[CZ] Quo vadis, tschechische Bahn? (m.13 B.) (Reiseberichte)
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Es ist ein Sonntagmorgen, in dem ich in aller Frühe an meinem heißgeliebten Grenzbahnhof aufkreuze. Ich habe noch etwas Zeit, bis es mit einem Freund auf einen Ausflug durch's Land geht, da schaut man sich um und findet den regulär eingereihten SBB-Wagen im Nightjet Berlin - Graz vor.
Den werde ich vielleicht mal auch nutzen, aber nicht heute.
Deutsche "Souvenirs"?
Ein anderer Zug soll es nämlich sein
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Am Tag zuvor wurde der Railjet 177 Berlin - Wien nur bis Breclav geführt, laut vagonweb.cz durfte man dann, der Zug würde planmäßig um 22:47 in Breclav ankommen, die letzten 70 Kilometer in einem Ersatzbus absolvieren. Anscheinend gab es eine technische Störung am Zug, wie es hieß. Wie zu sehen, übernachtete der Zug dann in Breclav und wurde ohne Reinigung (wodurch zurückgelassene Verpackungen und Bierdosen aus Deutschland eben auch noch an Ort und Stelle verblieben) dann wieder Richtung Prag geschickt. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass man zwischen 23 und 6 Uhr am Wochenende nicht woanders den Zug hätte packen können, wo der auch auf den Bahnsteig passen würde. Man hat sich für Bahnsteig 1A entschieden.
Da der Zug ja auch den ersten Railjet nach Prag stellen würde, hat man als Ersatz für den Abschnitt Wien - Breclav einen ÖBB-Railjet gewählt, mit dem mein Freund anreiste.
Man wählte die OneTicket-Tageskarte für umgerechnet etwa 40€, mit der man am Tage grundsätzlich alle Züge aller Betreiber in Tschechien nutzen konnte. Allerdings muss man dennoch ggf. eine Reservierung erwerben.
Platz für alle... die Platz finden
So wie an diesem Tag, wo es zunächst komfortabel bis nach Pardubice ging, ehe man in einen reservierungspflichtigen und kaum belegten IC aus Richtung Ostrava für 21 Minuten nach Kolín fuhr. Eine Reservierung haben wir für 35 Kronen jeweils, also etwas um die 1,50€ erworben. Das wurde auch so kontrolliert und es erfolgten automatische Ansagen im Zug, dass dieser reservierungspflichtig ist. In einem Zug nochmal, der weniger als halb leer war. Verstehe das, wer wolle.
Und damit komme ich zum Titel meines Berichts, denn das ist eines der Neuerungen in 2026, die mir nicht so schmecken. Die tschechischen Bahnen würden wohl am liebsten alle Fernzüge reservierungspflichtig machen, doch bei gemeinwirtschaftlich bestellten Zügen lehnt dies der Besteller völlig zu Recht kategorisch ab.
Beworben wird die Reservierungspflicht bei den eigenwirtschaftlichen Zügen damit, dass nun jeder einen Platz kriegt...
...dass das daran liegt, dass jene, die keinen Platz bekämen, einfach nicht den Zug nutzen dürfen, wodurch flexibles Reisen erschwert wird und Reiseketten verlängert würden, das wird ganz nonchalant verschwiegen. Es ist schon traurig genug, dass das bei Regiojet und Leo von Anfang an so ist, bei der CD hatte ich aber mehr Hoffnung gehabt.
Und das auch für eine Reise von 21 Minuten in Wagen, die einst im EC zwischen Prag und Hamburg fuhren... allerdings ohne Speisewagen.
Kleine Verspätungen traten auf wegen der Baustellen, aber die Umsteigezeiten waren nicht zu klein, das war kein Thema.
Ein Schnellzug aus Fernost
Jedenfalls ging es zum Anschlusszug, für den wir diesen Ausflug planten. Der ist schon seit 2024 mit Fahrgästen unterwegs, aber irgendwie kamen wir einfach bislang nicht dazu, ihn auch mal zu nutzen:
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Der CRRC-Sirius, Hergestellt 2019 für Leo Express, dann nach längerem Zulassungsprozedere erst storniert und dann von RegioJet für den R23 Ústí nad Labem - Kolín übernommen.
Mit dem geht es nach Litoměřice, einer Kleinstadt an der Elbe.
Man nutzte zunächst die reservierungsfreie "LowCost" Klasse, mit Sitzen, die dem Flixtrain oder dem ÖBB-Railjet-Upgrade ähnelten
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Ich fand die Sitze eher hart im Vergleich etwa zum Railjet oder ComfortJet. Wir haben auch die "Stehsitze" angeschaut. Die sind gar nicht soo schlecht, natürlich eher was für Kurzstrecken.
Auf der Reise von mehr als einer Stunde habe ich gemerkt, das würde ich auf längeren Strecken eher nicht nutzen wollen. Da ist eben auch die Kopfstütze zu niedrig, sodass sie in die Schulternreinragt, wodurch man nicht wirklich aufrecht sitzend sich zurücklehnen kann. Immerhin sind sie verstellbar, was etwa beim Flixtrain nicht der Fall ist (und bislang fahren die Flixtrains auch so selten, die hätte ich nichtmal sinnvoll in einer Reise einbinden können, wenn ich es wollte).
Der Zug war an sich ganz ok, einzig die unregelmäßige Beheizung im Wagen fiel auf. An einer Stelle ist spürbar mehr beheizt als an anderer. Ansonsten war die Verarbeitungsqualität ok, die automatischen Ansagen funktionierten, nur die Monitore waren weniger informativ, zeigten sie alle Abfahrten an einem Tag an ausgewählten Stationen an. Es gab dann noch Matrix-Anzeigen, die die tatsächlich nächste Station anzeigten...
Man kommt auch nicht ohne Stufe in den Zug rein, dafür ist der Zug drinnen weitgehend stufenfrei.
Der Zug ist von der Geräuschekulisse bzw. der Laufruhe etwa vergleichbar mit einem Talent 2 oder Interpanter (die neuen RegioPanter wären etwa schon besser). Also jetzt nichts, was irgendwie hochwertiger wäre als andere Züge, aber auch nichts, was irgendwie billig anmutet oder so.
Ein Städtchen an der Elbe
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Man kommt pünktlich an und beschaut sich die Stadt, gibt jenseits der Bilder viele schöne Dinge, die man dort finden kann. Eine Burg, die aber nur an Wochentagen geöffnet ist, eine Kathedrale, die aber verschlossen ist, wenn nicht gerade heilige Messe ist...
Der obere Bahnhof der Stadt verfügt über ein repräsentatives Bahnhofsgebäude mit Bahnhofsrestaurant. Dort verkehrt eine nicht elektrifizierte Nebenbahn.
Der Stadtbahnhof an der Hauptstrecke entlang der Elbe ist jedoch auch nicht zu verachten. Ich hab zwar keine Bilder davon, aber man kriegt dort einen beheizten Aufenthaltsbereich, ein Café, Snackautomaten, personenbediente Ticketschalter der tschechischen Bahnen (die wohl auch für den R23 die Tickets verkaufen), einen Fahrkartenautomaten von Regiojet (wo jedoch der Hinweis dranstand, dass man derzeit keine Papiertickets gedruckt kriegt, stattdessen man gekaufte Tickets per E-Mail zustellen lassen kann), einen Regiojet-Schalter, der aber zu war, natürlich die Informationsmonitore zu den Abfahrten und einen großen Touchscreen des Infrastrukturbetreibers, wo man sich Informationen zum Zugbetrieb anschauen kann, oder auf das Idos zugreifen kann, wo man seine Verbindungen findet.
Also alles in allem ein Bahnhof, wo man sich aufhalten kann, nicht verhungern wird und auch ohne Handy zu Informationen bzw. einem Ticket kommt (also wenn man die Ticketschalter nutzt).
Oder man kann sich über den Touchscreen auf einen Job bewerben bei der Bahnverwaltung, why not?
Wenn das OneTicket dann doch nicht ganz so "One" ist
Auf der Rückfahrt haben wir über die RegioJet-App eine Reservierung für die Relax-Klasse, explizit als Reservierung zu einem OneTicket, erworben. Kostenpunkt, 2€. Wird als 2. Klasse angeboten, wobei drauf steht, dass man dafür ein Regiojet-Ticket braucht. Die Reservierung war von Regiojet und man kann diese Reservierung im Gegensatz zu Verbundfahrkarten explizit auch in dieser Klasse vornehmen.
Der Zugbegleiter hat dies jedoch zunächst beanstandet, anscheinend sollte die Fahrkarte auch von RegioJet sein. Letztlich habe ich es ihm aber demonstrieren können, dass das so nicht ganz klar ist, wenn man das auf der App reserviert und wir konnten bleiben. Das hinterlässt aber auch einen Eindruck auf uns. Es ist nicht so, als ob 2€ irgendwie weniger wären als das, was man sonst als Aufpreis zahlen würde. Im Gegenteil, spontan gebucht beträgt der Preisunterschied nur 60 Cent.
Klar, auf dieser gemeinwirtschaftlich bestellten Fernverkehrslinie kann man dann auch ohne Reservierung eben die "Lowcost"-Klasse nutzen, die sowieso den größten Teil des Zuges ausmacht. Aber irgendwie ist das eben doch schade, dass man sich das so kompliziert macht. Weil dann verliert das OneTicket weiter an Attraktivität, wenn man auf einer gemeinwirtschaftlich bestellten Linie offenbar Probleme hat, wenn man bestimmte Bereiche nutzen will, selbst wenn man eben auch drauf schaut, es richtig zu machen.
Und das ist einfach schade, denn...
...für 2€ oder weniger ist das Upgrade immens
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Sitze in 1+1-Anordnung mit sehr guter Polsterung, elektrischer Verstellbarkeit, großzügigen Tischen, dass man definitiv mehr als genug Platz hat für was auch immer man im Zug vorhat...
Klar, das war so für eigenwirtschaftliche Fernverkehrszüge von Leo Express von Prag bis nach Krakau oder die Slowakei vorgesehen. Da ist der Komfort in der zweiten Klasse aber auch doppelt fragwürdig. Bei Regiojet findet man diese Bereiche an beiden Enden es Zuges in identer Bestuhlung, aber zu unterschiedlichen Preisen. Mal als Relax-Klasse als Upgrade zur zweiten Klasse, einmal als Business-Klasse, äquivalent zur ersten Klasse. Der Preisunterschied ist aber selbst dann nicht allzu hoch. Im Gegensatz wohl zu dem, was man bei Leo Express vorgesehen hätte...
Pluspunkt, man hat hier auch die angetriebenen Drehgestelle mit einem richtig coolen Sound. Hab schon gesehen, wie andere damit weniger glücklich wurden, aber ich habe es geliebt.
Hier hat wer eine einminütige Aufnahme davon.
Man hat das definitiv genossen und es war schon ganz cool damit zu reisen. Könnte ich für 10 Stunden locker so haben.
Aber solange dauert die Reise nicht.
Es geht dann zurück nach Hause. Von Kolín aus nutzten wir zunächst den Interpanter für ein Stück, ehe man sich verabschiedet und auf getrennten Wegen zurückkehrte. Ich für meinen Teil durfte erneut eine verpflichtende Reservierung für einen der letzten verfügbaren Plätze im EC 117 "Silesia" Richtung Warschau erwerben. Der Speisewagen ist übrigens da ausgefallen. Wäre sonst wohl der "Knödelexpress" gewesen... Hier gilt auch im tschechischen Abschnitt Reservierungspflicht, da sieht man auch auf kürzeren Strecken die Reservierungen. Gut, dass ich noch einen Platz reservieren konnte, sonst wäre ich aufgrund des Sonntagsfahrplans letztlich mehr als eine Stunde später zu Hause angekommen.
Und dann durfte ich auch im Interpanter einmal meinen Platz wechseln, weil halt bei den tschechischen Bahnen selbst da, wo nicht eine Reservierung nötig ist, eine solche inkludiert wird und man bei den "Express-Reservierungen" nie sicher sein kann, ob da denn wer reserviert hat oder eben nicht. Ich bin dazu übergegangen, die Reservierung beim Buchen von Tickets abzuwählen, weil ich keine Lust habe, den richtigen Wagen und den richtigen Platz zu suchen, zumal in Tschechien ja oft die Bahnhöfe keine Sektoren und keine Wagenreihungsanzeigen haben. Nur, wenn so viel reserviert, macht es mir das Leben bei stärker ausgelasteten Zügen auch dann nicht leichter, wenn an sich genug Plätze für alle da wären.
Bahnfahren in Tschechien macht Spaß, aber...
Ich habe also an jenem Tag das mit der Neuregelung zur Reservierungspflicht in Tschechien in der Praxis erlebt und finde es schade, dass man diesen Weg ging. Nun hat man also etwas weniger Flexibilität als bislang. Klar, jemand, der gar nicht erst mitkommt, ist ein Problem weniger für die Bahn. Aber ob das der Anspruch ist, den man sich als nationaler Beförderer stellt?
Es hat ja hin und wieder Leute gegeben, die ziehen bei den tschechischen Bahnen einen Vergleich mit der Schweiz.
Aber in der Schweiz kann man selbst TGVs ohne Reservierung nutzen (in Deutschland ja auch, soweit ich weiß). In der Schweiz fahren die Züge auch etwas öfter und man muss sich nicht mit irgendwelchen Tarifkomplexen rumschlagen. Da gibt es 2 Klassen und es heißt ja, dass man Ausländer dort daran erkennt, dass sie reservieren.
Ich hab eher das Gefühl, man bewegt sich ein Stück weit in Richtung polnische Verhältnisse. Fehlt nur noch, dass man irgendwann Fahrkarten ohne Platzgarantie für ausreservierte Züge dann erwerben kann. Ich würde es denen glatt zutrauen.
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
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