BOP 0: Anfahrt und Stippvisite bei der BOB [m13B] (Reiseberichte)

Math5D, Samstag, 14.10.2023, 16:53 (vor 887 Tagen)

In der Schweiz gibt es ja viele Tickets, mit denen man sich sehr lange beschäftigen kann, um festzustellen, was für einen am günstigsten ist. Im Berner Oberland ab Interlaken wäre da zum Beispiel der Jungfrau Travel Pass zu nennen, der ein extraordinär schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis hat und noch nichtmal in allen Bussen der Region gültig ist. Nun ja, was soll man auch erwarten von einer Unternehmensgruppe, die eine sehr fragwürdige Tourismus-Strategie fährt. Viel besser ist der Berner Oberland Pass, der für etwa 20% mehr Geld nicht nur alle Strecken des Jungfrau Travel Passes inkludiert, sondern auch alle Bahnen und Busse in der Umgebung bis Bern, Luzern, seit diesem Jahr auch über den Lötschberg bis Domodossola, sowie diverse weitere Berg- und Seilbahnen - manche sogar, obwohl sie nichtmal im GA drin sind.

Damit erklärt sich auch der Name dieser Serie, zu der nun eine Anreise geplant werden muss. Da die letzten Jahre immer alles schief gegangen ist, und die Situation bei der Bahn gerade hier um Köln rum sich nicht gerade verbessert hat, buche ich ganz entspannt einen RE nach Köln und mit 1h Umstiegszeit den ICE103 nach Basel, ab dort mit IC6 und IC81 nach Interlaken.
Wer denkt, da könne nichts schief gehen, weit gefehlt. Schon lange vor der Fahrt selbst wird eine Streckensperrung zwischen Aachen und Düren angekündigt, weil irgendeine Brücke neu gebaut wird. Dass bei solchen Sperrungen immer gleich die gesamte Strecke mit SEV gefahren wird, habe ich noch nie verstanden. Außerdem fährt der SEV wie üblich mit nur einem Bus, der in der Ferienzeit vielleicht sogar leerer ist als sonst mit allen Pendlern, aber trotzdem habe ich darauf überhaupt keine Lust. Also plane ich um auf einen über 1h früheren RE4 nach Düsseldorf und ab da einen RE1 nach Köln, wo der 103 startet. Zwei Wochen vorher muss ich dann aber nochmal umplanen, da der 103 aus welchem Grund auch immer in Siegburg/Bonn startet - was ist das wieder für ein Quatsch? Wenn der da losfährt, kommt er doch sicher trotzdem aus dem Werk in Köln. Jedenfalls ergibt sich so die Möglichkeit, von Düsseldorf bis Siegburg mit dem ICE815 zu fahren, der mit einer BR408 fahren soll. Dafür könnte ich theoretisch gleich drei RE4 nehmen, da neben dem regulären zwei Verstärker unterwegs sind.

Am Tag selbst bin ich aber früh wach und nehme so den ersten der drei, der Düsseldorf fast pünktlich erreicht. Dafür ist dort absolut alles andere viel zu spät unterwegs und auch der 815 fährt 10min zu spät ein. Der 408er zeigt sich direkt von seiner besten Seite: Alle Displays und Anzeigen innen wie außen sind aus, sodass im Verspätungs- und Gleiswechselchaos durchaus einige Leute rätseln, welcher Zug das nun eigentlich ist, dafür sind alle Leselampen auf einer Seite an, auf der anderen aber auch aus und lassen sich sämtlich nicht umstellen. Angeblich soll uns der ebenfalls zu späte RE1 nun auch vorlassen, aber er fährt dann doch zuerst los. Wir zuckeln hinterher und biegen in Richtung Hilden auf die Güterstrecke ab, auf der es mit maximal 100 nach Deutz tief geht, wo der RE1 oben schon längst weg ist. Nun wird es aber auch nicht schneller, da wir bis zum Flughafen hinter einer S19 herzuckeln und so erreichen wir Siegburg am Ende mit +25.

Dort steht am Gleis, dass der 103 (ein ICE4 13-Teiler) verkehrt herum fahren soll, in der App steht hingegen, dass er richtig herum steht. So platziere ich mich mit meiner Reservierung im zweitletzten Wagen in der Mitte des komplett vollen Bahnsteigs und warte, aber der Zug kommt einfach nicht. Dann verschwindet er von der Anzeige, die auf den 915 nach München wechselt. Naja, wenn der zuerst kommt, nehme ich den halt bis Mannheim, aber schließlich kommt doch der 103, verkehrt herum, reingefahren. 5min nach seiner Abfahrtszeit, die inzwischen mit +10 durchgesagt wurde. Da alle schnell einsteigen, geht es dann aber mit nur +8 los. Jeder ICE3 könnte das entspannt bis Frankflug aufholen, nicht so der ICE4, der heute maximal 250 fährt.

In Frankflug steht am Bahnsteig dran, dass wir der ICE91 nach Wien wären, weshalb 3x eine Durchsage erfolgt, dass wir das nicht sind. Immer noch mit +8 fahren wir ab, bremsen aber direkt wieder runter und zuckeln bis Zeppelinheim. Dort überholt uns der 593 aus Frankfurt Hbf bzw. Hamburg - super unnötig, der muss nun in Mannheim auf uns warten, sodass wir beide durch die Überholung mehr Verspätung bekommen. Wer entscheidet bitte ständig so einen Mist? Aber nicht nur das, auch stehen wir danach noch weitere 5min still, bis es endlich weitergeht. Und obwohl wir an Biblis vorbei nochmal ordentlich trödeln, sind wir in Mannheim "nur" 20min zu spät, wo wie erwartet der 593 noch steht.

Danach passiert dann bis Basel nichts Spannendes mehr, außer dass in Kalrsruhe ein Giruno entgegenkommt (vermutlich für Zulassungsfahrten in Deutschland) und wir tatsächlich nach und nach etwas Verspätung aufholen und am Ende mit +8 dort ankommen - 1min Umstiegszeit verbleibt von Gleis 12 auf 8. Ich gehe also rechtzeitig zu einer Tür halbwegs in der Mitte des Zuges und steige recht nahe bei der Haupttreppe aus. Da muss ich erst ein paar Leute beiseite schieben, die schon darauf warten, dass der Zug gleich als ICE106 zurück fährt, und dann noch ein paar Langsamgeher auf der Treppe. Gerade so erreiche ich den IC6, der nun wie erwartet pünktlich nach Bern fährt.

Dort wurde vor Kurzem der "Berner Wechsel" eingeführt: Früher fuhr ab Basel einfach 1x pro Stunde der IC61 nach Interlaken und gleichzeitig der IC8 ab Zürich nach Brig. In Bern gab es die Möglichkeit, gegenseitig umzusteigen. In der halben Stunde dazwischen fuhr dafür jede zweite Stunde ein IC6 von Basel nach Brig mit Anschluss-Regio von Spiez nach Interlaken, jede zweite Stunde auch ein IC61 ohne Fahrtmöglichkeit nach Brig. Ab Zürich erreichte man beide mit dem IC1 in Bern.
Jedenfalls fanden das die Leute nicht so nett, die von Zürich nach Interlaken fuhren und immer mindestens 1x umsteigen mussten, welhalb seit Dezember 2022 jede zweite Stunde in der IC8/IC61-Zeit beide Züge in Bern ihre Rollen tauschen und damit der Zug aus Zürich als IC81 nach Interlaken fährt und der aus Basel als IC6 nach Brig.
Ab Basel ist dadurch allerdings ein sehr komischer Fahrplan, in dem alle halbe Stunde ein Zug nach Bern fährt, aber immer erst 2 nach Interlaken, dann 2 nach Brig.
Lange Rede kurzer Sinn, jedenfalls muss ich dadurch in Bern umsteigen, freue mich aber auch, die neue Linie nutzen zu können, die direkt durch den recht neuen "Tunnel" in der Entflechtung des Wylerfelds fährt.

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01 Ab Spiez kann ich endlich Fotos machen, hier vom Thunersee in Richtung Beatenberg und Interlaken.

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02 Nach hinten raus liegt Faulensee, wo früher der gerade erwähnte R, der mit einem KISS/MUTZ der BLS fuhr, eben nicht hielt, da er für die Anschlüsse in Interlaken diesen Halt zeitlich nicht geschafft hätte. In der anderen Stunde fuhr er dafür zusätzlich zum IC61 und konnte entspannt alle 3 Halte (Faulsensee, Leissigen und Därligen) mitnehmen, ohne dabei jedoch irgendwelche Anschlüsse zu erreichen. Inzwischen wurden sie aber sämtlich stillgelegt.

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03 Etwas weiter rum sieht man das Niederhorn, auf das man mit einer Standseilbahn-Seilbahn-Kombi fahren kann.

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04 Interlaken selbst liegt hier auf einer kleinen Ebene zwischen Thuner- und Brienzersee, dem sogenannten Bödeli. Das hat vermutlich mal die Lütschine angeschwemmt und damit die beiden Seen getrennt.

In Interlaken West steige ich dann aus, da mein Hotel von dort aus näher liegt als vom Ostbahnhof. Nach einem kurzen Check-In und Spaziergang zum Ostbahnhof und zurück, um den Berner Oberland Pass zu kaufen, der allerdings erst ab morgen gilt, beschließe ich trotzdem noch eine Kurztour für heute, denn zumindest innerhalb Interlakens gilt auch die Gästecard als Ticket.

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05 Somit fahre ich genau 2h später wieder mit dem IC81 nach Ost und dann in der nachmittags sehr entspannt leeren BOB bis Wilderswil - weiter gilt das Ticket nicht.

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06 Die BOB wurde mit der Eröffnung des Eiger-Expresses ab Grindelwald Terminal auf insgesamt 15 Wagen verlängert, wofür auch der Bahnsteig hier bis zum allerletzten Millimeter ausgebaut werden musste.

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07 Bei der Ausfahrt sieht man schonmal den ganzen Zug,

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08 aber etwas später noch besser: Ganz vorne ist der ABDeh8/8, der zusätzlich einen älteren dreiteiligen ABt nach Lauterbrunnen zieht. Nach Grindelwald fahren ein weiterer ABDeh8/8, dann ein neuer ABt und schließlich ein weiterer älterer ABt. In Summe sind so auf den zwei Lauterbrunnen- und drei Grindelwald-Umläufen 5 der 6 vorhandenen Triebfahrzeuge unterwegs, aber dafür alle 5/5 alten und 3/3 neuen Gelenksteuerwagen. Ganz schön enge Planung, aber was will man machen, wenn man halt ein Massentransportmittel ist. 250m ist der ganze Zug so lang, also länger als z.B. ein ICE3 oder auch ein doppelter RRX, der hier im Ruhrgebiet ja nur im Stundentakt fährt.

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09 Hier fahren wir ein in den Bahnhof Matten, der schon Ende des Jahres als P&R-Station eröffnet werden soll. Irgendwann später soll dann der Viertelstundentakt kommen - vermutlich dann wieder mit kürzeren Zügen, für die aber auch schon sechs ABeh4/8 bestellt sind - interresanterweise also mit weniger Antriebsachsen als die aktuellen ABDeh8/8 und ohne Gepäckabteil.

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10 Zumindest der Bahnsteig steht hier schon teilweise, viel mehr aber auch nicht.

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11 Auch in Wilderswil hängt das Zugende deutlich über den ursprünglich als Bahnsteig geplanten Bereich hinaus, sodass ich schön auf dem Bahnübergang aussteige. Das Behinderten-Gleichstellungsgesetz rotiert.

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12 Die SPB ist derweil schon am Feierabend Machen

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13 und es kommen noch einige Züge von oben an.

Ich habe gar keine Lust auf den vollen Gegenzug und warte so etwas länger auf den Bus der Linie 105, der zwar auch extrem voll ist, aber dafür früher in Interlaken West ankommt, als wenn ich in Ost mit dem Zug umgestiegen wäre.

Nach diesem würdigen Start folgen nun 8 Tage voller Bahn-, Bus- und Wanderhighlights, die ich in den nächten Folgen dokumentieren möchte.


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