Über den Malojapass zur Ferrovia Jonica in Kalabrien 1/3 40B (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
nachdem wir zuletzt einen sonnigen Herbsttag mit Bahnwandern an der Lötschberg-Südrampe und bei der Ferrovia Vigezzina verbracht haben, kommen wir nun zu einer Reise aus dem Mai 2023.
Im Sinne der Transparenz muss ich zugeben, dass die meisten Bilder im ersten Teil gar nicht aus dem Mai 2023 sind, sondern aus dem Mai 2025. Und zwar hatten wir bei der Tour 2023 die Anreise nach Mailand über den Malojapass geplant. Nachdem der Wetterbericht für das Engadin jedoch sehr schlecht war, hatten wir kurzfristig umgeplant und waren auf direktem Weg nach Mailand gefahren. Die Etappe über den Malojapass hatte mich aber doch interessiert, so dass wir diese im letzten Jahr nachgeholt haben.
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Im ersten Teil fahren wir von Konstanz über St. Gallen und Landquart nach St. Moritz und von dort mit dem Postauto über den Malojapass nach Chiavenna in Italien. Über Colico fahren wir nach Mailand und besteigen dort den Nachtzug nach Villa S. Giovanni. Am zweiten Reisetag fahren wir über Reggio di Calabria nach Crotone. Der dritte Reisetag führt uns nach Salerno, am vierten Tag treten wir den Heimweg über Florenz, Mailand und durch den Gotthard-Basistunnel an.
Tag 1: Konstanz – St. Gallen – Landquart – St. Moritz – Chiavenna – Colico – Mailand
Schnellster Weg vom Bodensee nach Mailand ist zweifelsohne die Strecke durch den Gotthard-Basistunnel. Allerdings auch recht langweilig. Ich habe mittlerweile schon recht viele Alternativen der Alpenquerung durch, heute wollen wir mal die Fahrt über den Malojapass in Kombination mit der Bahnstrecke Chiavenna-Colico ausprobieren.
Wir starten morgens am Bahnhof von Konstanz und fahren mit einem GTW von Thurbo nach St. Gallen. Der RegioExpress befährt bis Romanshorn die Seelinie, dann geht es durchs Hinterland hinauf nach St. Gallen.
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In St. Gallen wechseln wir auf einen Traverso-Gliederzug der Südostbahn (SOB). Der Zug verkehrt als IR 13 „Alpenrhein-Express“ nach Chur. Wir nutzen den Zug bis Landquart. Die Route führt von St. Gallen wieder hinab zum Bodensee und folgt anschließend dem Alpenrhein flussaufwärts. Bei Bad Ragaz queren wir den Fluss.
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Capricorn ist die rätoromanische Bezeichnung für den Steinbock, das Wappentier des Kantons Graubünden. So heißen auch die vierteiligen Triebzüge der RhB, die auf der Davoserlinie eingesetzt werden.
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Mit dem Capricorn-Triebzug fahren wir zunächst auf dem Talboden des Rheintals nach Osten, dann geht es durch den Chlustunnel in das Prättigau. Weiter folgt die Bahnstrecke dem Fluss Landquart nach Klosters.
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Durch den gut 19 Kilometer langen Vereinatunnel fahren wir ins Engadin. Das soll hier kein reiner RhB-Reisebericht werden, daher beschränke ich mich etwas bei der Zahl der Bilder – interessante Ausblicke gäbe es genug. Beim nächsten Bild sind wir im Oberengadin und blicken zum Kirchturm von Zuoz, links der Inn.
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Nach der Ankunft in St. Moritz wechseln wir zum Postauto nach Chiavenna. Die Linie 604 nach Italien verkehrt stündlich, sie ist auch als Maloja–Bergell/Bregaglia-Linie bekannt. Die Route folgt zunächst dem Inn, der hier Sela genannt wird. Auf dem übernächsten Bild sehen wir das Schloss Crap da Sass am Ufer des Silvaplanersees.
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Die Engadiner Seenplatte umfasst vier Seen, beim nächsten Bild blicken wir durch das Busfenster auf den Silsersee. Der See liegt auf knapp 1.800 Metern über Meer, er ist umgeben von den Berggipfeln des Oberengadins.
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Während der Bus bisher auf den Uferstraßen entlang der Seen unterwegs war, ändert sich nach dem Halt in Maloja der Landschaftscharakter deutlich, auf drei Kilometern windet sich die Straße durch 13 teils enge Serpentinen hinab ins Bergell. Gerade das ist eine Besonderheit des Malojapasses: die Nordseite von St. Moritz her ist flach und kommt ohne Kehren aus, die Südrampe hingegen ist sehr steil.
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Im frühen 18. Jahrhundert gab es die Idee eines Maloja-Inn-Alpenquerkanals, der eine Schiffsverbindung von Wien nach Mailand herstellen sollte. Durchsetzen konnte sich das Projekt jedoch nicht. Etwas realistischer waren Pläne für eine Bahnlinie über den Malojapass, zumindest wurde 1889 die Konzession für eine Eisenbahnstrecke von Samedan nach Chiavenna erteilt, realisiert wurde die Strecke allerdings nicht. Auch spätere Bahnprojekte, die über den Pass führen sollten, scheiterten.
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Wir fahren durch das tief eingeschnittene Tal des Flusses Mera zwischen den Bergeller Alpen im Süden und den Rätischen Alpen im Norden. Die Route führt durch einige nette Dörfer im Bergell, beim nächsten Bild queren wir die Mera in Promontogno.
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Nun kündigt sich das Dorf Castasegna an, das ist der letzte schweizerische Ort auf der Busrotue, am südlichen Ortsrand queren wir die Grenze zu Italien. Auf die Frühlingssonne freut man sich hier besonders, denn der Ort liegt zwei Monate im Winterschatten.
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Knapp 10 Kilometer sind es jetzt noch bis Chiavenna. Wir fahren hier durch das Val Chiavenna, wie der italienische Teil des Bergells auch genannt wird. Interessant auch, wie sich während der Fahrt die Vegetation ändert, die alpinen Lärchen sind Kastanienwäldern gewichen, in Chiavenna begegnen uns nachher schon Palmen.
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Nach 1 Stunde und 43 Minuten erreicht das Postauto den Ort Chiavenna. Das nächste Bild ist noch aus dem Bus heraus entstanden, auf dem Weg zur Endhaltestelle am Bahnhof quert die Linie den Fluss Mera.
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Zugegeben, es gibt schnellere Verbindungen für eine Reise nach Italien und eine Busfahrt über einen Pass mit Serpentinen ist vielleicht auch nicht jedermanns Sache. Wer sich aber auf diese Route einlässt, dem sei ein Zwischenaufenthalt in Chiavenna empfohlen.
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Die Kleinstadt ist umgeben von Berghängen, sie ist für ihren historischen Stadtkern bekannt und hat sich einer Bewegung zur Entschleunigung und Erhöhung städtischer Lebensqualität angeschlossen. Mitten durch das Zentrum fließt die Mera.
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Neben engen Straßen und Gassen sowie mehreren Kirchen gehört der Palazzo Balbiani zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten, die schlossähnliche Residenz trägt den Beinamen Castello.
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Neben der Fahrt über den Malojapass und den Besuch in Chiavenna hat diese Route noch einen weiteren positiven Aspekt: wir können die Bahnstrecke von Chiavenna nach Colico befahren. Der nördliche Endbahnhof der Stichstrecke wurde 1886 eröffnet.
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Auf der Strecke nach Colico pendelt ein ETR 204, die Züge vom Typ Coradia Stream sind seit dem Jahr 2020 bei Trenord unterwegs. Die Triebzüge sind in Italien teilweise als „Pop“ bekannt, Trenord nutzt hingegen die Bezeichnung „Donizetti“ als Reminiszenz an den aus der Lombardei stammenden Komponisten Gaetano Donizetti.
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Die Bahnstrecke ist eine würdige Fortsetzung der landschaftlich reizvollen Fahrten mit RhB und Postauto: wir fahren am Ufer des Lago di Mezzola und über die Schwemmebene der Mera.
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Zur Zeit ihrer Eröffnung waren die Strecke von Colico nach Chiavenna und die Veltlinbahn nach Tirano noch nicht an das restliche Bahnnetz Italiens angebunden, den Anschluss stellte die Schifffahrt auf dem Comer See her. 1902 wurde die Strecke mit Dreiphasenwechselstrom elektrifiziert und gehörte damit zu den ersten Hochspannungselektrifizierungen der Welt.
Auf dem übernächsten Bild queren wir kurz vor Colico den Fluss Adda.
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Der Zug aus Chiavenna endet in Colico. Zur Weiterfahrt wechseln wir zu Binario 1. Mit etwas Verspätung trifft dort ein Jazz-Triebzug von Tirano nach Mailand ein.
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Landschaftlich nicht minder reizvoll fahren wir auf der Veltlinbahn entlang des Comersees weiter nach Süden und über Monza nach Mailand.
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In Mailand bleibt Zeit, um mit der U-Bahn ins Zentrum zu fahren und eine Runde um den Dom zu drehen. Dann steht der nächste Programmpunkt an, nämlich…
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…der Nachtzug in Richtung Villa S. Giovanni.
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Aber dazu mehr in den nächsten Tagen im zweiten Teil des Reiseberichts.
Viele Grüße und einen schönen Sonntag
Tobias
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