[SRB] Erhebliche Qualitätsmängel an Ausbau/Neubaustrecke... (Allgemeines Forum)

J-C, In meiner Welt, Freitag, 06.02.2026, 13:58 (vor 8 Stunden, 56 Minuten)
bearbeitet von J-C, Freitag, 06.02.2026, 13:59

Link (Lok-Report)

Ein interner Bericht, der den Medien zugespielt wurde, legt offen, wie auf Druck des serbischen Präsidenten das chinesische Baukonsortium, auf dem Teilstück zwischen Belgrad und Stara Pazova entlang der Strecke Belgrad - Novi Sad erhebliche Verletzungen von Sicherheitsstandards zustande kamen...

ie durchgeführten Arbeiten sind aufgrund der unzureichenden Technologie, die für den Bau der Fundamente und tragenden Platten verwendet wurde, inakzeptabel. Es wurde nicht die richtige Betonqualität verwendet, die verwendeten Bewehrungsstäbe waren von unzureichender Qualität, und in den meisten Fällen befinden sich die Fundamente nicht an den erforderlichen Positionen", heißt es in dem Bericht.

"Von den 1.200 Pfeilern der Eisenbahnstrecke wurden 700 ohne Genehmigung und ohne Anmeldung der Arbeiten errichtet. 180 Pfeiler wurden überhaupt nicht an einem geeigneten Standort platziert, wobei minderwertiger Beton und minderwertige Bewehrung ohne jegliche Qualitätsprüfung verwendet wurden", sagt Vladimir Obradović, Mitglied der Untersuchungskommission.

Die Inspektion stellte dies ebenfalls fest und erstattete daher Anzeige wegen Wirtschaftsdelikten gegen beide Firmen des chinesischen Konsortiums (CRIC und CCCC) und gegen drei weitere chinesische Staatsangehörige als verantwortliche Personen, während die Inspektorin eine Strafanzeige gegen den serbischen Ingenieur in seiner Eigenschaft als Verantwortlicher für die Durchführung der Bauarbeiten mit folgender Begründung verfasste.

"Der verantwortliche Bauunternehmer hat das Bauwerk unter Verstoß gegen die erteilte Baugenehmigung und die technischen Unterlagen, auf deren Grundlage die Genehmigung erteilt wurde, errichtet und damit eine Gefahr für Leben und Gesundheit von Menschen sowie für Eigentum in großem Umfang geschaffen", heißt es in dem Bericht.

Anstatt sich jedoch an die Staatsanwaltschaft zu wenden, schrieb die damalige Bauministerin Zorana Mihajlović Briefe an den chinesischen Botschafter und chinesische Auftragnehmer, in denen sie auf die bestehenden Probleme hinwies, so die Mitglieder der Untersuchungskommission.

"Ob sie eine Komplizin war oder eine Vereinbarung als kooperierende Zeugin hatte, weiß ich nicht, aber es ist sehr seltsam, dass die Person, die für all dies verantwortlich war, nicht zur Rechenschaft gezogen wird. Anstatt diese Probleme durch unsere Institutionen und unsere Gesetzgebung zu lösen, bittet sie den chinesischen Botschafter, auf diese Firmen einzuwirken, damit sie sich an die Gesetze halten. Und dann sagt man diesen Firmen: 'Großartig, hier ist ein weiteres Milliardenprojekt, an dem Sie arbeiten können' ", sagte Obradović. Das gleiche Konsortium erhielt auch den Auftrag für den Bau der Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke von Novi Sad nach Subotica sowie für die Renovierung des Bahnhofs in Novi Sad.

Ich hatte im Sinn gehabt, mal die Strecke Subotica - Novi Sad auch mal zu befahren. Da fehlt mir aber nun gänzlich das Vertrauen. Sollte da jemals wieder etwas größeres passieren, so wissen wir jetzt bereits, warum.

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

[SRB] Erhebliche Qualitätsmängel an Ausbau/Neubaustrecke...

sflori, Freitag, 06.02.2026, 17:33 (vor 5 Stunden, 21 Minuten) @ J-C
bearbeitet von sflori, Freitag, 06.02.2026, 17:34

Und ich hatte erst SBB gelesen... ;)

Die chinesischen Firmen sitzen halt sehr weit weg von Serbien. Und die Mentalität dort ist eben auch eine andere als in Mitteleuropa. Sehr gerne wird erstmal ausprobiert, stark improvisiert ("gehudelt" heißt bei uns) und dann im Nachhinein geschaut, ob es halt irgendwie reicht und der Kunde es hoffentlich nicht merkt. Da wird sehr gerne verbrannte Erde hinterlassen. Wenn man das nicht weiß und der Gegenspieler (hier die serbische Bauleitung) nicht fachkundig prüft, ggf. massiv stoppt und die Firmen zu Korrekturen zwingt, gehen diese gerne den bequemen Weg.

Der Bericht klingt so, als ob es in Serbien da ein massives Problem bei der unabhängigen Qualitätssicherung gegeben hätte.

Für das Land tut es mir leid, denn da wird bestimmt schon einiges an Geld geflossen sein. Sie befinden sich nun in der unangenehmen Situation, dass sie entweder mit den Chinesen weitermachen oder die Fehler von Unternehmen beheben lassen, die in der Regel deutlich teurer sind als die Chinesen.


Bye. Flo.

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