Vier Fäuste für ein Banitza 13/14 (39 Bilder) (Reiseberichte)
Heute geht es nach 7,5 Wochen tatsächlich heim nach Karlsruhe. Es ist inzwischen der 22.12., also nur noch zweit Tage bis Heiligabend. Statt der direkten Route wähle ich eine große Alpentour über den Arlberg und durch 4 Länder.
Wer sich fragt, danach noch im 14 Teil fragt, der darf sich noch auf eine kleine Zugabe von 3 Tagen in der Schweiz nach Weihnachten freuen. Den ersten Tag davon habe ich noch in diesen Teil dazu gepackt.
Tag 54 Salzburg – Sargans – Lindau – Karlsruhe
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Nicht nur dass Weihnachten naht, es taut außerdem. Also höchste Zeit heimzufahren! Nach einem kleinen Frühstück in der Lounge geht es los.
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Von Salzburg könnte ich in wenigen Stunden über München nach Karlsruhe kommen, aber das wäre ja langweilig. Heute stehen die Arlbergbahn und die frisch eröffnete SFS Wendlingen Ulm auf dem Programm.
Los geht es bis Innsbruck im Railjet über die gleiche Strecke wie gestern Nachmittag. Im Gegensatz zu gestern haben wir aber Kaiserwetter.
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Bei Kufstein verlassen wir das Deutsche Eck wieder nach Österreich. Der Railjet nach Zürich fährt durch vier Länder, hat aber kurioserweise nur in zwei davon planmäßige Halte.
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Nach Innsbruck geht es auf die Arlbergbahn. Wenn ich mich nicht täusche, sieht man hier die Bahnstrecke nach Mittenwald in der Martinswand.
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Die lange Railjetgarnitur kommt in den Kurven der Bergstrecke eindrucksvoll zur Geltung.
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Mein Railjet durchquert nun das Land Liechtenstein in seiner kompletten Breite, womit ich dann auch sein ganzes Bahnnetz befahren habe und mein erstes Bild aus Liechtenstein machen kann. Bei der Kreuzung mit dem Gegenzug im eingleisigen Abschnitt sammeln wir ein wenig Verspätung.
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Für alle, die sich wie ich für die Entstehung dieses Kleinstaates interessieren:
Liechtenstein unterscheidet sich von den anderen europäischen Kleinstaaten dadurch dass die Hauptstadt einen anderen Namen als das Land trägt. Das kommt daher, dass der Name Liechtenstein erst relativ spät in diese diese Region kam. Das Fürstenhaus stammt eigentlich aus Niederösterreich und hat seine Stammburg Liechtenstein in der Nähe von Wien. Die Familie stieg zu den führenden österreichischen Adelsfamilien und sammelte große Besitzungen in Österreich und Tschechien. Als Vasallen waren sie aber immer noch den Österreichen unterstellt und keine reichsunmittelbaren Fürsten, die nur dem Kaiser unterstellt waren. Um das zu ändern kaufte der Fürst von Liechtenstein um 1700 die beiden reichsunmittelbaren Herrschaften Schellenberg und Vaduz, die dem heutigen Staatsgebiet entsprechen, von den verschuldeten Vorbesitzern und ließ sich vom Kaiser die beiden Herrschaften zum Reichsfürstentum Liechtenstein vereinigen. Der Landesname kommt also von der Familie.
In der Folgezeit besuchten die Fürsten ihr ärmliches Alpenland sehr selten. Die bevorzugten Residenzen waren das Stadtpalais in Wien und die großen Schlösser Feldsberg/Valtice und Eisgrub/Lednice in Tschechien, die beide heute zum UNESCO-Welterbe gehören. Liechtenstein überlebte die napoleonische Zeit wurde einer typischen Kleinstaaten im Deutschen Bund. Im Gegensatz zu den anderen Kleinstaaten grenzte Liechtenstein aber innerhalb des Bundes nur an Österreich. Bei den bismarckschen Einigungskriegen wurde das Fürstentum deshalb nicht in das neue Deutsche Reich eingebunden und ist somit quasi das letzte Relikt der deutschen Kleinstaaterei.
Erst nach dem 1. Weltkrieg begannen die Fürsten sich mehr in ihrem and aufzuhalten und sich anstelle des Kriegsverlierers Österreich mehr und mehr der Schweiz anzunähern. Nach 1945 wurden dann auch noch die großen Besitzungen und Schlösser in Tschechien enteignet, was den Lebensmittelpunkt endgültig nach Vaduz verlagerte.
Erbprinz Alois und seine Frau Herzogin Sophie in Bayern waren vor wenigen Wochen bei der Krönung von Charles in London zu Gast. Würde man sich auf dynastische Ansprüche versteifen, hätte dieser Besuch ziemliches Konfliktpotenzial. Würde in England plötzlich doch noch der Katholizismus triumphieren und die katholische jakobitische Thronfolge eingeführt werden, würde Sophie als Nachkommin der Stuart-Könige und jakobitische Thronprätendentin anstelle von Charles Königin des Vereinigten Königreichs und eine Personalunion von Liechtenstein und der Insel wäre denkbar. Aktuell stehen nur noch ihr kinderloser Onkel und ihr Vater, beide schon recht betagt vor ihr in der Thronfolge. Ob der Anspruch auf die englische Krone für das Erbprinzenpaar so verlockend wäre, ist aber fraglich. Fürst Hans Adam II. von Liechtenstein wird oft als mächtiger als sein englischer Kollege betrachtet. Das Land ist zwar um Größenordnungen kleiner, aber im Gegensatz zum englischen König hat der Fürst in seinem Land noch weitgehende Machtbefugnisse.
Meine ganzen Ausführungen sind natürlich nur noch rein theoretischer Natur und fernab jeder Realität. Religionsfragen haben bei weitem nicht mehr die Bedeutung wie im 17. Jh., als die jakobitische Linie entstanden ist, und Sophie und ihre Familie führen weder den Titel noch stellen sie irgendwie geartete Ansprüche.
Als ich hier die Hauptstadt Vaduz mit seiner Burg fotografiere, haben wir das Fürstentum schon wieder verlassen.
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Von Sargans bringt mich ein Twindexx Express der SBB als IR durch das Rheintal nach St. Margrethen. Wir passieren die Burgruine Wartau. Der Berg im Hintergrund dürfte laut Google Maps der Gauschla sein.
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Hinter dieser Bergkette verbirgt sich das Appenzeller Land:
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In St. Margrethen kann ich einen Blick auf das Stadlerwerk werfen. Der neue Triebwagen sieht aus, als wäre er für die Insel bestimmt.
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Ein unmodernisierter Talent bringt mich als S-Bahn nach Bregenz und einer seiner Artgenossen als REX nach Lindau-Reutin. Die Insel Lindau kommt in Sicht, bevor wir entlang des Ufers drehen und die der Blick zurück auf die Appenzeller Alpen fällt.
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Dort begrüßt mich die DB standesgemäß mit einem einzelnen Regioshuttle als IRE 3 nach Ulm statt eine planmäßigen 425er. Andererseits ist. Da überrascht es kaum, dass es im Zug ziemlich kuschelig wird. Zum Glück steige ich am Startbahnhof ein und muss nicht stehen. Obwohl sich die DB reichlich Mühe gibt, die schlechteste Leistung auf dieser Reise zu erbringen, soll es eine andere Staatsbahn in wenigen Tagen noch toppen. Andererseits ist der IRE 3 als Regionalzug vermutlich schneller unterwegs als alle Schnellzüge in Bulgarien.
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Ganz knapp schaffe in Ulm den Umstieg auf den nächsten ICE und kann so noch die frisch eröffnete Neubaustrecke bei Tageslicht befahren. Hier passieren wir die Filstalbrücke.
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Der letzte Zug der Reise wird ist ein verkürzter ICE 1 von Stuttgart nach Karlsruhe und hat einen deklassierten 1. Klassewagen. Wenn das mal kein würdiger Abschluss ist! Besser habe in keinem Zug auf dieser Reise gesessen. Den Fahrzeiten für einen IC hält er auf der SFS locker und wir sind viel zu früher in Bruchsal.
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Kurz darauf komme ich in Karlsruhe an, wo nach Jahren von Tunnelbaustelle und danach Pandemie der Weihnachtsmarkt wieder auf dem Marktplatz ist.
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Ein richtiger Abschluss ist es aber nicht. Mein Pass geht noch bis 30.12. und ich hänge noch einen Kurzausflug in die Schweiz dran dran.
Tag 55 Pirmasens – Basel – Waldenburg – Olten – Basel
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Ich habe mich für drei Tage bei einer Freundin in Basel eingeladen und möchte zwei Tagesausflüge von dort in die Schweiz machen. Los geht es von meiner Familie bei Pirmasens von Pirmasens Nord nach Landau und dann über die Grenze nach Wissembourg, von dort weiter nach Strasbourg. Dort nehme ich den TER200 nach Basel SBB. Von diesem Teil habe ich keine Bilder. Erst war es Alltag für mich, dann die Scheiben dreckig und dann hatte ich größere Sorgen als Bilder:
Nachdem in Frankreich ein großer Bahnstreik an Weihnachten und Neujahr angekündigt wurde, dachte ich erst, ich müsste umplanen. Dann wurde der Streik jedoch für beendet erklärt.
Bis Sélestat läuft alles glatt, doch dann beginnt das Chaos. Unsere Weiterfahrt verzögert sich wegen eines herrenlosen Gepäckstücks und wird schließlich komplett geräumt. Der folgende TER 30 min später fährt nur bis Mulhouse und die nächsten nach Basel fallen aus. Der offizielle Grund sind technische Störungen. Zwei einheimische Mitreisende meinen jedoch, in Wirklichkeit werde immer noch eher inoffiziell gestreikt. In Mulhouse wartet aber zum Glück ein gut gefüllter AGC als TER noch unseren Anschluss ab und ich schaffe es mit ca. einer Stunde Verspätung aus Frankreich raus.
Solange es noch hell ist, sammle ich zwei Bahnstrecken im Jura. Zuerst fahre ich mit dem Läufelfingerli über die alte Hauensteinstrecke nach Olten und wieder zurück nach Sissach.
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Auf der Hinfahrt im Läufelfingerli spricht mich ein etwas spezieller junger Einheimischer an, der an einer kleinen Station im Jura eingestiegen ist und beginnt ein gewöhnungsbedürftiges Gespräch über das Schweizer Waffengesetz. Er ist auf dem Weg zu einem Hersteller von Handgranaten, wo er sich nach dem Preis erkundigen möchte. Er würde gerne eine kaufen für das Feuerwerk am nächsten 1. August für den richtigen „Bumms“ am Schluss. Das Zünden von Handgranaten sei zwar auch in der Schweiz verboten, aber wo kein Kläger da kein Richter und er passe schon auf und habe vor, sie wegen den Splittern in einen Graben zu werfen. Naja, dann kann ja nichts schief gehen …
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Außerdem ist er bei Ebay-Kleinanzeigen an einer Haubitze inklusive Zugfahrzeug dran. Leider ist keine Munition dabei. Das beruhigt mich irgendwie.
Dann geht es mit der frisch in Meterspur wiedereröffneten Waldenburgerbahn nach Waldenburg. Am Endpunkt Waldenburg ist ein moderner Umsteigeknoten zu den Bussen entstanden.
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Tag 56 Basel – Brig (– Andermatt – Zürich – Basel)
Heute geht es tief in die Schweizer Alpen. Los geht es mit einem ICE 4 als IC nach Spiez. In der Morgendämmerung kommt das Berner Oberland in Sicht.
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In Spiez steige ich in einen RE der BLS über die Lötschbergscheitelstrecke, der mit einem nagelneuen Flirt gefahren wird.
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Über Kehrschleifen winden wir uns auf der Lötschbergnordrampe zum Tunneleingang hoch.
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Von der Südrampe bieten sich spektakuläre Ausblicke ins Rhônetal.
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Bevor es von Brig auf der Matterhorn-Gotthard-Bahn weiter geht, ende ich für heute. Im nächsten und letzten Teil geht es über die Strecke des berühmten Glacier-Express nach Andermatt und von dort nach Basel zurück. Am nächstenTag ist dann tatsächliche der letzte Reisetag meines Interrailpasses erreicht. Diesen nutze ich für den Besuch der kleinen stillegungsbedrohten Bahn nach Les Brenets. Danach ist aber endgültig Schluss.
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Bahne aus Leidenschaft,
18.07.2023, 09:47
- Riesendank für Bilder & Texte!
-
Berliner65,
18.07.2023, 10:54
- Vielen Dank für die Serie!
-
kllaas,
18.07.2023, 13:28
- Link zu funktionierenden Bildlinks - Bahne aus Leidenschaft, 14.07.2024, 18:25
- Riesendank für Bilder & Texte!