Ein Tagesausflug nach Broc, Montbovon und Bercher (1/2 39 B) (Reiseberichte)

TD, Samstag, 08.07.2023, 18:49 (vor 984 Tagen)

Hallo zusammen,

ich habe noch einige ältere Reisen im Arbeitsvorrat. Auch wenn die Reisen nach mittlerweile drei Jahren nicht mehr ganz aktuell sind, finden Sie vielleicht dennoch Interesse.

Und so starten wir nun zu einem Tagesausflug in die Schweiz aus dem August 2020. Im Fokus standen die vor der Umspurung stehende Strecke von Bulle nach Broc sowie die alten Triebzüge der Lausanne-Echallens-Bercher-Bahn (LEB). Und wenn wir schon in der Region sind nehmen wir auch noch die M1 der Métro Lausanne mit.

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Wir fahren von Konstanz über Zürich und Fribourg nach Bulle und erkunden von dort die Strecke nach Broc. Anschließend fahren wir über Montbovon und Montreux nach Renens, um mit der M1 nach Lausanne zu fahren. Den Abschluss bildet die Bereisung der Strecke der LEB bis Bercher, bevor wir die Heimreise an den Bodensee antreten.

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Unseren Tagesausflug beginnen wir um 7 Uhr am Bahnhof von Konstanz. Ein InterRegio der SBB bringt uns zunächst nach Zürich. Dort wechseln wir auf einen InterCity nach Fribourg. Auf beiden Relationen kommen IC2000-Doppelstockwagen zum Einsatz.

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Von der Fahrt zwischen Konstanz und Zürich habe ich diesmal keine Bilder, hier sind wir schon im Mittelland unterwegs. Beim nächsten Bild queren wir kurz vor Fribourg die Saane, dem Fluss werden wir später noch mehrfach begegnen.

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Die nächsten Etappen legen wir mit Zügen der tpf (Transports publics fribourgeois) zurück. Den Anfang macht ein Flirt als RegioExpress nach Bulle. Der Zug befährt bis Romont die SBB-Strecke in Richtung Lausanne.

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Ab Romont fahren wir auf der Chemin de fer Bulle-Romont. Die 18 Kilometer lange Strecke gehört zum Normalspurnetz der tpf. Die Strecke wurde 1862 eröffnet, sie ist die älteste Bahnstrecke in der Schweiz, die sich nicht im Eigentum der SBB befindet.

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Die Fahrt von Fribourg nach Bulle dauert knapp 40 Minuten. Die Strecke führt durch die sanfte Landschaft des Mittellands. Beim nächsten Bild blicken wir vom Zug auf das Bauerndorf Sâles mit der Pfarrkirche aus dem 15. Jahrhundert.

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In Bulle legen wir die erste Pause ein. Die 25.000-Einwohner-Stadt hat eine nette Altstadt mit Bürgerhäusern aus dem frühen 19. Jahrhundert. Am Marktplatz erhebt sich das Schloss Bulle aus dem 13. Jahrhundert.

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Dieser Bau kann nicht mit den Bürgerhäusern mithalten, wir sehen hier das Bahnhofsgebäude der tpf. In der Mitte des Kreisverkehrs ein stilisierter Bulle, das Wappentier der Stadt.

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So, jetzt wird’s interessant, denn wir befahren nun die Meterspurstrecke von Bulle nach Broc. Die Strecke wird ebenfalls von der tpf betrieben, zum Einsatz kommt Triebwagen 122 aus dem Jahr 1992.

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Die Strecke ist 5,4 Kilometer lang, sie ist eine Nebenlinie der Strecke Palézieux–Bulle–Montbovon und wurde 1912 eröffnet. Hier fahren wir durch La Tour-de-Trême, ein Stadtteil von Bulle, bald erreichen wir den dortigen Haltepunkt.

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Zwischendurch ergibt sich eine Blick über die Landschaft der Freiburger Voralpen. Das nächste Bild zeigt den Haltepunkt Les Marches, er wird im Zuge der Umspurung aufgegeben. Beim übernächsten Bild treffen wir wieder auf die Saane bzw. Sarine, wie der Fluss hier auf Französisch heißt.

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Schließlich erreichen wir den Ort Broc, hier sind wir am Bahnhof Broc-Village mit seinem historischen Bahnhofsgebäude. Wir fahren noch etwa einen Kilometer weiter bis zur Endstation Broc-Fabrique.

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Der letzte Abschnitt nach Broc-Fabrique führt auf einer kurvenreichen Gefällestrecke. Die Aufschüttung links ist vermutlich ein Vorbote der Umspurung, denn die Strecke wird dabei zwischen Broc-Village und Broc-Fabrique neu trassiert, um das Gefälle zu verringern und den Kurvenradius zu vergrößern.

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Nach elf Minuten Fahrzeit sind wir an der Endstation Broc-Fabrique angekommen. Auch hier gibt es ein schmuckes historisches Bahnhofsgebäude. Im Zuge der Umspurung wird an der Station ein 150 Meter langer Bahnsteig errichtet, die Züge aus Fribourg werden dann bis Broc-Fabrique durchgebunden. Da die RegioExpress-Züge bisher eine lange Standzeit in Bulle haben, kann aufgrund der Durchbindung eine Schmalspurkomposition eingespart werden.

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Aber was ist denn das nun für eine Fabrique? Das ist die Schokoladenfabrik Cailler (heute Nestlé). Das Gleis führt weiter in das Fabrikgelände. Der Güterverkehr zur Schokoladenfabrik wurde aufwändig mit Rollböcken abgewickelt. Die Vereinfachung des Güterverkehrs galt daher als Hauptargument für die Umspurung - allerdings nur bis 2018, denn dann verlagerte Nestlé den Güterverkehr auf die Straße.

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Wir verzichten auf einen Besuch der Schokoladenfabrik und machen uns stattdessen zu Fuß auf den Weg zurück in den Ort Broc. Beim Aufstieg in den Ort lassen wir den Blick über die Schokoladenfabrik schweifen. Die Fabrik wurde 1898 gegründet, sie entwickelte sich rasch zum wichtigsten Arbeitgeber der zuvor landwirtschaftlich geprägten Region. Im Jahr 1930 waren fast 1.800 Arbeiter in der Fabrik beschäftigt.

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Der Ort Broc hat rund 2.700 Einwohner, der deutsche Name Bruck wird heute nicht mehr verwendet. Auf dem nächsten Bild sehen wir die Pfarrkirche Saint-Othmar. Der Ort liegt auf einer Hochterrasse, beim übernächsten Bild wird das beim Blick über die Ebene der Saane deutlich.

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Doch nun zurück zur Bahn bzw. dem Bahnhof Broc-Village. Bei der Rückfahrt treffen wir auf einen jüngeren Triebzug aus dem Hause Stadler. Der Zug fährt als S 60 nach Bulle und geht dort auf die S 51 nach Montbovon über. Das trifft sich gut, denn das ist auch unser Ziel, so können wir bis Montbovon sitzenbleiben.

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Dieses Bild entstand zwischen Broc und Bulle, vor dem Zugfenster sehen wir den Herrschaftssitz Château d’En-Bas am Ostufer der Saane neben einer historischen Brücke.

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Nach dem Fahrtrichtungswechsel in Bulle fahren wir nun auf der Meterspurstrecke Bulle-Montbovon durch das Greyerzerland. Dabei fällt der Blick auf das mittelalterliche Städtchen Gruyères, das auf einem Hügel liegt und sich den Fahrgästen aus zwei unterschiedlichen Perspektiven präsentiert.

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Die Strecke von Bulle nach Montbovon ist rund 17 Kilometer lang, sie wurde 1903 eröffnet. Hier fahren wir gerade durch den Ort Albeuve. Die Strecke folgt dem Fluss Saane, beim nächsten Bild fahren wir am Lac de Lessoc, ein Stausee an der Saane.

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Auf den letzten Metern führt die Strecke in Straßenlage durch den Ort Montbovon zum dortigen Bahnhof. Für dieses Bild sind wir nach der Ankunft am Bahnhof einige Schritte zurückgelaufen. Am Bahnhof Montbovon endet unser Besuch bei der tpf, dort trifft die Strecke aus Bulle auf die ebenfalls meterspurige Montreux-Berner Oberland-Bahn (MOB).

In den nächsten Tagen folgt der zweite Teil, dann fahren wir von Montbovon nach Montreux und weiter nach Lausanne zur LEB.


Viele Grüße und einen schönen Sonntag


Tobias

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/

Schöner Bericht!

462 001, Taunus, Samstag, 08.07.2023, 21:13 (vor 984 Tagen) @ TD

- kein Text -

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Von mir besuchte Bahnhöfe
- Deutschland: 1619
- Euro. Ausland: 717

Stand: 20.02.2026

Ein Tagesausflug nach Broc, Montbovon und Bercher (1/2)

Twindexx, St. Gallen (CH), Sonntag, 09.07.2023, 04:15 (vor 984 Tagen) @ TD

Hoi TD,

Schöner Bericht!

Ab Romont fahren wir auf der Chemin de fer Bulle-Romont. Die 18 Kilometer lange Strecke gehört zum Normalspurnetz der tpf. Die Strecke wurde 1862 eröffnet, sie ist die älteste Bahnstrecke in der Schweiz, die sich nicht im Eigentum der SBB befindet.

Und die Strecke steht vor einem grösseren Ausbauprojekt. Zwischen Romont und Vuisternens-devant-Romont wird für 71.5 Mio CHF eine 3.3 km lange Neubaustrecke für Vmax 160 km/h gebaut, welche die heutige kurvige Linienführung ersetzen wird. Aktuell sind die Bauarbeiten ab 2025 geplant, mit kommerzieller Inbetriebnahme der NBS auf Ende 2027.
Mit diesem Projekt wird die Fahrzeit Romont-Bulle auf unter 15 Minuten und Fribourg-Bulle auf 30 Minuten reduziert. Es können optimale Anschlussknoten mit den Meterspurzügen und Bussen der tpf eingerichtet werden.
-> https://www.tpf.ch/Portals/0/Images/Fichiers//A%20propos%20des%20TPF//Projets/Brochure_... (französisch, aber mit vielen Visualisierungen)

Dieser Bau kann nicht mit den Bürgerhäusern mithalten, wir sehen hier das Bahnhofsgebäude der tpf.

Es ist der ehemalige Bahnhof. Das Gebäude steht zwar noch, aber hat mit Eisenbahn nichts mehr zu tun. Auf der Gleisseite sieht es mittlerweile ganz anders aus, die Publikumsanlagen wurden komplett abgerissen und ein ganz neues Gleisfeld verlegt. Inklusive neuem Bushof wurde seit deinem Besuch in nordwestlicher Richtung 250 m weit entfernt ein komplett neuer Bahnhof gebaut.

Der letzte Abschnitt nach Broc-Fabrique führt auf einer kurvenreichen Gefällestrecke. Die Aufschüttung links ist vermutlich ein Vorbote der Umspurung, denn die Strecke wird dabei zwischen Broc-Village und Broc-Fabrique neu trassiert, um das Gefälle zu verringern und den Kurvenradius zu vergrößern.

Exakt so ist das, dort ist das neue Normalspur-Trassee.

Die Vereinfachung des Güterverkehrs galt daher als Hauptargument für die Umspurung - allerdings nur bis 2018, denn dann verlagerte Nestlé den Güterverkehr auf die Straße.

Und die einzige LKW-taugliche Strasse dorthin führt durch eine 30er-Zone in einem Wohngebiet. Cailler scheute die Investitionen in einen neuen normalspurigen Güterbahnhof mit Umfahrungsmöglichkeit für die Güterzuglok und Anpassung der Verladehalle. Nun gibt es allerdings doch Gespräche über eine Rückkehr des Güterverkehrs auf die Schiene.

Nach dem Fahrtrichtungswechsel in Bulle fahren wir nun auf der Meterspurstrecke Bulle-Montbovon durch das Greyerzerland. Dabei fällt der Blick auf das mittelalterliche Städtchen Gruyères, das auf einem Hügel liegt und sich den Fahrgästen aus zwei unterschiedlichen Perspektiven präsentiert.

In Gruyère hättest du noch etwas feinen Käse mitnehmen können, falls es dein Reiseplan erlaubt hätte. Das Maison du Gruyère ist direkt am Bahnhofplatz. Da kann man auch zusehen, wie der Gruyère AOP hergestellt wird.
Das mittelalterliche Städtli ist aber auch ein Besuch wert. Man hat eine gute Aussicht von da oben und die Burg lässt sich besichtigen. Für Interessenten von fantastischer Kunst hat es auch noch das Giger-Museum mit Giger-Bar im Look eines ausserirdischen Raumschiffs aus Alien. Der Schweizer Künstler H.R. Giger hat für seine Designs in Alien den Oscar gewonnen und ist nach seinem Tod in Gruyère beigesetzt worden.


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.

Ein Tagesausflug nach Broc, Montbovon und Bercher (1/2)

guru61, Arolfingen, Dienstag, 18.07.2023, 07:41 (vor 975 Tagen) @ Twindexx

Hoi TD,

Das mittelalterliche Städtli ist aber auch ein Besuch wert. Man hat eine gute Aussicht von da oben und die Burg lässt sich besichtigen. Für Interessenten von fantastischer Kunst hat es auch noch das Giger-Museum mit Giger-Bar im Look eines ausserirdischen Raumschiffs aus Alien. Der Schweizer Künstler H.R. Giger hat für seine Designs in Alien den Oscar gewonnen und ist nach seinem Tod in Gruyère beigesetzt worden.


Grüsse aus der Ostschweiz.

Hallo
das Gigermuseum ist einen Besuch wert:
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Gruss Guru

Danke - das Lesen hat Spaß gemacht :-)

Berliner65, Berlin, Sonntag, 09.07.2023, 16:44 (vor 983 Tagen) @ TD

- kein Text -

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Mit Interrail unterwegs ab 03.07.!

Ein Tagesausflug nach Broc, Montbovon und Bercher (1/2 39 B)

sflori, Montag, 10.07.2023, 12:56 (vor 983 Tagen) @ TD

Sehr schöne Fotos aus einer sehr schönen Gegend. :)


Bye. Flo.

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