Warum sind die DB-Prognosen so furchtbar? (Allgemeines Forum)

Carlos-X, Sonntag, 14.07.2024, 04:47 (vor 786 Tagen)

Ich saß grad im ICE 990. Aufgrund einer großen Verspätung hat der Zug ab Göttingen die Freigabe für die Schnellfahrstrecke bekommen. Daraufhin haben die App und die Anzeige im Zug eine Ankunftszeit für Hannover angezeigt, die 15 Minuten nach der Abfahrt in Göttingen lag. Der Schaffner hat diese Zeit an einige Fahrgäste weitergegeben, die mit der Zeit ihre Abholung organisiert haben. Die Strecke ist 100 Kilometer lang, der ICE hätte also eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 400 km/h erreichen müssen – weit jenseits der Höchstgeschwindigkeit des ICE 4 und der Strecke. Wie kommt es zu solchen absurden Prognosen? Und hat die DB für interne Zwecke bessere Prognosen?

Warum sind die DB-Prognosen so furchtbar?

sibiminus, Sonntag, 14.07.2024, 08:59 (vor 786 Tagen) @ Carlos-X

Wie kommt es zu solchen absurden Prognosen?

Im Fall vom ICE 990 durch manuell eingegebene Prognosen. Diese überschreiben RI-Prognosen.

Und hat die DB für interne Zwecke bessere Prognosen?

Es gibt intern die alte ISTP-Prognose, die keineswegs "besser" im Sinne deiner Frage ist als die aktuelle öffentliche RI-Prognose.

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"Diese Preise sorgen dafür, daß die Bahn an anderer Stelle immer mehr rationalisieren und einsparen wird. Nicht oben in den Höhenluftbüros, nein, unten an der Basis auf dem Bahnsteig oder im Zug. Am Fahrkartenschalter. Bei den Ansagen." ~ Alibizugpaar

Warum sind die DB-Prognosen so furchtbar?

Christian_S, Sonntag, 14.07.2024, 10:28 (vor 786 Tagen) @ Carlos-X

Hallo!

Das die Dateneingeber da mitunter ziemlich sich verschätzen ist mir nicht neu, aber umso trauriger sind da die geografischen Kenntnisse mancher ZuB, die sowas unkontrolliert an die Fahrgäste weitergeben ...

Sitze im falschen Zug

arno50, Sonntag, 14.07.2024, 10:32 (vor 786 Tagen) @ Carlos-X
bearbeitet von arno50, Sonntag, 14.07.2024, 10:34

Güterabwegung des Kontrolleurs: wie wertvoll ist mir meine Zeit? vermute ich mal

Warum sind die DB-Prognosen so furchtbar?

EK-Wagendienst, EGST, Sonntag, 14.07.2024, 11:32 (vor 786 Tagen) @ Carlos-X

Ich saß grad im ICE 990. Aufgrund einer großen Verspätung hat der Zug ab Göttingen die Freigabe für die Schnellfahrstrecke bekommen.

das ging in der letzten Nacht gar nicht anders, da das ESTW Kreiensen bis 6:50 Uhr nicht besetzt war, es mussten alle Züge über die SFS fahren.

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Ein Fahrplan ist ein VORSCHLAG an den Lokführer, wie man fahren könnte.

Warum sind die DB-Prognosen so furchtbar?

JanZ, HB, Sonntag, 14.07.2024, 12:38 (vor 785 Tagen) @ EK-Wagendienst

Muss der Zug in solchen Fällen nicht ohnehin einen (realistischen) Fahrplan bekommen, den man an die Fahrgäste weitergeben könnte?

Warum sind die DB-Prognosen so furchtbar?

EK-Wagendienst, EGST, Sonntag, 14.07.2024, 13:02 (vor 785 Tagen) @ JanZ

Muss der Zug in solchen Fällen nicht ohnehin einen (realistischen) Fahrplan bekommen, den man an die Fahrgäste weitergeben könnte?

aber wenn der Zug eine größere Verspätung hatte, ist das auch egal, Hauptsache man hat einen gültigen Fahrplan, den kann man ja 20 Stunden lang ab der angegebenen Zeit noch nutzen.
Wem dem Umleitungsfahrplan alles vor liegt weiß ich nicht.

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Warum sind die DB-Prognosen so furchtbar?

Carlos-X, Sonntag, 14.07.2024, 14:19 (vor 785 Tagen) @ sibiminus

Mit einer manuell eingegebenen Prognose habe ich nun gar nicht gerechnet. Werden die Zeiten da wenigstens relativ eingegeben (Wir erreichen X 30 Minuten nach der Abfahrt in Y) oder absolut (Wir erreichen X um 15:03 – egal wann wir in Y abfahren)?

Eine manuelle Prognose ist dann wahrscheinlich auch die Ursache für andere Phänomene, die mir immer wieder begegnen, z.B.:
- Der Zug soll 20 Minuten lang "In einer Minute" ankommen. Da gibt es dann wahrscheinlich eine Automatik, die eine Ankunftsprognose in der Vergangenheit verhindert.
- Der Zug soll erst in 20 Minuten ankommen, obwohl er bereits in den Bahnhof einrollt.

Prognosen nach Gefühl

rheinbahn95, Düsseldorf, Sonntag, 14.07.2024, 22:46 (vor 785 Tagen) @ Carlos-X

Leider entstehen bei Fernverkehr die Prognosen per Hand. Egal ob verminderte VMax auf KRM, fehlende Ausfahrt in Frankfurt Hbf oder eine Negativwende. Es muss wohl immer per Hand eingegriffen werden und dann wird geschätzt.

Ausnahme ist natürlich die automatische Prognose aber die weiß von vielen Sachen ja nichts.

Warum sind die DB-Prognosen so furchtbar?

611 040, Erfurt, Montag, 15.07.2024, 00:19 (vor 785 Tagen) @ Christian_S

Das hab ich leider auch schon oft erlebt. Erstens sind die automatischen Prognosen oft pure Verar****, wo Strecken zwischen zwei Halten plötzlich einen Bruchteil der Zeit brauchen sollen und Halte statt jeweils 1-2min nur noch jeweils max. 30sek dauern sollen, was natürlich absolut nicht eingehalten wird. In der Realität ändert sich die Prognose dann schrittweise immer weiter nachhinten und die Anschlusshoffnungen gehen dahin.

Das ZuB liest aber oft auch nur stumpf die Prognosen ab und merkt gar nicht, dass es absolut unrealistisch ist. Gerade solche Fälle wie o.g. hab ich auch schon oft erlebt. Ich frage mich immer wie Zf im FV mit Erfahrung da überhaupt nicht nachdenken.

Ich gebe meistens nichts mehr auf Prognosen und rechne mir nach tatsächlicher Abfahrt in x + die planmäßige Zeit bis y , selbst aus wann ich realistisch frühestens ankommen könnte. Wirklich rausgeholt wird sehr selten was. Die häufige Schönrechnerei hat mich immer wieder nur enttäuscht.

Warum sind die DB-Prognosen so furchtbar?

sibiminus, Montag, 15.07.2024, 05:29 (vor 785 Tagen) @ Carlos-X

Mit einer manuell eingegebenen Prognose habe ich nun gar nicht gerechnet. Werden die Zeiten da wenigstens relativ eingegeben (Wir erreichen X 30 Minuten nach der Abfahrt in Y) oder absolut (Wir erreichen X um 15:03 – egal wann wir in Y abfahren)?

Jede Prognose ist absolut: Also exakt das, was du im Navigator angezeigt bekommst (die "rote Uhrzeit"). Die ist aber jederzeit änderbar und wird im Falle der RI-Prognose minütlich neu berechnet. Ich weiß auch gar nicht ob relative Prognosen nicht sinnlos wären weil dann manche Sachverhalte vermutlich gar nicht abgebildet werden könnten? Dafür kann man manuelle Prognosen löschen sodass wieder die RI-Prognose angewendet wird.

Eine manuelle Prognose ist dann wahrscheinlich auch die Ursache für andere Phänomene, die mir immer wieder begegnen, z.B.:
- Der Zug soll 20 Minuten lang "In einer Minute" ankommen. Da gibt es dann wahrscheinlich eine Automatik, die eine Ankunftsprognose in der Vergangenheit verhindert.

Ich kann mir einen Zusammenhang gerade nicht vorstellen. Magst du dieses Beispiel etwas erläutern?

- Der Zug soll erst in 20 Minuten ankommen, obwohl er bereits in den Bahnhof einrollt.

Das hat meines Wissens mehr mit den Istmeldungen zu tun, welche Prognosen überschreiben. (Indirekt hat's natürlich auch mit Prognosen zu tun weil Istmeldungen zur Berechnung der RI-Prognose verwendet werden. Die werden aber minütlich neu berechnet.) Bei längeren Fahrten auf Strecken ohne entsprechend ausgerüstete Stellwerke, Umleitungen vom Regelweg/-fahrplan und Systemausfällen kommt es vor, dass Istmeldungen nicht in der Reisendeninformation verarbeitet werden. Dann sind exakte Prognosen aber auch ganz direkt wichtig um solche Dinge zu verhindern helfen. Aber letztendlich bleibt es vor allem: eine Prognose.

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Warum sind die DB-Prognosen so furchtbar?

sibiminus, Montag, 15.07.2024, 05:42 (vor 785 Tagen) @ sibiminus

- Der Zug soll erst in 20 Minuten ankommen, obwohl er bereits in den Bahnhof einrollt.

Eine Sache ist mir noch eingefallen! Nicht alle Verkehre nutzen die RI-Prognose, obwohl die meines Wissens allen EVU offen stehen soll. Denn genau diese Situation trat früher öfters mit der alten ISTP-Prognose auf, die Verspätungen stumpf (um eventuelle Haltezeiten reduziert) fortgeschrieben hat während in der RI-Prognose etwas mehr Magie passiert.

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Warum sind die Deutschen-Prognosen so furchtbar?

EK-Wagendienst, EGST, Montag, 15.07.2024, 12:24 (vor 785 Tagen) @ Carlos-X

Mit einer manuell eingegebenen Prognose habe ich nun gar nicht gerechnet. Werden die Zeiten da wenigstens relativ eingegeben (Wir erreichen X 30 Minuten nach der Abfahrt in Y) oder absolut (Wir erreichen X um 15:03 – egal wann wir in Y abfahren)?

Eine manuelle Prognose ist dann wahrscheinlich auch die Ursache für andere Phänomene, die mir immer wieder begegnen, z.B.:
- Der Zug soll 20 Minuten lang "In einer Minute" ankommen. Da gibt es dann wahrscheinlich eine Automatik, die eine Ankunftsprognose in der Vergangenheit verhindert.
- Der Zug soll erst in 20 Minuten ankommen, obwohl er bereits in den Bahnhof einrollt.

Die Zeiten im DB Navigator in Belgien, passen fast immer, auch eine Gleiswechsel wird nach kürzester Zeit richtig angezeigt.
Ich führ mit einem Zug der +10 hatte, bis zum Zielbahnhof sollten es nur noch 2 Minuten sein, und es war dann genau so,
oder Anschluss in Tournai nach Lille, die Abfahrtzeit nach Lille wurde in der Prognose immer höher, und der Anschluss hat mit +10 Minuten dann geklappt.

Was machen die SNCB da anders, als die ganzen Eisenbahnen in Deutschland, ein Vorteil schon mal, es gibt nur eine Eisenbahn, da müssen dann nicht zig Zwischenschritte sein.
Nur die Zeiten der ICE von DB Fernverkehr, diese werden nicht zuverlässlich angezeigt, das muss wohl manuell gemacht werden.

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Warum sind die DB-Prognosen so furchtbar?

Carlos-X, Montag, 15.07.2024, 13:01 (vor 784 Tagen) @ sibiminus

Ich kann mir einen Zusammenhang gerade nicht vorstellen. Magst du dieses Beispiel etwas erläutern?

Es ist 10:00, der Zug ist 20 Kilometer vom Bahnhof entfernt, die Ankunftszeit wird mit 10:01 angegeben. Um 10:01 springt die Ankunftszeit dann auf 10:02 um und das geht so weiter, bis der Zug um 10:20 ankommt.

eigene "Prognose" - RIS-Meldungen hilfreich

bskf, Dienstag, 23.07.2024, 09:00 (vor 777 Tagen) @ 611 040

Ich gebe meistens nichts mehr auf Prognosen und rechne mir nach tatsächlicher Abfahrt in x + die planmäßige Zeit bis y , selbst aus wann ich realistisch frühestens ankommen könnte.

halte ich auch so, zumindest, wenn es z.B. für Umstieg wichtig ist. hilfreich sind dabei die RIS-Meldungen. mittlerweile werden da ja auch mehrere und nicht mehr nur eine angezeigt. Rekord: 5 Meldungen.

Grüße, bskf

Man kann auch 1 Stunde im Voraus akkurat liegen

J-C, In meiner Welt, Dienstag, 23.07.2024, 10:03 (vor 777 Tagen) @ rheinbahn95
bearbeitet von J-C, Dienstag, 23.07.2024, 10:05

Wenn nichts dazwischen kommt, Kann ich erstaunlich verlässlich mit einer Verspätung durch eine großflächige Umleitung kalkulieren, freilich in Österreich. Aber natürlich habe ich auch das Gegenteil erlebt, steige ich in einen verspäteten Railjet ein, in Tullnerfeld sollte ich einen Anschluss haben, der auch gewartet hätte, dann hat sich der Railjet aber weiter verzögert auf der Fahrt und schon fuhr der Anschluss doch ohne mich ab. In meinem Fall hab ich eh eine weitere Möglichkeit gehabt und ich wär sonst eh früh dran gewesen, aber was man halt kriegt ist, wenn nichts weiter dazwischen kommt, bleibt‘s verlässlich. Aber bei so vielen Unabwägbarkeiten kann‘s schwierig werden.

Aber immerhin, letztes Mal in Passau konnte ich auch einigermaßen mit dem verspäteten ICE nach Wien kalkulieren. Glaub es hängt einfach davon ab, wo es ist, was es ist.

Eine stark befahrene Hauptstrecke mit Baustellen? Da kann vieles dazwischen kommen, wie soll man da verlässlich irgendwas vorhersagen?

Irgendwo auf dem Lande, wo es um Nebenstrecken geht und da jetzt nicht gerade die großen Unabwägbarkeiten daherkommen, wodurch man sehr gut kalkulieren kann? Da kannst du auch 2 Stunden im Voraus recht akkurat sein.

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

Warum sind die DB-Prognosen..? -> Appell ans Mitdenken!

bendo, Dienstag, 23.07.2024, 13:20 (vor 776 Tagen) @ Carlos-X

... Daraufhin haben die App und die Anzeige im Zug eine Ankunftszeit für Hannover angezeigt, die 15 Minuten nach der Abfahrt in Göttingen lag. Der Schaffner hat diese Zeit an einige Fahrgäste weitergegeben, die mit der Zeit ihre Abholung organisiert haben.

Hallo,
um Deine Frage zu beantworten: Evtl. gezielt um die Fahrgäste zur Erweiterung ihres Wissens (ca. Entfernung der Städte Hannover-Göttingen) und dem kritischen Hinterfragen von Angaben (15min Fahrzeit) durch Negativerfahrung zu ermutigen. In der heutigen Zeit kann man solche geistigen Herausforderungen offenbar schon nicht mehr verlangen...

Gruß, bendo

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