Über den Malojapass zur Ferrovia Jonica in Kalabrien 2/3 31B (Reiseberichte)

TD, Dienstag, 31.03.2026, 18:15 (vor 3 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum zweiten Teil unserer kleinen Tour nach Kalabrien. Im ersten Teil waren wir mit der Rhätischen Bahn nach St. Moritz gefahren, hatten mit dem Postauto den Malojapass überwunden und die Bahnstrecke von Chiavenna nach Mailand erkundet.

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Nun fahren wir von Mailand über Reggio di Calabria und auf der Ferrovia Jonica nach Crotone in Kalabrien.


Tag 2: Mailand - Villa S. Giovanni - Reggio di Calabria - Crotone

Im Bahnhof Milano Centrale besteigen wir den InterCityNotte 1963 zur Fahrt in den Süden Italiens. Auf uns wartet ein Excelsior-Abteil im Schlafwagen.

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Das letzte Bild aus dem Zugfenster entsteht bei der Querung des Flusses Po. Der Schlafwagenbetreuer hat inzwischen auch Reise-Kits, Snacks und Wasser gebracht.

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Der Zug fährt über Bologna, Florenz, Rom und Salerno in Richtung Kalabrien. Als wir am nächsten Morgen den ersten Blick aus dem Zugfenster werfen, sieht es draußen sehr nach den Apenninen aus. Für die Morgentoilette gibt es eine Dusche im Abteil.

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Beim nächsten Bild fahren wir auf der Ferrovia Tirrenica Meridionale durch Kampanien, der Fluss müsste der Mingardo sein. Auf dem übernächsten Bild sehen wir die Insel Isola di Dino im tyrrhenischen Meer.

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Unterdessen wird das Frühstück gereicht. Mit der italienischen Zeitung kann ich mangels Sprachkenntnissen nicht so arg viel anfangen, da genießen wir lieber den Blick aus dem Zugfenster aufs Meer.

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Die Ferrovia Tirrenica Meridionale wurde zwischen 1883 und 1895 gebaut, sie führt als Teil der Nord-Süd-Verbindung von Salerno nach Reggio di Calabria und dient auch der Anbindung Siziliens. Sie führt abwechslungsreich mal durchs hügelige Hinterland, mal direkt an der Küste. Es gibt zahlreiche Kunst- und insbesondere Tunnelbauten.

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Gegen 10:40 Uhr verlassen wir in Villa S. Giovanni den Zug. Der Zug wird von dort über die Straße von Messina trajektiert und fährt weiter bis Siracusa auf Sizilien. Diese Tour hatten wir 2015 gemacht (zum Reisebericht).

Wir wollen nun ins rund 15 Kilometer entfernte Reggio di Calabria, wo der Intercity entlang der Südküste Kalabriens startet. Diese 15 Kilometer hatten mir bei der Planung einiges Kopfzerbrechen bereitet, denn in der Zeitlage zwischen Ankunft des Nachtzugs und Abfahrt des Intercitys fahren keine Züge der Trenitalia zwischen beiden Städten. Es hätte allenfalls einen italo-Zug gegeben mit knappem Übergang in Reggio di Calabria, darauf wollte ich mich nicht einlassen. Und so lautete der Plan: wir fahren mit dem Taxi von Villa S. Giovanni nach Reggio di Calabria.

Wir wähnen uns nun in einer klischeebehafteten Komödie aus Süditalien, denn der Taxifahrer lädt zusätzlich noch eine Nonna samt Einkäufen ins Auto, die nun als erstes nach Hause gefahren wird, das liege am Weg. Den Taxameter schaltet er erst bei der Auffahrt auf die Autobahn ein, so dass wir durch den Umweg durch das Wohnviertel bis auf den Zeitverlust keinen Nachteil haben. Unser Aufenthalt in Reggio di Calabria fällt dadurch etwas kürzer aus, wir sind aber rechtzeitig am Bahnhof.

Reggio Calabria Centrale ist der größte Bahnhof in Kalabrien. Das aktuelle Empfangsgebäude wurde 1938 eröffnet und wurde 2020 grundlegend saniert.

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Und hier treffen wir nun auf einen der Gründe für die Reise nach Kalabrien: einen der letzten Fernverkehrszüge in Italien mit Diesellokomotive.

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Ich bin allerdings fast etwas enttäuscht, dass der Zug mit drei Wagen verkehrt. Denn die Intercity auf der Strecke sind sonst häufig nur mit zwei Wagen unterwegs, da wird es nichts mit dem Titel „kürzester Fernzug“ für die Überschrift des Reiseberichts.

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In den folgenden gut drei Stunden umrunden wir gemütlich die Stiefelspitze des italienischen Festlands. Die Strecke verläuft über weite Etappen direkt an der Küste des Ionischen Meeres. Bei der Fahrt durch Dörfer und Städte entlang der Strecke bleibt nicht unverborgen, dass Kalabrien die ärmste Region Italiens ist.

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Dem Ionischen Meer verdankt die Bahnstrecke auch ihren Namen Ferrovia Jonica, sie verbindet Reggio di Calabria mit Taranto. Die Strecke wurde zwischen 1866 und 1875 abschnittsweise eröffnet, sie war damals die einzige Verbindung zur Südspitze Italiens und eröffnete der Region im Handel mit Südfrüchten neue Märkte. Mit der Eröffnung der Bahnstrecke von Reggio di Calabria nach Salerno verlor die Ferrovia Jonica jedoch rasch an Bedeutung.
Beim nächsten Bild passieren wir den Leuchtturm Faro di Capo Spartivento, er steht an einem der südlichsten Punkte des italienischen Festlands und war aufgrund starker Winde und Strömungen wichtig für die Schifffahrt.

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Auf der letzten Etappe unserer heutigen Tour nimmt die Bahnstrecke eine Abkürzung durchs Hinterland. In der Ferne sind die Ausläufer des Gebirgsmassivs Sila zu erahnen. Mit 83 Metern über Meer liegt hier der höchste Punkt der Ferrovia Jonica.

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Bahnhof, Küste, Altstadt und etwas touristische Infrastruktur waren die Kriterien für die Auswahl des heutigen Übernachtungsstopps. Gewonnen hat die 60.000-Einwohner-Stadt Crotone. Der Ort wurde Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. von achäischen Griechen unter dem Namen Kroton gegründet. Bekannt ist die Stadt als Wirkungsort von Pythagoras, der hier seine philosophische Schule gründete. Das heutige Crotone verfügt über einen Hafen und gilt als Handelszentrum für landwirtschaftliche Produkte.
Beim nächsten Bild sind wir an der Kathedrale von Crotone angekommen.

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Der Rest des Tages verbringen wir zwischen Altstadt und Küste. Crotone ist nicht ganz so touristisch wie andere Küstenstädte. Es ist etwas frisch, für Mai hätte ich in Süditalien wärmere Temperaturen erwartet.

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In der Stadt finden sich zahlreiche Kirchen, beim nächsten Bild sind wir an der Chiesa dell'Immacolata angekommen, sie wurde 1554 auf den Überresten eines älteren Sakralbaus errichtet.

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Zufallstreffer! Da haben wir mit unserer Reise doch zufällig den Festtag zu Ehren der Madonna di Capo Colonna, der Schutzpatronin der Stadt, erwischt. Zu solchen Festen werden in Süditalien aufwändig gestaltete Luminarie-Lichtinstallationen aus Holz oder Metall aufgeboten. Und so kommen wir in den Genuss unter Lichtbögen zu wandeln und Lichtkunst an den Gebäuden zu entdecken.

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So, damit sind wir am Ende dieses Teils angelangt. In den nächsten Tagen folgt der dritte und letzte Teil, darin erkunden wir die weitere Strecke der Ferrovia Jonica und fahren mit einem Zwischenstopp in Salerno nach Hause.


Viele Grüße


Tobias

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


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