5G statt GSM-R: Rollout ab 2027 (ZM) (Allgemeines Forum)
bskf, Donnerstag, 10.10.2024, 05:16 (vor 629 Tagen)
5G soll Züge in Deutschland ab 2027 pünktlicher machen:
https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/deutsche-bahn-5g-ausbau-soll-zuge-ab-2027-punktl...
Viele Grüße, bskf
5G statt GSM-R: Rollout ab 2027 (ZM)
Tabernaer, Irgendwo im grünen Nirgendwo, Freitag, 11.10.2024, 07:59 (vor 628 Tagen) @ bskf
Selten so gelacht. Es fehlen tausende Weichen plus div Signale dazu. Das Streckennetz ist am Ende. Die Stellwerke sind zum großen Teil überaltert und nicht selten mit Uralttechnik aus dem vorigen Jahrhundert bestückt. Diese ist naturgemäß mittlerweile anfällig für Störungen aller Art.
Statt sich mal darum zu kümmern startet man hier wieder solche Projekte. Da gibt es bei der Bahn glaube ich vordringlichere Probleme, um die man sich kümmern sollte, als um so einen "Quatsch"
Aber bitte, der Steuerzahler hats ja...
5G statt GSM-R: Rollout ab 2027 (ZM)
Aphex Twin, Freitag, 11.10.2024, 13:24 (vor 627 Tagen) @ Tabernaer
Selten so gelacht. Es fehlen tausende Weichen plus div Signale dazu. Das Streckennetz ist am Ende. Die Stellwerke sind zum großen Teil überaltert und nicht selten mit Uralttechnik aus dem vorigen Jahrhundert bestückt. Diese ist naturgemäß mittlerweile anfällig für Störungen aller Art.
Statt sich mal darum zu kümmern startet man hier wieder solche Projekte. Da gibt es bei der Bahn glaube ich vordringlichere Probleme, um die man sich kümmern sollte, als um so einen "Quatsch"
Aber bitte, der Steuerzahler hats ja...
Um eine nahe Analogien zu benutzen, Mobilfunkanbieter hätten bevor sie 3G, 4G und 5G eingeführten, zuerst alle Funklöcher schließen sollen? Oder bevor man Stellwerke aus den 1990er Jahren modernisiert erst alle vor den 1980er Jahren gebauten ersetzen müssen?
Bei Bereichen wie dem Digitalen Knoten Stuttgart (DKS), der Ausrüstung des kompletten* Knotens mit ausschließlich ETCS, stößt GSM-R einfach an technische Grenzen in Bezug auf Bandbreite und Ünertragungsgeschwindigkeit.
Und “5G GSM-R”, auch unter dem Namen FRMCS bekannt, ist etwas an dem auf europäischer Ebene seit über 10 Jahren schon gearbeitet wird. Wieso soll der Mobilfunk der Bahn nicht irgendwann sich an neue Standards anpassen? Die Spezifikationen für GSM-R wurden 2016 um General Packet Radio Service (GPRS) erweitert, etwas was im normalen Mobilfunknetz zum ersten Mal im Jahr 2001 eingesetzt wurde, dies entspricht dem Mobilfunkstandard 2G. Soll die Bahn weiter 2G nutzen, während inzwischen sogar 3G im normalen Mobilfunknetz abgeschaltet wurde. 2G Netze werden nur noch als eine Art Rückfallebene für alte Geräte und als Basisversorgung in Ecken des Netzes in die 4G (und 5G) nicht hineinreichen aufrechterhalten.
GSM-R wurde einmal eingeführt damit der Mobilfunk der Bahnanlagen dieselbe technologische Basis hat wie das allgemeine Mobilfunknetz hat und es dadurch viel mehr Anbieter und günstigere Preise gibt. Wenn aber irgendwann nur noch kleine Nischen 2G Standards nutzen, kommen wir wieder in eine Situation in der ein System nur noch von sehr wenigen Herstellern unterstützt wird und die Preise wieder deutlich steigen.
Versuch einer Versachlichung
bigbug21, Samstag, 12.10.2024, 12:45 (vor 626 Tagen) @ Aphex Twin
Hallo zusammen,
für einen, der sich seit etlichen Jahren mit (Eisenbahn-)Mobilfunk (auch beruflich) beschäftigt, mutetet der Artikel und auch ein Teil der darauf aufbauend hier geführten Diskussion einigermaßen schräg an. Versuch einer schnellen Versachlichung:
- Der heutige Eisenbahn-Mobilfunk, GSM-R, ist absehbar am Ende. Während der zu Grunde liegende Standard (GSM, "2G") im öffentlichen Mobilfunk zwar von den nachfolgenden Techniken (3G, 4G, 5G) weitgehend verdrängt, aber durchaus noch in Benutzung ist (als eine Art Basisdienst), ist GSM-R mit seinen bahnspezifischen Funktionen im weltweiten Maßstab eine absolute Nischenanwendung.
- Das Nachfolgesystem FRMCS ist für den Bahnbetriebsfunk tatsächlich in einiger Hinsicht ein großer Schritt nach vorne. Die bislang bahnspezifischen Funktionen (wie Notruf, Priorisierung/Verdrängung, Gruppenruf u. a.) sind in dem zunächst (auch in Deutschland) zu Grunde liegenden Funksystem (5G) enthalten. FRMCS bedient sich sozusagen dem weltweit standardisierten und weit verbreiteten "Werkzeugkasten" von 5G.
- Der Nutzen für den Bahnbetrieb ist differenziert zu sehen: Selbst GSM-R (mit GSM) ermöglicht eine Echtzeitkommunikation, mit Ende-zu-Ende-Übertragungszeiten (Latenzen) von typischerweise einigen hundert Millisekunden. Anders wäre ein normales Telefongespräch darüber auch gar nicht möglich. FRMCS ermöglicht hier eine Verkürzung um ein paar hundert Millisekunden, lässt beispielsweise im ETCS-Betrieb eine Verkürzung von Zugfolgezeiten von etlichen Zehntelsekunden erwarten. Größer sind die erwarteten Effekte in weiteren Bereichen: Die Übertragung von Fahrplänen (EBuLa) kann beispielsweise in Sekundenbruchteilen statt halben oder ganzen Minuten erfolgen, somit können Züge in etlichen Fällen zügiger weiterfahren.
- GSM-R (selbst ohne dessen Erweiterung GPRS) bietet mit dem (u. a. in Deutschland nutzbaren) erweiterten Frequenzband ausreichend Kapazität, um auch große Knoten mit GSM-R zu betreiben, auch ohne GPRS. Sehr grob zusammengefasst stehen 34 "Frequenzen" mit jeweils acht Zeitschlitzen zur Verfügung. Von diesen können, grob, sechs für ETCS genutzt werden, je einer wird für Sprachfunk und Organisationsaufgaben des Mobilfunknetzes genutzt. Da jeder Zug in ETCS in der Regel einen solchen Zeitschlitz benötigt, können ungefähr 200 (34*6) Züge parallel mit ETCS fahren, bevor eine Frequenz (in einem gewissen Abstand zum vorigen "Sender") wiederverwendet wird. Es heißt, es brauche GPRS (mit dem die Zeitschlitze nicht fest zugeordnet, sondern alle paar Millisekunden dynamisch nach Bedarf zugewiesen werden), um größere Knoten komplett mit ETCS zu betreiben. Unter anderem der Digitale Knoten Stuttgart, dessen kapazitiv anspruchsvollste Funkversorgungsgebiet (Bad Cannstatt/Abstellbahnhof Untertürkheim) oberirdisch liegt, zeigt, dass das so nicht der Fall ist.
- Bei alledem darf aber auch nicht vergessen werden, dass GSM-R eine sterbende Technik ist. Es besteht die tatsächliche Gefahr, dass im Laufe der 2030er Jahre diese (im globalen Maßstab) absolute Nischenanwendung weder zu einigermaßen bezahlbaren Preisen angeboten wird, noch technische Unterstützung. Auch Fachleute für diese Technik gehen in Rente, neue kommen nach meinem Eindruck kaum nach. Wozu auch? Wer will sich als Berufseinsteiger heute schon mit der Technik aus (gefühlt) Großvaters Zeiten beschäftigen?
- Von daher ist die Umstellung von GSM-R auf FRMCS längerfristig ohne Alternative und muss vernünftig gestaltet werden. Hier kommt dann ein weiterer Faktor ins Spiel: Per se soll FRMCS in dem oberen der beiden europäischen Bahnfrequenzbänder (bei 1900 MHz) eingeführt werden, während GSM-R weiter im angestammten Bereich (bei 900 MHz) in Betrieb bleibt. Die ungefähre Verdoppelung der Frequenz führt dabei zu einer ungefähren Halbierung der Reichweite. Wird dann auch noch ein besonders hochwertiges Netz gefordert, um beispielsweise langfristig Videodaten für fahrerlose Züge zu übertragen, sinken die Reichweiten noch weiter ab. Dies führt dazu, dass aus heute etwa 4.500 "Masten" für GSM-R (die rund 30.000 km versorgen) zukünftig irgendetwas zwischen 15.000 und 20.000 "Masten" für FRMCS werden sollen (siehe obiger Wikipedia-Artikel zu FRMCS). Das soll (siehe ebenda) allein infrastrukturseitig sechs Milliarden Euro kosten.
- Der (auch im Artikel angesprochene) besonders breitbandige öffentliche Mobilfunk am Gleis soll bei noch höheren Frequenzen laufen (um die 3,6 GHz). Dies führt zu einer nochmals reduzierten Reichweite und einem nochmals größeren Bedarf an Masten.
Aus meiner Sicht kommen wir in Deutschland nicht umhin, die Migration des Bahnbetriebsfunks (zu FRMCS) wie auch die Versorgung mit öffentlichem Mobilfunk vernünftig zu gestalten. Der "Werkzeugkasten" von FRMCS bzw. 5G bietet dabei viele Möglichkeiten. Denkbar wäre beispielsweise, unter gewissen Randbedingungen FRMCS und GSM-R gemeinsam im 900-MHz-Band zu betreiben, mit somit deutlich höheren Reichweiten. Auch kann Bahnbetriebsfunk mit FRMCS auch über öffentliche Netze laufen, wie es besonders das Beispiel Finnland zeigt, das zukünftig ausschließlich auf diese Lösung setzt (der Funk läuft über die beiden beiden der drei nationalen Mobilfunknetze). Das verspricht per se eine deutlich einfachere und gleichzeitig deutlich robustere Lösung, da drei flächendeckende, hochgradig ausgebaute Netze beispielsweise auch sehr viel robuster gegenüber Störfällen oder gar Sabotage scheinen.
Ich hoffe, diese schnelle Zusammenstellung hilft zur Einordnung weiter.
Viele Grüße
Peter
--
unterwegs für freie Eisenbahn-Geodaten
Versuch einer Versachlichung
Twindexx, St. Gallen (CH), Samstag, 12.10.2024, 13:41 (vor 626 Tagen) @ bigbug21
Hoi,
[*] Der heutige Eisenbahn-Mobilfunk, GSM-R, ist absehbar am Ende. Während der zu Grunde liegende Standard (GSM, "2G") im öffentlichen Mobilfunk zwar von den nachfolgenden Techniken (3G, 4G, 5G) weitgehend verdrängt, aber durchaus noch in Benutzung ist (als eine Art Basisdienst),
Da hält man in Deutschland den Saurier einfach noch am leben. In der Schweiz gibts seit bald zwei Jahren keine öffentlichen 2G-Netze mehr, überhaupt ist GSM-R das einzige in der Schweiz noch betriebene 2G-Netz. Nächstes Jahr folgen dann die 3G-Netze, die bis Ende 2025 alle abgeschaltet werden. Ab Ende 2025 benötigt man in der Schweiz zwingend ein 4G-fähiges Mobiltelefon mit VoLTE-Funktionalität, sonst schaut man in die Röhre.
Den Bahnfunk zu modernisieren, ist vor diesem Hintergrund zwingend nötig. Dabei ist es auch sehr sinnvoll, direkt auf 5G-Technologie zu setzen. Die SBB, Swisscom und Ericsson werden nächstes Jahr schon die Strecke Bern-Thun mit FRMCS ausrüsten. Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hat für FRMCS bereits das Frequenzband 39 mit einem Spektrum von 1900 bis 1910 MHz reserviert. Es ist noch nicht entschieden, ob FRMCS künftig auch im Frequenzband 8 (900 MHz) arbeiten wird oder ausschliesslich im Band 39 bleiben wird.
Die SBB haben vom Bundesamt für Verkehr (BAV) die Systemführerschaft erhalten, um FRMCS schweizweit stellvertretend für alle Bahnen zur Marktreife zu bringen. Das Ziel ist, GSM-R schweizweit bis Mitte der 2030er-Jahre komplett abzuschalten und flächendeckend FRMCS einzuführen. Das BAV wird mit entsprechend zeitlichem Vorlauf die EVU informieren, ihr Rollmaterial zeitgerecht umzurüsten, sobald der genaue Zeitpunkt der ersten GSM-R-Abschaltungen bekannt ist.
Also auch die DB wird in ihre Fahrzeuge, die Basel SBB und Schaffhausen anfahren, innerhalb der nächsten zehn Jahre in die Nachrüstung investieren müssen. Dass die DB woanders auch Investitionsstau hat, darf halt auch in anderen Bereichen nicht zum Stillstand führen. Man muss dann halt eben generell mehr investieren, wenn man den Anschluss nicht verlieren möchte.
Grüsse aus der Ostschweiz.
Versuch einer Versachlichung
ICE-TD, Samstag, 12.10.2024, 15:52 (vor 626 Tagen) @ Twindexx
Da hält man in Deutschland den Saurier einfach noch am leben. In der Schweiz gibts seit bald zwei Jahren keine öffentlichen 2G-Netze mehr, überhaupt ist GSM-R das einzige in der Schweiz noch betriebene 2G-Netz. Nächstes Jahr folgen dann die 3G-Netze, die bis Ende 2025 alle abgeschaltet werden. Ab Ende 2025 benötigt man in der Schweiz zwingend ein 4G-fähiges Mobiltelefon mit VoLTE-Funktionalität, sonst schaut man in die Röhre.
3G ist in Deutschland seit 2022 bereits abgeschaltet.
Versuch einer Versachlichung
Twindexx, St. Gallen (CH), Samstag, 12.10.2024, 17:57 (vor 626 Tagen) @ ICE-TD
bearbeitet von Twindexx, Samstag, 12.10.2024, 17:57
Hoi,
3G ist in Deutschland seit 2022 bereits abgeschaltet.
Das ist richtig, allerdings hat man 2G nicht gleich mitabgeschaltet, sondern lässt das aus irgendwelchen mir unklaren Gründen sogar ohne Enddatum weiterlaufen. In Deutschland hat sehr häufig noch Edge als Verbindung angezeigt und das ist eigentlich so gut wie gleichbedeutend wie Kein Netz. Im Zweifel bietet 3G halt doch noch eine bessere Datenrate wie 2G, darum hat man in der Schweiz auch 2G zuerst abgeschaltet und die Frequenzen für 4G und 5G nutzbar gemacht. Bis in einem Jahr ist dann auch 3G abgeschaltet und die Frequenzen werden dann für 5G genutzt.
Grüsse aus der Ostschweiz.
2G/EDEG lässt zumindest Sprachkommunikation zu
ffz, Sonntag, 13.10.2024, 13:29 (vor 625 Tagen) @ Twindexx
bearbeitet von ffz, Sonntag, 13.10.2024, 13:30
Hallo,
ohne dass ich den tatsächlichen Grund dafür kenne, warum das 2G-Netz in Deutschland noch aktiv ist, lässt 2G/EDGE zumindest noch eine Sprachkommunikation zwischen Mobiltelefon und Empfanger zu, die Datenübertragung ist, wie von dir richtig beschrieben, zum vergessen. Da zumindest in Deutschland Seniorenhandys die nur telefonieren und SMS schreiben können, recht verbreitet sind und auch Handys wie das Nokia 3310 und ähnliche Modelle, noch gerne genutzt werden, könnte ich mir vorstellen, dass das der Grund ist, warum man das 2G/EDGE Netz in Deutschland noch aktiv lässt. Ich könnte mir auch noch vorstellen, dass die Pager der Frewilligen Feuerwehr/Berufsfeuerwehr, Rettungsdienst, THW,... noch da drüber laufen, beim Digitalen BOS-Funk ist Deutschland, wie bei vielen anderen Digitalen Dingen auch, noch Status eines "Entwicklungslandes".
Gruß
2G/EDEG lässt zumindest Sprachkommunikation zu
Aphex Twin, Sonntag, 13.10.2024, 16:32 (vor 625 Tagen) @ ffz
ohne dass ich den tatsächlichen Grund dafür kenne, warum das 2G-Netz in Deutschland noch aktiv ist, lässt 2G/EDGE zumindest noch eine Sprachkommunikation zwischen Mobiltelefon und Empfanger zu, die Datenübertragung ist, wie von dir richtig beschrieben, zum vergessen. Da zumindest in Deutschland Seniorenhandys die nur telefonieren und SMS schreiben können, recht verbreitet sind und auch Handys wie das Nokia 3310 und ähnliche Modelle, noch gerne genutzt werden, könnte ich mir vorstellen, dass das der Grund ist, warum man das 2G/EDGE Netz in Deutschland noch aktiv lässt.
Dieser Artikel behauptet dass die Netzabdeckung mit 2G in Deutschland einfach noch größer ist als mit 4G (von 5G ganz zu schweigen).
Versuch einer Versachlichung
Reservierungszettel, KDU, Samstag, 12.10.2024, 19:35 (vor 626 Tagen) @ ICE-TD
Da hält man in Deutschland den Saurier einfach noch am leben. In der Schweiz gibts seit bald zwei Jahren keine öffentlichen 2G-Netze mehr, überhaupt ist GSM-R das einzige in der Schweiz noch betriebene 2G-Netz. Nächstes Jahr folgen dann die 3G-Netze, die bis Ende 2025 alle abgeschaltet werden. Ab Ende 2025 benötigt man in der Schweiz zwingend ein 4G-fähiges Mobiltelefon mit VoLTE-Funktionalität, sonst schaut man in die Röhre.
3G ist in Deutschland seit 2022 bereits abgeschaltet.
Bei meinem Anbieter gibt es nur drei Zustände, nämlich kein Netz, E, und LTE. Jetzt ist die Frage was das in G übersetzt bedeutet. G Anzeigen habe ich meine ich schon ewig nicht mehr gesehen.
Versuch einer Versachlichung
ICE-TD, Samstag, 12.10.2024, 20:21 (vor 626 Tagen) @ Reservierungszettel
bearbeitet von ICE-TD, Samstag, 12.10.2024, 20:23
Da hält man in Deutschland den Saurier einfach noch am leben. In der Schweiz gibts seit bald zwei Jahren keine öffentlichen 2G-Netze mehr, überhaupt ist GSM-R das einzige in der Schweiz noch betriebene 2G-Netz. Nächstes Jahr folgen dann die 3G-Netze, die bis Ende 2025 alle abgeschaltet werden. Ab Ende 2025 benötigt man in der Schweiz zwingend ein 4G-fähiges Mobiltelefon mit VoLTE-Funktionalität, sonst schaut man in die Röhre.
3G ist in Deutschland seit 2022 bereits abgeschaltet.
Bei meinem Anbieter gibt es nur drei Zustände, nämlich kein Netz, E, und LTE. Jetzt ist die Frage was das in G übersetzt bedeutet. G Anzeigen habe ich meine ich schon ewig nicht mehr gesehen.
E=EDGE=2G, LTE=4G, bis 2022 gab's noch UMTS/HSDPA=3G und mittlerweile gibt's noch 5G.
Generation
totga, Sonntag, 13.10.2024, 20:44 (vor 625 Tagen) @ Reservierungszettel
Das G steht für die 2., 3., 4. oder 5. Generation des Mobilfunks.
Das was in Deutschland A-, B- und C-Netz hieß (analoge Netze) wird anscheinend zusammen als eine Generation gezählt.
Danke für den interessanten Überblick! :)
sflori, Samstag, 12.10.2024, 18:43 (vor 626 Tagen) @ bigbug21
- kein Text -
Versuch einer Versachlichung
611 040, Erfurt, Samstag, 12.10.2024, 22:22 (vor 626 Tagen) @ bigbug21
Im Grunde genommen reichen also sowohl die Funktionen als auch die Kapazitäten von GSM-R völlig aus. 5G ist zwar "moderner" bringt aber für die im Bahnbetrieb nötigen Anwendungen maximal Zeitersparnisse von wenigen Sekunden bis Minuten. Dafür muss aber für viele Millionen das komplette Netz umgebaut werden und vermutlich alle Fahrzeuge mit neuen Zugfunkgeräten ausgestattet werden. Ein Wahnsinnsaufwand und Kosten für die wenigen Vorteile. Da wäre das Geld in anderen Bereichen wirklich besser aufgehoben.
Es ist doch völlig egal wie "alt" oder "unmodern" ein System ist, solange es zuverlässig funktioniert (s.i.w. gab es letztens zum ersten mal seit 15 Jahren eine größere längere Störung) und alle Funktionen bietet die man braucht.
Wozu immer sinnlos neu bauen oder ändern wenn es keine Vorteile bringt sondern nur kostet. Ist doch total egal was andere Länder nutzen, das System ist autark und es ist absolut kein Problem ein älteres funktionierendes System weiterzunutzen. Das selbe war damals mit Disketten für die Reservierungen oder Faxgeräte im Stellwerk.
Nur weil irgendwelche Leute dann sagen, bei der Bahn ist es veraltet...
Grüße 611 040
--
❤ 611, 612, 642, 644, 425, ICE-T, IC1 ❤
Praktisch nichts zu tun ist auch keine Alternative
bigbug21, Sonntag, 13.10.2024, 12:32 (vor 625 Tagen) @ 611 040
Hallo 611 040,
es ist wie an so vielen anderen Stellen der Eisenbahn und unserer Gesellschaft auch: quasi nichts zu tun ist auch keine sinnvolle Alternative.
Würden wir praktisch nichts tun, könnte es durchaus sein, dass wir im Laufe der 2030er Jahre draußen sukzessive keinen Bahnbetriebsfunk mehr haben, weil (in der Telekommunikation alle etwa 15 Jahre) notwendige Erneuerungen mangels auf dem Markt verfügbarer Technik nicht mehr möglich sind, keine neuen Ersatzteile produziert werden und es auch immer weniger Menschen gibt, die sich mit dieser Technik auskennen.
Im Gegensatz beispielsweise zu mechanischen Stellwerken oder der LZB, die vergleichsweise einfach sind und auch deshalb irgendwie am Laufen gehalten werden können, kommt die Mobilfunktechnik heute von relativ wenigen, global agierenden Lieferanten.
Wir kommen nicht umhin, die Modernisierung unserer Gesellschaft wie auch der Eisenbahn, klug zu gestalten. Eine sterbende Technik mit allen Mitteln vor dem Tod zu bewahren, scheint dabei ebenso keine sinnvolle Alternative, wie für zig Milliarden Euro die Zahl der Standorte für Bahnbetriebsfunk in etwa zu vervierfachen.
Viele Grüße
Peter
P. S.: Die weitreichenden Folgen zweier Kabeldiebstähle am 8. Oktober 2022 sind letztlich wohl auch ein Ergebnis einer "uralten" Technik, die das an sich hochrobuste Internetprotokoll (IP) noch nicht kennt.
--
unterwegs für freie Eisenbahn-Geodaten
Versuch einer Versachlichung
ICE-TD, Sonntag, 13.10.2024, 12:34 (vor 625 Tagen) @ bigbug21
[*] Der Nutzen für den Bahnbetrieb ist differenziert zu sehen: Selbst GSM-R (mit GSM) ermöglicht eine Echtzeitkommunikation, mit Ende-zu-Ende-Übertragungszeiten (Latenzen) von typischerweise einigen hundert Millisekunden. Anders wäre ein normales Telefongespräch darüber auch gar nicht möglich. FRMCS ermöglicht hier eine Verkürzung um ein paar hundert Millisekunden, lässt beispielsweise im ETCS-Betrieb eine Verkürzung von Zugfolgezeiten von etlichen Zehntelsekunden erwarten. Größer sind die erwarteten Effekte in weiteren Bereichen: Die Übertragung von Fahrplänen (EBuLa) kann beispielsweise in Sekundenbruchteilen statt halben oder ganzen Minuten erfolgen, somit können Züge in etlichen Fällen zügiger weiterfahren.
Für das schnellere Laden von Fahrplänen in EBuLa braucht es FRMCS nicht, EBuLa auf dem Fahrzeug geht dem Ende entgegen. DB Regio und DB Fernverkehr stellen gerade um auf den "Digitalen Fahrplan", bei dem wird der EBuLa-Fahrplan, die La u.a. Dokumente die der Tf während der Fahrt braucht auf dem Diensttablet angezeigt, die Daten werden also über den öffentlichen Mobilfunk oder WLAN heruntergeladen. Eine andere Lösung hatte bereits der ICE4, dort wird der EBuLa-Fahrplan über MIP geladen, das dauert auch nur wenige Sekunden.
Danke...
bigbug21, Montag, 14.10.2024, 18:22 (vor 624 Tagen) @ ICE-TD
Danke, ICE-TD, für den Hinweis. Das war mir so, zumindest in Bezug auf die S-Bahn Stuttgart, noch nicht bewusst.
--
unterwegs für freie Eisenbahn-Geodaten
5G statt GSM-R: Rollout ab 2027 (ZM)
Tabernaer, Irgendwo im grünen Nirgendwo, Sonntag, 13.10.2024, 00:18 (vor 626 Tagen) @ Aphex Twin
Es stimmt schon, das man die Zukunft nicht aus dem Blick verlieren sollte. Da bin ich dabei. Aber man sollte vorher oder zeitgleich auch dafür Sorge tragen, daß das Netz auch so leistungsfähig ist, daß diese Verbesserungen auch etwas nutzen. Was nutzt es mir, wenn ich führerlose Züge mit HD Videoübertragung habe oder ganze (Fahrplan)Bücher in Millisecunden übertragen kann, wenn der ICE dann den langsamen Güterzug nicht überholen kann, weil die entsprechenden Möglichkeiten fehlen? Oder ersetze Güterzug durch Regionalbahn. Kommt aufs Gleiche raus. Oder der Zug steht vorm Bahnhof, weil alle Gleise besetzt sind und man den Knoten im Bahnhof erst auflösen muss. Die neurologischen Stellen, an denen es oft klemmt, brauch ich hier nicht zu erwähnen. Die kennst Du selber. Ob der neue Kellerbahnhof in Stuttgart so leistungsfähig ist, wie die DB behauptet, wird sich zeigen. Ggf haben wir halt das Problem mit Stuttgart und Klemmen weiterhin oder vlt sogar schlimmer. Dann nutzt mir 5G oder Nachfolger nicht wirklich was.
So wars gemeint.
5G statt GSM-R: Rollout ab 2027 (ZM)
Ludo, Niedersachsen, Sonntag, 13.10.2024, 14:07 (vor 625 Tagen) @ Tabernaer
Selten so gelacht. Es fehlen tausende Weichen plus div Signale dazu. Das Streckennetz ist am Ende. Die Stellwerke sind zum großen Teil überaltert und nicht selten mit Uralttechnik aus dem vorigen Jahrhundert bestückt. Diese ist naturgemäß mittlerweile anfällig für Störungen aller Art.
Hast du eine belastbare Quelle für die Aussage, dass mechanische Stellwerke störungsanfälliger sind als moderne ESTW?
Ich halte das für eine sehr pauschale Aussage. Sie sind halt personalintensiver und können ggf. aufgrund von Personalmangel ausfallen, was aber nichts mit der Technik als solches zu tun hat.
Gruß, Ludo