenz lockt ein attraktives Angebot im Club-Bereich, das lassen wir uns nicht entgehen. Für die nächsten knapp 4 Stunden machen wir es uns auf den roten Ledersesseln bequem.

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Das nächste Bild entstand irgendwo in Kampanien zwischen Salerno und Neapel. Der Zug scheint einen großzügigen Fahrplan zu haben; in Neapel, Rom und Florenz werden jeweils die zentralen Kopfbahnhöfe mit Fahrtrichtungswechsel bedient.

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Auf der weiteren Fahrt stellen sich blauer Himmel und Sonnenschein ein. Beim nächsten Bild blicken wir vom Zug auf die Ruine von Castello di Borghetto bei Civita Castellana. Die Bahnstrecke folgt dem Tal des Flusses Tevere, besser bekannt unter dem deutschen Namen Tiber. Kaffee und Gebäck machen den Reisegenuss perfekt.

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Die Bahnstrecke quert den Tiber mehrfach. Der drittlängste Fluss Italiens entspringt im Apennin und fließt durch Rom ins Tyrrhenische Meer. Auf dem übernächsten Bild passieren wir die mittelalterliche Festungsanlage Castelvecchio di Bomarzo-Veduta auf einem Hügel über dem Tibertal. Bald darauf erreichen wir die Toskana.

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In Florenz verlassen wir den Zug, hier haben wir nun eine knappe Stunde Aufenthalt. Wir nutzen die Zeit für ein paar Schritte rund um den Bahnhof. Gegenüber des Bahnhofs liegt die Basilika Santa Maria Novella, ihre Renaissance-Fassade wurde im Jahr 1470 fertiggestellt.

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Nach der Basilika ist auch der Hauptbahnhof von Florenz benannt. Von dort geht es für uns weiter in Richtung Norden. Für die Strecke Florenz-Mailand hatte wieder .italo den besseren Preis, wir treffen erneut auf einen ETR 675. Die Flotte von .italo umfasst insgesamt 26 Stück der Triebzüge.

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Der erste Teil der Bahnfahrt verläuft fast komplett im Tunnel, von der 78 Kilometer langen Schnellfahrstrecke von Florenz nach Bologna sind 72 Kilometer unter der Erde. Die weitere Strecke führt über die Po-Ebene nach Mailand.

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Die Weiterfahrt von Mailand in Richtung Schweiz wird zu meiner Überraschung zu einer Zitterpartie. Da der Eurocity ausgebucht oder zu teuer war (das weiß ich nicht mehr genau) wähnte ich mich mit der Kombination aus Regionalzug ab Mailand und Intercity ab Lugano auf der praktikablen Seite.

Das Abfahrtsgleis des Regionalzugs von Mailand in die Schweiz ist abgesperrt, die Anzeigetafel verkündet „Sold out“ und eine Armada aus Bahnpersonal und Security lässt nur so viele Personen durch wie es Sitzplätze im Zug gibt. Das ist nicht so toll, wenn man weit hinter in der Schlange steht und Zugbindung ab Chiasso hat.
Wir kommen mit dem letzten Schwung gerade noch durch, dann ist Schluss, Ticket hin oder her. Ich kann ja verstehen, dass man eine Überfüllung an einem Hauptreisetag vermeiden möchte, aber die Personenzahl auf die Sitzplätze zu beschränken irritiert mich schon.
Unter diesen Umständen gibt es kein Bild vom TILO-Flirt, beim nächsten Bild sind wir schon in der Schweiz und fahren am Ufer des Luganersees. Die Ortschaft am gegenüberliegenden Ufer ist Campione d’Italia, eine italienische Exklave umgeben vom Kanton Tessin.

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In Lugano wechseln wir auf den Intercity nach Zürich, der knappe Übergang von 4 Minuten ist kein Problem, wobei ein Anschlussbruch hier durch den Sparpreis ab Chiasso abgesichert gewesen wäre. Beim nächsten Bild haben wir den Gotthard-Basistunnel schon hinter uns gelassen und fahren bei Arth-Goldau zu Füßen der Rigi entlang des Zugersees.

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Von Zürich fahren wir nach Weinfelden, auch hier treffen wir wieder auf eine IC2000-Doppelstockgarnitur. Die letzte Etappe über den Seerücken nach Konstanz legen wir mit der S 44 zurück, beim vorletzten Bild blicken wir über das Thurtal in Richtung Appenzeller Alpen, beim letzten Bild taucht schon wieder der heimische Bodensee vor dem Zugfenster auf.

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Und damit sind wir auch am Ende unserer kleinen Tour angelangt. Vielen Dank für das Interesse und das Mitkommen.

Viele Grüße und frohe Ostertage

Tobias

PS: Meine früheren Reiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


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