[AT][NL] - The Next Chapter (m.23 B.) (Reiseberichte)
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Dies war ein alltäglicher Anblick für mich im letzten Semester. Morgens in der Früh im Regionalexpress nach Wien fahren, um an der Uni meine Vorlesungen zu hören. Mal hole ich im Zug den Schlaf nach (dafür nutze ich dann den Schal als Augenbinde), oder ich lerne noch was oder arbeite an etwas... oder ich schau einfach aus dem Fenster heraus in die Morgendämmerung.
Anderthalb Stunden kann man auf vielfältige Weise nutzen, etwa indem man auch mit anderen ins Gespräch kommt, was ich super gern tu.
Das Bahnfahren brachte mir Struktur in den Alltag, ich stehe gegen 5 Uhr auf, frühstücke, mach mich fertig, komme mit Bus und Bahn bei jedem Wetter ans Ziel. Es ist nicht so, als ob ich mir irgendwie extra Puffer bei der Anreise noch einplane, wenn der Zug, den ich mehrmals pro Woche nahm, ausgefallen wäre, so wäre ich womöglich verspätet zur Prüfung gekommen oder zum Termin. Aber es hat einfach funktioniert. Wobei manchmal auch der Zug ausgefallen ist, wenn ich den zufälligerweise nicht brauchte, andere Züge scheinen auch eher auszufallen, wie man von Fahrgästen hört.
Einmal etwa nahm ich einen Zug, den ÖBB Scotty zunächst als Teilausfall markierte. Da hab ich mitgehört, wie jemand am Telefon bei den ÖBB sich beschwerte und einen Termin in der Konzernzentrale verlangte. Da kam man natürlich auch ins Gespräch. Dort hatte er das Glück, eh in der Nähe des Bahnhofs zu wohnen, wodurch man auch adhoc noch den Zug dennoch nutzen konnte, nachdem später die Meldung korrigiert wurde.
Es ist übrigens auch so, dass es mal vorkam, dass der Zug für 1-2 Wochen wegen Bauarbeiten umgeleitet wurde und auf Scotty man das zunächst nicht vorfand. Das musste der Zugbegleiter kitten...
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Es war ein schönes Semester. Viel zu tun, aber das Ergebnis ist am Ende ziemlich befriedigend.
An dem Tag war ich erfreut, dass es ein modernisierter Dosto mit Displays und USB-C-Steckdosen war.
Und so ging es voran. Doch an jenem Tag würde ich nicht mehr zurück nach Tschechien fahren... und an jenem Tag war ich auch mit schweren Gepäck beladen, weswegen ich dann doch das Unterdeck bevorzugte.
Und während ich so meine Gedanken denke, am Handy vielleicht noch rumspiele, geht die Reise voran. Station für Station, voll wurde es bis Wien nicht, erst auf der Stammstrecke wurden die freien Plätze langsam etwas rar. Aber nichts dramatisches. Ich steige in Wien Mitte aus, nehme die U-Bahn... und hatte Glück, dass ich sie zur richtigen Zeit nutzte, denn man kam gerade an einem eingleisigen Abschnitt durch. Weil zum dritten Mal in der Woche auf meiner U-Bahnstrecke ein Zug älterer Baureihe liegenblieb... wobei ich sonst eher gute Erfahrungen mit der Wiener U-Bahn hatte.
Aber ich kam durch und so ging es zum letzten Termin an meiner Uni. Von 9 Uhr bis 10 vor 5 mit Mittagspause auf der letzten Lehrveranstaltung. Ich habe meinen Professor in Wien - und auch dort, wo ich am nächsten Tag ankomme, schon Monate im Voraus über meine terminliche Situation in Kenntnis gesetzt.
Denn es ist so: planmäßig ist die eine Veranstaltung am einen Ort um 17 Uhr fertig, am nächsten Ort, Luftlinie fast 900 Kilometer entfernt, sollte ich um 10:30 da sein. Und aus Prinzip habe ich mich gegen das Flugzeug entschieden.
Ich habe Monate Zeit gehabt, alle möglichen Szenarien mir da auszumalen, so sah ich mich zumindest mental vorbereitet, sollte mal was schiefgehen. Verpasse ich einen Anschluss, werde ich halt etwas später ankommen, als geplant. Natürlich hoffe ich auf's beste, aber nichtmal auf der besten Bahn der Welt würde ich keinen Plan B haben wollen.
Die größte Sorge war da eigentlich, dass mir gerade da die U-Bahn einen Strich durch die Rechnung machte. Denn wenn da was wäre, stünde ich ohne gültige Fahrkarte dar... nicht so gut wäre das gewesen.
Aber das war nicht das Problem. Ich kam die eine Station mit der U-Bahn problemlos durch, stieg in den ICE ein und fand mir, ich habe 1. Klasse gebucht, recht unkompliziert einen Platz.
Pünktlich geht es los, ich schaue mich so um, wollte wissen, ob in der "Lounge" noch Platz frei war...
aber nee.
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Da haben 2 Leute einfach mal jeweils 3€ investiert, um in diesem ICE in der ersten Klasse garantiert die halbe Stunde in der Lounge verbringen zu können. Auch ein Flex...
In St. Pölten konnte ich einen Blick auf den Westbahn-Puma erhaschen...
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ich hab den schonmal nutzten können, solides Produkt ist es ja.
Aber für mich geht es weiter im ICE. Ich hab den ICE-T ziemlich gerne. Auch weil er der eine ICE ist, mit dem ich am ehesten in Berührung kam die letzten Jahre. Was waren das für Reisen von Wien über Nürnberg, Coburg, Erfurt und Berlin nach Hamburg oder von Hamburg über Hannover und Würzburg nach Wien... ich liebe den Zug, er ist so elegant, so zeitlos schön gestaltet, ein Zug mit Stil, wie ich finde. Vom Anfang bis zum Ende. Wobei ich mit dem großen Koffer auch nur in der ersten Klasse grad so genug Platz vorfand. Aber das liegt wirklich an meinem Koffer, ist auch keine Alltagsreise, da kann man es verzeihen, wenn das nicht so leicht geht (und im Flieger müsste man nicht wenig extra zahlen, den mitzunehmen).
Ich hätte mir im Bordrestaurant wohl alles mögliche an Speisen und Getränken besorgen können, aber ich hatte eh ein gutes Mittagessen, da braucht es nicht viel für den Abend...
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Bis Nürnberg war der Zug gut belegt. Nicht überfüllt oder so, aber die erste Klasse ist ja nicht besonders groß bemessen hier. Dennoch hätte es immer freie Plätze gegeben. Ich hab natürlich nix reserviert. Aus Prinzip.
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Und nachdem hinter Nürnberg es spürbar leerer wurde, konnte ich endlich eines der offenen Abteile mal nutzen...
Hab ich schon erwähnt, dass ich den ICE-T liebe? :)
Aus irgendwelchen Gründen, konkret wurde nix benannt, kam eine Verspätung von so 15-20 Minuten daher.
Wär natürlich toll, wenn das meine über eine Stunde Wartezeit verkürzen würde, aber... nö. Dazu komme ich aber später.
Ausgestiegen bin ich in Hanau. An einem Bahnsteig, der einen Aufzug hätte... aber der funktionierte nicht. Dafür war der Durchgang nett gestaltet. Es gibt auch einen Aufenthaltsbereich drinnen. Den Bahnhof fand ich ganz in Ordnung.
hätte vielleicht sogar einkaufen können, wenn ich vor Mitternacht reinkam. Aber das habe ich verdaddelt. Keine große Sache aber, ich brauch keinen Mitternachtssnack und hab mich ja schon vorher ein wenig eingedeckt ^^
Ich hab ursprünglich gedacht, geh ich doch mal ins Stadtzentrum und besuche die Statue der Brüder Grimm... aber da dachte ich nicht dran, dass ich doch einen eher schweren und sperrigen Koffer mitnehme und bei dem kalten Wetter ich lieber am Bahnhof abhänge.
Und warte. Und warte...
Aber ich war nie alleine, am Bahnhof von Hanau war nämlich noch ein Mitarbeiter der DB zugegen. Ich kam auch noch mit anderen Leuten ins Gespräch, unter anderem holt jemand wen ab, der mit einem stark verspäteten Zug noch ankam, weil anscheinend Personen sich irgendwo im Gleisbereich befanden und für Verspätungen und Verwirrung sorgten...
ich dachte, hey warte ich doch am Bahnsteig auf dem vorgesehenen Bereich, damit ich schnell in den Zug kam. Also an einen Bahnsteig hochgegangen, der keinen Aufzug hatte... mir hat wer angeboten zu helfen, aber ich kam alleine zu Recht (hatte einen großen, schweren, den manche wohl als Schrankkoffer bezeichnen würden, und einen kleinen leichteren Koffer...)
Aber nee, der Zug verspätete sich mehr und mehr. Ich habe natürlich die richtigen Klamotten für's Wetter gehabt, das machte mir wenig aus.
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Und ich hätte wohl vielleicht sonst nicht einen Nachtzug mit Nightjet-Wagen sowie SBB- und CD-Wagen gesehen ^^
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Im Nachhinein könnte man meinen, das Plakat hat schon was angedeutet ^^
Aber irgendwie schon doof, offenbar fuhr der ICE einem RE oder so auf und konnte nicht überholen. Weil er halt wegen der Verspätung seinen Slot verpasst. Nachvollziehbar, aber mäßig toll.
Aber er kam an, nachdem kurzfristig der Bahnsteigwechsel kommuniziert wurde und ich dann doch die Hilfe von wem anderen in Anspruch nahm. Der Zug kam bereits an, ich wollte weder irgendein Risiko eingehen, noch der Grund sein, wieso die Abfahrt sich verspätet, weswegen ich in der zweiten Klasse einstieg, mich zur ersten Klasse durchkämpfte und dabei entzückt herausfand, dass es ein Catering in der Nacht gab :)
Ich habe für die folgende Geschehenisse grad spontan keine Bilder parat. Ich hoffe, meine Erzählung vermag das zu kompensieren.
Ich fand mich in einem angetriebenen Wagen erster Klasse wieder. Ich hätte jeden Wagen nehmen können, überall gab es genug Platz für alle. Und ich lieeebe einfach den Motorensound im ICE 4.
Ich richtete mich ein, nutze wieder meinen Schal als Augenbinde und entspanne etwas zu den sanften Geräuschen der Lüftung und des Motors. Es war... sehr meditativ. Schlafen konnte ich aber nicht wirklich, aber es macht schon was aus, dass man sich entspannen, zur Ruhe kommt.
Man schlängelt sich durch die Kinzigtalbahn durch und hält irgendwann außerplanmäßig in Fulda.
Ich dachte, ok, vielleicht ein Betriebshalt oder so. Die Verspätung stieg schon auf 45 Minuten. So würde ich meinen Zug nicht mehr erreichen.
Ich dachte mir, cool, schau ich in Kassel einfach weiter, wie es wirklich ausschaut. Doch... der planmäßige Halt in Kassel-Wilhelmshöhe sollte nie erreicht werden, keiner wusste es im Zug. DB Navigator sagte an, es wird in Kassel gehalten, auf dem Monitor wurde Kassel angezeigt, die Zugbegleiter haben keine andere Information erhalten...
bis ich dann spontan auf Google Maps den Laufweg anschaute und hinter Bebra feststellte, dass irgendwas nicht stimmte. Ich habe auf openrailwaymap.org nachgeschaut und auch auf dem Monitor, der ja die Karte gelegentlich anzeigte, war ich mir sicher: der Zug wurde - ohne Wissen von irgendwem an Bord (abseits vielleicht vom Lokführer) - umgeleitet auf direktem Wege nach Göttingen!
Es gab keine Information dazu. Also fragte ich die 2 Fahrgäste weiter vorne, die die Fahrt über erstaunlich wach blieben, ob sie denn nach Kassel wollten, erstmal wollten sie es nicht glauben, später sahen sie es aber selbst, dass tatsächlich ihre Reise sich verlängern wird. Ich hab dann weiter geschaut, natürlich ohne irgendwen aufzuwecken, auch wer anderes hat das bemerkt. Sorgt natürlich für Frust.
Und so kam ich letztlich ins Gespräch mit einem Zugbegleiter, der das Catering schmiss.
Jup, hab auch erstmal Augen gemacht, als ich das erfuhr. Es war nämlich so:
In Frankfurt Flughafen sollte noch weiteres Personal zusteigen, doch das hat sich eben verspätet. Soweit, dass es erst ab 1 Uhr dort antreffen würde. Das sah das bereits vorhandene Personal nicht ein, man hat also kurzfristig 4 Wagen verschlossen, um den Zug mit reduziertem Personal führen zu können. Und die verbleibenden 9 Wagen reichten definitiv mehr als aus für die niedrige Belegung.
Es war eines dieser Momente, wo man mit dem Personal ins Gespräch kommt und tatsächlich merkt... man sitzt tatsächlich im selben Zug. Könnte original eine Episode "Boah Bahn" sein. Und ich bin ehrlich gesagt froh drum, dass man diese Ehrlichkeit an den Tag legt und nicht seine Probleme hinter einer lächelnden Fassade zu verbergen versucht.
Letztlich hat die Zugbegleiterin per Ansage mehrmals für die Umstände entschuldigt und ist auf die Fahrgäste zugegangen, dass diese einen Taxigutschein bekommen. Man hätte auch in Göttingen eine Stunde auf den ersten Zug nach Kassel warten können, wenn's drauf ankommt, aber es ist mehr als verständlich, dass man sich darauf eher nicht mehr einlassen mag...
So reduzierte man die Verspätung in Göttingen auf so 15 Minuten oder so. Immerhin hat es irgendwas gebracht dachte ich.
Für mich ging es jedenfalls weiter nach Hannover. Wegen des Unfalls auf der Bestandsstrecke raste man durch die Nacht mit bis zu 250 auf der SFS...
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...um dann im Tunnel in der Gegend um Hildesheim eine gefühlte Ewigkeit stehen zu bleiben, 3 Güterzüge passieren zu lassen und dann, 20 Minuten verspätet und damit nach der Abfahrtszeit meines Anschlusses in Hannover anzukommen.
Dafür hatte ich jetzt gut eine Stunde Zeit, mal den Hauptbahnhof und das Umfeld anzuschauen.
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Das letzte Mal, als ich in Hannover Hbf Fuß gesetzt habe, war es auch nur ein Umstieg und da hab ich wirklich nur den Bahnsteig gewechselt. Mir gefällt es :)
Ein gutes hat mein Anschlussverlust, ich spare mir einen Umstieg, weil mich mein nächster Zug direkt an meinen nächsten Umsteigeort bringt. Und wie sich herausstellte, der ICE, der ab Würzburg planmäßig passend für meinen jetzigen Zug in Hannover ankäme, hat sich noch viel mehr verspätet. Das wäre tatsächlich eines meiner Alternativen gewesen, wenn etwa schon in Nürnberg oder eben Würzburg die Verspätung über eine Stunde wäre oder so... und der ICE, den ich nahm, hat sich in der Abfahrt laut bahn.expert wegen eines Polizeieinsatzes nochmal verspätet, sonst wäre er pünktlich in Berlin angekommen.
Wäre jetzt schön, wenn die Bahnsteigsanzeige auch die richtige Wagenreihung hätte. Ich hab für die erste Klasse einen Sparpreis bezahlt und dementsprechend werde ich die erste Klasse auch nutzen wollen, wenn es sie gibt. Sorgte dafür, dass ich ein bisschen Morgengymnastik hatte, als ich vom zweiten zum siebten Wagen wechselte. Weil der RE1 natürlich auch nach Abfahrtszeit bereitgestellt wurde und ich keine Risiken eingehen wollte. Hat sich vielleicht auch nicht als falsch herausgestellt.
Nach diesem kleinen Aufwärmen gönnte ich mir ein Nickerchen
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Die Verspätung wurde in Bremen Hbf weggefrühstückt (so wie ich in Hannover ein kleines Frühstück hatte, Ditsch sei Dank). Am Ende kam man halbwegs pünktlich in Leer an
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Und wurde von einer rumstehenden 143 im Vintage-Look begrüßt.
Als nächstes geht es in einen Bus...
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dazwischen stieg noch ein Freund zu, mit dem ich dann den letzten Teil der Reise zusammen befuhr.
Und so kam ich eine Stunde später als geplant in Groningen an, nahm flugs den nächsten Bus zur Uni und kam dann 20 Minuten nach Beginn zum Termin an. Ich habe den Professor zeitig vorgewarnt, außerdem war ich auch nicht der letzte, der ankam, da kam wer anderes noch etwas später an. Also auch keine große Sache und man fing eh erst an.
Eine andere Studentin, die dieselbe Lehrveranstaltung wie ich tags zuvor nahm, hat den Flieger genommen.
Nach dem Termin habe ich meinen Koffer in der Studentenwohnung abgeladen, die ich seit dieser Woche bewohne und es ging nach einem kurzen Spaziergang durch die Stadt zur Unterkunft in Weener - stellt sich heraus, dass man jenseits der Grenze günstigere Unterkünfte kriegt als in den Niederlanden.
Das war sie, die Geschichte, wie ich über Nacht ein neues Kapitel in meiner Reise durch das Leben aufschlug. Das sollte es erstmal sein für den ersten Teil. Danke für's durchhalten bis jetzt ^^
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky