[CZ] Auf ein Wochenende in Prag - Samstag (m. 28 B.) (Reiseberichte)

J-C, In meiner Welt, Montag, 12.12.2022, 13:31 (vor 1193 Tagen)
bearbeitet von J-C, Montag, 12.12.2022, 13:32

Übers Wochenende war ich mal nach paar Jahren wieder mal in Prag. Ein Erlebnis war es, welches mir tatsächlich Lust auf Mehr gegeben hat. Ich war schon länger nicht im böhmischen Teil Tschechiens, das muss sich mal ändern. Und wenn es erstmal ein Besuch in der Hauptstadt dieses Landes ist.

Es fängt an in der ČD-Lounge in Břeclav:
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Die ČD hat an 7 Bahnhöfen eine eigene Lounge. Wie man sieht, sollte man aber nicht das Service von den DB-Lounges erwarten.

Allerdings war ein beheizter Raum mit gemütlichen Sitzen und der Möglichkeit, an einem Tisch was zu arbeiten, ohnehin mehr als genug für mich. Zumal ich dann ohnehin wenig später den Metropolitan nach Prag nehme. Die Lounge selbst wurde vor paar Jahren im Zuge des Bahnhofsgebäudes eingeführt. Andere Standorte sind:

Brno hl.n.
Pardubice hl.n.
Praha hl.n.
Olomouc hl.n.
Ostrava-Svinov und
Ostrava hl.n.

Ich vermute dass Břeclav die Lounge aufgrund der Lage als internationalen Bahnknoten bekam.

Jedenfalls stieg ich in der ersten Klasse ein. Zufälligerweise wurden der Wagen erster Klasse sowie der Speisewagen von der ŽSSK gestellt.Statt eines Vollspeisewagens wurde es ein Halbspeisewagen mit erster Klasse, jedoch von JLV bewirtschaftet.

Stellt sich heraus, dass das Angebot abseits eines Sandwiches keine Speisen mehr für mich übrig hatte. War alles aus. Also muss ich halt anderswo was zu Essen bekommen.

Dieses Piktogramm jedenfalls…
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…stammt aus einer anderen Ära. Aber die Steckdose kann auch moderne Geräte versorgen.

Hinter Brno ging es auf die Umleiterstrecke über Havličkuv Brod nach Prag.
Irgendwann wurde da auch die Schneegrenze überschritten:
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Die Strecke selbst ist größtenteils ganz gut ausgebaut von den Schienen her. Die Bahnhöfe sind hingen oft ziemlich erbärmlich. Havličkuv Brod selbst hat noch Erdbahnsteige und sieht generell irgendwie traurig aus.

Ich hab mal die Strecke nachverfolgt und dabei auch mal viel aus dem Fenster rausgeschaut. Die schönsten Teile befinden sich da eher jenseits der Siedlungsgrenzen, wobei es auch ganz hübsche Orte entlang der Route gibt Nur halt eher nicht so die Bahnhöfe…
Hier ein typischer Vertreter eines Haltepunkts an einer Hauptstrecke:
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Ein paar Bahnhöfe wurden aber saniert. Auffällig ist dabei der Mangel an Bahbsteigüberdachung.


Ab Kolin geht‘s jedoch wieder auf der Regelstrecke.

Der Lint hat sicher bessere Zeiten gesehen…
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Und dann sah ich das:
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Damit hab ich nicht gerechnet :‘D

Hab ich nebenbei erwähnt, dass der Zug aus Richtung Budapest gerade einmal 2 Minuten verspätet war?
In Prag kam man 5 Minuten zu früh an :‘D
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Nebenan befindet sich ein deutsches Gebrauchtfahrzeug:
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Und, wem gehört das wohl? Natürlich:
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In Prag fand ich mich in einem unterirdischen Einkaufszentrum mit Bahnanschluss wieder…
Will man mir mit der Werbung was sagen?
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Wenn ich hier noch mehr mich verliere, geht mir noch die Zeit davon…
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…da geh ich besser in die Lounge und atme einmal durch…
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…dass die hier kein WC in der Lounge haben? Merkwürdig. Am Ende musste ich ein kostenpflichtiges WC im Bahnhof nutzen. Aber man konnte mit Karte zahlen und es war ziemlich sauber.

Ich habe nun beschlossen, das zu tun, was ich am besten kann: planlos durch die Stadt spazieren, Fotos machen, ÖV nutzen und dabei mal bisschen die Stadtluft schnuppern.

Diese Stadtluft war jedoch eher kalt.

Zunächst geht es mit der Metro weg…
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einmal das Landesmuseum von außen angeschaut:
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…und dann in die andere Richtung…
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und dann wusste ich: zu viel los. Also bin ich kreuz und quer durch die Gegend spaziert und stolperte zufällig auf dieses schöne Stück
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Und da bin ich natürlich mitgefahren. Diese Ringlinie kann man für 250 Kronen für 24 Stunden nutzen.
Am Schloss stieg ich aus…
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…hab ob der langen Schlangen an der Kassa jedoch von einer Besichtigung abgesehen.

Stattdessen ging es in eine Metro, die ich der Wiener U-Bahn gegenüber klar bevorzuge:
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Wien hat sicher mehr Geld für sowas und kriegt es dennoch nicht besser hin… was ist nochmal so toll an einer schwarzen Wand, die man am U-Bahnsteig anstarren darf?

Aber genug davon. Man nutzt die U-Bahn ja, um wohin zu kommen.
In meinem Fall, um anderswo weiter zu spazieren…
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und dann damit zur Pension zu fahren, welche am Stadtrand im Stadtteil Řeporyje liegt.
Mit der Metro geht es bis Stodůlky. Meist im Tunnel war es eine ziemlich lange Fahrt. Kurz taucht man an der Oberfläche auf, fährt mitten durch braches Land umgeben von Hochhaussiedlungen, während die Trasse mit nicht mehr so sauberen Glas überdacht war… es mutete schon surreal an.

Letztlich steige ich aus und hätte ohne Idos nicht gewusst, wo ich genau hinkommen sollte. Die Wegweiser sind so ähnlich hilfreich wie z.B. bei der S-Bahnstation Erzherzog-Karl-Straße. Es gibt keine Linien, sondern einen Batzen Orte und diese haben alle nichts mit dem Ort zu tun, wo mein Bus fahren würde.

Naja, wie gesagt, dank Idos fand man sich doch zurecht und kam in einem Solaris Urbino ans Ziel:
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Hier ist es definitiv das Feeling von einem Dorf als von einer Metropole:
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Ich bezog das Zimmer und fand dann endlich einen Ort, um meinen Hunger zu stillen: das Bistro am Řeporyjske Naměsti bot genau das, was es zum Fahrplansilvester braucht:
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Der Abend naht, es ging in die Pension, die anscheinend eher für Arbeiter gedacht ist, welche in den nahegelegenen Gewerbebetrieben arbeiten… und mit dieser Aussicht ging es in die Nacht:

da sag ich mal: Dobrou noc :P
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

[CZ] Auf ein Wochenende in Prag - Sonntag (m. 27 B.)

J-C, In meiner Welt, Montag, 12.12.2022, 16:43 (vor 1193 Tagen) @ J-C
bearbeitet von J-C, Montag, 12.12.2022, 16:47

Dobré ráno.
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Ja, das ist definitiv eine Arbeiterpension gewesen:
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Ich bin dann mal durch den Stadtteil etwas spaziert...
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Hab die heilige Messe in der Kirche dort gefeiert und bin dann mit einer Prager S-Bahn aus Beroun nach Praha Smichov gefahren:
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Hätte glatt nach Eisenstein fahren können...
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stattdessen habe ich erstmal die Halle betreten und drüber nachgedacht, was ich machen könnte...
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...hmm, wenn ich heute nach Hause will, wird sich wohl kein Trip über die am Sonntag frisch eröffnete Ausbaustrecke zwischen Praha und Tabor ausgehen... also... nehme ich mal die Metro...
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...und steige am Platz der Republik aus, wo ich erst einmal spontan das Palladium, ein Einkaufszentrum aufsuche.
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Ich hatte nicht vor, am Sonntag irgendetwas einzukaufen. Alles was ich wollte, war ein Sitz in einem beheizten Raum, wo ich meinen weiteren Plan mir machen könnte.

Ich fahre also doch direkt nach Hause (zu dem Zeitpunkt dachte ich, der Fernverkehr würde wieder regulär über Pardubice nach Brno fahren, dabei wird er weiterhin umgeleitet, weil zwar die Regelstrecke befahren werden kann, dessen Kapazität aber noch eingeschränkt ist). Welchen Zug nehme ich dafür? Hungaria? Nee, keine guten Erfahrungen gehabt, wird eh sicher voll sein aus Richtung Hamburg...
Regiojet? Mal schauen... ohh alles ausgebucht für den Tag. Ja dann halt nicht.
Dann eben um 14:24 den rj 371. Der hat auch eine Business-Klasse. Wollte ich sogar buchen, hab das aber irgendwie vergessen und als ich meine Fahrkarte buchte, war schon alles ausgebucht, dazu aber später mehr.

Gerade lag ich zeitlich günstig, um nochmal in einer alten Tramvaj durch die Stadt zu fahren. Hab ich mal noch was sehen können von der Stadt.
Ich stieg dann irgendwann aus und beschloss, die 2 Kilometer zum Hauptbahnhof zu Fuß zu gehen. An der Brücke, die ich überqueren wollte, war gerade der Dreh für einen Film zu Ende. Da sieht man halt alte Autos...
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...und eine passende Tramvaj:
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Ich spaziere also dann durch den ersten Prager Bezirk...
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...kann noch diese schöne Tramvaj einfangen:
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Dann noch an der Synagoge vorbei...
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...geht es zum Hauptbahnhof. Erst dort, eine halbe Stunde vor Abfahrt, habe ich dann auch tatsächlich meine Fahrkarte erster Klasse gekauft. Es gab bei der platzgenauen Reservierung keine Möglichkeit, etwas zu reservieren. Stattdessen ist mir ein Platz aufgefallen, der nicht reservierbar war. Das war also mein Ticket zu einem Platz, den ich nutzen kann.

in der Lounge war ich ziemlich amüsiert darüber, wie Regiojet anscheinend versucht, Flixtrain nachzumachen in Sachen Verspätung...
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...ich meine, die Dinger haben öfters umgekehrte Wagenreihungen, gerne mal auch etwas größere Verspätungen, beim R8 fallen gerne mal Leistungen aus, ich glaube man hat nicht nur deutsche Wagen importiert :P

Ich wüsste auch nicht, was ich verpasst habe dadurch, dass ich Regiojet halt nicht nehme, weil die zufälligerweise nicht dann fahren, wenn ich es brauche... in dem Fall nicht einmal dann, wenn es planmäßig sehr wohl gar nicht so schlecht gewesen wäre von den Anschlüssen her.

Übrigens, hätte ich ein OneTicket Abo wäre dieses völlig wertlos für mich im Vergleich zu einer INKarta. Ich müsste ja bei Regiojet reservieren. Geht nicht. LEO Express ist auch nicht drin, wenn ich etwa über Olomouc nach Hause fahren wollte. Irgendwie lustig, in Österreich hat man beim Klimaticket eine Ausnahme von der Reservierungspflicht bei RegioJet erwirken können. Beim OneTicket hat man das nicht hingekriegt. Tschechische Politik kann konfus sein.

Ich jedenfalls muss nicht auf einen Regiojet-Zug warten, sondern kann dank der Abwesenheit einer Reservierungspflicht einen ausgebuchten Railjet nutzen. Dieser verkehrt eigentlich nur auf sehr wenigen Kursen dieser Linie und der Unterschied zu den anderen Railjets ist: er hat mehr Platz in der ersten als in der zweiten Klasse. Das spielte mir sicher in die Hände und ich kann erraten, wieso man diesen Platz grundsätzlich nicht reservieren kann:
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wobei ich persönlich daraus keinen Nachteil sehe. Es wird eh dunkel und in manchen Gegenden können Wandfensterplätze auch ein Segen sein. Zumal es ziemlich schwer ist, in einem Railjet einen Wandfensterplatz zu erwischen.

Also ein ÖBB-Railjet mit österreichischem Catering und Österreichischen Mitfahrgästen. Und keine Aussicht auf die Außenwelt. Klingt nach einer etablierten Parallelstruktur im Land :P

Mein Essen habe ich online bestellt und das war der Punkt, wo die Legende ihren Lauf nimmt. Wir haben also einen ausgebuchten vollen Zug und genau einen Kellner im Speisewagen, der den ganzen Laden alleine schmeißt. Dennoch konnte er meine Bestellung ziemlich flott annehmen und mir an den Platz liefern. Ich habe meinerseits meine Improvisationskünste spielen lassen im Bezug auf den Platzverbrauch auf einen Einzelsitz in der Reihe... so kann man auch ein 3-Gänge-Menü nebst verlängerten Kaffee ganz gut genießen.
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hat ganz gut funktioniert. Der tschechische Zugbegleiter konnte selbst auch deutsch und hat uns bei Kolín darüber informiert, dass wir aufgrund einer Störung an der Strecke (die ja selbst eine Umleitung ist) umgeleitet werden. Und wer in Mathematik aufgepasst hat, weiß, dass die Umleitung einer Umleitung uns in diesem Falle außerplanmäßig auf den regulären Weg über Pardubice führt. Man hat also eine ganz schöne Zeit.

Tatsächlich muss ich wohl meine Meinung zu tschechischen Zugbegleitern ernsthaft revidieren. In dem Fall war einfach eine Legende an Bord, der auch noch dem Kollegen vom Catering mit dem Geschirr half. Jetzt, wo ich neue Erfahrungen sammeln konnte, weiß ich, dass diese sich eben doch nicht hinter den automatischen Ansagen verstecken. Ich werde definitiv öfter reisen müssen in Tschechien, damit ich eine fundierte Meinung darüber krieg. Aber soweit war diese Fahrt ein tolle Sternstunde. Nein wirklich, diese Fahrt hat echt viel Spaß gemacht und wie man sieht kann man auch am Wandfensterplatz Spaß haben :)

Grundsätzlich, die erste Klasse in Tschechien ist erst Recht mit einer INKarta 50 ziemlich erschwinglich. Ich habe für eine Fahrt von Prag nach Brno in der ersten Klasse mit meiner INKarta eben ca. 14€ bezahlt. Nochmal. Erste Klasse. Ich denke, das werde ich definitiv öfters nutzen. Eventuell dann aber auch etwas mehr im Voraus, damit ich einen sicheren Platz habe. Mein Platz war an sich reine Glücksache. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und das mehr als einmal, wie es scheint.

In Brno hieß es dann Adé sagen.
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Die Wahrheit ist freilich, dass ich noch eine Hausaufgabe für heute hatte, ich hab dazu schon die Vorarbeit geleistet, allerdings musste man das halt noch durchführen. Wie praktisch, dass auch Brno eine Lounge hat. Also erstmal die Bahnhofshalle nochmal bewundert (ich hoffe, die Nachnutzung, die ansteht, sobald in paar Jahrzehnten der neue Hauptbahnhof eröffnet ist, wird diesem Meisterwerk Rechnung tragen:
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...und dann in die Lounge. Sie verfügt sogar über ein WC!
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Um das nochmal klar zu machen, die Lounge in Brno hat mehr Ausstattung als die in Prag. Tschechische Logik, schätze ich mal.

Ich konnte dort meinen ersten Teil der Hausarbeit während der einen Stunde Wartezeit ganz gut erledigen.

Ebenso wie in Prag gibt es aber dann auch nicht viel mehr als einen Spielbereich für Kinder und gratis Heißgetränke sowie Stühle mit Tischen...

...aber wer auch immer ein Gerät hat, welches diesen Stecker braucht:
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...der wird in Brno definitiv nicht im Stich gelassen :'D

Ich konnte hier also mein Hausaufgabe erledigen. Im Anschluss ging es im Schnellzug, wieder erste Klasse, nach Hause. Stellt sich heraus, dass die Dame, die die Lounge betreut, nicht wirklich englisch kann. Meine tschechisch-Kenntnisse waren ausreichend, aber die Touristin, die von Dresden nach Wien wollte und anscheinend in Brno gestrandet ist, war definitiv froh, dass ich ihr dann helfen konnte, als sie in der Lounge vorbeikam. Sie wollte zufälligerweise den Railjet nehmen, aus dem ich ausgestiegen bin. Hab ihr also die nächste Verbindung mit Umsteigen in Breclav gezeigt. Ich gehe davon aus, dass sie aufgrund der Verzögerung an der Strecke (wegen der wir ja umgeleitet wurden) den Zug nicht mehr schaffte.

A pro pro Lounge: es ist irgendwie lustig, wie man öfters mitbekommt, wie Fahrgäste von Regiojet sich in der Lounge verirren, obwohl Regiojet selbst eine Lounge hat. In Prag hat sich ein Regiojet-Fahrgast lautstark darüber beschwert, dass er nicht reingelassen wurde, obwohl er offensichtlich im Unrecht lag. Ich schätze, diese erheblichen Verspätungen waren halt nicht so förderlich für's Gemüt. Schauen wir mal nach...
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der nächste RegioJet-Zug - also der nach Flughafen Wien - war also auch kräftig verspätet. Die Züge des staatlichen Betreibers waren verhältnismäßig gut unterwegs.

Ich jedenfalls setze meine Reise im InterPanter fort und schließe auch dort meine Hausaufgabe ab:
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Die Fahrt war zwischendurch etwas unruhig, aber grundsätzlich war es mir ganz gut möglich, in diesem Zug zu arbeiten. Idealerweise halt in der ersten Klasse. Die Sitze dort sind einfach Chef's Kiss, da kann ich auch 2-3 Stunden drin sitzen. In der zweiten Klasse wäre das auf Dauer eher ungemütlich...

Die Fahrt war also letztlich, obwohl ich das alles recht kurzfristig mir zusammengestellt hab, einfach richtig geschmeidig über die Bühne gegangen. Da bin ich einfach wunschlos glücklich gewesen.

Und damit einen lieben Gruß nach Nordwesten :)

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

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