Vier Fäuste für ein Banitza 8/14 (48 Bilder) (Reiseberichte)

Bahne aus Leidenschaft, Mittwoch, 05.07.2023, 22:06 (vor 987 Tagen)

Nachdem wir im letzten Teil einige Tage die Region um Neapel unsicher gemacht haben, sind wir am Ende des letzten Teils in Montecatini Terme in der Toskana angekommen. In diesem Teil werden wir kurz in der Toskana bleiben und dann wird sich unsere kleine Reisegruppe endgültig trennen. Thomas und Chris fahren nach Hause, während ich weiter nach Triest fahre.

Tag 40 Pisa, Lucca und Florenz

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Heute wollen wir die beiden toskanischen Städte Pisa und Lucca besuchen. Nach Pisa bringt uns dieser Triebwagen von Pesa, von Trenitalia als Swing bezeichnet.

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In Pisa besuchen wir den Campo die Miracoli mit Dom, Bapristerium und natürlich dem schiefen Turm und machen auch das klassische Tourifotomotiv, natürlich rein selbstironisch. ;-)

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Irgendwie gelingt es Thomas und mir, uns in den Dom zu schmuggeln.

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Pisa war im Hochmittelalter eine bedeutende Seerepublik wie Genua und Venedig und konnte sich den mächtigen Dom und umliegende Gebäude leisten. Mit der Zeit geriet die Stadt aber ins Hintertreffen gegen die Konkurrenz. Im Streit zwischen Papst und Kaiser hat sich Pisa auf die kaiserliche Seite gestellt, und wurde schließlich 1406 von den papsttreuen Florentinern erobern.
Im Dom ist mit Heinrich VII. ein deutscher Kaiser bestattet. Der eher unbekannte Herrscher aus dem Haus der Luxemburger hat als erster deutscher König nach Wirren nach dem Ende der Stauferdynastie wieder den Zug nach Rom zur Kaiserkrönung gewagt, starb jedoch noch in Italien bei Siena, wodurch seine Regentschaft schnell beendet war. Von vielen späteren Historikern wurde er als Phantast abgewertet und sein Romzug als unrealistisch ambitioniert kritisiert. Zahlreiche Zeitgenossen, zum Beispiel der große italienische Dichter Dante in seiner göttlichen Komödie, hatten jedoch große Hoffnungen in ihn. Heute wird seine Regentschaft differenzierter betrachtet und wir werden nie wissen können, wie die Dinge gekommen wären, hätte er länger gelebt.
1409 schrieb Pisa nochmal Geschichte als beim Konzil von Pisa während des Großen Abendländischen Schismas zusätzlich zu den beiden konkurrierenden Päpsten in Rom und Avignon noch ein dritter Papst gewählt wurde.
Über den Arno gehen wir zum Hauptbahnhof.

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Dieser Triebwagenveteran brachte uns zurück nach Lucca.

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Am Bahnhof Lucca überrascht uns diese tschechische Brillenschlange mit einem Güterzug. Im Hintergrund schaut ein Steuerwage, der Doppelsrockgarnituren hervor, die nach Montecatini verkehren.

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Lucca hat auch eine schöne Altstadt. Freunde von Top Gear kennen die Altstadt bestimmt aus dieser genialen Folge: https://www.youtube.com/watch?v=c_eLViH7_YI Leider beginnt es zu regnen.

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Nachmittags ist kein Ende des Regens in Sicht. Meine beiden Begleiter den direkten Weg nach Montecatini zurück, während ich als Streckensammler einen Umweg über Pisa und Florenz durch das Arnotal fahre. Nach Pisa bringt mich wieder ein Triebwagenveteran. Weiter geht es mit einem doppelstöckigen modernen Hitachi Rock. Im Hintergrund ist der ältere Triebwagen, mit dem ich aus Lucca gekommen bin. Morgen werde ich noch ein besseres Bild von dieser Baureihe haben.

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Bei dem restlichen Tageslicht bleibt mir noch Zeit für einen schnellen Stadtrundgang und ein traditionelles Brot mit reichlich Kutteln.

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Am Nachbargleis wartet der Regionalzug nach Siena auf Abfahrt auf die Oberleitungsfreie Strecke.

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Tag 42 Montecatini Terme – Porretta Terme – Venedig – Triest

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Heute trennen sich die Wege von mir und meinen Begleitern. Der Interrailpass von Thomas, der zwei Wochen vor uns losgefahren ist läuft bald aus und Chris hat nach 6 Wochen langsam genug Urlaub. Außerdem ist ab sofort überall schlechtes Wetter gemeldet. Wegen des Wetters ist mein Plan, ab sofort die meiste Zeit in Zügen zu verbringen. Wenn es schon kalt und regnerisch wird, will wenigstens dort hin, wo es richtig kalt ist und der Niederschlag als Schnee runterkommt. Ich werde über Triest und die österreichische Südbahn nach Nordosten und noch ein paar Tage das winterliche Gebiet der ehemaligen KuK-Monarchie unsicher machen.
In Pistoia trennen wir uns. Die beiden nehmen ab Florenz den Frecciarossa nach Mailnad und von dort den EC nach Zürich. Ich werde dagegen mit Regionalzügen ordentlich Kilometer machen und nach Triest fahren. Zuerst geht es über die Porrettana, die älteste Appenninenquerung zwischen Florenz und Bologna. Leider ist das Wetter nicht besonders gut.

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In Bologna hängt, wie es für die Poebene im Winter nicht unüblich ist, dichter Nebel. Viele hier im Forum werden wissen, dass die linke Bahnhofsuhr nicht defekt ist, sondern aus an ein trauriges Ereignis erinnern soll.

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Von Bologna geht es mit einem Hitachi Rock nach Venedig. Über den Bahndamm geht es in die Lagune.

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Das Design der Region Veneto für den Rock finde ich sehr gelungen.

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In Venedig warten mehrere HGV-Züge von Trenitalia und Italo auf ihre Abfahrt. Ein ETR 700 ist schon zum Frecciarossa umlackiert? Etwas weiter steht noch einer als Frecciargento. Wer hat die schönste Nase?

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Vom Bahnhof Santa Lucia erkunde ich ein wenig die Stadt. Der Bahnhof liegt in der Altstadt direkt am Canale Grande. Die namensgebende Kirche wurde 1861 für seinen Bau abgerissen.

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Wie üblich im Winter, beginnt der Markusplatz überschwemmt zu werden und Laufstege werden aufgebaut. In Zukunft droht die Acqua Alta durch die steigenden Meeresspiegel stärker auszufallen. Von 2003 bis 2020 wurde zum Schutz der Lagune das Großprojekt M.O.S.E gebaut. Verzögerungen und Kostenexplosion bei Großprojekten können nicht nur wir in Deutschland, auch M.O.S.E. war davon überschattet. 2021 hat es sich aber bei der ersten Sturmflut nach Inbetriebnahme gut bewährt. Ob das Sperrwerk für den Meeresspiegelanstieg ausreichend dimensioniert ist ist jedoch stark umstritten.

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Über den Damm geht es wieder aus Venedig raus.

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Kurz nach Venedig wird es dunkel. Somit sehe ich von der Fahrt am Golf von Triest entlang leider nichts mehr. Das werde ich aber in den kommenden Tagen nachholen. Am Stadthafen von Triest vorbei gehe ich zu meinem Hostel am anderen Ende der ALtstadt.

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Tag 43 Miramare und Udine

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Heute möchte ich das Schloss Miramare von Maximilian von Österreich, Schwager von Kaiserin Sissi und tragischer Kaiser von Mexiko besuchen. Auf dem Platz vor meinem Hostel wurde ihm ein Denkmal gesetzt.

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In der Nähe meines Hostels befindet sich der Bahnhof der Karstbahn, die heute nur noch Güterverkehr hat. Der Bahnhof wurde 1906 zusammen mit der Strecke eröffnet, nachdem die Südbahn Triest schon 50 Jahre früher erreicht hatte.
Im Bahnhof ist ein Eisenbahnmuseum, das jedoch wegen Umbau geschlossen ist.

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Der Einfluss Österreichs ist in Triest kaum zu übersehen. Immerhin gehörte die Stadt von 1385 bis 1918 zur Habsburgermonarchie. Nach dem 1. Weltkrieg kamen Triest und sein Hinterland an Italien. Nach dem 2. Weltkreig wurde Triest freie Stadt, ähnlich wie Danzig nach dem 1. Weltkreig. Auch hier hatte das Modell keinen langen Erfolg und das Territorium wurde schließlich zwischen Italien und Jugoslawien aufgeteilt. Die nächsten Jahrzehnten litt die Wirtschaft der Stadt unter ihrer extremen Grenzlage. An den Rest Italiens ist Triest nur durch einen schmalen Küstenstreifen verbunden.
Vor Trieste Centrale, dem Bahnhof der Südbahn, sitzt Maximilians Schwägerin, die berühmte Kaiserin Sissi.

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Der Bahnhof Miramare besitzt einen eigenen Bahnhof mit gefälligen kleinen Empfangsgebäude.
Ein CAF Civity der Region Friaul-Julisch-Venetien brachte mich hierher. Mit diesen Zügen werde ich heute ausschließlich fahren.

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Von Miramare hat mein eine gute Aussicht über den Golf von Triest auf die Stadt.

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Lange konnte er sich nicht an seinem Schloss erfreuen, da er sich bald in das mexikanische Abenteuer reinziehen ließ, von dem er tot zurückkehren sollte. Im Schloss hat er schon mal eine Seidentapete mit seinem kaiserlich mexikanischen Wappen anbringen lassen.

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Da der Tag noch jung ist, fahre ich von Miramare noch weiter bis Udine.

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Leider beginnt es zu regnen. Nach kurzem Aufenthalt fahre ich zurück und schaue mit Triest noch ein wenig bei Tageslicht an. Der Regen hat zum Glück aufgehört. In der Nähe des Bahnhofs beginnt der Standseilbahnabschnitt der Straßenbahn nach Villa Opicina. Leider fährt sie nach einem Unfall 2016 immer noch nicht.

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Triest ist bekannt für seine Kaffeehauskultur. Im Caffè degli Specchi gibt es für mich eine heiße Schokolade, um mich aufzuwärmen. Draußen weht ein saukalter Wind vom Karst runter.

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Nein, Wurstel Bianco di Monaco gibt es heute nicht für mich. Ich nehme Gnocchi mit Gulasch. Diese Mischung aus italienischer und österreichischer Küche ist eine der lokalen Spezialitäten.

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Mit meinem letzten Abend in Italien mache ich für heute Schluss. Im nächsten Teil verlasse ich Italien über die österreichische Südbahn nach Wien und werde von dort für einen Kurzbesuch im Schlafwagen des Dacia nach Siebenbürgen fahren.


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