Caimanos und die Settimana Santa auf Sizilien (4/5) (Reiseberichte)

Bahne aus Leidenschaft, Donnerstag, 28.03.2024, 17:41 (vor 15 Tagen)

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Nach zwei Tagen auf und um den Ätna (https://www.ice-treff.de/index.php?id=696620) verlassen wir in diesem Teil Giardini in Richtung Landesinnere. Der Beginn dieses Teils wird bis auf ein Bild kaum Bahnbezug haben, dafür folgt zum Ende die Ferrovia Circumetnea.

Tag 11: Giardini - Sperlinga – Enna

Zu unserem Tagesziel Enna kämen wir von Giardini zügig via Catania per Autobahn, wir nehmen uns jedoch viel Zeit und fahren über die SS 120 durch das bergige und dünnbesiedelte Hinterland entlang der Südseite der Monti Nebrodi. Ein ganz kleines bisschen Bahnbezug kann ich euch jedoch auch heute wieder bieten.
Los geht wie am Vortag an der Gole di Alcantara vorbei. Heute ist der Ätna fast komplett wolkenfrei.

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Bei Troina machen wir eine kleine Pause. Das Städtchen liegt spektakulär auf einem schmalen Bergrücken. Den Esel (?) beeindruckt die Aussicht jedoch nicht besonders.

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Wenig später nähern wir uns Cerami, das ähnlich liegt. Bei dieser großartigen Landschaft bin ich gar nicht unglücklich darüber, dass ich wegen der teureren Versicherung nur Beifahrer bin und die Aussicht ungestört genießen kann.

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Etwas über eine Stunde später sind wir in Sperlinga. Über dem Ort thront eine langgezogene Burgruine. Über Jahrhunderte war die Burg mehrmals schwer umkämpft und schwer zu erobern. Bei dem sizilianischen Aufstand gegen die Franzoden, der Sizilianischen Vesper, Ende des 13. Jh. hielt sie einer langen Belagerung durch die französisch-neapolitanischen Truppen stand. Auch bei der Landung der Alliierten in Sizilien war der Ort auch umkämpft.

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Ähnlich wie viele Burgen im Pfälzer Wald hat auch die Burg weitläufige in den Fels gegrabene Räume.

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Die Treppe ist nicht mehr ganz DIN-normgerecht.

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Unterhalb der Burg im Ort sind zahlreiche Felswohnungen in dem Burgfels. Früher waren sie eher ärmliche Wohnungen. Heute stehen viele leer.

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Auf der Weiterfahrt nach Enna passieren wir eine Brücke der nie fertiggestellten Schmalspurbahn von Leonforte nach Nicosia.

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Danach kommen wir zu deren Ausgangspunkt Leonforte. Im Gegensatz zur unvollendeten Verlängerung nach Nicosia wurde die Schmalspurstrecke von Dittaino nach Leonforte fertiggestellt, jedoch nach wenigen Jahrzehnten schon wieder stillgelegt.

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Eine Stunde später erreichen wir unser Tagesziel Enna. Im Zentrum der Insel gelegen liegt es wie die meisten Städte des Inselinneren auf einem hohen langgezogenen Bergrücken. Hier fahren wir diesen Berg hoch. Die Brücke in Bildmitte unterhalb der Burg solltet ihr euch gut einprägen, bis ich sie am folgenden Morgen aus der anderen Richtung zeige.

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Dann erleben wir eine ziemliche Überraschung. Wir sind mitten in der Karwoche, der Settimana Santa, unterwegs und ähnlich wie in Spanien, wozu Sizilien jahrhundertelang politisch gehörte, gibt es hier sehr spannende Prozessionen. Entweder habe ich besonderes Glück bei solchen expressiven religiösen Feiern in Südeuropa oder sie sind einfach ziemlich häufig. Im Februar 2022 bin ich in Barcelona auch zufällig in das Fest der Stadtpatronin Eulalia geraten (https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?030,10644478).

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Ein wenig gruselig wirken sie schon.

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Beim Dom ist eine kleine Ausstellung zu Settimana Santa mit den verschiedenen Kostümen ausgestellt.

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Später genießen wir den Sonnenuntergang über dem Hochland um Enna.

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Tag 12: Enna - Villa Romana del Casale – Caltagirone – Catania

Heute wird im Gegensatz zu den beiden Vortagen ein Tag komplett ohne Bahnbezug. Da wir heute Abend in Catania den Leihwagen wieder zurückgeben, wird das aber der letzte sein. Ab morgen werden wir wieder auf Schienen unterwegs sein.
Heute Morgen noch vor dem Frühstück schauen wir uns die Burg an der Ostspitze des Bergrückens an. Am sehenswertesten ist die Aussicht. Bei guter Sicht kann man im Osten bis zum Ätna sehen, heute jedoch nicht. Dort wäre zudem im Moment starkes Gegenlicht. Richtung Westen sieht es so aus:

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Und so Richtung Norden:

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Aus dieser Richtung sind wir gestern Nachmittag angekommen. Der Ort auf dem Nachbarberg ist Calascibetta und rechts unterhalb davon befindet sich der Bahnhof von Enna.
Jetzt möchte ich eure Aufmerksamkeit auf die Brücke richten, die auch schon auf Bild 121 zu sehen war. Von hier sieht sie gar nicht mehr so gut aus.

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Die Brücke gehörte zur Panoramica Casina Bianca, die seit den 60er-Jahren eine spektakuläre zweite Auffahrt von Norden in die Altstadt ermöglichte. Obwohl 2009 ein Teil dieser Brücke in der Haarnadelkurve eingestürzt ist und die Straße natürlich gesperrt ist, ist die Straße noch in Google Maps eingezeichnet. Ein Wiederaufbau soll vermutlich irgendwann mal kommen. Also Bahnfans tröstet euch: Das Phänomen von eingestürzten Brücken, deren Wiederaufbau Jahrzehnte dauert, gibt es auf Sizilien auch bei Straßen.
Nach dem Frühstück werden wir nochmal Zeuge einer der Prozessionen der Settimana Santa, diesmal in weiß-grün.

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Dann brechen wir auf Richtung Süden. Unser Hauptziel des Tages ist de Villa Romana del Casale bei Piazza Armerina. Diese ist bekannt für ihre großflächigen und hochwertigen Mosaiken. DIe Villa wird auf die späte Kaiserzeit datiert und wegen ihrer Größe und der Qualität der Mosaiken wird über einen Kaiser als Besitzer spekuliert. Ob und welcher es war, ist jedoch nicht bekannt. Im 12 Jh. wurde die Villa durch einen Erdrutsch verschüttet, wodurch die Mosaiken so gut erhalten geblieben sind.

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Ein großes Mosaik zeigt den Fang und Transport afrikanischer Wildtiere für den Circus nach Italien.

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Nachdem wir die Villa verlassen, ist der Nachmittag noch jung und so machen wir einen Abstecher nach Caltagirone. Hauptattraktion der Altstadt, die auch wieder auf einem Bergrücken liegt, ist diese mit kaum enden wollende Treppe mit Keramikstufen Santa Maria del Monte.

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Caltagirone ließe sich auch mit der Bahn aus Catania erreichen, jedoch mit wenig attraktivem Fahrplan. Nachdem 1979 die Verlängerung zur Südküste nach Gela in Betrieb genommen wurde, ist Caltagirone seit einem Brückeneinsturz 2011 wieder provisorische Endstation. Inzwischen wird aber an der Brücke gebaut. Damit schließt sich der Kreis zu der Brücke von Enna heute Morgen. Mal schauen, welche von beiden als erstes wieder befahrbar ist.
Von hier fahren wir ohne Umwege nach Catania zurück, wo wir nochmal zwei Nächte bleiben. Nachdem die Stadt 1669 durch Lavaströme des Ätnas und 1693 durch ein schweres Erdbeben zerstört wurde, wurde sie im Stil des Barock wieder ausgebaut. An viele Stellen ist aber der Lack ab.

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Das von Kaiser Friedrich II. am Meer gebaute Castello Ursino im Süden der Altstadt hat den Lavastrom 1669 überstanden. Seitdem steht es aber nicht mehr am Meer. Die Lava umfloss die Burg und bildete eine neue vorgelagerte Uferlinie.

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Catania finde ich im Vergleich zu unseren bisherigen Übernachtungsorten zwar authentisch, aber mäßig reizvoll. Sie bietet sich jedoch bestens als Basis sich für eine ganz bestimmte Rundfahrt mit der Bahn am morgigen Tag an.

Tag 13: Ferrovia Circumetnea

Heute wollen wir den Ätna mit der unter Bahnfreunden bekannten Ferrovia Circumetnea, der letzten verbliebenen Schmalspurbahn der Insel umrunden. Da der Fahrplan auf dem Nordabschnitt zwischen Giarre und Randazzo sehr überschaubar ist, starten wir dazu morgens recht früh am Hauptbahnhof mit einem IC nach Giarra-Riposto.

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Wenn ich recht sehe, wird hier als Schotter Lava verwendet.

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Eigentlich wären wir sogar rechtzeitig, mit der Vorleistung noch die kurze Stichstrecke bis Riposto mitzunehmen. Da uns der Mitarbeiter am Bahnhof jedoch sagt, dass das Ticket für die Rundfahrt nicht nach Riposto und zurück gilt, sparen wir uns das.
Dann kommt unser Zug aus Riposto zurück. Erfreulicherweise fährt ein Fiat-Triebwagen. Auf dem Nordabschnitt soll das aber üblich sein.

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Richtung Nordwesten gewinnt die Strecke Höhenmeter und gibt den Blick aufs Meer frei.

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Super Wetter, tolle Landschaft und Übersetzfenster sind eine perfekte Kombi. Langsam werden erste Blicke auf den Ätna frei.

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Eine Viertelstunde später sieht das Panorama deutlich beeindruckender aus.

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Nach einer kurzen Onlinerecherche ohne Anspruch auf Korrektheit, dürften wir hier den ehemalige Bahnhof Terremorte passiert haben.

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In Passopisciaro kreuzen wir mit dem Gegenzug.

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Unterwegs ist eine Ziege am Bahndamm unterwegs.

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Kurz nach der Zugkreuzung erreichen wir dann unseren ersten Zwischenhalt Randazzo. Ab hier ist der Fahrplan Richtung Catania dichter. Am Nachbargleis wartet einer der neuen Vulcano-Triebwägen zur Weiterfahrt nach Catania.

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Wir lassen den Vulcano fahren und haben somit hier in Randazzo jetzt zwei Stunden Aufenthalt. Ein Teil unserer Zeit geht bei der örtlichen Post drauf, um ein Knöllchen für Falschparken mit dem Mietwagen aus den Vortagen zu bezahlen. Danach decke ich mich noch bei einem Metzger mit lokalen Salamiwaren ein.
Anschließend fahren wir weiter nach Bronte. Das kommt aber erst im nächsten Teil. In diesem erwarten euch der Rest der Ferrovia Circumetnea und unsere Heimreise nach Deutschland.


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