(ZM:) Netz marode - 89 Milliarden Euro werden benötigt. (Allgemeines Forum)

Der Blaschke, Donnerstag, 16.03.2023, 20:04 (vor 10 Tagen)
bearbeitet von Der Blaschke, Donnerstag, 16.03.2023, 20:06

Hey.

Dr. Nagl vom Netz hat sich sein neues Reich angeschaut.

https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/deutsche-bahn-bericht-101.html

Ziemlich marode:

Nach dieser Zählung sind 26 Prozent aller Weichen der Bahn derzeit in einem schlechten, mangelhaften oder ungenügenden Zustand, ebenso elf Prozent aller Brücken, 22 Prozent der Oberleitungen, 23 Prozent der Gleise, 42 Prozent aller Bahnübergänge und 48 Prozent aller Stellwerke. (...)

Die Noten, so der Bericht an den Aufsichtsrat, "offenbaren die vorliegende Unterfinanzierung des Schienennetzes" in Deutschland. "Bisherige Investitionsmittel waren nicht ausreichend." Eine "schnelle und umfassende Generalsanierung" sei daher nötig. Netzchef Nagl beziffert den Nachholbedarf auf rund 89 Milliarden Euro.


Na dann viel Spaß überhaupt erstmal beim Geldauftreiben. Coronafolgen müssen finanziert werden. Dazu müssen wir wieder militärisch denken; der Sektor braucht Unsummen mehr. Und dann auch noch Unmengen Gelder nur in die Netzsanierung stecken. Wolkenkuckucksheim-Neubauten in großem Stil sind da nicht mal eingerechnet.

Und selbst, wenn wir all das Geld zusammen bekommen: wer soll denn dann bauen? Woher die Arbeiter nehmen?

Und was ja auch bei den Diskussionen um den Deutschlandtakt immer etwas falsch rüberkommt: es klingt immer so, dass nach Investitionen x und y und Neubeuten A und B dann quasi das Netz fertig ist und dann der Deutschlandtakt starten kann. Da wird geflissentlich übersehen, dass ein Netz NIE fertig sein kann; dass es immer Investitionen und Bauarbeiten bedarf und damit auch der Deutschlandtakt auf ewig wegen notwendiger Fahrplananpassungen Stückwerk mit faulen Kompromissen bleibt.


Nun muss man natürlich konstatieren, dass Dr. Nagl sich zu verkaufen weiß und clever genug dazu ist, Bares zu fordern.

Wer aber regelmäßig auf den Schienen Deutschlands unterwegs ist, der wird die maroden Prozentanteile für durchaus realistisch halten.

Kurzum: ein mindestens 70 Jahre nicht ausreichend finanziertes System wird wohl mindestens ein oder zwei Generationen brauchen, um überhaupt weitgehend zuverlässig zu funktionieren.

Und da geht das größte Problem schon los: im Prinzip alle 4 Jahre wechselt das Personal des Eigentümers. Neue Leute, neue Prioritäten. Die Staatsnähe müßte also mal als erstes verringert werden. Drastisch.


Uns allen heute Lebenden wird also recht wahrscheinlich die Wurschtelei und das regelmäßige Chaos zeitlebens erhalten bleiben.

Trotzdem ist es natürlich richtig, jetzt los zu legen; der doppelte Mega-Wumms. Damit wenigstens die Generation in 80 oder 100 Jahren mal geordneten Bahnbetrieb in Deutschland erlebt.

Und bevor es hier hinten wieder vergessen wird: die Aussagen zum Netz stammen von einem DB-Vorstand und nicht von Automanagern bzw deren Gutachtern.


Schöne Grüße von jörg


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum