Vier Fäuste für ein Banitza 1/8 (41+39 Bilder) Teil 2 (Allgemeines Forum)

Bahne aus Leidenschaft, Montag, 19.06.2023, 14:42 (vor 1007 Tagen) @ Bahne aus Leidenschaft
bearbeitet von Bahne aus Leidenschaft, Montag, 19.06.2023, 14:44

Tag 5 IC Corona – Beclean pe Somes – Gura Humurolui Oras

Nach einer kurzen Nacht müssen wir schon raus. Für Chris war es die erste Fahrt im Liegewagen und er ist wenig begeistert. 2019 sind wir beide zwar schonmal in Argentinien mit dem Nachtzug von Buenos Aires nach Cordoba gefahren, aber da war der Schlafwagen leider ausgebucht, weshalb wir im Ruhesesselfahren mussten. Nach einem unangenehmen Vorfall im Hochbett eines Pfadfinderlagers vor einigen Jahren ist sein Vertrauen in Hochbetten gering, vor allem bei der schlechten Gleislage im rumänischen Teil der Strecke.

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Was wollen wir in Beclean pe Somes? Umsteigen in den IR Richtung Bukowina zu dem Moldauklöstern um Gura Humurolui. Die Verbindung mit dem Corona und frühem Aufstehen erschien mir dafür noch am praktikabelsten.
Vom Corona hätten wir ca. 5 h Umsteigezeit auf den IR Richtung Bukowina.Um etwas länger schlafen zu können und die Wartezeit in Beclean pe Somes, fahren wir bis Saratel und hängen einen kleinen Abstecher nach Bistrita Nord dran. Den hätten wir uns besser gespart. Wir bekommen erste Probleme mit unserem digitalen Interrailpass, den der Zugbegleiter weder kennt noch mit seinem Lesegerät einlesen kann. Die Kommunikation ist mangels ausreichenden Rumänischkenntnissen bei uns und irgendwelchen Fremdsprachenkenntissen bei ihm schwierig. Dieses Problem wird uns in den nächsten beiden Tagen noch verfolgen.
Zumindest haben somit noch das Lokdenkmal in Bistrita gesehen.

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Im Regionalzug zurück Richtung Beclean pe Somes sind viele Einheimische Angler auf dem Weg zu ihrem Fischgrund.

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Zurück in Beclean pe Somes bleiben uns noch knapp 3 h. Ich besorge ich uns erstmal zwei Langos als deftiges Frühstück. In der orthodoxen Kirche der Stadt ist interessanterweise ein Thron für den letzten König von Rumänien aufgestellt. Michael I. aus dem Haus Hohenzollern-Sigmaringen wurde jung König, 1947 abgesetzt und ist 2017 hochbetagt gestorben. Dass die orthodoxe Kirche so monarchietreu ist, war mir nicht bekannt.

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Die kompetente Schalterbeamtin kennt glücklicherweise unsere Pässe und verkauft uns Reservierungen für den IR nach Gura Humurolui. Der IR kommt aus Cluj Napoca und fährt in über 13 h durch Rumäniens Norden nach Galati.

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In knapp 4 h überqueren wir mit dem IR die Karpaten. Die Strecke wurde erst verhältnismäßig spät fertiggestellt. Bis zum 1. Weltkrieg gab es keine Bahnverbindung innerhalb der Doppelmonarchie vom ungarischen Siebenbürgen in die österreichische Bukowina. Die Bukowina war nur von Norden über Galizien erreichbar. Das sollte sich rächen, als russische Truppen 1914 Galizien besetzten und die Bukowina damit vom Nachschub abschnitten. Deshalb wurde in großer Eile eine Strecke über Bistrita durch die Karpaten gebaut. Der Passabschnitt war dabei sehr ungünstig und einfach trassiert und dadurch nur eingeschränkt nutzbar. Nach dem beide Regionen nach dem Krieg an Rumänien kamen, ließ Rumänien in den 30ern den Bergabschnitt weiter nördlich über Lunca Ilvei neu trassieren.

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Der Zug ist durchgehend gut gefüllt und wir scheinen die einzigen Ausländer im Zug zu sein. Von einem Eineimischen müssen wir uns wüsste Beschimpfungen anhören, zumindest vermute ich das mangels Rumänischkentnissen. Das einzige, was wir verstehen, ist dass er sich an unseren Mundschützen stört. Da wir nicht im Urlaub krank werden wollten, haben wir die in volleren Zügen weiterhin getragen. Ohne weitere Zwischenfälle kommen wir in Gura Humurolui Oras an.

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Gura Humurolui ist ein mäßig ansprechender Ort, dessen Attraktivität ziemlich unter der Verkehrsstraße durch den Ort leidet. Bei unserem Besuch im November war die Luft extrem schlecht. Schuld daran waren aber vor allem die vielen Holzöfen in Kombination mit einer Inversionswetterlage im Tal. An unserem Bahnübergang ist ein kapitaler Schienenstoß.

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Tag 6 Klöster Sucevita und Humor

Heute steht ein bahnfreier Tag an. Wir wandern zu den beiden Moldauklöstern Sucevita und Moldovita. Mein eigentlicher Plan war, abends den Nachtzug nach Bukarest zu nehmen in der Hoffnung auf ehemalige DSB-Schlafwägen. Die Unkenntnis der Schalterbeamtinnen in Gura Humurolui vom digitalen Interrailpass verhindern dies leider. Chris ist darüber nicht so unglücklich, da ihm seine erste Nachtzugfahrt im Corona gereicht hat.
Wir verlängern um eine Nacht in unserer Pension und fahren am Morgen von Tag 7 weiter. Das erspart uns heute auch das Problem der Gepäckaufbewahrung.
Die Moldauklöster gehören zum UNESCO-Welterbe. Stefan der Große, Fürst der Moldau, ließ im 15. Jh. nach jedem Sieg gegen die Türken ein Kloster bauen. Da er erfolgreich war, wurden es viele Klöster.
Sie unterscheiden sich von normalen orthodoxen Klöstern dadurch, dass sie nicht nur von innen bemalt sind sondern auch komplett von außen. Auch hier sind wir die einzigen Nichtrumänen. Morgens beginnen wir mit dem Kloster Sucevita.

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Typisch für die Region sind aufwändige Hoftor und Brunnenhäuser.

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Auch wenn es hier für meinen Geschmack zu viel Autoverkehr im Tal gibt, sind Fuhrwerke noch ein häufiger Anblick.

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Von Sucevita gehen wir weiter zum Kloster Humor. Im Inneren ist der Stifter Fürst Stefan abgebildet.

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Tag 7 Gura Humurolui – Bucuresti Nord
Heute morgen ist uns wegen des digitalen Interrailpasses nicht so wohl zu Mute. Wir nehmen eine Direktverbindung nach Bukarest. Bis Suceava Nord fährt er als Regionalzug , wechselt dort Fahrtrichtung und Zuggattung. Als IR fährt er bis Bucuresti Nord weiter. Auch heute morgen scheitern wir in Gura Humurolui daran, eine Reservierung zu kaufen. Der Zugbegleiter kennt den Pass auch nicht, drückt aber ein Auge zu. Unsere Hoffnung ist, während des Aufenthaltes in Suceava Nord eine Reservierung kaufen zu können. Daraus wird leider nichts. Am Bahnhof ist trotz mächtigen Empfangsgebäudes tote Hose.

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Nun muss Plan C funktionieren. Wir nehmen einen früheren Zug nach Suceava Hauptbahnhof. Dort gibt es zum Glück einen internationalen Fahrkartenschalter und wir bekommen problemlos unsere Reservierungen. Um die sind wir dann auch recht froh, da der Zug sich gut füllt.
In für Rumänien ziemlich flotter Fahrt geht es ohne Zwischenfälle bis Bukarest. In Ploiesti Sud steht dieser verunfallte Doppelstock, der noch aus einer Gliederzugeinheit stammen müsste.

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Zum Abendessen kehren wir in dem bekannten Restaurant Caru cu Bere in der Altstadt ein. Es gibt für uns beide Krautwickel mit Polenta.

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Tag 8 Bukarest

Bevor es morgen nach Bulgarien weiter gehen soll, steht heute ein wenig Sightseeing in Bukarest an. Ich war 2017 schon einmal in dort, Chris aber noch nicht. Vormittags besuchen wir den monströsen Palst des Ceausescu. Auch wenn ich 2017 schon mal drin war, bin ich wieder fassungslsos, wie Ceausescu in seinem bitterarmen Land diesen absurden Protzbau bauen konnte. Es ist nicht nur die reine größe, sondern auch die verbauten Materialien: Unmengen von Marmor, monströße Kristalllüster, tonnenschwere handebestickte Vorhänge, …

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An der neuen Kathedrale hinter dem Volkspalast hat sich seit meinem ersten Besuch 2017 einiges getan. Ich kann ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, dass man neben den einen Protzbau noch einen bauen muss.

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Nachmittags machen wir einen Ausflug an den Stadtrand zum Schloss Mogosoaia. Hierfür nehmen wir den relativ neuen Flughafenexpress nach Parc Mogosoaia. Ein Desiro bringt uns dort hin.

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Schloss Mogosoaia wurde von Fürst Constantin Brancoveanu gebaut, unter dem die Walachei eine kulturelle Blüte hatte. Dann deckten die Türken jedoch Intrigen von ihm gegen sie auf und ließen ihn und seine Söhne hinrichten. Der Brancoveanu-Stil wurde im 19. Jh. Nach der Unabhängigkeit im Historismus nochmal sehr populär und findet sich bei vielen Gebäuden in Rumänien.

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Während Chris danach in die Stadt zurück fährt, mache ich noch einen kleinen Abstecher zum neuen Flughafenbahnhof.

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In Bucuresti Nord sehen wir den Nachtzug nach Moldawien. Irgendwas sagt mir, dass der Zug auf den Vorhängen nicht in Moldawien fährt. :-)

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Bei den Privatbahnen sind viele gebrauchte Züge aus dem europäischen Ausland im Einsatz. Wahnsinn, wie wenig sich bei dem ex DB 614er geändert hat.

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Auch Talente der Regiobahn und ein Entenschnabel der SNCF sind vertreten. Im Hintergrund steht der leider ziemlich runtergekommen aussehende „rumänische ICE“ von Softronic.

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Auch Doppelstockgliederzüge aus Görlitz sind noch im Einsatz.

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Am Fahrkartenschalter bekommen wir den nächsten Schock. Der IR nach Ruse am Folgetag ist ausreserviert!
Mit diesem Cliffhanger will ich für heute aufhören. Ob wir es morgen tatsächlich nach Bulgarien schaffen, könnt ihr im zweiten Teil erfahren.


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