Auf Umwegen zur Krebsbachtalbahn (1/2 m. 47 B.) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
ich war über die Sommermonate wieder unterwegs, um neues Material für Reiseberichte zu sammeln. Dabei habe ich aber auch noch jede Menge unbearbeitetes Material im Arbeitsvorrat. Und so arbeiten wir in uns chronologisch weiter voran und kommen in den Juli 2021.
Es handelt sich bei diesem Reisebericht um eine vergleichsweise unspektakuläre Inlandstour durch Deutschland mit einer bunten Mischung aus Nahverkehr, ICE und einem Ausflugszug.
Im ersten Teil steht der Umleiterverkehr aufgrund der Sperrung der Schnellfahrstrecke zwischen Kassen und Göttingen im Fokus, im zweiten Teil besuchen wir die Krebsbachtalbahn.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/111-Umleiter-SFS-Krebsbachtalbahn/111-00Karte.jpg)
Wir fahren von Allensbach am Bodensee über Freiburg und die östliche Umleitungsstrecke nach Hannover sowie über die westliche Umleitungsstrecke zurück nach Baden-Württemberg. Die Rückfahrt Richtung Bodensee unterbrechen wir in Heidelberg, um mit dem Schienenbus auf der Krebsbachtalbahn nach Hüffenhardt zu fahren.
Tag 1: Allensbach – Donaueschingen – Freiburg – Hannover – Heidelberg
Wir beginnen die Tour morgens um zehn vor sieben in Allensbach am Bodensee mit einem Doppelstockzug der Schwarzwaldbahn. Die Zugzielanzeige verrät es schon: die Schwarzwaldbahn ist zum Zeitpunkt der Reise - wie so oft in den vergangenen Jahren - unterbrochen. Da es auch auf der Gäubahn Bauarbeiten mit Schienenersatzverkehr gibt, suchen wir uns einen anderen Weg. Entlang des Ufers des Untersees und durch den Hegau fahren wir bis Donaueschingen.
Immerhin fahren auf der Höllentalbahn noch Züge, und so wechseln wir in Donaueschingen auf die S 10 nach Freiburg. Auf der Linie werden Alstom-Coradia-Continental-Triebwagen in baden-württembergischen Landesfarben eingesetzt.
Der Streckenabschnitt von Donaueschingen bis Neustadt ist als hintere Höllentalbahn bekannt, die Etappe verläuft über das Hochplateau der Baar.
Im weiteren Verlauf wird es landschaftlich interessanter, die Strecke führt nun abwechslungsreich durch den Südschwarzwald. Während über der Wutachschlucht noch Wolken hängen, begleitet uns ab Neustadt die Sonne.
Das bekannteste Viadukt der an Tunneln und Brücken reichen Strecke ist die Ravennabrücke. Hier blicken wir vom Viadukt hinab ins Höllental zum Hofgut Sternen. In diesem Reisebericht waren wir unten am Fuße des Viadukts unterwegs. Die weitere Fahrt durch das schluchtartig enge Höllental ist ebenfalls reizvoll, aber nicht ergiebig, was vorzeigbare Fotos angeht. Die nächsten Bilder entstehen daher erst bei der Fahrt durch das weite Dreisamtal nach Freiburg.
In Freiburg wechseln wir auf den ICE 76 mit Fahrtziel Hamburg-Altona, wir werden den Zug bis Hannover nutzen. Auf der Linie verkehren ICE 4, der Zug kommt aus Zürich.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/111-Umleiter-SFS-Krebsbachtalbahn/111-14ICE4-1Klasse.jpg)
Die Fahrt bis Kassel ist unspektakulär, der Regelweg ist mir wohl bekannt. Aber trotzdem wieder schön, so quer durch Deutschland zu fahren und die unterschiedlichen Regionen, Städte und Landschaften am Fenster vorbeiziehen zu lassen. Die Strecke führt durch die Oberrheinebene…
…nach Mannheim, wo es im Hafengebiet am ehemaligen Rheinvorlandspeicher ein 700 Quadratmeter großes Mural des Künstlers Case Ma´Claim zu entdecken gibt. Wenig später queren wir den Neckar.
Durch das Hessische Ried geht es nach Frankfurt…
…und weiter durch das Kinzigtal auf die Schnellfahrstrecke von Fulda nach Kassel.
Ab Kassel wird es nun interessant, denn der ICE befährt die Altstrecke in Richtung Eichenberg. Auf der Kragenhöfer Brücke queren wir die Fulda, die hier Landesgrenze ist. Das linke Ufer gehört zu Hessen, das rechte zu Niedersachsen. Dieser Streckenabschnitt ist Teil der Hannöverschen Südbahn, die Verbindung wurde 1854 vollendet und war bis zum Bau der Schnellfahrstrecke eine wichtige Nord-Süd-Strecke. Die Strecke folgt dem Tal der Fulda.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/111-Umleiter-SFS-Krebsbachtalbahn/111-23Karte-Hannoeversche-Suedbahn.jpg)
Auf dem nächsten Bild sehen wir den Bahnhof Hann Münden, der Ziegelbau entstand im Jahr 1857. Die zugehörige Stadt schreibt sich mit Punkt, also Hann. Münden (als Abkürzung von Hannoversch Münden), darauf verzichtet die Bahn jedoch.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/111-Umleiter-SFS-Krebsbachtalbahn/111-24Bahnhof-Hann-Muenden.jpg)
Die Hannöversche Südbahn führte von Hann. Münden auf der sogenannten Dransfelder Rampe nach Göttingen. Dieser Streckenabschnitt wurde stillgelegt und ist abgebaut. Wir fahren stattdessen entlang der Werra auf der Halle-Kasseler Bahn nach Osten.
In Eichenberg kreuzen sich die Bahnstrecken Bebra-Göttingen und Halle-Kassel, von dort fahren wir nach Norden durch den Leinegraben bis Göttingen. Ab Göttingen befährt der Zug wieder die Schnellfahrstrecke. Vor dem Zugfenster macht sich der Übergang von der Mittelgebirgslandschaft zur Norddeutschen Tiefebene bemerkbar.
Hannover stand zwar als Ziel auf unserer Fahrkarte, ein wirkliches Ziel ist das heute aber nicht, denn 40 Minuten später treten wir schon die Rückfahrt an. Wir nutzen die Zeit, um etwas frische Luft zu schnappen, dann fahren wir zurück nach Süddeutschland.
Für den Rückweg wählen wir den ICE 1079 von Hamburg nach Stuttgart. Ein schöner ICE 1 mit ganz vielen freien Sitzplätzen und erstaunlich günstigen Sparpreisen. Warum will da niemand mitfahren?
Die Antwort mag wohl der Fahrplan geben. Der Zug befährt die westliche Umleitungsroute über Altenbeken und braucht von Hannover bis Kassel zweieinhalb Stunden. Im Regelfall legt der ICE 1079 diese Strecke in 55 Minuten zurück. Das ist etwas für Genießer, eine gemütliche Landpartie durch die Mitte Deutschlands – mit freier Sitzplatzwahl und langer Fahrt ohne Zwischenhalte.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/111-Umleiter-SFS-Krebsbachtalbahn/111-33Fahrplan-ICE1079.jpg)
Auf der „Altenbekener Strecke“ fahren wir nach Südwesten. Die Strecke verläuft durch die flache Landschaft des Calenberger Lands, in der Ferne ist der Mittelgebirgszug Ith zu entdecken.
Die Strecke Hannover-Altenbeken ist Teil der kürzesten Verbindung Berlin-Köln, hier verkehrte 1892 der erste D-Zug Deutschlands. Bald gewannen aber andere Strecken mehr Bedeutung, im Regelbetrieb fahren hier im Personenverkehr nur noch Züge der S-Bahn Hannover.
Südlich von Hameln quert der Zug die Weser, anschließend folgt die Strecke dem Fluss Emmer durch das Weserbergland. Beim nächsten Bild blicken wir über die Emmer auf die Ortschaft Thal.
Für einige Kilometer führt die Strecke am Ufer des Schiedersees entlang. Der Stausee an der Emmer wurde Ende der 1970er-Jahre zum Hochwasserschutz angelegt. Die Emmer wird heute am Stausee vorbeigeleitet, um eine Verlandung des Sees zu verhindern.
Wir erreichen nun den Eisenbahnknoten Altenbeken, der ICE nutzt die Umfahrungskurve und erreicht so die Mitte-Deutschland-Verbindung in Richtung Warburg und Kassel. Die Verbindungskurve wird von Personenzügen nur noch bei Umleitungen befahren, der letzte reguläre Tagesfernzug auf der Strecke war 1987 der D 796/797 von Stuttgart über Kassel, Warburg, Bad Pyrmont und Hannover nach Bremerhaven.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/111-Umleiter-SFS-Krebsbachtalbahn/111-39Karte-Altenbeken.jpg)
Durch die Ausläufer des Eggegebirges fahren wir nach Südosten. Diese Strecke mit einem Fernverkehrszug zu befahren, ist nun keine so große Seltenheit, auf der Mitte-Deutschland-Verbindung gibt es planmäßigen Fernverkehr.
Beim nächsten Bild sind wir dann schon wieder auf der Schnellfahrstrecke und fahren auf der Fuldatalbrücke Morschen nach Süden. Die Gleise links gehören zur Bahnstrecke Kassel-Bebra.
Durch das Kinzigtal mit Blick auf die Kinzigtalsperre geht die Fahrt weiter nach Frankfurt.
Von Frankfurt nimmt der Zug die Route entlang der Bergstraße über Darmstadt nach Heidelberg. Beim nächsten Bild sind wir in Zwingenberg am Fuße des Melibokus, einem Berg am Westrand des Odenwalds. Beim übernächsten Bild queren wir in Ladenburg den Neckar.
Ursprünglich hatten wir geplant, bis Heidelberg zu fahren und am nächsten Tag die Krebsbachtalbahn zu besuchen. Aus privaten Gründen hatte sich der Plan geändert und wir fahren bis Stuttgart. Ab Heidelberg haben wir einen ganzen Wagen uns alleine, im ganzen Zug sind es nur eine Handvoll Fahrgäste bis Stuttgart.
Die Krebsbachtalbahn haben wir dann erst ein Jahr später besucht, wir hängen diesen Teil aber wie ursprünglich geplant hier an. Allerdings erst in den nächsten Tagen im Teil 2.
Viele Grüße und einen schönen Sonntag
Tobias
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TD,
21.10.2023, 17:56
- Vielen herzlichen Dank fürs Mitnehmen! - heinz11, 21.10.2023, 23:33
- Vielen Dank auch von mir fürs Mitnehmen … - JanZ, 24.10.2023, 22:26