Fahrrad im ICE und Fahrgastrechte (Allgemeines Forum)

Gnubbi, Samstag, 03.08.2024, 10:05 (vor 763 Tagen)

Hallo liebe ICE Treff-Forum Mitglieder,

ich unternehme gerne mehrtägige Fahrradtouren in Deutschland und im europäischen Ausland. Um zu den Ausgangsorten meiner Fahrradtouren mit dem Fahrrad inkl. Gepäck zu kommen, bin ich auf den öffentlichen Verkehr angewiesen. Weil ich häufig weite Strecken zurückgelege, nehme ich bevorzugt Züge, da sie einfach komfortabler sind und mehr Bewegungsfreiheit zulassen.

Um Zugtickets für mein Fahrrad im ICE im Sommer zu buchen, muss ich bereits mehrere Monate im Vorraus die Tickets erwerben, optimalerweise 6 Monate im Vorfeld direkt nach Freigabe der Tickets. Die Tickets auf langen Strecken sind meistens sehr schnell ausverkauft und so ist es kaum möglich Tickets 2 Monate im Vorfeld zu erwerben. Insgesamt plane ich meinen gesamten Urlaub mit seinen Daten, sowie den Verlauf meiner Fahrradroute um die ICE Tickets herrum. Und leider nicht andersherum, da eine solche extrem Verknappung von Fahrradtickets im Fernverkehr vorhanden ist. Die Nachfrage ist wesentlichen höher als das Angebot.

Bei weiteren Strecken, wie bspw. von Italien (Bologna) nach Deutschland (Berlin) ist ein Umstieg (bspw. in München) zwingend notwendig. Um keine Übernachtungskosten in München zu haben. habe ich eine Verbindung rausgesucht, wo ich vormittags in Bologna losfahre und Nachts in Berlin ankommen würde. Leider habe ich es öfter erlebt, dass durch hohe Verspätung (mehr als 60 Minuten) Anschlüsszüge nicht erreicht werden können. Die Bahn verweigert mir leider den Einstieg in einen alternativen ICE, wenn ich keine Fahrradreservierung habe. Da aber alle ICEs bereits Monate vorher ausgebucht sind, kann ich entweder a) 2 Wochen in München warten, bis mal ein Platz (bzw. 2 da wir zu zweit sind) für Fahrräder frei sind, oder b) mein Fahrrad in München zurücklassen oder c) mit dem öffentlichen Nahverkehr zurückfahren. So kam ich etwa ein Tag später an und musste etwa 10h mit dem öffentlichen Nahverkehr von München nach Berlin zurückfahren, wovon auch noch jeder zweite Zug Verspätung hat, dass der nächste Anschlusszug nicht erreicht werden kann.

Der geschilderte Fall ist keine Seltenheit und passiert mir fast jeden Sommer.

Sehe ich es richtig, dass mir laut Fahrgastrechten nur 50% meiner Fahrtkosten zustehen? Die Bahn kann mir dann aber so viel Verspätung anbieten, wie sie möchte und sei es ein Tag später mit dem öffentlichen Nahverkehr? Da ich häufig Europa Special kaufe, sind die Tickets nicht so teuer und mir bringen 50% recht wenig. Öfters habe ich dadurch sogar ein Tag Arbeitsausfall. Kann die Bahn dafür belangt werden?

Falls ja, scheinen die Fahrgastrechte mir da recht eingeschränkt und die Bahn-Fernverkehr als Unternehmen ist wenig bemüht an dieser Situation etwas zu ändern. Da die Vertragstrafen mit 50% Ticketpreis zu niedrig sind und es kaum bis keine Konkurrenz gibt und scheint die Gewinnoptimierung im Vordergrund zu stehen und so werden gerne auch größere Verspätung in Kauf genommen.

Jetzt die Fragen :) Kann ich mit den Fahrgatsrechten mehr als 50% rausholen? Kann die Bahn mich einfach auf Nahverkehrzüge ausweichen lassen bei Strecken von 10h Fahrzeit und mehr, obwohl der ICE nur 4 bis 5 h bräuchte.

Gibt es Bestrebungen oder Petitionen die versuchen politischen Druck aufbauen, dass Angebot und Nachfrage von Fahrradplätze angeglichen werden? Ich wäre sogar bereit mehr für mein Fahrradplatz zu bezahlen, wenn es dann mehr Fahrradlätze in ICE gibt und sich so mehr für das Unternehmen Fernverkehr lohnen würde.

Das aktuelle Verhalten sehe ich nicht ganz im Sinne der Klimapolitik, da ich bspw. kein Auto habe und auf die Bahn angwiesen bin.

Des Weiteren werden in Regionalzügen mittlerweile wesentlich mehr Fahrradplätze angeboten, was ich gut finde. Aber selbst diese scheinen nicht im Sommer auszureichen, da auch dort häufig mehr Nachfrage als Angebot exstiert. Sprich auch dort ist immer noch mehr Platz von Nöten. Aber nicht nur Fahrradstellplätze. Insgesamt sind die Züge sehr voll und eine höhere Taktung, längere Züge, ein Ausbau des Streckenetzes, noch mehr Personalanwerbung wären notwendig. Was aus meiner Sicht zu schleichend passiert.

Ich freue mich auf eure Antworten, Anregungen und Erfahrungen mit Fahrrädern im ICE auf Langstrecken mit Umstieg.

Liebe Grüße

Gnubbs


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