[CZ][AT] Budweiser Zeitreisen (m. 38 Bildern) (Reiseberichte)
Wie schon vorher auf dem Reisebericht nach Prag erwähnt, habe ich meine Motivation gefunden, Tschechien nun stärker in den Fokus zu nehmen. Ich war vor ein paar Jahren schonmal in Budweis gewesen, damals noch von Wien aus. Jetzt habe ich keinen Wohnsitz in Wien, deswegen schaut das ganze ein bisschen anders aus.
Freitag:
Nach der Ankunft in Brno habe ich bereits den Zug erblicken können, in dem ich über 4 Stunden verbringen werde:
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Es handelt sich um Rychlik 666 "Rožmberk", welcher in über 6 Stunden die Städte Brno, Budweis und Pilsen miteinander verbindet. Wenngleich kaum einer die komplette Fahrstrecke nutzen wird, wenn man fast 2 Stunden schneller von Brno nach Pilsen über Prag und das auch öfter ans Ziel kommt.
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Die Zugbildung lässt sich auf vagonweb.cz nachschauen.
Ich erlaube es mir, die einzelnen Wagen vorzustellen, hierfür nehme ich die Beschreibungen auf vagonweb.cz (Quelle):
Baureihe B249
Hergestellt 1979-1985 in der Waggonfabrik Bautzen mit einer Stückzahl von ursprünglich 816, stellen nach wie vor 211 dieser Abteilwagen zweiter Klasse einen wesentlichen Teil des Fuhrparks. Die Wagen sind nicht klimatisiert, verfügen stattdessen über Übersetzfenster. Das WC-System ist offen, die Stromversorgung erfolgt nicht über eine Zugsammelschiene, wie es schon damals Standard geworden wäre, sondern über so genannte Achsgeneratoren, welche die Rotation der Achsen nutzt, um Energie für Beleuchtung und Beheizung bereitzustellen.
Als nächstes: Baureihe B264
Auch dieser Wagen wurde in Bautzen erstellt, 1979 wird als Jahreszahl angeführt. Es handelt sich dabei um einen Wagen mit Plätzen für die Fahrradbeförderung. Ein Abteil ist dementsprechend für Radfahrer reserviert, die praktischerweise ein Fenster mit Blick auf ihr Gefährt haben. Es ist generell ein Abteilwagen zweiter Klasse und ist ansonsten genauso ausgestattet wie der Wagen B249.
Platzgenommen habe ich in einem Wagen der Baureihe AB349, konkret im Abteil erster Klasse.
Dies ist, wie die Gattung es schon sagt, ein gemischter Wagen 1. und 2. Klasse. Die beiden Bereiche sind durch eine Trenntür von einander abgetrennt. Die erste Klasse verfügt über verstellbare Sitze mit mehr Komfort. Außerdem befinden sich pro Abteil hier 6 Sitze, denn für die zweite Klasse sind jeweils 8 Sitze pro Abteil vorgesehen.
Last but not least: Multifunktionswagen Bbdgmee236, abgeleitet vom BDbmsee447
Hergestellt 1987-1988 in Bautzen, modernisiert 2012-2014 durch ŽOS Trnava, MOVO Plzeň und Pars nova Šumperk
Während die vorhergenannten Wagen nur 140 km/h können, ist dieser auf 160 km/h zugelassen. Der Wagen verfügt neben einer Klimaanlage, einer Zugsammelschiene, einem Fahrgastinformationssystem, einem behindertengerechten WC und einem Hebelift für Rollstühle über Abteile für Frauen, Familien, Radfahrer (selbstverständlich nebst Radstellplätzen) und Personen mit Mobilitätseinschränkungen.
In der Realität reisen dort aber normalerweise keine davon, sondern ganz einfach solche, die es vorziehen, in einem klimatisierten Wagen zu reisen.
4 Stunden im Schnellzug
Ich war nun nicht alleine im Abteil, zumindest bis Jihlava. Mitgereist sind 2 weitere Reisende, welche eine Fahrkarte für die zweite Klasse über eine andere Route hatten und deswegen nachlösen durften. Jene haben im weiteren Verlauf es vorgezogen während ihrer Reise Musik über das Handy abzuspielen und sich mit alkoholischen Getränken bei Laune zu halten. War aber sonst recht entspannt. In Jihlava hatte ich dann das Abteil für mich. Die meisten Halte werden in wenigen Sekunden abgewickelt, man hält an, eine halbe Minute später geht's schon weiter. Da wird definitiv keine Zeit verschwendet.
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Die Reise soweit war ziemlich ereignislos. Meistens ist die Strecke auch in einem akzeptablen Zustand, teilweise gibt es jedoch noch die Schienenstöße, die man durchaus spüren kann. Es gibt übrigens auch ein Catering, wobei es vor allem heiße und kalte Getränke sind. Nennenswerte Snacks konnte ich nicht erkennen. Gut, dass ich in Brno mich noch beim Billa eingedeckt hab. Ein Tee durfte es aber schon sein, mit nur 15 Kronen ist der Preis erstaunlich günstig. Das muss es halt sein, das niedrige Preisniveau vom Catering im Schnellzug.
Jihlava ist ein größerer Knotenpunkt auf der Strecke, da kann man bisschen rausschauen:
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Wie man sieht, bedeutet Reisen in dieser Gegend eben weiterhin Reisen in der Vergangenheit, wenn man so will. Das wird sich aber in Zukunft ändern.
Denn von Brno nach Jihlava soll die Reisezeit in Zukunft nicht mehr 2 Stunden über die Altbaustrecke, sondern 30 Minuten über die Hochgeschwindigkeitsstrecke betragen. Damit würde man erstmals konkurrenzfähig mit dem Fernbus sein, der zwar weniger oft fährt, dafür aber aktuell ca. anderthalb Stunden schneller ist.
Gegenüber dem Auto wird es dann jedoch nicht so leicht mit der Konkurrenzfähigkeit. Zwar fährt man dann nicht mehr einen Teil der Strecke in Dieseltraktion, sondern vollständig elektrisch, jedoch ist dieser Teil weiterhin ein eher untergeordneter Teil der Infrastruktur, daran wird sich auch in Zukunft wenig ändern. Zumindest kann besseres Wagenmaterial die Attraktivität steigern. In Zukunft wird die Linie auch in Budweis gebrochen, da der Teil zwischen Budweis und Pilsen im Gegensatz zum Abschnitt zwischen Brno und Budweis recht attraktiv ist. Es gibt Überlegungen, einzelne Züge Pilsen - Budweis in Richtung Wien zu leiten, da müsste halt Österreich mitspielen.
Nach insgesamt 3 Stunden habe ich jedenfalls die Entscheidung getroffen, dass ich genug vom alten Wagen aus Bautzen gesehen habe und wechselte in den 10 Jahre jüngeren Wagen aus Bautzen, der dann eben klimatisiert ist. Die letzte Stunde war dann auch ganz angenehm. Man hat einen Tisch, Steckdosen, das ist schonmal ein Upgrade. Die Sitze sind auch verstellbar, gar nicht so schlecht. Ich hätte da sicher reserviert, allerdings waren die Plätze explizit nicht für mich vorgesehen, da wollte ich niemanden den Platz wegnehmen, der ihn eventuell mehr benötigt hätte. Vor allem, wenn mich die App genau darauf hinweist.
In Budweis pünktlich angekommen...
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habe ich schon den Triebwagen erblicken können, den ich 2 Tage später auf der Rückfahrt nutzen würde.
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Der Bahnhof wird derzeit renoviert, schön sieht er aber draußen schon aus:
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Ich beschloss dann, eine Fahrkarte am Automaten für zu besorgen, erstmal mit dem O-Bus in die Stadtmitte zu fahren und im Gasthaus U Tří Sedláků einzuchecken. Ich bin hier nicht zum ersten Mal und ich hab Zeit. Da ich ohnehin mal ein neues Paar Schuhe besorgen sollte, habe ich dies gleich im Deichmann beim Einkaufszentrum "IGY" getan. Dort gibt es so ziemlich alles, was das Herz begehrt.
Ich übernachte in einem Gasthaus, das heißt, ich kriege im Erdgeschoss ein Restaurant mit dazu, was durchaus praktisch sein kann.
Und so kam ich dazu, in Budweis ein originales Budweiser Bier zu konsumieren. Und mit original Budewiser Bier meine ich selbstverständlich Samson Bier
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Die abendliche Mahlzeit ist dann ein gebackener Käse:
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So konnte ich die Nacht halbwegs gut verbringen, wobei in so einer Lage natürlich es nie ganz ruhig ist. Es ist wohl das erste Mal, dass ich wirklich in einem Gasthaus direkt im Stadtzentrum übernachte.
Samstag
Der nächste Morgen wurde im Café Fér verbracht:
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Und dann direkt die Stadt angeschaut:
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Budweis ist definitiv eine Stadt, die den Einfluss aus Österreich nicht verleugnen kann, wobei jenseits des Stadtkerns es eher fad wird. Die Stadt wurde klar mit Fokus auf den Autoverkehr weitergebaut, das ist ziemlich typisch in Tschechien.
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Hier bin ich schon vor ein paar Jahren gewesen, damals habe ich mir ein Bier besorgt und war irgendwie überrascht, dass man die Alterskontrolle in Tschechien mehr ernst nimmt als in Österreich.
Nach einem schmackhaften Mittagessen im Restaurant wird die Stadt jedenfalls weiter erkundet:![[image]](https://abload.de/img/mobile.19pbe6t.jpeg)
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Wenn man Glück hat, kriegt man übrigens am Hauptplatz ein hübsches Glockenspiel präsentiert. Es fährt hier auch ein kleiner Elektrobus, wenn man zu faul ist zum gehen. Ich jedenfalls
statte dem Südböhmischen Museum einen Besuch ab:
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Aktuell gibt es dort eine Ausstellung über Uhren aus dem 19. Jahrhundert. Auch über die Stadtgeschichte kann man auch ohne tschechisch-Kenntnisse einiges erfahren. Und dann gibt es auch die Geschichte des Automobils von Škoda zu bewundern. Ich werde hier definitiv niemanden spoilern wollen. Wenn man sich in der Gegend aufhält, das Südböhmische Museum ist definitiv einen Blick wert.
Es gibt auch ein Pferdebahnmuseum in Budweis, es ist jedoch erst im Sommer geöffnet.
Sonntag
Und damit geht es wieder nach Hause. Jedoch über einen anderen Weg.
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Ich steige in einen RegioPanter auf der Linie S1 in der ersten Klasse ein...
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...und fahre damit bis České Velenice
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Im Gegensatz zum letzten Mal war es ein RegioPanter, der erst letztes Jahr ausgeliefert wurde und der Unterschied ist spürbar. Die Laufruhe ist trotz der desolaten Strecke fantastisch, Gestaltung und Ausstattung ist genau das, was ich von einem modernen Regionalzug erwarten würde. Hier wurde definitiv nicht gespart.
Auf vagonweb.cz kann man dann auch sehen, welchen Standard man in der ersten Klasse kriegt. Wo auch immer heutzutage Züge neu hinzukommen, wird man definitiv eine erste Klasse erhalten, welche Klasse hat.
Ich möchte daran erinnern, dass die erste Generation Regiopanter von 2011 noch so ausgeschaut hat
Die 2015-2016 umgebauten Großraumwagen erster Klasse für die Relation Prag - Hamburg schauen noch so aus
Heutzutage hingegen kriegt man was besseres.
Und diese Sitze sind definitiv Chef's Kiss, ich hab die schon beim InterPanter zu schätzen gelernt.
Jedenfalls steigt man um auf einen Zug der Baureihe 4746 in Fahrtrichtung Wien Franz-Josefs-Bahnhof:
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Ich wollte noch ein bisschen am Laptop arbeiten, während mein Zug wie auf einem Luftkissen durch das Waldviertel segelt. Ich musste feststellen, dass die Reihensitze mit ihren Klapptischen besser geeignet sind, um am Computer zu arbeiten. In diesem Zug hatte ich jedenfalls freie Platzwahl und die Halte wurden mindestens so schnell abgefertigt wie beim Schnellzug. Es ist einfach wenig los an einem Sonntag.
In Gmünd jedenfalls kam mir der REX 322 "Silva Nortica" entgegen
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Eine Verbindung, die in diesem Fahrplan eingeführt wurde und den Wiener Franz-Josefs-Bahnhof über Tulln und das Waldviertel mit Prag verbindet. In České Velenice ist er im Schnellzug-Takt nach Prag eingebunden.
das ist die Wagenreihung von jenem Zug
Die weitere Fahrt im Desiro ML war dann ziemlich angenehm. Ca. 2,5 Stunden gleitet man auf der Franz-Josefs-Bahn. Nicht super schnell aber auch nicht zu langsam.
Der Ausstieg erfolgt dann pünktlich in der Station Wien Spittelau:
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Von dort wird auf die U4 umgestiegen:
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welche baubedingt in Wien Mitte endet. Das war aber ohnehin mein Ziel auf dieser Linie:
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So wechsle ich auf die Stammstrecke, wo mein nächster Zug eine S2 ist...
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...mit welcher ich dann am Wiener Hauptbahnhof ankomme:
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Und damit zum letzten Abschnitt, im EC 102 nach Hause.
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Auf ein Wiedersehen mit WARS und Bolek i Lolek:
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Und so ging es zurück nach Hause in Südmähren. Und so bin ich an einem Tag von Südböhmen über das Waldviertel und Wien nach Südmähren gereist und hab damit sogar dank dem Klimaticket Geld gespart.
Lustigerweise ist genau im EC 102 aus Gründen eine Verspätung von 15 Minuten aufgetreten. War aber kein Ding für mich, hab ja keinen Anschluss deswegen verpasst.
Dabei hat es nicht einmal eine Minute länger als auf dem kürzeren Weg gebraucht. Um nicht zu sagen, selbst ein Umweg über Linz hätte mich mit fast gleicher Fahrzeit nach Hause gebracht. So konnte ich jedenfalls mit etwas mehr Komfort reisen als auf der Hinfahrt, so Dinge wie Klimaanlage oder Steckdosen haben halt schon einen Wert für mich.
Ich hoffe jedenfalls, dass mein Reisebericht gefallen hat. Wird definitiv nicht das letzte Mal gewesen sein.
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
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