BOP 2: Steile Straßen und neue Züge [m62B] (Reiseberichte)

Math5D, Samstag, 04.11.2023, 19:13 (vor 868 Tagen)

Nach einer recht anstrengenden Wanderung in Folge 1 ist für den nächsten Tag schlechteres Wetter angesagt, zumindest nördlich der Alpen. Zum Glück gilt der Berner Oberland Pass auch auf einer Strecke bis in deren Süden: Nämlich über den Lötschberg und Simplon bis Domodossola. Allerdings darf man hier nur die Züge der BLS nutzen, also weder durch den LBT noch ab Brig die ECs. Das erschwert ein wenig die Planung, da die BLS-REs bis Domodossola nur alle 2h fahren und dort eine Kurzwende von 4min machen. Also plane ich einen 2:04-Aufenthalt für Fotos ein, aber am Ende fahre ich sowieso alles komplett anders als geplant, deshalb dazu nicht zu viel vorweg.

Wegen des ungünstigen Fahrplans ergibt sich die Gelegenheit, vor Domodossola noch die steilste Busstrecke Europas auf die Griesalp mitzunehmen, die in Reichenbach im Kandertal startet. Dahin könnte mich ab 8:35 eine IC61/RE-Kombi mit noch 8min Umstiegszeit in Reichenbach bringen. Das wird zwar sicher klappen, aber auf der touristischen Linie dürfte viel los sein. Also fahre ich eine halbe Stunde früher, um Chancen auf einen guten Sitzplatz zu haben. In Spiez wollte ich eigentlich den Verstärker-RE in Richtung Brig um 8:30 nehmen, der hier nur an den Wochenenden im Sommer fährt, sehe aber spontan, dass 12min später noch ein R mit einer RBDe565-Garnitur und JUMBO-Wagen fährt. Da er noch rechtzeitig ankommen sollte, wechsel ich in den.

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01 In Reichenbach bin ich tatsächlich der erste, der auf den Bus wartet, der sich hier genau in der Lücke zwischen den Brettern dem Ort nähert.

Tatsächlich kommen dann sogar zwei dieser Busse, wobei der Großteil der inzwischen Wartenden (ca. 20) entspannt in den vorderen einsteigt. Aber dann kommt der RE aus Spiez und schmeißt nochmal locker 100 Leute raus - das wird jetzt eng. Beide Busse werden bis oben hin gefüllt, dann kommt noch ein dritter Bus, der allerdings im Gegensatz zu den vorderen beiden Spezialbussen für die steile Strecke ein normaler Niederflurwagen ist. Als in den noch nicht alle eingestiegen sind, fahren wir (im Übrigen deutlich vor der offiziellen Abfahrtszeit) los.

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02 Rückblick auf Reichenbach und seinen Bahnhof, vor dem man mit der Lupe noch die zwei anderen Busse sieht.

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03 Das Kiental öffnet sich nach einem kurzen ersten Anstieg. Im gleichnamigen Ort stehen an diversen Haltestellen noch Leute, aber bei uns passt keiner mehr rein.

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04 Am Ende des Tals liegt der Tschingelsee. Den gibt es erst seit 1972, als nach starkem Regen ein Murgang runterging und einen Damm bildete, der den See aufstaute. In seinen ersten Ausläufen grasen ein paar schottische Rinder.

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05 Wenn er auch noch so jung ist, wird der Tschingelsee bald schon wieder weg sein, da Sedimente ihn zunehmend verlanden.

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06 Ein letztes Bild, dann bleibt der Bus kurz stehen, schaltet in den Berggang, und die 28% steile Strecke beginnt.

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07 Nach wenigen Metern wechseln wir die Bachseite, was Fotos von meinem Platz erschwert.

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08 Dafür sieht man von hier perfekt den Dündefall.

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09 Oben angekommen erschließt sich mir das Betriebskonzept der Linie: Wir sind hier insgesamt 17min vor der geplanten Ankunftszeit angekommen, dann schmeißen die beiden Spezialbusse ihre Leute raus und fahren nochmal zum Tschingelsee runter, wo sie alle Leute mitnehmen, die der normale Bus bis dahin transportiert hat.

Ich beschließe derweil, die Pause dafür zu nutzen, kurz in den Wald zu wandern. Ohne Wanderschuhe komme ich aber auf dem vom anhaltenden Nieselregen nassen Weg nicht sehr weit.

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10 Zumindest bis zu ein paar Gletschertöpfen schaffe ich es aber, dann geht es zurück zur Griesalp,

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11 wo die zweite Fuhre perfekt pünktlich laut Fahrplan ankommt.

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12 Hier sieht man mal die beiden Gefährte, die von Mercedes extra für die Strecke umgebaut wurden. Sie haben einen extra Berggang und eine 2+1-Bestuhlung aufgrund der engen Verhältnisse.

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13 Neben der PostAuto-Strecke gibt es hier noch den Erlebnis-Wanderweg, der mir nun erklärt, warum ich unten im Tal manche solcher Haltestellenschilder abseits jeder Straße gesehen hatte.

Dann geht es wieder runter mit nur wenigen Fahrgästen. Außer mir sind noch ein paar deutsche Wanderer im Bus, die von Lauterbrunnen gekommen sind und hier im Bus nicht mit Karte zahlen können, da das Gerät keinen Empfang hat. Für die Strecke bis Interlaken haben sie aber nicht genug Franken in Bar, also bietet der Busfahrer ihnen an, einfach 1:1 in Euro zu zahlen - ein sehr gutes Angebot, liegt doch der Wechselkurs im Moment knapp über 1.

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14 Bemerkenswert ist auch, dass an beiden Enden der Straße der Fahrplan aushängt mit dem Hinweis, dass man zu den entsprechenden Zeiten nicht entgegenkommen dürfe. Trotzdem wird fleißig das Posthorn benutzt.

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15 Der Wasserfall von eben aus einer anderen Perspektive.

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16 Im Hexenkessel gräbt der Bach gerade einen neuen Topf.

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17 Auf dem flachen Stück kann man inzwischen dank des sich aufklarenden Wetters auf den Niesen schauen. Derweil halten wir an diversen Haltestellen - aber nicht, um Fahrgäste rein- oder rauszulassen, sondern um die örtliche Post mitzunehmen. Es gibt eben einen Grund, warum es PostAuto heißt.

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18 12min zu früh sind wir wieder in Reichenbach. Das ermöglicht es mir, einen sensationellen -7min-Umstieg auf den nächsten RE nach Brig zu schaffen, durch den ich allerdings nicht weiß, ob bzw. wann die anderen beiden Busse der Linie hier ankommen.

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19 Da kommt jedenfalls der RE an. Seit dem Fahrplanwechsel sind die Lötschberger von ihrer namensgebenden Strecke verschwunden und wurden durch MIKAs, wie die BLS ihre FLIRTs nennt, ersetzt. Die haben aber noch keine Italien-Zulassung und so muss man in Brig umsteigen - mit diesem Zug aber sowieso nicht, denn ich hatte ja eigentlich den eine Stunde später geplant, und so in Brig nun halt 1h Zeit.

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20 Bilder aus des MIKAs Fenstern sind genauso schwierig wie aus den Lötschbergern. Nur, was einem exakt gerade vor die Linse kommt, hat überhaupt eine Chance, erkannt zu werden. So diese Re425 des Autoverlads in Kandersteg.

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21 Auf der anderen Seite der Züge warten Steuerwagen verschiedener Generationen.

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22 Kurz hinter dem Bahnhof geht es an ein paar beeindruckenden Wasserfällen vorbei in den Lötschbergtunnel, der derzeit aufgrund von Modernisierungsarbeiten nur eingleisig betrieben wird.

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23 Auf der anderen Seite schauen wir hier auf Visp runter.

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24 Entlang der Vispa verkehrt der Zug nach Zermatt nach Südwesten, nach Südosten biegt der Bus in Richtung Saasertal ab.

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25 In Glis steht Einiges im Werk der MGB rum, zum Beispiel die HGe4/4II Nr. 106 mit Glacier-Werbung vor einer dreiteiligen Garnitur, wie sie auf der Schöllenenbahn eingestzt wird.

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26 Aber das Highlight ist hier: Ein ORION, der erst seit ganz kurzer Zeit im Einsatz ist.

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27 In Brig ist unser MIKA nun schön in der Sonne. Dabei verbleibt der bis eben vordere Teil zunächst hier, um sich eine Stunde später an den dann einteilig ankommenden Zug ranzuhängen.

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28 Ich gehe derweil rüber zum Bahnhofsvorplatz mit den Gleisen der MGB und der eigenen Bahnhofstafel.

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29 Der erste aus Andermatt kommende Zug ist ein dreiteiliger KOMET mit Gelenksteuerwagen.

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30 In der Gegenrichtung nach Fiesch ist dafür gleich ein doppelter ORION unterwegs.

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31 Der ist in meinem Ticket zwar nicht drin, aber bei 11min Aufenthalt setze ich mich mal kurz rein.

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32 Vor allem stört mich an dem, dass er wie der KOMET keine zu öffnenden Fenster hat.

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33 Da fährt er ab.

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34 Bei RegionAlps fährt derweil ein Werbe-Domino (aufgrund von Bauarbeiten nur bis Ardon),

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35 ein IR90 ist hier noch mit EW IV unterwegs.

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36 Hinten steht ein weiterer MIKA in der Abstellung, der später noch wichtig wird.

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37 Vor allen Re460 ist irgendwas, das Schatten wirft. Aber dieses Foto ist von allen noch das beste.

Dann gehe ich rüber zu den zwei vierteiligen NINAs, die nun nach 50min Wendezeit nach Domodossola fahren. Dabei ist der hintere, der an der Treppe hält, komplett voll, den vorderen habe ich fast für mich alleine. Nur zwei Kontrolleure, einer offensichtlich in Ausbildung, kommen vorbei. Der andere ist fast schon begeistert von meinem Ticket und erklärt dem Azubi, dass der Pass seit diesem Jahr hier auch gilt.

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38 Nach einer Fahrt durch die Oströhre des Simplontunnels geht es durch Iselle,

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39 wo gerade ein Autoverlad beladen wird.

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40 Auch der hat einen der neueren Steuerwagen.

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41 Die Überquerung des Torrente Bogna direkt vor Domodossola ist hier sehr weitläufig.

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42 Ein ETR610 sind wir nicht gerade. Jedenfalls beschließe ich ob der extrem hohen Temperaturen und starken Sonneneinstrahlung, hier doch keine 2h zu warten, sondern sofort zurückzufahren.

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43 Und das im nun vorderen Zugteil, der dieses Mal noch leerer ist.

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44 Nebenan noch ein italienischer Triebwagen, dann fahren wir los und erstaunlicherweise wieder durch die Oströhre. Sind hier etwa auch Bauarbeiten? Dafür erkennen mich die Kontrolleure wieder und ich muss mein Ticket gar nicht erst vorzeigen.

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45 Zurück in Brig kommt der Zug aus Bern wieder als doppelter MIKA an, der einen Teil hier lässt, während der andere sehr voll wird. Das kenne ich ja schon von eben und beschließe deshalb, eine Stunde zu warten, wenn es wieder zweiteilig zurückgehen sollte. Auf Seiten der MGB passiert diese Stunde fast dasselbe wie eben.

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46 Nach Fiesch fahren wieder zwei ORIONs,

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47 nach Visp hingegen eine gute alte Garnitur

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48 mit Deh4/4 54 - ich dachte, die ORIONs hätten diese Serie schon komplett ersetzt und nur die 90er übrig gelassen. Schön, dass es noch nicht so ist.

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49 Noch ein Bild mit weniger störenden Menschen auf dem Bahnsteig, dann geht es wieder rüber zur Normalspur.

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50 Dort erwische ich gerade noch den IC8 mit, bis auf den Steuerwagen, unmodernisierten IC2000-Wagen.

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51 Drüben wartet der Italien-Pendel auf seinen nächsten Einsatz.

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52 Ein bunt gemischter IR90.

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53 Hinten auf dem MIKA von Bild 36 steht inzwischen "Biel/Bienne" - das wird nämlich gleich der neue Wanderzug, der als Besonderheit die Kurve in Bern Wankdorf am Hauptbahnhof vorbei nimmt, die sonst nur die Lötschberg-Güterzüge benutzen.

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54 Dann kommt wie erwartet der RE aus Bern mit einem MIKA und hängt sich an den von der letzten Stunde schon da stehenden ran.

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55 Auch der Zugzielanzeiger sagt, dass beide fahren sollen, aber der hintere Teil selbst bleibt verschlossen und zeigt "RE Bern \n vorne einsteigen" an. Vorne wird es aber wieder extrem voll und so warte ich noch etwas länger

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56 und setze mich dann in den entspannt leeren Wanderzug, der extra warnt, dass er nicht in Bern hält. Dabei muss ich leider schon vorher raus, da mein Ticket in diesem Zug nur bis Thun gültig ist.

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57 Nach einem zweiten Bild des vermeintlichen Highlights im MGB-Werk

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58 fällt mir ein fast noch größeres auf: Hier steht nämlich noch der ganz alte Deh4/4 22.

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59 Hinter Visp erwische ich noch einen IR90

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60 sowie einen besseren Winkel auf den Ort selbst, nachdem ich mir von der Hintour gemerkt habe, wo genau die Lücke zwischen den Bäumen ist.

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61 In Kandersteg wird es etwas voller mit, dem Zugnamen entsprechend, Wanderern vom Oeschinensee - genauer gesagt einer Rentner-Wandergruppe, die von der Existenz dieses Zugs keine Ahnung hatte und ihn so im letzten Moment noch erreicht.

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62 In Spiez steige ich aus und wechsel in den als PE angeschlagenen und wieder recht vollen MIKA nach Interlaken - warum der ein PE ist, dazu später mehr. Interessant ist auch der IC8 in Gegenrichtung, der hier mit 3 Loks angeschlagen ist. Leider kann ich das nicht mehr verifizieren, da wir sofort losfahren.

Damit endet die mit 289km längste Tour des Urlaubs, aber die besten Strecken sind nunmal langsam, sodass es an den Tagen mit weniger Strecke meistens spannender wird als heute.


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