BOP 1a: Schynige Platte und Grindelwald First [m60B] (Reiseberichte)

Math5D, Samstag, 21.10.2023, 12:40 (vor 880 Tagen)

Falls irgendjemand schon meine drei Serien 6MGA, 9TLU und BüGA gelesen haben sollte, dann könnte er dabei festgestellt haben, dass mir von den Schweizer Bahnstrecken noch genau eine fehlt: Die Schynige Platte Bahn. Dies war natürlich der eigentliche Grund für den Urlaub in Interlaken, aber zweitrangig waren auch die Wandermöglichkeiten der Region. Gerade in Verbindung mit der SPB gibt es eine Tour, die man einfach mal gemacht haben muss, nämlich von deren Bergstation über das Faulhorn auf den First und dann mit der Seilbahn runter nach Grindelwald. Laut Webseite der Jungfraubahnen soll man für 16,2km Strecke bei 825 Metern rauf und 639 runter 6h brauchen. Das erscheint mir zwar etwas lang, auf der anderen Seite bin ich auch seit fast 2 Jahren nicht mehr ernsthaft Wandern gewesen - damals auf den Pilatus. So will ich sicherheitshalber so früh wie möglich starten und plane, die Bahn ab 8:45 in Wilderswil zu nehmen. Dafür muss ich theoretisch in Interlaken Ost die BOB um 8:35 nehmen, plane aber eine halbe Stunde Puffer ein, um mich früh für die SPB anstellen und einen guten Platz sichern zu können.
Es kommt aber alles anders als gedacht. Das Frühstück im Hotel geht erstaunlich schnell, sodass ich noch früher loskomme und die SPB 40min früher anpeilen kann. Zwar verpasse ich in Interlaken West den Zug um 7:23, erreiche aber 4min später den Bus, der mich direkt nach Wilderswil bringt und dort schon vor der BOB ankommt. Dass das Gleis der SPB dann aber ganz leer ist, verwundert mich doch ein wenig.

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01 So stehe ich noch alleine vor der Absperrung, als die BOB ankommt.

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02 Dieses Jahr werden ein paar Gleise der SPB modernisiert, sodass die Saison besonders kurz ist.

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03 Da fährt die BOB weiter nach Lauterbrunnen und Grindelwald und schmeißt zwei Dutzend Leute raus, die sich hinter mir anstellen. Deutlich mehr kommen irgendwie aus dem Ort selbst, und als der Bahnsteig dann doch gut gefüllt ist, kommt 5min vor Abfahrt jemand an und lässt uns durch, wobei direkt die Tickets kontrolliert werden.

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04 So geht es mit minimaler Verspätung los,

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05 die es ermöglicht, dass uns die nächste BOB kurz nach der Station überholt.

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06 Da unten liegt Wilderswil ganz am Rande des Bödelis. Mit bis zu 250‰ geht es hoch, geschoben von der He2/2 Nr. 18 von 1910, die eigentlich für die WAB gebaut wurde.

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07 Etwas weiter oben kommen Interlaken und Unterseen ins Bild,

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08 am Ufer des Brienzersees auch Bönigen mit dem Depot der BLS.

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09 In Breitlauenen findet auch so früh schon eine Zugbegegnung statt. Zwei Züge fahren runter und ich sehe, dass auch wir einen Nachzug haben, der allerdings keine Personen befördert und anscheinend hier endet - zumindest sehe ich ihn später nie an der Bergstation.

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10 Nach einer Kurve kommt schön der Thunersee raus, links davon der Niesen, auf den neben einer Standseilbahn auch die längste Treppe der Welt mit 11674 Stufen führt.

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11 Ganz unten liegt der Bahnhof Interlaken Ost, wo an der markanten Brücke die BOB abzweigt.

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12 Bei der Ausfahrt aus dem Grätlitunnel wird zum ersten Mal das Dreigestirn sichtbar und man kann das perfekte Wetter erahnen.

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13 Rückblick auf dessen oberes Portal.

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14 Gegenüber liegt das Schilthorn, auf dem fleißig für die neue Seilbahnkette gebaut wird.

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15 Vor Eiger, Mönch und Jungfrau trennen von vorne nach hinten Männlichen, Tschuggen und Lauberhorn die Lütschentäler.

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16 Hier das nach Lauterbrunnen und Stechelberg

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17 mit deutlich zu erkennendem Abhang unter Mürren,

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18 hier das Tal nach Grindelwald mit gerade durchfahrender BOB.

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19 Oben auf 1967m steht die Sonne perfekt,

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20 sodass ich auch endlich ein brauchbares Foto der Lok bekomme.

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21 Der Wegweiser verrät, dass der Weg zurück ins Tal wegen Steinschlaggefahr gesperrt ist. Zum Glück will ich da nicht hin.

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22 Nach einem kurzen Abstecher zum Hotel/Restaurant/Toilette geht's um 9:08 los. Der Weg geht zunächst immer etwas auf und ab in Richtung Loucherhorn

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23 vorbei an zahlreichen markanten "Tafelbergen".

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24 Beim ersten echten Anstieg am Loucherhorn vorbei lohnt sich der Blick zurück,

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25 mit etwas Zoom sieht man hier noch die Bergstation.

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26 Gegenüber kommt das Finsteraarhorn langsam hinter dem Eiger hervor - höchster Berg des Kantons Bern und durch seine zentrale Lage in einer großen Gruppe Viertausender nicht so sehr von überall zu sehen wie z.B. das Dreigestirn.

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27 Der Weg wird derweil sehr schroff und steigt über ein paar solcher Geröllfelder weiter an zum Egg,

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28 an dem er ins Sägistal abbiegt. Dieses ist ein geschlossener Kessel ohne oberirdischen Abfluss und deshalb berüchtigt für seine extrem niedrigen Temperaturen, da auch die kalte Luft nicht entkommen kann. Dahinter das Schwabhoren.

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29 Ein kleiner Rückblick in die Sonne,

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30 dann überrascht mich dieses Schneefeld, das hier auf etwa 2200m Anfang Juli noch liegt. Aber halt an der Nordwand im besonders kalten Tal. Jedenfalls ist das auch nicht so leicht zu überqueren und zumindest habe ich einige Leute, die ungefähr in meinem Tempo gingen, danach nicht mehr gesehen. Falls sie tatsächlich umgekehrt sind, haben sie dafür meinen vollen Respekt, denn eine solche Entscheidung fällt in den Bergen nicht leicht, kann aber sehr sinnvoll sein.

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31 Am Gotthard - natürlich nicht dem bekannten Pass in der Zentralschweiz - verlasse ich das Tal, aber um die Ecke liegt noch viel mehr Schnee.

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32 Ist hier eigentlich noch ein Weg? Keine Ahnung, jedenfalls geht es nur noch auf allen Vieren weiter, aber trotzdem wesentlich entspannter als vorhin, da hier weder die steile Hanglage noch das lose Geröll von vorhin vorhanden sind.

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33 Am Berghaus Mändlenen endet auch dieses Tal. Sehr untypisch für die Schweizer Alpen ist hier die Toilette nicht kostenfrei - naja dann halt nicht, obwohl ich in der prallen Sonne schon mehr als 1l Wasser vernichtet habe.

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34 Dieser Wegweiser steht vermutlich absichtlich schief, jedenfalls gibt er korrekt die Steigungen der drei Wege wider. Meiner folgt nun im Wesentlichen dem breiten Grat.

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35 Hinter der vorderen Bergkette kommt das Brienzer Rothorn raus, auf dessen Hang man gut die Strecke der dampfbetriebenen Zahnradbahn und den Wanderweg erkennen kann.

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36 Links sieht man nun zum ersten Mal den Gipfel des Faulhorns,

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37 rechts davon zeigt sich ein episches Panorama der gesamten Prominenz des Berner Oberlands. Der erste Berg in der Kette ist das Wetterhorn, dann folgt das am höchsten aussehende Schreckhorn, das in Wirklichkeit nur weiter vorne steht - tatsächlich ist es der nördlichste 4000er Europas.

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38 Etwas weiter oben verzweigt der Weg in den einfachen rechts rum und den schweren über den Grat links. Nach einer kurzen Überlegung wähle ich Letzteren und stelle fest, dass der es wirklich nochmal in sich hat und ich ein weiteres Mal die Hände brauche.

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39 Ziemlich am Ende meiner Kräfte erreiche ich den 2680m hohen Gipfel, der sich zum Glück gut für eine kleine Rast eignet. Man merkt bei solch hohen Wanderungen dann doch recht deutlich die dünne Luft, und dazu kommt natürlich mein suboptimaler Trainingsstand.

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40 Etwas ärgerlich, dass von hier zwischen Schreckhorn und Finsteraarhorn das Simelihorn die Sicht einschränkt - macht aber nicht wirlich was bei der beeindruckenden Rundumsicht.

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41 Selbst der Pilatus ist ganz am Horizont sichtbar,

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42 eine Bergkette davor der ganze Weg von Brienz am Brienzersee bis zum Brienzer Rothorn - dazu später mehr.

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43 Noch ein Zoom auf die Hörner

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44 und das Dreigestirn, vor dem man die Strecke der WAB sieht, dann geht es über den einfachen Weg runter.

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45 Und der ist wirklich viel einfacher, denn der gesamte Weg von hier bis zum First ist absolut Touri-tauglich ausgebaut. Also wirklich jeder, der nicht komplett unsportlich ist, kann auch mit Flip-Flops diese Aussicht genießen. (Liebe Lehrer dieser Welt: Hier handelt es sich um ein rhetorisches Stilmittel, nämlich die Hyperbel, auf Deutsch "Übertreibung". Selbstverständlich möchte ich niemanden dazu ermutigen, sich überhaupt irgendwo im Gebirge, erst recht auf solchen Höhen, mit ungeeignetem Schuwerk zu bewegen. Wandern ist nie ungefährlich und erfordert immer Kondition, Erfahrung und Orientierung. Wer die Geschichte mit Andy84 kennt, weiß, warum ich das schreibe. Und wer demnächst eine gemütliche Feierabendrunde mit Schulkassen machen möchte, sollte vorher mal auf sicher-bergwandern.ch vorbeischauen.)

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46 Talwärts geht es nun zum Bachsee, der oft auch als Bachalpsee bezeichnet wird, und international durch seine Abbildung auf vielen Ricola-Packungen bekannt sein dürfte.

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47 Leider liegt er etwas im Schatten,

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48 hat dafür aber noch zahlreiche Schneefelder um sich.

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49 Hier um die Ecke liegt die Grosse Scheidegg, die trotz ihres Namens niedriger liegt als ihre kleine Schwester.

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50 Unten kommt Grindelwald ins Bild, links nach einem letzten kleinen Anstieg der First, auf dem ein "Thrill Walk" installiert ist.

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51 Dessen Highlight ist diese Hängebrücke, an der ich nun wirklich gar nichts thrilling finde. Ist halt für die Fernost-Touris.

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52 Dafür hat man von hier nochmal einen Blick zurück auf Simelihorn und rechts dahinter klein das Faulhorn. 4h und 14min habe ich für die Wanderung inklusive aller Pausen gebraucht - so viel zu den Zeitangaben online und auf den Schildern. Im Internet kann ich es ja verstehen, wenn man etwas übertreibt, um durchschnittliche Touristen von solchen Touren abzuhalten, die ohne Erfahrung und Schuhwerk schlichtweg gefährlich sind, aber vor Ort bin ich von der Schweiz eigentlich realistische Prognosen gewohnt.

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53 Nebenan führt die Seilbahn nach Grindelwald, die praktischerweise in meinem Ticket auch enthalten ist. Dahinter kann man alternativ bis zur ersten Zwischenstation auch an einem Seil hinabgleiten.

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54 Die wird hier bei Schreckfeld erreicht, wo die Kabinen scharf nach rechts abgelenkt werden.

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55 Für den eben erwähnten "First Flyer" muss man allerdings 150min anstehen und dann noch 31 Franken blechen. Uff. Da käme ich nicht im Traum drauf, für sowas Geld auszugeben - aber jeder, wie er mag.

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56 Hier zwischen Schreckhorn und Wetterhorn kam früher mal der Obere Grindelwaldgletscher raus. Ist aber nicht mehr viel von übrig.

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57 Bei Bort geht es in die nächste Zwischenstation,

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58 in der ein Roboter automatisch Karts verlädt, mit denen man dann nach nur 60min Anstehen und CHF21 fahren kann - eine weitere dieser "Attraktionen". Ich find den Roboter da spannender als eine Fahrt.

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59 Hier war füher mal eine weitere Zwischenstation, übrig geblieben ist nur die technisch sehr interessante Kurve, was allerdings vor allem für die Kabinen bergwärts gilt, deren Seil ja nicht einfach so durch die Kurve kann, da es sich schlichtweg in Richtung der Innenkurve von den Rollen lösen würde. Deshalb wird es hier mehrfach umgeleitet, während die Kabinen es kurz verlassen - zum Beispiel hier zu sehen (Video nicht von mir). Kurvenaußen ist aber alles ganz normal.

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60 Die Talstation erreiche ich nach zwei Zwischenhalten in der Luft, weil gewisse Personengruppen offenbar nicht in der Lage sind, in eine sehr langsam fahrende Gondel einzusteigen, um etwa 14:07.

Zu der frühen Stunde ist natürlich noch nicht Schluss, aber da der Beitrag schon lang genug ist, folgt der Rest später.

Passend dazu | Cabview (Führerstandsmitfahrt)

gbstngrtz, Sonntag, 22.10.2023, 13:04 (vor 879 Tagen) @ Math5D

Hey,

passend dazu gibt es bei Youtube auch eine Führerstandsfahrt zu eben deiner Tour:

https://www.youtube.com/watch?v=iPljQ9w7r3I

Viele Grüße,
Basti

Wanderung

Armchair traveller, Sonntag, 22.10.2023, 20:46 (vor 878 Tagen) @ Math5D

Hi!
Spannend. Ich wollte eigentlich auch die First-Wanderung machen und habe mich dann von den 6 Stunden Gehzeit abbringen lassen. Grummel. Vom Blick in die Karte hatte ich auch 4½ Stunden geschätzt. Dachte, dass der Weg dann ja extrem schwer sein muss. Schade, muss ich mal nachholen.
Vielen Dank!
AT

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