BüGA 08: Samnaun und Acla da Fans im Regen [m29B] (Reiseberichte)
Nach dem gestrigen verregneten Tag sieht die Prognose für heute noch viel schlimmer aus - da lohnt sich keine lange Bahntour. Stattdessen plane ich eine kurze Fahrt in die schweizerische Livigno-Konkurrenz Samnaun. Dorthin fährt die Linie 921 ab Scuol-Tarasp und zwar, zumindest damals noch, immer abwechselnd über 2 Wege. Alle 2h gibt es einen durchfahrenden Bus von Ftan über Scuol-Tarasp, Martina, Vinadi, Pfunds Kajetansbrücke und Spiss nach Samnaun. Dies war jahrelang auch die einzige Zufahrtstraße nach Samnaun, führte aber über Österreich. So erlangte das Dorf damals seine Zollfreiheit und behielt diese auch 1912 nach dem Bau der Samnaunerstraße, die nun ab Vinadi über Acla da Fans auf Schweizer Boden Samnaun anbindet. Und das tut sie auf höchst spektakuläre Weise - die ganze Straße ist bis auf ein paar Ausweichen für den breiten Bus quasi einspurig, in schlechtem Renovierungszustand, führt durch ein paar extrem minimalistische Tunnel, und ist nicht wintersicher, aber trotzdem ganzjährig offen. So endet immer in den anderen Stunden der Bus aus Scuol-Tarasp schon in Martina, wo man in einen speziell umgebauten Bus umsteigt, der ausschließlich diese Straße entlang hin und her pendelt, und dabei wegen der Ausgeglichenheit zwischen Abkürzung und schlechterer Straße noch nichtmal schneller ist. So ist es auch kein Wunder, dass dieser Spaß im Dezember 22 ein Ende hatte und nun alle Busse über Österreich fahren. Damit verliert allerdings auch Martina seine Bedeutung, da die Kajetansbrücke in Pfunds neuer Knotenpunkt im Dreiländereck wird.
Das zur Geschichte, nun zurück zu der konkreten Fahrt. Die Hintour muss ich dieses Mal außergewöhnlich früh beginnen, da ich eben den nur alle 2h fahrenden Kurs bekommen möchte. Der Zug direkt von Chur West nach Scuol-Tarasp fährt dabei um 6:59 ab, was nun wirklich zu früh ist. Zum Glück hat er aber, wie auf dieser Verbindung üblich, einen Aufenthalt von 18min in Chur, bummelt dann über die langsame RhB-Strecke mit allen Halten, die teilweise nichtmal die S1 mitimmt, nach Landquart, um dort nochmal 9min zu stehen (Inzwischen wurde der Langläufer leider auch in Chur und Landquart gebrochen, der Teil dazwischen heißt nun einfach "S"). Genug Zeit, um erst mit der 7:19er S2 nach Chur zu fahren, dann mit der S12 nach Landquart, und dort ganz gemütlich in den RE einzusteigen. Der wird dann plötzlich übertrieben voll mit Schülern - achja, in Graubünden sind gerade die Ferien zuende gegangen. Macht aber nichts, schon in Schiers sind die alle wieder raus und hinterlassen eine gähnende Leere.
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01 Die Sunnibergbrücke verschwindet heute im Tiefnebel.
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02 Kurz darunter unsere Ge4/4II 615 mit FAIRTIQ-Werbung.
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03 In Sagliains fährt gerade ein Autozug mit der Ge4/4III 658 und Watson-Werbung in schwarz in den Vereinatunnel.
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04 Ich bleibe nun im Zug sitzen, der hier in Lavin planmäßig 2min auf seinen Gegenzug wartet - so früh morgens ist auch auf diesen Linien noch keine Verspätung angesagt.
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05 Entgegen kommt mal wieder eine werbefreie Lok.
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06 Ardez gibt selbst im Regen was her.
In Scuol steige ich schnell aus, da ich damit rechne, dass unser Bus schon bereitsteht - aber Pustekuchen, der Bahnhofsvorplatz ist komplett leer. Nach und nach rollen bestimmt 6 Busse anderer Linien an und nehmen jeweils einen guten Schwung Leute mit, die dafür durch den inzwischen starken Sturzregen laufen müssen. Auf der 5m langen Strecke vom schützenden Bahnsteigdach kann man da schonmal komplett durch nass werden. Dann verschwindet unser Bus pünktlich von der Anzeigetafel, ohne da gewesen zu sein. Mit mir gucken etwa 30 andere Leute in die Röhre, als 5min zu spät doch noch ein Bus in irrem Tempo um die Kurve geschossen kommt, uns einsackt, und ebenso halsbrecherisch losbraust. Aus taktischen Gründen bin ich als letzter eingestiegen und muss nun bis Martina stehen, was dabei manchmal gar nicht so einfach ist. Scuol haben wir so schnell hinter uns gelassen, nützt aber nichts, denn auf der Landstraße ist bald ein extrem langsamer LKW beladen mit Baustoffen vor uns. In einer absolut irren Aktion überholen wir den aber bei der erstbesten Gelegenheit über mehrere Kurven hinweg. Mit +10 erreichen wir schließlich Martina, wo natürlich alle Anschlussbusse warten, und ich mir nun als erster einen guten Platz in demjenigen nach Samnaun suchen kann.
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07 Durch das nach und nach abtrocknende Fenster werden die ersten Bilder vom Inn möglich.
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08 Gegenüber führt die Reschenpassstraße runter, bis wir bei Vinadi auf die Samnaunerstraße abbiegen.
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09 Steil geht es zunächst bergauf, hier noch der letzte Blick runter ins Inntal.
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10 Das meinte ich mit minimalistischen Tunneln vorhin.
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11 Mit einer sehr ähnlichen Galeriekonstruktion wie an der Reschenpassstraße begleitet uns nun die österreichische Straße flussaufwärts.
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12 Im Hintergrund liegt Spiss, im Vordergrund sieht man eine der zahlreichen Baustellen der Strecke, die uns mit ihren Blockabfertigungsampeln immer wieder ausbremsen.
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13 Trotzdem sind wir mit nur noch +5 in Acla da Fans, das im Wesentlichen nur aus diesem zollfreien Laden und einer Tankstelle besteht.
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14 Kurz darauf stößt bei der Spissermühle die österreichische Straße dazu.
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15 Diese Werbung fasst ganz gut zusammen, weshalb die meisten hierherkommen.
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16 Dann begrüßt uns die Ortschaft Samnaun Compatsch,
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17 in die wir zunächst hochfahren.
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18 Die Benzinpreise sind selbst für außerschweizerische Verhältnisse in Ordnung, wenn auch gegenüber Livigno deutlich erhöht.
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19 Am Ortseingang des eigentlichen Samnaun endet der Bus mit der für eine Endhaltestelle in der Schweiz rekordverdächtigen Verspätung von 4min. Da hier keine Anschlüsse erreicht werden müssen, hat man wohl den üblichen Puffer weggelassen.
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20 Ich nutze die Pause von über einer Stunde, die notwendig ist, weil erst der Bus dann den anderen Weg zurück nimmt, um einmal um den Ort zu laufen. Der ist ja an sich ganz schick, aber erstens gnadenlos überlaufen und zweitens gar nicht so günstig, wenn es nicht um die Standardprodukte hier geht. Außerdem stelle ich fest, dass fast alle Geschäfte hier nur zu zwei oder drei großen Ketten gehören.
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21 Außerdem sind alle drei öffentlichen Toiletten des Orts kostenpflichtig. Da bietet sich natürlich ein kleiner Abstecher in den Wald an.
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22 So viel länger sieht der "normale" Bus gar nicht aus als unser eben. Aber dass der Unterschied so klein ist, beweist auch, wie knapp der eben über die Samnaunerstraße nur passte.
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23 Während der Regen wieder stärker wird, fahre ich im in dieser Richtung so früh noch fast leeren Bus am Einstieg ins Skigebiet Samnaun-Ischgl vorbei. Das ist so beliebt, dass es zwei Seilbahnen braucht, davon eine als Doppeldecker.
Beim Abzweig müssen wir kurz am Zoll warten, weil das Auto vor uns rausgezogen wird und die Beamten in aller Ausführlichkeit den vollgepackten Kofferraum inspizieren. Für uns interessiert sich mal wieder keiner.
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24 Nun blicken wir auf die Samnaunerstraße, über die unser Bus von eben schon wieder anrollt.
Hier hatte ich überlegt, einen weiteren Abstecher mit dem österreichischen Bus nach Landeck zu machen, aber bei dem Wetter habe ich da keine Lust drauf.
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25 So geht es weiter über Martina, wo der italienische Bus nach Mals steht,
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26 und Sent mit dem markanten Kirchturm
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27 nach Scuol, wo dieses Mal alle Busse planmäßig gleichzeitig stehen: 921 und 923 in beide Richtungen sowie die hier endende 913.
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28 Meinen Zug zurück zieht wieder eine werbelose Lok
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29 vorbei an Schloss Tarasp und dann über die bekannte Strecke nach Chur, wo ich nur noch mit der S-Bahn nach West fahre.
Das war nun die kürzeste Tour der Serie, aber das braucht man ja auch mal zwischen den ganzen 12h+-Tagen, von denen noch ein paar folgen.