Datenschutz-Alptraum auf Rädern - moderne Autos... (Allgemeines Forum)
Ich habe - zumindest hin und wieder - bei so Diskussionen um Risiken im Bezug darauf, durch den Staat zum gläsernen Menschen zu werden - den Eindruck gewonnen, als ob manche das als Ausrede verwenden, um dann die Bahn zu meiden, man würde da ja total überwacht werden mit den Handytickets etc.
Link zur Studie der Mozilla Foundation
Vorbehalt: es wurden offenbar zuvorderst die Datenschutzerklärungen im US-Raum betrachtet. Wie das in Europa sich verhält, ist vielleicht etwas anders.
Moderne Autos sind vollgesteckt mit Elektronik, können viel Telemetrie beherrschen. Aber wer glaubt, es ginge bei Datenschutzproblemen lediglich um so Dinge wie Aufzeichnung von Fahrtrouten... der irrt sich.
Laut Recherchen von Mozilla können beliebte internationale Automarken – darunter BMW, Ford, Toyota, Tesla, Kia und Subaru – hochgradig persönliche Daten sammeln, z. B. über die sexuelle Aktivität, den Einwanderungsstatus, die Ethnie, den Gesichtsausdruck, das Gewicht, die Gesundheit oder die Genetik einer Person sowie welche Orte diese anfährt. Die Forschenden fanden heraus, dass Daten über Sensoren, Mikrofone, Kameras und über die Handys und Geräte, die Fahrer*innen mit ihren Autos koppeln, sowie über Auto-Apps, Unternehmenswebsites, Händler und Telematiksysteme erfasst werden. Die Autohersteller können diese Daten dann an Dritte weitergeben oder verkaufen. Zudem können sie die Daten nutzen, um Rückschlüsse auf die Intelligenz, Fähigkeiten, Eigenschaften, Präferenzen und weitere persönliche Merkmale zu ziehen.
Eine weitere Premiere für das Forschungsteam hinter *Datenschutz nicht inbegriffen: Keine einzige der Marken im Test erfüllt die Mindestsicherheitsstandards von Mozilla. Genauer gesagt, konnten die Forschenden nicht bestätigen, dass auch nur eine der Marken alle persönlichen Daten verschlüsselt, die in den Fahrzeugen gespeichert werden. Nur ein Hersteller (Mercedes) antwortete überhaupt auf Mozillas Anfrage bezüglich einer solchen Verschlüsselung.
Im Link ist auch mehr vorhanden zur Art der Auswertung.
Das sind natürlich alles unverschlüsselte Daten, die nicht nur an dritte weitergegeben werden können, sondern auch eben unberechtigt abgegriffen werden können. Da würde ich fast vermuten, dass man einfach mit entsprechendem Equipment sich entlang einer stark befahrenen Straße einquartieren könnte und einfach alle Autos gepflegt scannt. Automatisch natürlich.
Wer sich fragt, was für Marken da am meisten auffallen...
Die Marke mit den weitaus meisten Verstößen ist Nissan. Der japanische Autohersteller gibt in seiner Datenschutzerklärung zu, eine Vielzahl von Informationen zu sammeln, darunter Informationen zur sexuellen Aktivität, zur Gesundheit und zur Genetik – aber wie diese Datenerfassung erfolgt, wird nicht erläutert. Nissan sagt, dass das Unternehmen die „Präferenzen, Eigenschaften, psychologischen Trends, Neigungen, Verhaltensweisen, Einstellungen, Intelligenz, Fähigkeiten und Eignungen" von Verbraucher*innen an Datenbroker, Gesetzeshüter und andere Dritte weitergeben und verkaufen kann.
Weitere Spitzenreiter in Sachen dubioses Verhalten: Volkswagen erhebt demografische Daten (wie Alter und Geschlecht) und Informationen zum Fahrverhalten (wie Anschnall- und Bremsgewohnheiten) für gezielte Marketingzwecke; Toyota wartet mit einem nahezu undurchdringlichen Dschungel aus 12 Datenschutzerklärungen auf; Kia kann laut seiner Datenschutzerklärung Informationen über Ihr „Sexualleben“ sammeln; und Mercedes-Benz stellt Fahrzeuge her, bei denen TikTok vorinstalliert ist – eine Plattform, die selbst massive Datenschutzprobleme hat. Analyst*innen schätzen, dass sich die Monetarisierung von Daten aus Fahrzeugen bis 2030 zur 750-Milliarden-Dollar-Industrie entwickeln könnte.
Und natürlich werden diese Daten schon längst an die Regierung frei Haus geliefert
Automarken geben persönliche Daten an Gesetzeshüter und Regierungen weiter. In der Datenschutzerklärung von Hyundai heißt es beispielsweise, dass das Unternehmen Daten auf „formelle oder informelle“ Anfrage an Strafverfolgungsbehörden und Regierungen weitergeben kann. Die Datenschutzerklärung von Kia besagt, dass das Unternehmen in zahlreichen Fällen Daten weitergeben kann, „wenn dies nach bestem Wissen und Gewissen gesetzlich erforderlich oder zulässig ist“. Mit anderen Worten: Die Schwelle für die Weitergabe von im Höchstmaß sensiblen Informationen ist sehr niedrig.
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky