Vier Tage unterwegs durch Deutschland 2022 | 3/3 m 40 B (Reiseberichte)

TD, Freitag, 30.01.2026, 18:23 (vor 1 Stunden, 31 Minuten)

Hallo zusammen,

willkommen zum dritten und letzten Teil unserer kleinen Tour durch Deutschland. Im vorherigen Teil waren wir von Kiel nach Berlin gefahren und hatten dabei einstellungsbedrohte Strecken in der Prignitz besucht und eine Abschiedsfahrt mit einem ODEG-GTW unternommen.

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Heute drehen wir am Vormittag eine Runde über Eberswalde und die Schorfheide-Bahn nach Templin, bevor wir am Nachmittag die Heimfahrt an den Bodensee antreten.


Tag 4: Berlin – Eberswalde – Templin Stadt – Oranienburg – Berlin – Nürnberg – Donauwörth – Ulm - Friedrichshafen – Radolfzell - Konstanz

Nach dem Regentag gestern sind unsere Sachen wieder halbwegs trocken, über dem Berliner Hauptbahnhof zeigt sich blauer Himmel – so macht die Tour bedeutend mehr Spaß!

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Im Tiefgeschoss des Hauptbahnhofs beginnen wir die Vormittagsrunde mit dem RE 3, eine gute halbe Stunde fahren wir über die Barnimhochfläche bis Eberswalde.

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In Eberswalde wechseln wir auf die RB 63, zur Fahrt nach Templin Stadt steht ein Regioshuttle der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) bereit.

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Der Zug befährt bis Britz die Stettiner Bahn, ab dort geht es weiter auf der Schorfheide-Bahn nach Norden. Die eingleisige Nebenbahn wurde 1898/99 eröffnet, zu den prominentesten Nutzern gehörte Kaiser Wilhelm II. für die Anreise zum Jagdschloss Hubertusstock.

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Hierfür wurde in Joachimsthal der Kaiserbahnhof errichtet, wo die Hof- bzw. Jagdgesellschaften von den kaiserlichen Salonwagen in Kutschen umsteigen und bequem auf kurzem Wege zum Jagdschloss gelangen konnten. Der Bahnhof besteht heute aus zwei repräsentativen Gebäuden, früher gehörte noch ein Hotel zu dem Ensemble, dieses brannte jedoch ab. Auf dem nächsten Bild sehen wir den Kaiserpavillon mit einem geschnitzten Drachen am Giebel.

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Daneben liegt das etwas kleinere Empfangsgebäude. Zu DDR-Zeiten verfielen die Gebäude langsam. Als sich Helmut Schmidt 1981 zum Besuch ankündigte, begann man mit einer äußerlichen Sanierung – diese Arbeiten fanden jedoch ein abruptes Ende als bekannt wurde, dass der Kanzler gar nicht mit dem Zug anreist. Mittlerweile sind die Gebäude denkmalgerecht in der ursprünglichen Farbgebung restauriert.

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Kurz darauf folgt der nächste Halt am bürgerlichen Bahnhof von Joachimsthal, der näher am Zentrum der Kleinstadt liegt. Während bei unserem Besuch eine Zugkreuzung in Joachimsthal stattfindet, ist hier mittlerweile Endstation für die Züge aus Eberswalde.

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Die Bahnstrecke verläuft teilweise am Rand der Schorfheide. Eigentlich sind in der Gegend auch viele Seen wie Grimnitz- und Werbellinsee, die Bahnstrecke verläuft jedoch etwas abseits der Gewässer. Vor rund 12.000 Jahren befand sich hier der Gletscherrand der letzten Eiszeit.

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Über viele Jahre gab es auf der Strecke einen durchgehenden Personenzug von Frankfurt (Oder) bis Schwerin, er führte auch Wagen Schwerin-Moskau, die jedoch nur für sowjetische Militärangehörige nutzbar waren. Diese Ära endete 1991, allgemein brachen nach der Wende die Verkehrsleistungen auf der Strecke ein.

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Auf dem Streckenabschnitt von Joachimsthal bis Templin fand seit Dezember 2018 ein Probebetrieb statt, nachdem die Strecke zuvor bereits mehrere Jahre ohne Personenverkehr war. Bei der Ankunft in Templin Stadt begrüßt uns am Bahnsteig ein Werbebanner für die Verbindung nach Eberswalde. Geholfen hat das allerdings nicht - da die geforderten Fahrgastzahlen während des Probebetriebs nicht erreicht wurden, wurde dieser im Dezember 2022 beendet. Insofern war es wohl eine gute Entscheidung, die Strecke in die Tourplanung aufzunehmen.

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Templin liegt im Norden Brandenburgs, trotz ihrer nur rund 16.000 Einwohner ist sie flächenmäßig die achtgrößte Stadt Deutschlands. Die „Perle der Uckermark“ lädt mit einer historischen Altstadt und einer mittelalterlichen Stadtbefestigung zu einem Zwischenstopp ein. Zu den zahlreichen Toren gehört das Berliner Tor auf dem nächsten Bild, es wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts oder im 14. Jahrhundert errichtet – da sind sich Stadtverwaltung und Wikipedia uneins.

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Die Maria-Magdalenen-Kirche ist bereits das vierte Gotteshaus an dieser Stelle, zwei der Vorgängerbauten brannten ab. 1970 wurde Angela Merkel in der Kirche konfirmiert.

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1735 wurde die Stadt durch einen verheerenden Stadtbrand in Trümmer gelegt. Beim Neuaufbau wurde ein schachbrettartiges Straßennetz angelegt, in jener Zeit entstanden zahlreiche zweigeschossige Fachwerkhäuser. Der Templiner See gehört zu einer Kette großer Seen in der Region.

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Der Templiner Marktplatz wurde im 13. Jahrhundert an der Kreuzung wichtiger mittelalterlicher Handelsstraßen angelegt, auch er bekam nach dem großen Stadtbrand ein neues Gesicht. Das Rathaus wurde im Stil des Barock wiedererbaut.

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Templin hat zwei Bahnhöfe, am zentrumsnäheren Bahnhof Templin Stadt setzen wir unsere Rundfahrt fort. Zur Fahrt auf der Linie RB 12 wartet ein Link-Triebzug der NEB.

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Die Nebenbahn von Templin nach Löwenberg wurde 1888 eröffnet, sie ist eingleisig und nicht elektrifiziert. Beim nächsten Bild fahren wir am Ortsrand von Hammelspring, unübersehbar die Dorfkirche von 1820.

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Bei Zehdenick führt die Strecke durch eine Landschaft künstlicher Teiche und Seen. Sie entstanden aus Tonstichen, wo Tonerde im Tagebau abgebaut wurde. Beim Bau der Bahnstrecke wurden große Tonvorkommen entdeckt, um 1900 war hier eines der größten Ziegeleireviere Europas.

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Während andernorts beim Blick aus dem Zugfenster vielleicht Störche zu entdecken sind, gilt Brandenburg als Kranichland. In den moorig-feuchten Gebieten zwischen Schorfheide und den uckermärkischen Seen finden sich hohe Brutbestände, während des Vogelzugs rasten die Vögel ebenfalls gerne in Brandenburg.

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Die RB 12 fährt nach Berlin Ostkreuz; da wir zum Hauptbahnhof wollen, wechseln wir in Oranienburg auf den RE 5. Mit einem Doppelstocktriebzug der Baureihe 445 (Twindexx Vario) fahren wir auf der Berliner Nordbahn in die Hauptstadt.

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Zur Mittagszeit endet eine schöne Rundfahrt am Berliner Hauptbahnhof, wo wir am Morgen in den Tag gestartet waren. Da bisher alle Anschlüsse geklappt haben, braucht es den hier eingebauten Sicherheitspuffer nicht und es bleibt Zeit für einen kleinen Spaziergang zum Regierungsviertel.

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Üblicherweise fährt man von Berlin über Frankfurt und die Schwarzwaldbahn nach Konstanz. Der Verbindung bin ich etwas überdrüssig, zumal wir am ersten Reisetag bereits über die Schwarzwaldbahn nach Norden gefahren sind. Und so findet sich eine interessante Alternative: wir fahren von Berlin nach München, von dort mit dem ECE nach St. Margrethen und am schweizerischen Bodenseeufer nach Konstanz. Mit einem ICE 1 geht es nun in Richtung Bayern.

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In schneller Fahrt geht es in Richtung Halle, beim nächsten Bild blicken wir irgendwo in den Weiten von Brandenburg oder Sachsen-Anhalt aus dem Zugfenster. Beim übernächsten Bild weiß ich wieder, wo wir sind: wer genau hinsieht, entdeckt den Bergfried von Hohenthurm östlich von Halle.

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Auf der Neubaustrecke Erfurt-Leipzig/Halle befahren wir die Unstruttalbrücke. Das Bauwerk nahm im Jahr 2012 der Rendsburger Hochbrücke den Titel der längsten deutschen Eisenbahnbrücke ab, wurde aber im Folgejahr schon von der Saale-Elster-Talbrücke abgelöst.

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Beim nächsten Bild blicken wir von der Schnellfahrstrecke Erfurt-Nürnberg auf den Froschgrundsee an der Grenze von Thüringen zu Bayern. Weiter geht die Fahrt durch die Ausläufer des Thüringer Walds in Richtung Nürnberg.

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Tja, und hier gibt es nun ein jähes Ende des Bilderreigens. In Nürnberg geht es erstmal nicht weiter, da die Strecke wegen Personen im Gleis gesperrt ist. Als sich abzeichnet, dass das mit dem Anschluss in München nichts mehr wird, schauen wir uns nach Alternativen um. Und die gibt es vermeintlich über Stuttgart: in der App wir der IC nach Stuttgart als pünktlich verkehrend angezeigt, so kämen wir über die Gäubahn nach Hause. Nur taucht der Zug am Bahnsteig nicht auf.
Schließlich steigen wir in einen ICE in Richtung Augsburg und wechseln in Donauwörth auf einen agilis-Zug nach Ulm. Nachdem dieser auch Verspätung hat, mache ich mich schon mit dem Gedanken einer Hotelübernachtung in Ulm vertraut. Aber es geht gut aus, in Ulm wartet der Anschlusszug in Richtung Bodensee und wir kommen via Friedrichshafen doch noch vor Tageswechsel nach Hause. Allerdings sind währenddessen keine weiteren Bilder entstanden, zumal es dann ohnehin bald dunkel wurde.

Gut, dieses unrühmliche Ende hätte es jetzt nicht gebraucht, aber insgesamt war das doch eine schöne Tour. Ich bedanke mich für das Interesse und fürs Mitkommen.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende

Tobias


PS: Meine früheren Reiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


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