CH: 116 doppelstöckige Siemens-S-Bahnen für 2,1 Milliarden (Allgemeines Forum)
Alphorn (CH), Freitag, 07.11.2025, 12:45 (vor 96 Tagen)
Die SBB bestellen 116 Dostos bei Siemens, hauptsächlich als Ersatz für die DPZ (S-Bahn-Züge der ersten Generation, fest gekuppelte lokbestpannte Garnituren). Die Züge sind durchgehend doppelstöckig und haben 55-cm-Einstiege, also eine neue Plattform.
Etwas überraschend, dass hier Stadler nicht zum Zug kam. Aber erstens musste man sich an die Ausschreibungskritieren halten, und hier hat anscheinend Siemens das beste/günstigste Angebot geliefert. Zweitens war es wohl nicht unerwünscht, dass man sich nicht zu 100% von Stadler abhängig macht.
Stadler ist verärgert
phil, Freitag, 07.11.2025, 13:20 (vor 96 Tagen) @ Alphorn (CH)
Stadler ist verärgert - warum?
Baselaner, Samstag, 08.11.2025, 12:13 (vor 95 Tagen) @ phil
bearbeitet von Baselaner, Samstag, 08.11.2025, 12:14
Und warum sind sie verärgert? Stadler bewirbt sich doch auch in anderen Ländern. So ist das nun mal im Wettbewerb. Mal verliert man und manchmal gewinnt halt der andere. ;)
Stadler ist verärgert - warum?
caboruivo, CH, Samstag, 08.11.2025, 13:33 (vor 95 Tagen) @ Baselaner
Genau dieser Aspekt ist halt zu komplex für die allgemeinen Kommentarspalten in den einschlägigen Postillen…
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Nur falsche Prinzen reiten auf dem Schimmel, richtige in der Lokomotive
Fahrzeuge aus'm großen Kanton - wie peinlich ...
Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Samstag, 08.11.2025, 19:16 (vor 94 Tagen) @ Baselaner
Huhu.
Wo wir doch Eisenbahn gar nicht können und allein die Eidgenossen wissen, wie es geht. Und dann holt man Fahrzeuge aus der BRD. An Peinlichkeit nicht zu überbieten.
Tja, schade Stadler, dass ich nicht Siemens-Chef bin. Da hätte ich nämlich meinen Untergebenen untersagt, an der Ausschreibung überhaupt nur teilnehmen zu dürfen. Bzw wenn mich irgendwelche Aktionäre oder wer dazu zwänge, dann mit Phantasieangeboten jenseits von Gut und Böse.
Nein, dass die Schweiz in Deutschland kauft, ist einfach inakzeptabel. Und zeigt, dass das Volk völlig ohne jegliche Moral und jeglichen Anstand ist. Da zählt halt ausschließlich Geschäftemacherei. Aber so kennt man sie ja - hier beweisen sie es erneut. Widerwärtig!
Schöne Grüße von jörg
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"Zu Lebzeiten will ich gerne bescheiden sein; doch wenn ich tot bin, soll man natürlich anerkennen, dass ich ein Genie war." (Michel Audiard)
Gejammere dient politischem Druck
Höllentalbahn, Sonntag, 09.11.2025, 20:16 (vor 93 Tagen) @ Baselaner
Der STADLER-Chef ist ja bei der SVP ganz gut vernetzt, und wenn man in die Kommentarspalten der Schweizer Zeitungen schaut, scheint das Gejammere auch ganz gut zu ziehen.
Bei der Trambeschaffung in Zürich hatte Stadler ja auch so peinlich rumgejammert als sie gegen das Flexity von Bombardier verloren hatten
Aufgabe der Flottenstrategie?
Alphorn (CH), Freitag, 07.11.2025, 18:36 (vor 95 Tagen) @ Alphorn (CH)
In diese älteren Präsentation, welche aber auch noch kürzlich zitiert wurde, sprechen die SBB auf Seite 5 von einer "Einheitsflotte doppelstöckig" im Regionalbereich.
Dieses Ziel wird nun mit dieser Bestellung anscheinend verworfen. Etwas erstaunlich: Der Stadler KISS hat sich gut bewährt und wurde sogar für wohl ursprünglich nicht vorgesehene IR-Dienste nachbestellt (RABe 512). Aber das Einsparungspotential bei Siemens war wohl zu gross.
Somit ist die Reduktion auf nur noch sechs Fahrzeugtypen Geschichte und man braucht auch auf lange Frist noch Unterhaltsanlagen für Siemens-Züge, welche in der Schweiz mit Ausmusterung der DPZ Ende der 2030er ausgestorben wären.
In Deutschland wird ja auch versucht, mit weniger Zugtypen auszukommen (IC2-Verkauf), aber nicht annährend so radikal wie in der Schweiz. Ist halt immer ein Abwägen zwischen den Vorteilen von Standardisierung und den Nachteilen von Anbietermonopolen.
Aufgabe der Flottenstrategie?
Hustensaft, Samstag, 08.11.2025, 07:48 (vor 95 Tagen) @ Alphorn (CH)
Ist halt immer ein Abwägen zwischen den Vorteilen von Standardisierung und den Nachteilen von Anbietermonopolen.
Und bietet nebenbei noch einen, meist sträflich unbeachteten, Vorteil:
Wer erinnert sich noch an Eschede und die Entgleisung eines ICE 3 in Köln sowie die daraus resultierende vorübergehende Zwangsstillegung der jeweils betroffenen Fahrzeugflotten? Man konnte das einigermaßen abfedern, weil es noch andere und nicht betroffene Baureihen gab - je weniger Baureihen es also gibt, desto fataler wäre es, wenn die, warum auch immer - und das kann immer eintreten - nicht eingesetzt werden dürfen.
Wirklich Aufgabe der Flottenstrategie?
JeDi, überall und nirgendwo, Samstag, 08.11.2025, 10:52 (vor 95 Tagen) @ Hustensaft
Mmh, heißt denn "Einheitsflotte" wirklich, dass sie von einem Hersteller kommen muss (klar, das wäre eine denkbare Interpretation), dass die Züge alle 100% identisch sind, oder heißt Einheitsflotte, dass die Fahrzeuge mit identischen Parameter kommen, und ohne Folgen für die Reisenden durchtauschbar sind?
Eine echte Einheitsflotte (im Sinne von "alle Züge sind 100% identisch) hätten die SBB ja auch im Einstockbereich mit ihren fifty shades of flirt nicht so wirklich - großteils aber nur mit Unterschieden im Detail. Und ein Konstrukt wie die Einheitsloks der Bundesbahn, die 1:1 von mehreren Herstellern gebaut wird, wäre in der heutigen Zulassungswelt wohl nicht mehr so einfach möglich.
Ich würde hier davon ausgehen, dass es darum geht, dass "Regio-Dosto gleich Regio-Dosto" sein soll, und die grundsätzlichen Parameter (150m, ca. 110 A und 430 B-Plätze) erfüllt der KISS-Sechsteiler ja (fast) genau so.
Zum geheule von Stadler: Mag ja sein, dass bei Stadler mehr Schweizer_innen beschäftigt sind als bei Siemens; letzlich ist man aber seit Jahrzehnten im Krisenmodus, fühlt sich nicht an seine Tarifverträge gebunden und drängt seine Mitarbeitenden zu Lohnverzichten. Anfang des Jahres ist das in Pankow aktenkundig geworden, und auch in der Schweiz ist Stadler nicht grade für Spitzenlöhne bekannt.
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Weg mit dem 4744!
Wirklich Aufgabe der Flottenstrategie?
Aphex Twin, Samstag, 08.11.2025, 14:50 (vor 95 Tagen) @ JeDi
Mmh, heißt denn "Einheitsflotte" wirklich, dass sie von einem Hersteller kommen muss (klar, das wäre eine denkbare Interpretation), dass die Züge alle 100% identisch sind, oder heißt Einheitsflotte, dass die Fahrzeuge mit identischen Parameter kommen, und ohne Folgen für die Reisenden durchtauschbar sind?
Eine echte Einheitsflotte (im Sinne von "alle Züge sind 100% identisch) hätten die SBB ja auch im Einstockbereich mit ihren fifty shades of flirt nicht so wirklich - großteils aber nur mit Unterschieden im Detail.
Es geht auch um Mehrfachtraktion. Alle Doppelstöcker fahren oft in Doppeltraktion. Das fängt mit den FV Dosto an (200 m & 100 m), geht mit IR Dosto (KISS, 150 m) weiter und ist auch so bei den drei bisherigen S-Bahn Generationen. Die ersten beiden Generationen der S-Bahn DPZ und DTZ (100 m) oft auch in Dreifachtraktion. Und bei den drei einstöckigen FV Triebzügen (ICN, Astoro, Giruno) gilt dies auch. Bei den Wagenzügen (EW IV, IC 2000) kann und wird sowieso täglich gestärkt und geschwächt.
Ich würde sagen dass abgesehen von den einstöckigen Nahverkehr (Flirt), verkehren die überwiegende Mehrheit aller Züge in Mehrfachtraktion, dies ist zumindest das was ich im Großraum Zürich beobachte. Im iC und IR Verkehr hat man jetzt schon sechs Zugtypen die sich nicht miteinander koppeln lassen (+ die ausländischen Züge die in die Schweiz kommen, ETR 610, ICE 4, Railjet, TGV).
Muss kein Problem sein
J-C, In meiner Welt, Samstag, 08.11.2025, 17:54 (vor 94 Tagen) @ Aphex Twin
Man kann Kompatibilität mit dem Bestandsmaterial vorschreiben, wenn es ein Thema wäre. Oder man verzichtet aus Kostengründen drauf und fährt die Züge nur reinrassig wie bislang - gibt ja bereits Siemens-Doppelstocktriebwagen.
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
Muss kein Problem sein
Aphex Twin, Samstag, 08.11.2025, 19:13 (vor 94 Tagen) @ J-C
Man kann Kompatibilität mit dem Bestandsmaterial vorschreiben, wenn es ein Thema wäre. Oder man verzichtet aus Kostengründen drauf und fährt die Züge nur reinrassig wie bislang - gibt ja bereits Siemens-Doppelstocktriebwagen.
Und wie oft ist eine solche Kompatibilität denn effektiv bestellt worden und hat funktioniert? In Deutschland fallen mir dazu nur die beiden verschiedenen ICE T ein. Und die wurden ja gleichzeitig bestellt. Und ich glaube Beispiele bei denen Triebzüge verschiedener Hersteller miteinander im Fahrgasteinsatz gekuppelt werden können dürften kaum zu finden sein
Bei den hier bestellten Züge wäre ein Kompatibilität mit Stadler sicher einfacher und realistischer gewesen. Zum einen ist die Bestellung der Fahrzeuge der 3. Generation weniger lang her und zum anderen sind die aktuell von Stadler angebotenen Fahrzeuge technisch deutlich näher an denen der 3. Generation als die jetzt bestellten an den Siemens Doppelstockzügen der 2. Generation der S-Bahn (DTZ).
Vielleicht gefällt dir dieser Satz mehr:
Neben einer einfacheren Wartung und Fahrzeugführerausbildung hat eine Einheitsflotte den zusätzlichen Vorteil dass bei Mehrfachtraktionen es wahrscheinlicher ist dass ein freizügiger Einsatz aller Fahrzeuge mit vertretbaren Aufwand möglich ist.
Muss kein Problem sein
Südsüdwest, Freiburg Brsg, Samstag, 08.11.2025, 21:41 (vor 94 Tagen) @ Aphex Twin
Und wie oft ist eine solche Kompatibilität denn effektiv bestellt worden und hat funktioniert? In Deutschland fallen mir dazu nur die beiden verschiedenen ICE T ein. Und die wurden ja gleichzeitig bestellt. Und ich glaube Beispiele bei denen Triebzüge verschiedener Hersteller miteinander im Fahrgasteinsatz gekuppelt werden können dürften kaum zu finden sein
Hat die CFL auf der Moselstrecke nicht mal genauso etwas gemacht im IC nach/von Düsseldorf?
Ich meine das waren Doppelstöcker der CFL und was Einstöckiges der DB (?), in Trier wurde dann geflügelt.
Muss kein Problem sein
JeDi, überall und nirgendwo, Samstag, 08.11.2025, 22:11 (vor 94 Tagen) @ Südsüdwest
Hat die CFL auf der Moselstrecke nicht mal genauso etwas gemacht im IC nach/von Düsseldorf?
Ich meine das waren Doppelstöcker der CFL und was Einstöckiges der DB (?), in Trier wurde dann geflügelt.
Kiss (von Stadler) mit Flirt (von Stadler)…
In Deutschland gäbe es grundsätzlich NE81 und RS1, die miteinander kompatibel sind - ob man das als gleichen Hersteller ansieht oder nicht liegt sicher im Auge des Betrachters. Grundsätzlich ist sowas aber mit der passenden Schnittstelle (ÖBB Fernsteuerkonzept lässt grüßen) kein Problem.
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Weg mit dem 4744!
Muss kein Problem sein
Aphex Twin, Sonntag, 09.11.2025, 13:40 (vor 94 Tagen) @ JeDi
Hat die CFL auf der Moselstrecke nicht mal genauso etwas gemacht im IC nach/von Düsseldorf?
Ich meine das waren Doppelstöcker der CFL und was Einstöckiges der DB (?), in Trier wurde dann geflügelt.
Kiss (von Stadler) mit Flirt (von Stadler)…In Deutschland gäbe es grundsätzlich NE81 und RS1, die miteinander kompatibel sind - ob man das als gleichen Hersteller ansieht oder nicht liegt sicher im Auge des Betrachters. Grundsätzlich ist sowas aber mit der passenden Schnittstelle (ÖBB Fernsteuerkonzept lässt grüßen) kein Problem.
Inwieweit muss da jede Kombination einzeln zugelassen werden? Doppeltraktion von 408 mit 407 hat die DB ja vorerst zurückgestellt da der Zulassungsaufwamd ihr die Sache nicht Wert ist.
Muss kein Problem sein
guru61, Arolfingen, Dienstag, 11.11.2025, 08:44 (vor 92 Tagen) @ J-C
bearbeitet von guru61, Dienstag, 11.11.2025, 08:44
Man kann Kompatibilität mit dem Bestandsmaterial vorschreiben, wenn es ein Thema wäre. Oder man verzichtet aus Kostengründen drauf und fährt die Züge nur reinrassig wie bislang - gibt ja bereits Siemens-Doppelstocktriebwagen.
Ja, das hatte man bei der Bestellung der Siemens Desiros:
Man hat es nicht hinbekommen, diese mit den DPZ in Vielfachsteuerung laufen zu lassen!
So hätte man elegant das Behindertengleichstellungsgesetz erfüllen können. Was nun nicht möglich war. Siemens lieferte einen Zug als Pönnale gratis! Bombardier, auch in Deutschland gefertigt übrigens 3, Gell Blaschi!
Das war dann der Startschuss für das Lion Programm.
Wer mag sich noch an die seinerzeitige Fahrt zu Märklin erinnern, wo die 460 465 und verschiedene VST III Loks nach Göppingen verkehrten? Mit der Re465 der BLS dazwischen, die als Dolmetscherlok fungierte, weil die Re 460 keine Vst III hatte?
Abgesehen davon:
Zum Thema: Ich sagte schon lange, dass eine reine Verstadlerung der Schweizer Bahnen auch ihre Gefahren bringt! Monopole sind nicht gut.
Daher ist es zu begrüssen, wenn auch wieder einmal eine andre Firma zum Zug kommt.
Stadler wird das anspornen um besser zu werden.
Das sage ich als Aktionär von Stadler!
Gruss Guru
Video zur Vergabe mit Beleuchtung der Flottenstrategie
Alphorn (CH), Sonntag, 07.12.2025, 02:04 (vor 66 Tagen) @ Alphorn (CH)
In diesem Video von "Zügige Züge" wird neben den Chancen der Stadler-Rekurses auch auf das Thema Flottenstrategie eingegangen.
Die These ist: Neue KISS-Züge für die 2030er hätten mit denen aus den 2010ern eh nicht mehr viele Gemeinsamkeiten.
Dem kann ich nur bedingt folgen; klar wird es Unterschiede geben, aber vieles wie z.B. Unterhaltsstandorte, Bauteile oder Lieferketten für Ersatzteile könnten gleich bleiben. Bei der Siemens-Bestellungen sind die Gemeinsamkeiten nahezu null.
Gleichzeitig wird argumentiert, dass die enorme Auftragsgrösse von mindestens 116 Doppelstockzügen (Rahmenvertrag bis zu 200) auch ohne Gemeinsamkeiten mit anderen Zügen gute Skaleneffekte für eine effiziente Bewirtschaftung schafft. Dem kann ich schon eher folgen, das ist für die Schweiz ein enormer Auftragsumfang und schafft eine umfangreiche Teilflotte.
Letztlich bleibt aber der Widerspruch zur propagierten Vereinheitlichung bestehen.
Stalder bemüht wegen der Vergabe die Gerichte
Waldbahn, Sonntag, 07.12.2025, 08:37 (vor 66 Tagen) @ Alphorn (CH)
Moin, die Meldung ist zwar schon ein paar Tage alt, aber Stadler zieht vor das schweizer Bundesverwaltungsgericht.
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Gruß
Waldbahn