Ein Tagesausflug nach Broc, Montbovon und Bercher (1/2) (Reiseberichte)

Twindexx, St. Gallen (CH), Sonntag, 09.07.2023, 04:15 (vor 989 Tagen) @ TD

Hoi TD,

Schöner Bericht!

Ab Romont fahren wir auf der Chemin de fer Bulle-Romont. Die 18 Kilometer lange Strecke gehört zum Normalspurnetz der tpf. Die Strecke wurde 1862 eröffnet, sie ist die älteste Bahnstrecke in der Schweiz, die sich nicht im Eigentum der SBB befindet.

Und die Strecke steht vor einem grösseren Ausbauprojekt. Zwischen Romont und Vuisternens-devant-Romont wird für 71.5 Mio CHF eine 3.3 km lange Neubaustrecke für Vmax 160 km/h gebaut, welche die heutige kurvige Linienführung ersetzen wird. Aktuell sind die Bauarbeiten ab 2025 geplant, mit kommerzieller Inbetriebnahme der NBS auf Ende 2027.
Mit diesem Projekt wird die Fahrzeit Romont-Bulle auf unter 15 Minuten und Fribourg-Bulle auf 30 Minuten reduziert. Es können optimale Anschlussknoten mit den Meterspurzügen und Bussen der tpf eingerichtet werden.
-> https://www.tpf.ch/Portals/0/Images/Fichiers//A%20propos%20des%20TPF//Projets/Brochure_... (französisch, aber mit vielen Visualisierungen)

Dieser Bau kann nicht mit den Bürgerhäusern mithalten, wir sehen hier das Bahnhofsgebäude der tpf.

Es ist der ehemalige Bahnhof. Das Gebäude steht zwar noch, aber hat mit Eisenbahn nichts mehr zu tun. Auf der Gleisseite sieht es mittlerweile ganz anders aus, die Publikumsanlagen wurden komplett abgerissen und ein ganz neues Gleisfeld verlegt. Inklusive neuem Bushof wurde seit deinem Besuch in nordwestlicher Richtung 250 m weit entfernt ein komplett neuer Bahnhof gebaut.

Der letzte Abschnitt nach Broc-Fabrique führt auf einer kurvenreichen Gefällestrecke. Die Aufschüttung links ist vermutlich ein Vorbote der Umspurung, denn die Strecke wird dabei zwischen Broc-Village und Broc-Fabrique neu trassiert, um das Gefälle zu verringern und den Kurvenradius zu vergrößern.

Exakt so ist das, dort ist das neue Normalspur-Trassee.

Die Vereinfachung des Güterverkehrs galt daher als Hauptargument für die Umspurung - allerdings nur bis 2018, denn dann verlagerte Nestlé den Güterverkehr auf die Straße.

Und die einzige LKW-taugliche Strasse dorthin führt durch eine 30er-Zone in einem Wohngebiet. Cailler scheute die Investitionen in einen neuen normalspurigen Güterbahnhof mit Umfahrungsmöglichkeit für die Güterzuglok und Anpassung der Verladehalle. Nun gibt es allerdings doch Gespräche über eine Rückkehr des Güterverkehrs auf die Schiene.

Nach dem Fahrtrichtungswechsel in Bulle fahren wir nun auf der Meterspurstrecke Bulle-Montbovon durch das Greyerzerland. Dabei fällt der Blick auf das mittelalterliche Städtchen Gruyères, das auf einem Hügel liegt und sich den Fahrgästen aus zwei unterschiedlichen Perspektiven präsentiert.

In Gruyère hättest du noch etwas feinen Käse mitnehmen können, falls es dein Reiseplan erlaubt hätte. Das Maison du Gruyère ist direkt am Bahnhofplatz. Da kann man auch zusehen, wie der Gruyère AOP hergestellt wird.
Das mittelalterliche Städtli ist aber auch ein Besuch wert. Man hat eine gute Aussicht von da oben und die Burg lässt sich besichtigen. Für Interessenten von fantastischer Kunst hat es auch noch das Giger-Museum mit Giger-Bar im Look eines ausserirdischen Raumschiffs aus Alien. Der Schweizer Künstler H.R. Giger hat für seine Designs in Alien den Oscar gewonnen und ist nach seinem Tod in Gruyère beigesetzt worden.


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.


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