Polenreise mit Krakauer, Kibel und Kotlet (3/5) (Reiseberichte)
Im letzten Teil habe ich in Zakopane den Nachtzug nach Gdynia bestiegen und wechsle damit von den Karpaten ans andere Ende Polens an der Ostsee: https://www.ice-treff.de/index.php?id=718552
Tag 5: Gdynia – Hel – Soppot – Danzig
Kurz vor 6 Uhr wache ich bei Działdowo/Soldau auf und erkläre die Nacht für beendet. Hier in Nordostpolen ist es zu dieser Jahreszeit schon längst hell und ich kann mir die mäßig spannende Landschaft der Masuren anschauen. Die Strecke führt hier durchs frühere Ostpreußen, kam aber als Teil der Polnischen Korridors schon nach dem 1. Weltkrieg an Polen.
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In der hügeligen Landschaft wechseln sich Wald und Felder ab. Bei der Fahrt durch ein Waldstück sehe ich am Bahndamm sogar eine Elchkuh! Für einen Hirsch war das Viech zumindest ziemlich groß.
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In Marienburg verlässt mein Abteilgenosse den Zug und ich habe das Abteil wieder für mich. Toll, mal wieder die Deutschordensburg zu sehen!
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Ab hier kenne ich die Strecke schon von meiner ersten Bahnfahrt in Polen im unmodernisierten Kibel nach Danzig 2017. Über die Weichselbrücke bei Tczew/Dirschau fahre ich aber gerne mal wieder. Wenn ich es richtig verstehe, soll die alte Brücke der Preußischen Ostbahn in ihrer ursprünglichen Form von 1857 vor den Kriegszerstörungen aus dem 2. Weltkrieg rekonstruiert werden. 2017 war sie auch schon gesperrt.
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Mein Tagesziel ist zwar Danzig, aber heute Morgen fahre ich erstmal durch. Da ich schon 2017 mal dort war, war Danzig eigentlich nicht auf meiner Wunschliste für diesen Urlaub und ist erst durch den Nachtzug reingerutscht. In so eine schöne Stadt kann man auch zweimal fahren. Zuerst möchte ich aber auf die Halbinsel Hela vor der Danziger Bucht. Dorthin wird mich von Gdynia aus dieser Triebwägelchen bringen. Mein Nachtzug steht im Hintergrund und wird noch, bevor mir ein Bild von vorne möglich ist, in die Abstellung gezogen.
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Der Zug nach Hel muss einen großen Bogen um die Danziger Bucht fahren, erst nach Norden und dann dreht er bei Władysławowo ab Richtung Südosten. Dabei fällt der Blick zurück auf auf die kaschubische Schweiz. Später wäre noch die Danziger Bucht zu sehen gewesen.
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Das Triebwägelchen ist heute bei dem schönen Wetter deutlich unterdimensioniert. Ab Gdynia sind schon viel Individualreisende im Zug und unterwegs steigen noch drei Schulklassen ein. Wie ich morgen in Thorn erfahren werde, ist aktuell nämlich die klassische Klassenfahrtwoche in Polen. Entgegen meinen Erwartungen passen aber alle rein. Da kommt 9€-Ticketfeeling auf! In Władysławowo muss ich schließlich meinen Platz für eine Seniorin räumen darf den Rest der Fahrt im Gang verbringen, von wo ich auch die Fahrt auf die Halbinsel verfolge.
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Die Ankunft verspätet sich wenig überraschend um einige Minuten wegen Verzögerungen beim Fahrgastwechsel, was mich aber nicht weiter stört. Hier auf dem Bild haben sich die meisten Fahrgäste schon vom Bahnhof in Richtung Küste fortbewegt.
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Dahin führt auch mein erster Weg, um mir ein Ticket für den Rückweg per Schiff zu besorgen. Hatte ich die Idee schon vorher, wurde ich darin durch die Bahnfahrt eben bestätigt. Immerhin wollen die ganzen Fahrgäste vermutlich heute Abend wieder nach Hause und dann muss ich mir die Sardinenbüchse nicht antun.
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Der Ort Hel liegt an der Südseite der Halbinsel an der Danziger Bucht und so ist am Horizont die kaschubische Schweiz zu sehen.
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Mein zweiter Weg führt mich zu Rossmann, um Sonnencreme zu erwerben und um größeren Desastern vorzubeugen. Wegen der eigentlich deutlich schlechteren Wetterprognose für diese Woche hatte ich nämlich keine eingepackt. Dann gehe ich etwas aus dem Ort raus zu den alten Wehrmachtsstellungen. Am Parkplatz steht ist eine Turbine aufgestellt. Was es mit ihr auf sich hat, habe ich nicht ganz verstanden, aber als Thermodynamiker freut man sich darüber.
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Die Feldbahn ist leider aktuell nicht in Betrieb.
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Hier wurde von den Deutschen nach der Besetzung Polens ein monströses Geschütz zur Kontrolle der Danziger Bucht errichtet. Das Geschütz selbst wurde leider relativ bald nach Nordfrankreich verlegt, aber die Lafette lässt seine Dimensionen erahnen.
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So sieht das Ganze im Modell aus. Hoffen wir mal, dass so etwas hier nie wieder benötigt wieder. Zum russischen Kaliningrad ist es aber gar nicht so weit.
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Danach steche ich gerade aus durch den Wald und die Dünen durch zum Ostseestrand. Ein riesiger perfekter Sandstrand ohne eine Menschenseele. Wo findet man das noch?
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Na gut, es ist noch keine Hauptsaison und ich bin hier ziemlich weit weg vom Ort. Beim Baden merke ich auch schnell, warum kaum einer im Wasser ist. Die Ostsee ist noch eiskalt.
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Nun will ich dem Strand zum Ort zurück folgen. Dabei wird mir die Zeit auf einmal ziemlich knapp. Die Küstenlinie ist stark geschwungen und dadurch um einiges länger als mein Hinweg durchs Inland und auf dem Sand bin ich auch nicht so flott. Also muss ich ein wenig durch die Dünen abkürzen.
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Schließlich reicht es aber noch für mich, mein Schiff zu erwischen und mir davor eine kleine Stärkung zu holen. Bei der Ausfahrt aus dem Hafen hat es sich leider etwas zugezogen.
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Nach einer guten Stunde nähert sich Sopot.
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Wir legen hier an der Seebrücke an, was mir erfreulicherweise den Eintritt für sie spart.
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Das Schiff hätte mich auch weiter bis Danzig gebracht, aber ich möchte mir noch Sopot anschauen.
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Das Denkmal erinnert an ein Bären, der als Begleiter der polnischen Einheiten in Italien im 2. Weltkrieg zum Kriegshelden wurde. Was es nicht alles gibt?
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Von Sopot fährt die S-Bahn im dichten Takt nach Danzig. Deshalb lasse ich auch den ersten Takt, der mit einem modernen Newag Impuls gefahren wurde fahren und warte auf die nächste Leistung mit einem Kibel.
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Unterwegs leisten wir uns für längere Zeit ein Wettrennen mit diesem Kibel als Regionalzug nach Bromberg.
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Einfahrt im schönen Danziger Hauptbahnhof. Ich fahre aber noch eine Station weiter bis Śródmieście.
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Mein Hostel ist in diesem schönen Altbau an der Stadtmauer und hat ein sehr vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis für ein Einzelzimmer.
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Die alte Hansestadt erstrahlt in wiedergewonnenem Glanz um das Krantor.
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Wie bestellt öffnet sich sogar noch die Klappbrücke.
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Die modernen „Speicherhäuser“ auf dem gegenüberliegenden Ufer harmonieren meiner Meinung nach ziemlich gut mit den Altbauten.
Nachdem mir in Krakau aufgefallen ist, dass es in Polen einige ukrainische Restaurants gibt, habe ich mir heute bewusst ein solches ausgesucht, um diese mir unbekannte Küche auszuprobieren. Als Vorspeise vergleiche ich ukrainischen Borschtsch mit seinem polnischen Pendant vor zwei Tagen. Als Hauptgang bekomme ich Geflügelleber. Beides ist ausgezeichnet. Inzwischen habe ich auch daheim in Karlsruhe ein ukrainisches Restaurant entdeckt und ausprobiert.
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Danach genieße ich bei einem Bier als Absacker die nächtliche Aussicht auf das Krantor.
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Tag 6: Danzig – Graudenz – Thorn
Heute beginne ich mich langsam mit der Rückfahrt. Es soll nach Torun/Thorn gehen. Da der TLK Flisak, den ich dazu bis Graudenz nehmen möchte erst nach 9 Uhr losfährt, habe ich es heute Morgen aber nicht so eilig und bleibt mir noch Zeit für einen Spaziergang zum Hauptbahnhof. Dabei mache ich einem Umweg zum ehemaligen polnischen Postamt, das unrühmliche Bekanntheit erlangte als einer der ersten Schauplätze des 2. Weltkriegs und in dieser Rolle auch ein Schauplatz von „Die Blechtrommel“ ist.
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Dann bin ich am prächtigen Hauptbahnhof. Jetzt, wo ich davorstehe, erkenne ich ganz klar die Ähnlichkeit zum heimatnahen Colmarer Bahnhof.
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1945 sah er nicht so gut aus, wie auf dieser Infotafel zu sehen ist.
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Dann beginnt die Fahrt im TLK Flisak. Diesen kann man wegen seines unorthodoxen Laufwergs über Nebenbahn wohl mit Fug und Recht als Heckeneilzug bezeichnen. Zum ersten Mal dürfte ich auf den Zug in einem Reisebericht von Ralf gestoßen sein, aber für die Fahrt nach Thorn schlagen ihn auch die gängigen Auskunftsmedien vor. Am offenen Übersetzfenster meines Abteils geht es durch den Bahnhof Tczew/Dirschau.
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Bis Marienburg ist der Weg noch gut bekannt von gestern. Erneut weckt die alte Weichselbrücke mein Interesse. Dieser Teil sieht frisch renoviert aus.
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Ab Marienburg biegen wir dann aber von der Hauptstrecke nach Warschau ab in Richtung Graudenz. Die Strecke folgt der Weichsel Richtung Süden, aber immer in einigem Abstand auf dem höhergelegenen Ostufer.
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Der größte Unterwegshalt Marienwerder hat auch eine beeindruckende Deutschordensburg, die aber leider aus der Bahn nicht zu sehen ist. Da wir 2017 mit dem Auto dort waren und der Fahrplan recht überschaubar ist, spare ich mir einen Ausstieg.
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Auf die Ankunft in Graudenz müsst ihr aber noch bis zum nächsten Teil warten. In diesem werde ich mich langsam aber stetig wieder Deutschland annähern.
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