Vier Tage unterwegs durch Deutschland 2022 | 2/3 m 53 B (Reiseberichte)

TD, Dienstag, 27.01.2026, 18:34 (vor 2 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum zweiten Teil unserer kleinen Rundfahrt durch Deutschland. Im ersten Teil waren wir von Konstanz über Schwarzwaldbahn, Dill- und Ruhr-Sieg-Strecke nach Münster gefahren und hatten dem Sylt Shuttle plus einen Besuch abgestattet.

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Wir haben in Kiel übernachtet und wollen heute den Fokus auf die Prignitz legen. Wir fahren von Kiel nach Wittenberge und besuchen Wittstock und Meyenburg, anschließend drehen wir eine Runde von Berlin nach Rathenow und Brandenburg.

Tag 3: Kiel – Wittenberge – Wittstock(Dosse) – Pritzwalk – Meyenburg – Pritzwalk – Neustadt(Dosse) – Berlin-Spandau – Rathenow – Brandenburg – Berlin

Der Hauptbahnhof von Kiel am heutigen Standort wurde 1899 eröffnet, nachdem ein Vorgängerbau, der rund 500 Meter nördlich lag, zu klein geworden war. Nach schweren Kriegsschäden wurde das Empfangsgebäude ab 1950 in vereinfachter Form wiederaufgebaut.

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Wir starten mit dem EC 379 „Berliner“ in den Tag, die tschechische Garnitur wird von Frantiček gezogen. Der Eurocity verkehrt von Kiel nach Prag, wir sind jedoch nur für eine Teilstrecke an Bord.

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Wir fahren durch die schleswig-holsteinische Geest nach Hamburg, von dort weiter auf der Hauptstrecke in Richtung Berlin. Und hier nimmt nun das Unheil seinen Lauf: der Zug baut einige Minuten Verspätung auf, was bei einem 6-Minuten-Übergang suboptimal ist.

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Auf ein Foto des Bahnhofs Wittenberge von der Straßenseite hätte ich gerne verzichtet. Aber jetzt stehen wir hier, der Anschluss in Richtung Pritzwalk war weg.

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Gut so etwas kann vorkommen – aber ausgerechnet hier hätte das nicht passieren sollen. Wir wollen ja nach Meyenburg und die Regionalbahn von Pritzwalk dorthin hat am Vormittag eine 3-Stunden-Lücke im Fahrplan. Damit ist nun die komplette Tagesplanung hinüber. Den Plan mit Meyenburg wollen wir aber nicht aufgeben, und so fahren wir mit dem nächsten Prignitz-Express mal in diese Richtung.

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Während der Fahrt durch die Prignitz bin ich am Umplanen und Recherchieren. Der neue Plan ist nun: wir steigen nicht in Pritzwalk aus, sondern…

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…fahren weiter bis Wittstock. Die Bilder des Orts sehen ganz nett aus und mit einem Stadtbummel lässt sich die Zeit ganz angenehm überbrücken. Wittstock empfängt die Fahrgäste mit gleich zwei Empfangsgebäuden, auf dem nächsten Bild sehen wir das jüngere Gebäude, der monumentale Bau wurde 1938 eröffnet.

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Die Wurzeln von Wittstock an der Dosse reichen bis ins 10. Jahrhundert zurück. Die Kleinstadt ist geprägt von einem historischen Stadtkern mit mittelalterlichen Straßenzügen und Fachwerkhäusern.

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Den Mittelpunkt bildet der Marktplatz mit dem Rathaus, der neugotische Backsteinbau in der heutigen Form stammt aus dem Jahr 1905, bei dem Teile des Vorgängers integriert wurden. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die St.-Marien-Kirche aus dem 13. Jahrhundert.

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Schade, jetzt verlässt uns nach dem Anschluss- auch noch das Wetterglück. Auf dem Rückweg zum Bahnhof werden wir nass, auf dem nächsten Bild sehen wir das ältere der beiden Empfangsgebäude. Der Ziegelbau stammt aus dem Jahr 1885.

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Mit dem nächsten Zug der Linie RE 6 – dem Prignitz-Express – fahren wir zurück in die Richtung, aus der wir gekommen waren. Diesmal fahren wir aber nur bis Pritzwalk.

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Nun soll es also endlich von Pritzwalk nach Meyenburg gehen. Die RB 74 wird von der Hanseatischen Eisenbahn (HANS) betrieben, wir treffen auf einen LVT/S.

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Wir fahren weiter durch die Prignitz nach Norden in Richtung der Grenze von Brandenburg zu Mecklenburg-Vorpommern. Die LVT/S bieten die Möglichkeit für einen Blick auf die Strecke; bei der Witterung wollen aber kaum vorzeigbare Bilder gelingen.

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Die Fahrt endet in Meyenburg, der weitere Streckenabschnitt in Richtung Plau am See wird nur saisonal bedient. Bis zur Rückfahrt haben wir nun eine halbe Stunde Zeit um den Ort zu erkunden.

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Der 2.000-Einwohner-Ort liegt an einer alten Handelsstraße, heute ist die Stadt für die Möbelfabrik bekannt, in der die Billy-Regale für IKEA hergestellt werden.
Ich hoffe, ich tue dem Ort nicht unrecht, aber bei strömendem Regen ist es hier nicht besonders schön.

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Auf dem nächsten Bild sehen wir, warum ich unbedingt nach Meyenburg fahren wollte und die Bereisung der Strecke nach dem Anschlussverlust am Morgen nicht verschieben wollte:

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Im Jahr 2022 wurden Überlegungen des Landes Brandenburg bekannt, den Zugverkehr von Meyenburg nach Pritzwalk und weiter Richtung Neustadt/Dosse abzubestellen. Nach Protesten aus der Region wurden die Pläne nicht umgesetzt, aktuell gibt es unter der Woche 5 Zugpaare am Tag, am Wochenende 3.
Meyenburg wurde 1887 an das Bahnnetz angeschlossen, die Verbindung brachte der Stadt einen bescheidenen wirtschaftlichen Aufschwung.

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Im historischen Kontext reicht die Bahnstrecke von Meyenburg über Pritzwalk hinaus bis Neustadt/Dosse, die Strecke wurde 1887 von der Preußischen Staatsbahn eröffnet. Der Abschnitt Meyenburg-Pritzwalk wurde 1946 als Reparationsleistung demontiert aber schon 1949 wieder aufgebaut.

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Zu Zeiten der Deutschen Reichsbahn wurde die Strecke teilweise durchgehend von Neustadt bis Güstrow befahren, in den 1950er und 1960er-Jahren gab es sogar Fernzüge durch die Prignitz, etwa von Rostock nach Karl-Marx-Stadt oder von Rostock nach München.

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Das Bahnhofgebäude von Brügge stammt aus der Eröffnungszeit der Strecke, es steht wie eine Reihe anderer Bauten an der Strecke auf der Denkmalliste.

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Deutlich jünger ist der Haltepunkt Hainholz, er liegt bei einem städtischen Waldpark und ging 2006 für den Ausflugsverkehr in Betrieb.

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Wir wollen auch den Südabschnitt der Strecke von Pritzwalk bis Neustadt erkunden. Da die Regionalbahn-Linien in Pritzwalk gebrochen sind, heißt es nun umsteigen. Als Nebenbahnknotenpunkt verfügt der Bahnhof über ein stattliches Bahnhofsgebäude. Die Anlagen des Bahnhofs wurden 1945 bei der Explosion eines Munitionszugs zerstört, das heutige Empfangsgebäude wurde 1955 eröffnet.

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Auch die RB 73 von Pritzwalk nach Neustadt wird von HANS betrieben, wir treffen wieder auf einen LVT/S. Die Abkürzung steht für Leichtverbrennungstriebwagen/Schienenbus, die 100 km/h schnellen Fahrzeuge wurden 1996-1999 gebaut. Es gibt offenbar Unterschiede in der Ausstattung, diesmal erwischen wir einen Triebwagen mit Toilette.

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Wir befahren nun den Südabschnitt der insgesamt 63,5 Kilometer langen Strecke von Meyenburg bis Neustadt. Auch ein Teil dieses Streckenabschnitts wurde 2022 aus dem Landesnahverkehrsplan gestrichen, blieb dann aber doch erhalten.

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Am Bahnhof Bölzke war einst die Abfertigung von Personen, Reisegepäck und Wagenladungsgütern möglich. 2019 wurde der Bahnhof in einen Haltepunkt umgewandelt.

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Weit ab von der Zivilisation liegt der Haltepunkt Rosenwinkel, er wurde 1905 eröffnet. Das namensgebende 100-Einwohner-Dorf liegt rund 2 Kilometer entfernt.

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Auf dem nächsten Bild sehen wir den deutlich jüngeren Haltepunkt Kyritz Am Bürgerpark aus dem Jahr 2019. Der Streckenabschnitt von Kyritz bis Neustadt steht unter einem besseren Stern, hier wird eine Elektrifizierung für umsteigefreie Verbindungen von und nach Berlin diskutiert.

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Mit dem Bahnhof Neustadt (Dosse) erreichen wir einen Knotenpunkt an der Berlin-Hamburger-Bahn. Das klassizistische Empfangsgebäude hat schon bessere Zeiten gesehen.

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Bis zum Jahr 2003 gab es mit der Brandenburgischen Städtebahn eine Verbindung von Neustadt nach Rathenow, diese Strecke ist mittlerweile stillgelegt und abgebaut. Schade – jetzt hätten wir diese Verbindung brauchen können, denn Rathenow ist unser nächstes Ziel.
So fahren wir nun mit dem RE 2 von Neustadt nach Berlin-Spandau und von dort mit dem RE 4 nach Rathenow. Beide Linien werden von der ODEG mit KISS-Triebzügen bedient.

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Die Fahrten mit RE 2 und RE 4 unterscheiden sich nicht sonderlich, wir treffen auf dieselben Fahrzeugtypen und auch die Brandenburgische Landschaft vor dem Zugfenster ist nicht so arg anders, da können wir uns die Doppelung der Bilder sparen und machen direkt in Rathenow weiter. Und da ist auch schon der Grund für die Fahrt nach Rathenow:

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Die GTW der ODEG fehlen mir bisher in der Fahrzeugsammlung. Wir fahren mit der RB 51 auf dem verbliebenen Abschnitt der Brandenburgischen Städtebahn nach Brandenburg. Ich war seither nicht mehr vor Ort, nach meinem Kenntnisstand sollen die GTW aber mittlerweile durch LINT abgelöst sein, die ODEG hat die GTW im Juni 2023 verabschiedet.

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Eigentlich hatte ich den Städten Rathenow und Brandenburg mehr Zeit widmen wollen, aber der Anschlussverlust vom Morgen wirkt noch immer nach, und so fahren wir direkt und mittlerweile im Dunkeln nach Berlin.

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Mit einem Blick zur Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche beenden wir den Reisetag in Berlin. In den nächsten Tagen folgt der dritte und letzte Berichtsteil, darin widmen wir uns insbesondere der RB 63 auf der Schorfheide-Bahn von Eberswalde nach Templin und anschließend der Rückfahrt an den Bodensee.


Viele Grüße


Tobias

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


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