Advent zwischen Jura und Koralm – m. 139 B. (Reiseberichte)

TD, Donnerstag, 25.12.2025, 16:11 (vor 47 Tagen)

Hallo zusammen,

ich möchte Euch gerne auf zwei vorweihnachtliche Reisen mitnehmen. Am Wochenende des zweiten Advents unternehmen wir einen Familienausflug zum Weihnachtsmarkt im schweizerischen Saint-Ursanne und am Fahrplanwechsel-Wochenende kombinieren wir eine Abschiedsfahrt mit dem RJ „Bregenzerwald“ und die Eröffnung der Koralmbahn im Süden Österreichs.

Ich hätte mir vielleicht etwas winterlichere Eindrücke gewünscht, aber vielleicht kommt zumindest bei einigen Bildern etwas Weihnachtsstimmung auf.

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Wir absolvieren zwei getrennte Reisen, die ich zu einem Reisebericht zusammengefasst habe. Am ersten Reisetag fahren wir von Konstanz über einen kleinen Schlenker durch Frankreich nach Saint-Ursanne im Jura, zurück geht es am Folgetag über Basel und Zürich. Im dritten Teil starten wir von Konstanz über Basel und Mainz nach Frankfurt. Von dort geht es auf eine tagesfüllende Fahrt nach Wien. Im letzten Teil fahren wir über den Semmering nach Graz und über die neu eröffnete Koralmbahn zurück nach Deutschland.


Tag 1: Konstanz – Zürich - Belfort-Montbéliard TGV / Meroux TGV – St-Ursanne

Wir starten am neugestalteten Bahnhofplatz von Konstanz, er wurde in gut 2 Jahren Bauzeit modernisiert und barrierefrei umgebaut. Da uns die erste Tour in die Schweiz führt, passt zunächst ein Blick zum ehemaligen Schweizer Bahnhofsteil.

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Mehrere Bodenplatten erzählen Geschichte(n) der umliegenden Gebäude, so lässt hier eine Hörspur den Schalterbeamten Beat Rutishauser zu Wort kommen (www.konstanz.de/hoerspuren/schweizer+bahnhof).

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Die Ära der Mittelthurgaubahn ist allerdings längst vorbei, heute wird der Konstanzer Bahnhof von der schweizerischen Seite von den SBB sowie deren Tochter Thurbo angefahren. Wir steigen in den aus Doppelstockwagen gebildeten Interregio in Richtung Zürich. Das bunte Design des Steuerwagens verrät, dass sich hier das Kinderabteil verbirgt.

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Diese Reise ist etwas anders als meine sonstigen Reisen, denn diesmal ist ein einjähriges Kleinkind dabei. Und so schauen wir uns heute mal das Kinderabteil im IC2000 an.

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Die ehemalige Stammstrecke der Mittelthurgaubahn führt von Konstanz über Kreuzlingen und Weinfelden nach Wil. Wir fahren auf der Strecke bis Weinfelden, der Zug windet sich mit Blick über die Dächer von Kreuzlingen auf den Seerücken und auf der anderen Seite hinab ins Thurtal.

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In Zürich wechseln wir auf einen TGV Lyria, wir fahren mit dem Zug über Basel und Mulhouse bis zum Bahnhof Belfort-Montbéliard TGV.

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Der Bahnhof Belfort-Montbéliard TGV liegt an der Kreuzung der LGV Rhin-Rhône mit der Bahnstrecke Belfort–Delle. Der Turmbahnhof wurde 2011 eröffnet, es handelt sich um einen Fernbahnhof auf der grünen Wiese. Wir haben hier eine Dreiviertelstunde Aufenthalt, die Zeit lässt sich in dem modernen Gebäude sehr angenehm bei einer Tasse Kaffee verbringen.

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Im schiefen Winkel über der Schnellfahrstrecke verläuft die Bahnstrecke Belfort-Delle. Es ist etwas verwirrend, dass der Regionalbahnhof einen anderen Namen trägt, nämlich Meroux TGV. Beide Bahnhöfe sind durch eine Passage verbunden.

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Die Bahnstrecke Belfort-Delle wurde 1993 stillgelegt. Mit dem Bau des Ostastes der LGV Rhin-Rhône verständigten sich Frankreich und die Schweiz auf eine Reaktivierung, seit 2018 fahren hier wieder Züge. Mit einem Flirt France fahren wir in Richtung Schweiz. Bis zur Grenze sind es rund 15 Kilometer, nach der Querung des Rhein-Rhône-Kanals folgt die Bahnstrecke dem Tal der Allaine.

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Ich rätsle noch, wer sich hinter dem Beförderer „LEX“ verbirgt, der neben SNCF und SBB beim RE 56 von Meroux nach Biel angegeben ist. Wenn ich es richtig deute, ist die Direktverbindung seit dem Fahrplanwechsel ohnehin Geschichte, da die Züge nun in Delle gebrochen werden.

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Beim nächsten Bild sind wir bereits wieder in der Schweiz und zwar in Courchavon, einem 300-Einwohner-Dorf in der Ajoie. Über dem Ort steht die Tour de Mormont, der spätgotische Glockenturm einer aus dem Jahr 1628 stammenden Kirche, die im 19. Jahrhundert abgebrochen wurde.

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Am Bahnhof St-Ursanne verlassen wir den Zug. Der Bahnhof liegt hoch über dem Tal des Doubs. Bis ins Zentrum der Kleinstadt auf dem Talboden liegen einige Minuten Fußweg vor uns.

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In den vergangenen Jahren hatten wir in der Adventszeit ausgedehnte Reisen unternommen, beispielsweise nach Kopenhagen, Paris, ins Erzgebirge, nach Zagreb oder nach Südtirol. Dieses Jahr hatte ich nun die Vorgabe, mit Rücksicht auf das mitreisende Kleinkind ein Ziel zu finden, das nicht weiter als 4 Stunden entfernt ist. Angeboten hätten sich die klassischen Weihnachtsmärkte in Baden-Württemberg, das war mir aber etwas zu banal. Und so bin ich irgendwann auf Saint Ursanne im Kanton Jura gestoßen.
Jetzt schauen wir mal, was sich hinter dem Stadttor Saint-Pierre verbirgt.

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Saint Ursanne ist ein historisches Städtchen mit einem mittelalterlichen Stadtbild, mit seinen alten Gemäuern und romantischen Plätzen wurde es als eines der schönsten Touristendörfer ausgezeichnet.

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Am Wochenende des zweiten Advents verwandeln über 100 lokale Händler den Ort zu einem richtigen Weihnachtsdorf, besonders stimmungsvoll wird es nach Einbruch der Dunkelheit.

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Seit 1728 überspannt eine vierbogige Steinbrücke den Doubs am Stadttor Porte Saint-Jean, sie wird abends zur Bühne von Lichtspielen.

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Der Ort geht auf den Eremit Ursicinus zurück, der zwischen 612 und 619 hier gewirkt hat. Später gründeten Mönche über dem Grab des Ursicinus ein Kloster, in dessen Umfeld das mittelalterliche Städtchen entstand. Das Stadtbild wird heute geprägt von Bürgerhäusern aus dem 14. bis 16. Jahrhundert, im Zentrum liegt die Stiftskirche.

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Ich bin ganz zufrieden mit der Auswahl, der Marché de Noël in Saint Ursanne ist wirklich schön und die Anreise über Belfort-Montbéliard bietet die Möglichkeit, weniger bekannte Ecken zu entdecken.


Tag 2: St-Ursanne – Delémont – Basel – Zürich – Konstanz

Am Sonntagmorgen machen wir uns durch die Gassen von Saint Ursanne auf den Fußweg zum Bahnhof. In der Nähe des Bahnhofs liegt der Viadukt Combe Maran, über das 44 Meter hohe Bauwerk werden wir wenig später fahren.

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Die Bahnverbindung von Porrentruy nach Delémont wurde zwischen 1874 und 1877 erbaut, sie führt mit mehreren Tunneln und Brücken durch die gebirgige Juralandschaft. Wir fahren mit dem RE 56 nach Delémont.

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Ich darf ja bei der Tour keine großen Umwege einbauen – Ideen hätte ich schon gehabt. Daher fahren wir nun, mit Zwischenstopps zwar, aber auf direktem Weg nach Konstanz. Zur Auswahl stehen die Varianten über Basel oder Biel, wir entscheiden uns für Basel mit dem dortigen Weihnachtsmarkt. In Delémont heißt es daher umsteigen.

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Mit einem ICN fahren wir auf der Jurabahn durch das Laufental und entlang der Birs nach Basel. Das Kinderabteil im ICN besteht nur aus bedruckten Tischen, das kann einen einjährigen nur bedingt begeistern.

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Bei den SBB lassen sich Sparbilletts auch zu Straßenbahnhaltestellen buchen, das ist ganz praktisch, wenn man in Basel zum Weihnachtsmarkt möchte. Die Zugbindung gilt dann aber auch in der Tram, und so fahren wir von Basel SBB mit T8057 ins Zentrum.

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Basel präsentiert sich heute ziemlich verregnet, da will keine rechte Weihnachtsstimmung aufkommen. Und so treten wir dann bald die Rückfahrt an den Bahnhof an.

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Um von Basel noch Konstanz zu kommen gibt es wahlweise die deutsche Variante über die Hochrheinbahn – unserer Entscheidung ist aber auf die SBB-Version über Zürich gefallen. Die Fahrzeit von 54 Minuten ist perfekt für einen Kaffee im Restaurant des Giruno.

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Mit dem Polarzauber gibt es in der Bahnhofshalle des Hauptbahnhofs von Zürich einen großen Indoor-Weihnachtsmarkt. Für uns geht es von hier mit dem Interregio zurück nach Konstanz.

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Mit dem Blick vom Zug über den Bodensee endet dieser kleine familienfreundliche Wochenendausflug. Ein echter Geheimtipp ist Saint Ursanne wahrscheinlich nicht, vielleicht kann das aber doch eine kleine Inspiration sein, eine etwas unbekanntere Ecke der Schweiz zu entdecken.

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Es geht gleich weiter...

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Fortsetzung Advent zwischen Jura und Koralm

TD, Donnerstag, 25.12.2025, 16:13 (vor 47 Tagen) @ TD

Tag 3: Konstanz – Radolfzell – Basel – Mainz - Frankfurt

Am darauffolgenden Freitag starten wir zur nächsten Tour, diesmal mit einem stärkeren Fokus auf Bahnthemen, steht doch der Fahrplanwechsel bevor. So ein Fahrplanwechsel kann Abschiede aber auch Neuerungen bringen – und beides wollen wir in die Tour einbauen. Wir starten wieder am Bahnhof von Konstanz,…

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…diesmal aber mit dem Blick auf die Geschichte der deutschen Bahnseite. Eine Hörspur lässt hier den Architekten Heinrich Leonhard zu Wort kommen (www.konstanz.de/hoerspuren/bahnhof). Er berichtet von der Badischen Hauptbahn, die von Mannheim über Basel bis Konstanz führt.

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Wir wollen die 414 Kilometer lange Strecke heute komplett befahren, ein Kilometerstein in den badischen Landesfarben markiert den Endpunkt der Strecke.

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Ok, unser erster Zug des Tages hat keine badischen Wurzeln, vielmehr steht der GTW von Thurbo eher für das Erbe der Mittelthurgaubahn. Aber immerhin haben wir mit der S 62 hier einen Exoten vor uns, es handelt sich um eine Schnellverbindung, die sich aus der Verlängerung des Rhyhas ergibt und etwas Abwechslung auf die Strecke zwischen Konstanz und Singen bringt.

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In Radolfzell wechseln wir auf den RE 3, der Zug kommt aus Friedrichshafen und fährt über die Hochrheinbahn nach Basel zum badischen Bahnhof. Die Bahnstrecke wird bis Dezember 2027 elektrifiziert, aufgrund der anstehenden Bauarbeiten wird das vielleicht schon unsere Abschiedsfahrt mit Dieselbetrieb.

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Die Hochrheinbahn ist Teil der Badischen Hauptbahn, sie verläuft über Singen, Schaffhausen und Waldshut durch das deutsch-schweizerische Grenzgebiet. Hin und wieder ist vom Zug aus der Hochrhein zu sehen, nett ist immer wieder die Fahrt durch Laufenburg (Baden) mit Blick zur schweizerischen Zwillingsstadt Laufenburg AG auf der anderen Rheinseite.

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Nach der Ankunft am badischen Bahnhof wechseln wir zum SBB-Bahnhof, mit der Tram geht es einmal durch die Stadt und über den Rhein.

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Eigentlich wollte ich nur irgendwie nach Frankfurt kommen. Bei der Planung kam mir der Gedanke, ich könnte nochmals einen der mit SBB-Wagen gebildeten Eurocity in die Tour einplanen, welche zum Fahrplanwechsel abgelöst werden. Allerdings wusste ich dabei noch nicht, welches Spektakel dort geboten wird.

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Der EC 8 verkehrt an diesem Tag als EC „Rheingold“ mit gleich drei Panoramawagen, es handelt sich um den letzten nordwärts fahrenden Zug mit SBB-Wagen.

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Über die Basler Verbindungsbahn geht es zurück auf die badische Seite und dann weiter auf der Badischen Hauptbahn bis Mannheim. Bei der Fahrt durch die Oberrheinische Tiefebene geht der Blick in Richtung Schwarzwald, nach dem Halt in Mannheim geht es dann erneut über den Rhein und weiter durch Rheinhessen nach Mainz.
Im Zug liegen Reisepläne und eine Abschiedsbroschüre aus, außerdem gibt es an der Zugspitze einen Wagen, in dem Zuglaufschilder und Souvenirs verkauft werden. Dadurch herrscht im Zug allerdings ein ständiger Durchgangsverkehr, mit einer gediegenen Reise im Panoramawagen hat das nicht mehr viel zu tun. Insofern bin ich gar nicht traurig, nur bis Mainz mitzufahren und dann dem Trubel zu entkommen.

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Mit der S 8 fahren wir von Mainz nach Frankfurt, dabei geht es wieder zurück auf die andere Rheinseite. Nach der Ankunft in Frankfurt…

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…fahren wir zum U-Bahnhof Bockenheimer Warte. Den Eingang an der Senckenberganlage wollte ich mir schon länger mal anschauen. Im Rahmen von „Kunst und Bau“ wurde der Eingang von Peter Pininski gestaltet, ein alter Londoner Tram-Wagen durchbricht hier den Boden.

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Anschließend fahren wir mit der U-Bahn ins Zentrum und lassen den Abend auf dem Weihnachtsmarkt am Römerberg ausklingen.

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Tag 4: Frankfurt - Wien

So, heute steht die nächste Abschiedsfahrt an, am frühen Samstagmorgen machen wir uns auf den Weg zum Frankfurter Hauptbahnhof.

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Wir haben uns den RJX 897 „Bregenzerwald“ ausgesucht, er verkehrt von Frankfurt nach Bregenz und von dort weiter als RJX 867 nach Wien. Die Verbindung wird zum Fahrplanwechsel eingestellt, wir fahren mit dem letzten Zug dieser Relation. Während der Wegfall der schweizerischen EC-Wagen in Deutschland sehr im Fokus stand, sind die Änderungen im Verkehr mit Österreich etwas in den Hintergrund gerückt. Wenn ich es richtig sehe, kommen zukünftig keine Railjets mehr nach Frankfurt.

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Heute dürfen wir nun nach Herzenslust Umwege fahren – und dafür müssen wir nicht mal den Zug wechseln. Wir fahren die Komplettstrecke bis Wien und werden nun knapp 12 Stunden an Bord des Railjets verbringen.

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Während der ersten Etappe entlang der Bergstraße und auch auf der Schnellfahrstrecke nach Stuttgart ist es noch dunkel. Wegen Bauarbeiten lässt der Zug den Stuttgarter Hauptbahnhof aus und fährt über die Schusterbahn zum Ersatzhalt in Esslingen.

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Der Zug befährt nach Ulm die Altstrecke über die Geislinger Steige, dann geht es weiter durch Oberschwaben an den Bodensee. Auf dem deutschen Abschnitt ist der Zug nur sehr überschaubar besetzt, insofern ist die Einstellung nicht verwunderlich.

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Während die erste Hälfte der Fahrt im Dezember-Nebel verlief, wird es nun auf der Arlbergstrecke etwas freundlicher. Mit 1311 Meter über dem Meer erreichen wir bald den höchsten Punkt unserer Tour, zumindest hier oben ist es etwas winterlich.

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So macht die Fahrt Spaß, schönes Wetter, interessante Landschaft und leckeres Essen. DoN’s serviert Germknödel mit Butter, Mohnzucker und extra-Vanillesauce. Weiter geht’s über Innsbruck und durch das Inntal zum Deutschen Eck.

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In Salzburg sind wir zurück im Dezember-Nebel, die weitere Fahrt über die Linz und die österreichische Westbahn ist eher grau und bis wir um 17:30 Uhr in Wien ankommen, herrscht schon wieder Dunkelheit. So arg viele Reisende, die die Komplettstrecke mit dem RJX 897/867 zurückgelegt haben, wird es wohl nicht geben. Mir hat’s aber gefallen, eine schöne Langstreckenreise, die sich so schnell nicht wiederholen lässt.

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Auch in Wien soll es ein abendlicher Weihnachtsmarktbesuch sein, hier gibt es für Freunde schienengebundener Verkehrsmittel ein besonderes Ziel…

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…nämlich den Adventmarkt im historischen Ambiente des Verkehrsmuseums Remise.

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Schließlich fahren wir mit der U-Bahn noch eine Runde durch die Stadt und besuchen zum Abschluss den Christkindlmarkt am Rathausplatz.

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Es geht gleich weiter...

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Fortsetzung Advent zwischen Jura und Koralm

TD, Donnerstag, 25.12.2025, 16:14 (vor 47 Tagen) @ TD

Tag 5: Wien – Graz – Villach – Salzburg – Ulm – Friedrichshafen – Radolfzell - Konstanz

Heute richten wir den Blick in die Zukunft, anstelle von Abschiedsfahrten steht mit der neu eröffneten Koralmbahn im Süden Österreichs jetzt eine neue Verbindung auf dem Reiseplan. Dazu fahren wir von Wien nach Graz, ab dort steht der ICE 116 für die Rückfahrt nach Deutschland auf unserem Reiseplan.
Der Tag beginnt allerdings schon unschön mit dem Blick aufs Handydisplay. Die ÖBB schicken um 4:40 Uhr die erste Mail: Graz Hbf - Ulm Hbf: „Wegen eingeschränkter Fahrzeugverfügbarkeit setzen wir für diesen Zug eine andere Zuggarnitur ein. In dieser Garnitur können wir Ihnen keine 1Class und kein Bordrestaurant anbieten.“

Um 6:05 Uhr kommen die nächsten beiden Mails „Die Verbindung von Graz Hbf (14.12.2025, 10:00) nach Ulm Hbf ist am Weg nach Ulm Hbf (ICE 116) unterbrochen.“ und „Wegen eingeschränkter Fahrzeugverfügbarkeit kann dieser Zug von Villach Hbf bis Salzburg Hbf nicht fahren. Wir haben für Sie einen Autobus angefordert. Der Bus hält zw. Villach Hbf und Salzburg Hbf nur in Spittal/Drau-Millstätter See Bahnhof
Bitte beachten Sie, dass sich die Reisezeit dadurch verlängert. Wir bitten um Entschuldigung.“

Tja, da bin ja mal gespannt. Den Plan, die Koralmbahn am ersten regulären Betriebstag zu befahren, will ich aber nicht aufgeben. Und so machen wir uns wie vorgesehen auf den Weg zum Wiener Hauptbahnhof.

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Wir fahren nun zunächst mit einem Railjet von Wien nach Graz. Der Zug ist auf diesem Abschnitt nur mäßig besetzt, ab Graz ist er ausreserviert. Die ersten Kilometer sind noch von dichtem Nebel geprägt, am Semmering windet sich der Zug dann über die Wolkendecke und wir genießen eine entspannte Fahrt durch die Gebirgslandschaft und entlang der Mur.

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Um 8:47 Uhr durchbricht die DB die Harmonie mit der plumpen Meldung „Ihre Fahrt Graz Hbf - Ulm Hbf mit ICE 116 fällt aus.“ Ich denke nun tatsächlich kurz über Alternativen nach, die Fahrplanauskunft meint, der schnellste Weg an den Bodensee führe zurück über Wien, auch der EC 164 Richtung Zürich wäre vielleicht zielführend.

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In Graz verdichten sich jedoch die Hinweise, dass tatsächlich ein Ersatzzug für ICE 116 bis Villach fährt. Die feierliche Eröffnung der Koralmbahn wurde bereits am Samstag gefeiert, heute am ersten regulären Betriebstag gibt es keine öffentlichen Aktivitäten mehr.

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Es gibt jedoch einen großen Fahrgastandrang, die ÖBB melden für den Tag 10.000 Reisende auf der neuen Strecke, die meisten der Züge zwischen Graz und Klagenfurt sind ausreserviert.
Ich bin nun allerdings gespannt, was uns jetzt erwartet. Und da ist er - ICE 116 nach Frankfurt:

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Der Cityjet ist mit ICE 116 nach Frankfurt beschriftet und auch die Displays im Innenraum suggerieren, dass der Zug tatsächlich über Salzburg und München nach Frankfurt fahre.

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Die Bilder täuschen, bis zur Abfahrt füllt sich der Zug, zahlreiche Menschen aus der Region unternehmen einen Sonntagsausflug von Graz nach Klagenfurt und wollen die neue Strecke erkunden. Die Stimmung im Zug ist gut, die Leute lachen über das Unvermögen der Deutschen Bahn, rechtzeitig zum Eröffnungstag einen ICE nach Graz zu schaffen, als der Zug am Westportal des Koralmtunnels wieder ans Tageslicht kommt, gibt es Applaus. Die ÖBB spendieren den Fahrgästen zur Feier des Tages einen „Koralmdudler“.

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Kernstück der Koralmbahn zwischen Graz und Klagenfurt ist der Koralmtunnel, mit etwa 32,9 Kilometern Länge ist er der längste Eisenbahntunnel Österreichs. Mit der Koralmbahn verkürzt sich die Fahrzeit zwischen den Landeshauptstädten Graz (Steiermark) und Klagenfurt (Kärnten) von rund drei Stunden auf 41 Minuten – wobei der Cityjet-Ersatzzug die Höchstgeschwindigkeit der Strecke nicht ausfahren kann und ein paar Minuten mehr braucht. Wenn der Zug nicht gerade in einem Tunnel ist, verhindert dichter Nebel weitere Ausblicke auf die Landschaft entlang der Strecke, so dass ich gar nicht viele Bilder zeigen kann.

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In Klagenfurt ändert sich das Publikum im Zug, die meisten Fahrgäste wollten nur die Koralmbahn befahren und steigen hier aus. Entlang des Wörthersees fährt der Zug weiter bis Villach. Die verbleibenden Fahrgäste sind allerdings nicht so begeistert von der Durchsage, dass der Zug nicht wirklich bis Frankfurt fährt, sondern in Villach endet und dort drei Busse zur Weiterfahrt warten.

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Dass ich auf dieser Reise nicht nur eine neue Bahnstrecke, sondern auch eine österreichische Autobahn entdecken würde, hätte ich auch nicht gedacht. Jedenfalls geht es nun für zwei Stunden mit dem Bus auf der Tauernautobahn von Villach über die Alpen nach Salzburg.

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Der Bus fährt von Villach direkt bis Salzburg, der Hinweis, dass sich durch den Bus die Reisezeit verlängert, bewahrheitet sich daher nicht. Und man kümmert sich um die Fahrgäste, der Busfahrer wird unterwegs angerufen um ihm mitzuteilen, dass in Salzburg ein ICE zur Weiterfahrt im ursprünglichen Fahrplan des 116 wartet. Und das klappt wunderbar, der Bus ist rechtzeitig vor der Planabfahrt des ICE 116 in Salzburg.

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Das hätte ich heute Morgen auch nicht unbedingt gedacht, dass wir ab Salzburg wieder pünktlich und wie geplant unterwegs sind. Der Speisewagen bleibt allerdings bis München geschlossen, da das Gastropersonal noch in Graz weilt.
Wir fahren nun über Rosenheim und München nach Ulm.

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Die ärztliche Versorgung eines Fahrgasts bringt dem ICE eine Viertelstunde Verspätung ein, rund um München kommen weitere Verspätungsminuten hinzu, so dass wir in Ulm den Anschluss auf den RE 3 nach Friedrichshafen verpassen. Das ist etwas schade, weil wir so um die Fahrt mit dem Katamaran von Friedrichshafen nach Konstanz gebracht werden. Aber gut, dann geht es halt mit dem nachfolgenden RE 5 nach Friedrichshafen…

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…und von dort mit der Regionalbahn um den See.

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In Radolfzell schließt sich der Kreis, hier waren wir vor zwei Tagen schon einmal umgestiegen. Mit dem seehas legen wir die letzten Kilometer bis Konstanz zurück.

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Mit einem Blick über den Hafen von Konstanz zum Weihnachtsmarkt sind wir am Ende unserer kleinen Tour angekommen.
Ich bedanke mich fürs Mitkommen und das Interesse.

Ich wünsche frohe Weihnachtstage und einen guten Start ins neue Jahr

Tobias

PS: Meine früheren Reiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.

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Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Donnerstag, 25.12.2025, 20:03 (vor 46 Tagen) @ TD

Hey.

Warum hast du denn den Bus genommen? Zugbindung war doch eh aufgehoben. Da hätte ich mir doch fröhliche Alternativen quer durch's Land gesucht.

Reichte tatsächlich EIN Bus? Wann wurde denn der Halt in "Spittal/Drau-Millstätter See Bahnhof" gestrichen, der in einer Nachricht der ÖBB noch erwähnt wurde? Oder war das einfach gar kein Thema mehr?

Und wofür braucht es einen teuren Zug, wenn auch EIN Bus reicht, der dazu noch die Fahrzeit hält?

Und lag es tatsächlich im Alleinverschulden der DB, dass kein Zug in Graz bereit stand? Fiel da schon am Vortag was aus? Warum kam dann die erste Info der ÖBB erst morgens kurz vor 5. Und warum informierte die DB offensichtlich erst Stunden später?


Schöne Grüße von jörg


Apropos Informationspolitik: am offenen Fenster hier höre ich, wie Blechelse verkündet, dass die Eurobahn nach Bielefeld ausfällt (PU bei Osnabrück). Gleichzeitig fährt die Eurobahn nach Bielefeld ein. Und kurz drauf auch raus. Herrlich ...

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"Zu Lebzeiten will ich gerne bescheiden sein; doch wenn ich tot bin, soll man natürlich anerkennen, dass ich ein Genie war." (Michel Audiard)

Abermals herzlichen Dank, gern mehr u. ein frohes Neues.. :)

Tobs, Region Köln/Bonn, Sonntag, 04.01.2026, 13:05 (vor 37 Tagen) @ TD

- kein Text -

Fortsetzung Advent zwischen Jura und Koralm

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Donnerstag, 25.12.2025, 19:54 (vor 46 Tagen) @ TD
bearbeitet von Der Blaschke, Donnerstag, 25.12.2025, 19:54

Hey.

Wir haben uns den RJX 897 „Bregenzerwald“ ausgesucht, er verkehrt von Frankfurt nach Bregenz und von dort weiter als RJX 867 nach Wien.

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Und man ist mit einer EINHEITLICHEN Beschilderung mal wieder überfordert! Gerade das bringt nämlich zumindest den nicht gerade bahnaffinen Deutschen ins Schleudern. Ohnehin bei Bahnfahrten eh etwas aufgeregt, und von Geographiekenntnissen heutzutage eh weitgehend befreit, liest er nicht gründlich und kommt durcheinander. Bregenz? Oder Wien? Also doch über München? Nicht? Aber Salzburg doch, oder?
- und wenn dann wer "Ja" sagt, spricht spätestens am Bodensee Panik aus. Nach Wien - ähm, aber über Lindau? Wirklich?

Vernünftig beschriften würde Missverständnisse reduzieren. Aber vmtl kann die Technik des Zuges das dann wieder nicht darstellen, weil die entsprechende Programmierung fehlt und sich für den einen Zug auch niemand die Mühe macht.

Alles halber Kram halt. Immerhin modern dadurch ...

Schöne Grüße von jörg

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"Zu Lebzeiten will ich gerne bescheiden sein; doch wenn ich tot bin, soll man natürlich anerkennen, dass ich ein Genie war." (Michel Audiard)

Vielen Dank für den interessanten Bericht ...

Garfield_1905, Donnerstag, 25.12.2025, 17:25 (vor 46 Tagen) @ TD

... und die schönen Bilder. Das macht neugierig auf einen eigenen Besuch zumindest auf der österreichischen Strecke zwischen Graz, Klagenfurt und Villach. Gleichzeitig gibt's viele schöne Erinnerungen an meine vielen Fahrten auf der Südbahn.

Schönes Rest - Weihnachten noch !

Advent zwischen Jura und Koralm – m. 139 B.

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Donnerstag, 25.12.2025, 19:36 (vor 46 Tagen) @ TD
bearbeitet von Der Blaschke, Donnerstag, 25.12.2025, 19:37

Hey.

Und so schauen wir uns heute mal das Kinderabteil im IC2000 an.

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Etwas befremdlich. Treppe ohne Handlauf. Keine Absicherung zu den Sitzplätzen. Und überhaupt eher lebensgefährlich. Wenn da der Zug über die Weiche scheppert oder ne Schnellbremsung hinlegt und der Nachwuchs grad fröhlich auf der Treppe balanciert ... Oder dann da gegen das Metallgestänge donnert ... Als Helikoptervater käme ich da aber in Fahrt.

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Der Bahnhof Belfort-Montbéliard TGV liegt an der Kreuzung der LGV Rhin-Rhône mit der Bahnstrecke Belfort–Delle. Der Turmbahnhof wurde 2011 eröffnet, es handelt sich um einen Fernbahnhof auf der grünen Wiese.

Es ist kein Turmbahnhof.

Im schiefen Winkel über der Schnellfahrstrecke verläuft die Bahnstrecke Belfort-Delle. Es ist etwas verwirrend, dass der Regionalbahnhof einen anderen Namen trägt, nämlich Meroux TGV. Beide Bahnhöfe sind durch eine Passage verbunden.

Eben. "Bahnhöfe". Plural. Mehrzahl. Es sind nämlich dann zwei nebeneinander liegende Bahnhöfe. Und damit ist es eben KEIN Turmbahnhof! Auch wenn die deutschsprachige Wikipedia davon schreibt; sich aber selbst widerspricht und z.B. nur von 2 Bahnsteiggleisen schreibt (als Turmbahnhof wären es je 2, also 4). Die englischsprachige Wikipedia schreibt davon korrekterweise auch nix.

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Angeboten hätten sich die klassischen Weihnachtsmärkte in Baden-Württemberg, das war mir aber etwas zu banal. Und so bin ich irgendwann auf Saint Ursanne im Kanton Jura gestoßen.

Ein beliebiger Schweizer Weihnachtsmarkt ist also besser als ein "banaler" heimischer Weihnachtsmarkt?

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Warum ist der Einstieg da ebenerdig? Das sieht mir doch nach einer Art Bahnsteig aus. Warum hat man den nicht aufgepflastert?


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Mit dem Polarzauber gibt es in der Bahnhofshalle des Hauptbahnhofs von Zürich einen großen Indoor-Weihnachtsmarkt. (...)

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Nanu? Der große Weihnachtsbaum sieht irgendwie aus der Ferne so billig aus. Gibt's da kein Swarovski mehr? Ich mein', das wär' ja wohl das mindeste. Als ich mal da war, gab's jedenfalls einen!

Schöne Grüße von jörg

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"Zu Lebzeiten will ich gerne bescheiden sein; doch wenn ich tot bin, soll man natürlich anerkennen, dass ich ein Genie war." (Michel Audiard)

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