Polenreise mit Krakauer, Kibel und Kotlet (1/5) (Reiseberichte)
Vorletztes Jahr schlug meine ehemalige Mitbewohnerin Katharina, mit der ich schon im ein oder anderen Reisebericht unterwegs war, vor, an der Uni zusammen einen Portugiesischkurs zu machen. Da die Termine für Berufstätige blöd lagen, schlug ich stattdessen Polnisch vor, da es immerhin mit den beiden gleichen Buchstaben beginnt und ich schon länger mit dem Gedanken spielte. Zu meiner Überraschung war sie einverstanden, wir haben zwei Semester lang Polnisch gelernt und dabei den Plan gefasst, zusammen mit ihrem Mann bzw. meinem besten Freund Chris bei Gelegenheit nach Polen zu reisen. Als dann für Christi Himmelfahrt ein großes Familientreffen in Woltersdorf im Osten von Berlin angekündigt wurde, war die Gelegenheit für mich gekommen. Wegen Terminkollisionen bei den anderen Beiden, war ich dann aber allein unterwegs und unsere Polenfahrt zu dritt muss noch warten.
Tag 1: Karlsruhe – München und Umgebung
Ganz oben auf meiner Wunschliste stehen diesmal Krakau und Thorn, weshalb ich zügig nach der Terminierung des Familientreffens den EN von München nach Krakau gebucht hatte. Bei der Rabattaktion im Frühjahr wurde dann noch ein Interrailpass für Polen erworben.
Da der EN in München schon ziemlich früh am Abend startet, wäre mit ausreichend Puffer in München nicht mehr viel vom Arbeitstag übriggeblieben. Deshalb und wegen des günstigeren Sparpreises habe ich mich schließlich für den morgendlichen ICE Baden-Kurier nach München entschieden. Somit geht es entspannt in der 1. Klasse eines klassischen ICE 3 von Karlsruhe nach München. Die Mitreisende gegenüber fährt zum ersten Mal seit Langem ICE und ist positiv überrascht von Komfort und dem Kaffee. Zu ihrer Überraschung kommen wir sogar etwas vor Plan in München-Pasing an. So kann eine Reise starten!
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In Pasing bin ich bislang nur durchgefahren und habe mich dabei schon mehrmals gefragt, wo wohl das historischen Empfangsgebäude sein mag. Hinter der mehrspurigen Bundesstraße werde ich dann fündig.
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Am Bahnsteig steht dieser Sonderzug einer Reisegruppe nach Freilassing.
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Dank der überpünktlichen Ankunft bleiben mir jetzt noch über 7 Stunden bis zur Abfahrt des EN. Diese will ich nutzen, um ein wenig das südwestliche Umland von München zu erkunden. Mit der S8 geht es nach Herrsching am Ammersee, wo ganz offensichtlich vor einigen Jahren der Bahnhof etwas Richtung München verlegt wurde. Am alten Bahnsteig liegen noch die Gleise und Laternen und Sitzbänke verrotten gemeinsam vor sich hin.
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Vom Seeufer gehe ich zu Fuß ein paar Kilometer hinauf zum „heiligen Berg“ Bayerns mit dem Kloster Andechs.
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Zum Fasten bin ich jedoch nicht gekommen. Zeit für ein deftiges bayrisches Mittagessen.
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Weiter geht es mit dem Bus nach Tutzing und mit der S-Bahn nach Starnberg an den nächsten See.
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Die Bahnsteigdächer wollen gar nicht zu so einer wohlhabenden Gemeinde passen. Mal schauen, wie lang der Bahnhof uns noch erhalten bleibt, wenn ich die neusten Pläne der Stadt hier im Forum richtig verstanden habe.
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Da ich noch sehr gut in der Zeit bin, baue ich spontan noch einen Umweg über Wolfratshausen und die Isartalbahn aus. Aus dem Bus hat man von den Serpentinen vor Wolfratshausen diesen Blick über das Städtchen.
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Die Bahnhofssituation kommt mir bekannt vor aus der ein oder anderen Folge der BR-Serie „Hubert und Staller“. Erst jetzt beim Schreiben des Berichts, ist mir aufgefallen, dass ich hier mit einem der in München relativ neuen 424 unterwegs war.
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Nach der Ankunft in München bleiben mir nur noch etwa 1,5 Stunden. Genug Zeit für ein Abendessen im Augustiner-Stammhaus. Eigentlich wollte ich nach dem deftigen Mittagessen nur noch etwas Leichtes, was aber mit dem Brotzeitteller etwas eskaliert.
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Als mir klar wird, dass der EN Richtung Salzburg vermutlich am Holzkirchener Flügelbahnhof startet, muss ich mich auf einmal ganz schön sputen, erreiche ihn aber noch rechtzeitig.
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Bis Wien habe ich mein Liegewagenabteil für mich.
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Somit kann ich ungestört am Übersetzfenster die Ausfahrt aus München genießen.
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Die frühe Abfahrt macht das Reiseerlebnis speziell. Aus meinem Bett kann ich den späten Berufsverkehr an den Bahnsteigen in München Ost und Rosenheim beobachten. Besonders lang ist der EN nicht.
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Früher waren die Familientreffen hier unter der Hochplatte bei meiner Oma, aber das ist seit einigen Jahren leider vorbei.
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Bei Traunstein, wo meine Oma aufwuchs, führt die Strecke über die Traun.
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Nach Salzburg wird es langsam dunkel. Auf der Westbahn stehen wir dann längere Zeit rum, sodass wir mit gut einer Stunde Verspätung erst nach Mitternacht in Wien ankommen. Vom Zustieg meiner Zimmergenossen bekomme ich deshalb nicht mehr viel mit.
Tag 2: Krakau und Wieliczka
Schon kurz nach 5 Uhr wache ich au und kann am Gangfenster erste Eindrücke von Südpolen sammeln. Der EN fährt von hier zwischen Auschwitz und Krakau auf der langsameren südlicheren Strecke, vermutlich um in Krakau nicht kopfmachen zu müssen.
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Über Nacht ist der EN in Tschechien um den Budapester Zugteil gewachsen und seine Verspätung losgeworden.
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Zuglok ist eine E09, womit schon mal einen Haken bei dieser vom Aussterben bedrohten Baureihe setzen kann.
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Ein Blick aufs Nachbargleis lässt mich hoffen, dass es auch mit einer Fahrt in einem Kibel etwas werden könnte.
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Erstmal werde ich im Hostel mein Gepäck los, versorge mich mit Frühstück und starte mit der Stadtbesichtigung. Uiuiui, das Straßenbahngleis sieht aber rumpelig aus.
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Der Wawel im Süden der Altstadt war die prächtige Residenz der polnischen Könige. Der Arkadenhof stammt aus der goldenen Zeit Polens unter den Jagiellonen in der Renaissance.
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Den Eintritt für das Schloss spare ich mir aber, da seit der Verlegung der Residenz nach Warschau mehrere Kriegsplünderungen und ein Umbau zur österreichischen Kaserne geschahen. Interessanter finde ich die Wawelkathedrale.
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In ihrer Gruft sind die meisten polnischen Könige und ausgewählte Nationalhelden bestattet sind. Beispielhaft ist hier der Kenotaph des letzten Königs aus der ersten polnischen Königsdynastie, den Piasten, Kasimir der Große zu sehen.
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Ob der 2010 verunglückte Präsident Lech Kaczyński zurecht unter diesen Nationalhelden ruht, spaltet die Geister. Ich spare mir, meine Meinung hier zu äußern.
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Vom Kirchturm bietet sich eine gute Rundumsicht über Krakau.
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Mit der Eintrittskarte für die Kathedrale kommt man auch ins Diözesanmuseum unterhalb des Wawelhügels. Im Obergeschoss kann der Besucher die Junggesellenwohnung des späteren Papstes Johannes Pauls II. während seiner Promotion bewundern.
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Generell ist es hier in Krakau schwer, am polnischen Papst vorbeizukommen. Ich habe von unter Anderem mehrere Amtsroben, diverse Paar Schuhe, zwei Schreibmaschinen, gesammelte Kunstgegenstände, Staatsgeschenke, seine Skier und die Hochzeitskirche seiner Eltern gesehen.
Am Mittag besuche ich das renommierte Czartoryski-Museum. Da wollte ich eigentlich morgen Nachmittag hin, musste aber zu meiner Verblüffung feststellen, dass Sonntag Ruhetag ist. Die meisten Besucher, auch ich, strömen hier her, um Leonardo da Vincis Dame mit dem Hermelin zu sehen. Aber auch sonst gibt es hier viel Interessantes zu sehen, insbesondere zur polnischen Geschichte.
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Nach dem Museum habe ich für heute immer noch nicht genug und fahre mit diesem Gefährt von Pesa nach Wieliczka raus. Die kurze Stichstrecke wird von Koleje Malopolskie miteinem s-bahnähnlichen Verkehr im Halbstundentakt bedient.
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Das vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert aktive Salzbergwerk Wieliczka gehört zum UNESCO-Welterbe und ist bekannt für seine beeindruckenden Hallen, insbesondere die unterirdische Kirche.
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Hier unten stehen relativ wahllos Salzstatuen bekannter Personen herum und auch ein Salzpapst Johannes Paul darf natürlich nicht fehlen.
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Ganz übermütig habe ich, um gut 10 € und eine halbe Stunde Wartezeit zu sparen die günstigere polnische Führung gewählt. Ein Versuch unauffällig bei der spanischen Gruppe vor uns unterzutauchen, scheitert leider. Naja, immerhin verstehe ich, dass Salz hier ganz wichtig war. Nach dem Ende der Führung kann man entweder zum Ausgang gehen oder noch eine weitere Führung im Museum machen. Da ich hier bei der englischen Führung lande, nehme ich einiges mehr an Infos mit.
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Bis ich in Krakau zurück bin, ist es schon nach halb Acht. Ich steige am Haltepunkt Kraków Grzegórzki, um den dortigen Markt zu inspizieren. Der begeistert mich zwar nicht so, aber ein Imbisswagen bietet schmackhafte Krakauer Würste vom Holzfeuer zu erschwinglichen Preisen an. Umso schöner, wenn man diese mit Blick aufs Bahnverkehr genießen kann.
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Mit einem Bierchen in der Altstadt lasse ich dann den ersten Tag in Polen ausklingen.
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Viele Grüße
Eric
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Bahne aus Leidenschaft,
24.07.2025, 19:48
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- Dziękuję bardzo! - JanZ, 27.07.2025, 15:29
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