Bahn und Politik vertreiben Fahrgäste (Allgemeines Forum)

ktmb, Dienstag, 19.07.2022, 10:05 (vor 1361 Tagen)
bearbeitet von ktmb, Dienstag, 19.07.2022, 10:09

"Die Zustände an deutschen Bahnhöfen und in deutschen Zügen werden fast täglich chaotischer."

"Wenn ich einen Termin in einer anderen deutschen Stadt einhalten muss, nehme ich inzwischen wieder das Auto."

- Bahnfahren word zur Lotterie (Das war aber schon immer so.)
- gesperrte Bahnsteige um Überfüllung zu vermeiden
- geräumte Züge
- marode Infra
- globale Träume
- 2,5 Mrd. € werden für Billigtickets verschleudert, anstatt in die Sanierung von Gleisen zu fließen (Ist das bahnpolitische Vernunft?)

Ob das aber die Lösung ist? --> "Abhilfe schaffen könnte die im Koalitionsvertrag verworfene völlige Trennung von öffentlichem Netz und liberalisiertem Fahrbetrieb."

NZZ (ggf. mit Bezahlschranke): https://www.nzz.ch/meinung/der-andere-blick/deutsche-bahn-wie-sie-ihre-passagiere-vertr...

Bahnchef Lutz im ZDF: "Wir werden besser!"

phil, Dienstag, 19.07.2022, 10:22 (vor 1361 Tagen) @ ktmb

Die Bahninfrastruktur sei "über Jahre und Jahrzehnte unterdimensioniert und unterfinanziert" gewesen, so Bahnchef Richard Lutz. Dessen Ausbau müsse jetzt effizienter gestaltet werden. Um das zu realisieren, wolle er Baustellen bündeln.

https://rodlzdf-a.akamaihd.net/none/zdf/22/07/220718_hjo_b_studiogespraech_lutz_sf_onl/...

Wir leben im besten Deutschland....

GUM, Dienstag, 19.07.2022, 10:31 (vor 1361 Tagen) @ phil

- kein Text -

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Kein Zufall - es gibt nur eins ;)

Reservierungszettel, KDU, Dienstag, 19.07.2022, 12:12 (vor 1360 Tagen) @ GUM

- kein Text -

Bahn und Politik vertreiben Fahrgäste

GUM, Dienstag, 19.07.2022, 10:30 (vor 1361 Tagen) @ ktmb

Hallo ktmb,

danke für den doch sehr nachdenklich stimmenden Link!

Damit die Leistungen der Bahn überhaupt noch nutzbar sind, sollte die Politik Standards setzen. Das kann sie ja direkt als Eigentümer der Bahn oder indirekt über die Unternehmen, die Nahverkehr ausschreiben, tun.

Massive, nicht rückerstattbare Vertragsstrafe im Nahverkehr bei Überschreiten einer bestimmten Innenraumtemperatur und Unterschreiten eines Mindestsauerstoffgehalts.

Dieser ist beispielsweise in der S 4 / S 6 in München oftmals nicht mehr tragbar, das geht seit gefühlten fünf bis zehn Jahren so (oder natürlich jeder andere überfüllte Zug dieses Fahrzeugtyps).

Das ist so etwas wie ein Grundnutzen ohne den Geschäfts oder Privattermine nicht sinnvoll sind.

Wer in einer fremden Stadt versucht hat, schnell ein Oberhemd zu bekommen, weiß Bescheid...

Liebe Grüße

GUM

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Bahn und Politik vertreiben Fahrgäste

gnampf, Dienstag, 19.07.2022, 10:59 (vor 1361 Tagen) @ GUM

Massive, nicht rückerstattbare Vertragsstrafe im Nahverkehr bei Überschreiten einer bestimmten Innenraumtemperatur und Unterschreiten eines Mindestsauerstoffgehalts.

Warum sollten Strafen rueckerstattet werden? Kapier ich nicht.
Maximale Innenraumteperatur? Und wo laege die? 18 Grad Celsius? 19? 22? 24? 26? Egal wo, du wirst immer viele finden, denen die Temperatur gerade nicht passt, zu kalt oder zu warm.
Und das mit einer Forderung nach Mindestsauerstoffgehalt zu koppeln ist dabei dann auch widersinnig, denn das erfordert dann wieder mehr Frischluftanteil... oder im Tunnel dann eher Sauerstoffflaschen. Die Klimas muessen dann also nochmal ein vielfaches staerker ausgelegt werden. Wer soll das alles bezahlen?

Dieser ist beispielsweise in der S 4 / S 6 in München oftmals nicht mehr tragbar, das geht seit gefühlten fünf bis zehn Jahren so (oder natürlich jeder andere überfüllte Zug dieses Fahrzeugtyps).

Unwahrscheinlich, nachdem zu Corona-Zeiten der Frischluftanteil eher erhoeht als reduziert wurde, sofern moeglich.

Das ist so etwas wie ein Grundnutzen ohne den Geschäfts oder Privattermine nicht sinnvoll sind.

Wer in einer fremden Stadt versucht hat, schnell ein Oberhemd zu bekommen, weiß Bescheid...

Und was hilft es da, wenn im Zug dann 18 Grad herrschen? Sobald du den Zug verlaesst rennst du dann gegen die 30 Grad heisse Wand und faengst erstmal richtig an zu schwitzen. Oder sollen wir jetzt auch die Bahnhoefe und Wege zu deinem Geschaeftstermin klimatisieren? Dann ein Tip: du bist ein Fall fuer einen PKW! Mit oder ohne Chauffeur liegt bei dir.

Danke für Deine Frage zur Rückerstattbarkeit

GUM, Dienstag, 19.07.2022, 11:20 (vor 1361 Tagen) @ gnampf

Hallo gnampf,
hallo Community,

da hatte ich mich leider nicht perfekt ausgedrückt mit der Nicht-Rückerstattbarkeit vom Vertragsstrafen.

Vor einigen Jahren gab es eine Diskussion darüber, ob die Bayerische Eisenbahngesellschaft GmbH denjenigen Nahverkehrsunternehmen, die zu schlechte Leistungen abliefern, angemessene Vertragsstrafen berechnet.

Das Interessante daran war: Diese "Pönalen" gingen - wenn ich mich richtig erinnere - nicht an den allgemeinen Haushalt.

Sondern wurden wieder in den Nahverkehr der Bahnen investiert. So wurden also die Vertragsstrafen des "ersten" Jahres zu neuen einsetzbaren Mitteln des "zweiten" Jahres.

Und dann wurde diskutiert, wenn ein Betreiber fast alle TZpge fährt, ob er nicht die Vertragsstrafen sozusagen an sich selber zahlt und zurückbekommen würde.

Inzwischen ist das ja mit der Übernahme weiterer Strecken durch die sog. Bayerische Regiobahn oder das Dieselnetz anders.

Ich finde den Denkansatz aber interessant und ungewöhnlich, dass die Vertragsstrafen sozusagen im Haushalltstitel bleiben und für Qualitätsverbesserung eingesetzt werden.

Immer hin sind in Bayern die Eisenbahnverkehrsunternehmen sichtbar und deutlich zu unterscheiden, weil es kein "Bundesland"-Design gibt.

Liebe Grüße

GUM

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Danke für Deine Frage zur Rückerstattbarkeit

gnampf, Dienstag, 19.07.2022, 11:48 (vor 1361 Tagen) @ GUM

Vor einigen Jahren gab es eine Diskussion darüber, ob die Bayerische Eisenbahngesellschaft GmbH denjenigen Nahverkehrsunternehmen, die zu schlechte Leistungen abliefern, angemessene Vertragsstrafen berechnet.

ok, die ist wohl an mir vorbei gegangen.


Das Interessante daran war: Diese "Pönalen" gingen - wenn ich mich richtig erinnere - nicht an den allgemeinen Haushalt.

Sondern wurden wieder in den Nahverkehr der Bahnen investiert. So wurden also die Vertragsstrafen des "ersten" Jahres zu neuen einsetzbaren Mitteln des "zweiten" Jahres.


Was ich auch richtig finde, denn im allgemeinen Haushalt geht das Geld dann fuer sonstwas drauf, statt seinem eigentlichen Zweck zu gute zu kommen.

Und dann wurde diskutiert, wenn ein Betreiber fast alle TZpge fährt, ob er nicht die Vertragsstrafen sozusagen an sich selber zahlt und zurückbekommen würde.

Noe. Er wuerde die Zuege im ersten Jahr dann fuer weniger Geld als geplant fahren muessen, aufgrund der Schlechtleistung. Und im naechsten Jahr bekommt er ja nur dann mehr Geld, wenn er ueber das bestellte Angebot hinaus weitere Leistungen erbringt. Der einzige Unterschied: statt Strafe erst in "Bar" zu bezahlen, aus der dann seine Mehrleistungen bezahlt werden, haette man ihn auch direkt zu Mehrleistungen verdonnern koennen. Mit dem Umweg uebers Geld kann man die Mehrleistung dagegen halt auch bei anderen Bahnen/Ausschreibungen einsetzen.

Inzwischen ist das ja mit der Übernahme weiterer Strecken durch die sog. Bayerische Regiobahn oder das Dieselnetz anders.

Ich finde den Denkansatz aber interessant und ungewöhnlich, dass die Vertragsstrafen sozusagen im Haushalltstitel bleiben und für Qualitätsverbesserung eingesetzt werden.

Immer hin sind in Bayern die Eisenbahnverkehrsunternehmen sichtbar und deutlich zu unterscheiden, weil es kein "Bundesland"-Design gibt.

Wobei das fuer den Kunden wiederum Wurscht ist. Er hat eh keine Wahl, Strecke X faehrt halt Unternehmen Y. Und nur weil Unternehmen Y auf Strecke X eine miese Leistung bietet muss es das nicht auf Strecke Z ebenfalls tun. DB Regio hat z.B. die Qualitaet auf Wuerzburg-Treuchtlingen in letzter Zeit deutlich gesenkt, nachdem sie die Leistung verloren haben und Ende des Jahres dort Geschichte sind. Kaum noch Zugbegleiter, fast nur noch Quietschies, die aus aller Welt herangekarrt wurden und entsprechend mit VRR & Co werben, etc. Auf anderen Strecken vom gleichen DB Regio laeufts dagegen durchaus besser.
Wie der Zug also angepinselt ist spielt in meinen Augen keine Rolle, und sagt nichts ueber die Qualitaet der Leistung aus, oder gefaehrdet oder sichert die in irgend einer Form.

Sauerstoffgehalt

bendo, Mittwoch, 20.07.2022, 14:58 (vor 1359 Tagen) @ gnampf

Massive, nicht rückerstattbare Vertragsstrafe im Nahverkehr bei Überschreiten einer bestimmten Innenraumtemperatur und Unterschreiten eines Mindestsauerstoffgehalts.


... Und das mit einer Forderung nach Mindestsauerstoffgehalt zu koppeln ist dabei dann auch widersinnig, denn das erfordert dann wieder mehr Frischluftanteil... oder im Tunnel dann eher Sauerstoffflaschen. Die Klimas muessen dann also nochmal ein vielfaches staerker ausgelegt werden. Wer soll das alles bezahlen?

Hallo,
ich glaube nicht, dass unter Nutzung eines Messgeräts der Sauerstoffgehalt tatsächlich kleiner würde. Nur weil die Luft heiß, muffig, stinkig, feucht ist, heißt das noch nicht, dass weniger Sauerstoff enthalten wäre...

Sauerstoffgehalt

gnampf, Mittwoch, 20.07.2022, 17:07 (vor 1359 Tagen) @ bendo

ich glaube nicht, dass unter Nutzung eines Messgeräts der Sauerstoffgehalt tatsächlich kleiner würde. Nur weil die Luft heiß, muffig, stinkig, feucht ist, heißt das noch nicht, dass weniger Sauerstoff enthalten wäre...

Es gibt Meßgeräte für vieles. O2 würde man hier wohl eh nicht messen, sondern CO2 und/oder VOC. Je mehr CO2, desto weniger O2 für gewöhnlich, weil halt umgewandelt worden. Und VOC ist im Endeffekt ein Indikator für die Miefigkeit, der auch wieder eine gewisse Beziehung zum CO2 hat.
Bei einem Zug mit hohem Umluftanteil und hoher Besetzung sowie seltenen Türöffnungen (womit die S-Bahn schonmal nicht dazu gehört) kannst du das sicherlich messtechnisch nachweisen, dass der O2-Gehalt deutlich abnimmt. Nur in der Praxis wirst du so einen Zug dann halt nicht finden, weil der Frischluftanteil eben hoch genug eingestellt wird um dem vorzubeugen. Gestank natürlich schon eher, gerade solange die Quelle noch im Zug sitzt. Aber da hilft auch mehr lüften ggf. nicht viel.

Sauerstoffgehalt

GUM, Mittwoch, 20.07.2022, 17:23 (vor 1359 Tagen) @ bendo

Massive, nicht rückerstattbare Vertragsstrafe im Nahverkehr bei Überschreiten einer bestimmten Innenraumtemperatur und Unterschreiten eines Mindestsauerstoffgehalts.


... Und das mit einer Forderung nach Mindestsauerstoffgehalt zu koppeln ist dabei dann auch widersinnig, denn das erfordert dann wieder mehr Frischluftanteil... oder im Tunnel dann eher Sauerstoffflaschen. Die Klimas muessen dann also nochmal ein vielfaches staerker ausgelegt werden. Wer soll das alles bezahlen?


Hallo,
ich glaube nicht, dass unter Nutzung eines Messgeräts der Sauerstoffgehalt tatsächlich kleiner würde. Nur weil die Luft heiß, muffig, stinkig, feucht ist, heißt das noch nicht, dass weniger Sauerstoff enthalten wäre...

Hallo bendo,
hallo Community,

ich wollte es nicht wirklich so deutlich und offen schreiben: Das Raumklima, dass da im S-Bahn Netz manchmal geboten wurde grenzt wirklich schon an Schlechtbehandlung.

Die einzige Problemungehung ist das Warten auf den Museumszug (ET 420) - > nicht machbar.

Oder mit der Monatskarte die Fahrt bspw. München Ost (Pbf) nach München Hauptbahnhof "oberirdisch". Lokführer haben es da besser, die können ein Fenster aufmachen....

Liebe Grüße

GUM

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Bahn und Politik verschulden einander, Fahrgast Opfer.

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Dienstag, 19.07.2022, 11:06 (vor 1361 Tagen) @ ktmb

ktmb:

"Die Zustände an deutschen Bahnhöfen und in deutschen Zügen werden fast täglich chaotischer."

Ich habe eher den folgenden Eindruck (teilweise ist das auch in NL so):

- die Bahn verschuldet die Politik = wir von der Bahn bekommen zu wenig Moneten von Euch Politikern.
- die Politik verschuldet die Bahn = Ihr von der Bahn arbeitet nicht effizient genug

Also passiert nichts, wird es nicht besser, am Ende steht der Fahrgast leer da und verlässt er sich auf seinen Volkswagen.

"Abhilfe schaffen könnte die im Koalitionsvertrag verworfene völlige Trennung von öffentlichem Netz und liberalisiertem Fahrbetrieb."

Bin ich mir nicht sicher.

Bei uns betreibt Prorail das Netz und NS die meisten Züge. NS ist inzwischen "Nationaler Sündebock" geworden; erhält sogar Vorwürfe für Probleme die andere Bahnen und/oder Prorail verursacht haben.

NZZ (ggf. mit Bezahlschranke): https://www.nzz.ch/meinung/der-andere-blick/deutsche-bahn-wie-sie-ihre-passagiere-vertr...

Leider für mich nur mit Bezahlschranke.

phil:

Die Bahninfrastruktur sei "über Jahre und Jahrzehnte unterdimensioniert und unterfinanziert" gewesen, so Bahnchef Richard Lutz. Dessen Ausbau müsse jetzt effizienter gestaltet werden. Um das zu realisieren, wolle er Baustellen bündeln.

Bündlung von Baustellen OK, aber dann auch die Baustellen der Nachbarbahnen berücksichtigen. Letztes Wochenende war wegen einer zusätzlichen Baustelle Almelo-Hengelo eine halbwegs anständige Reise Amsterdam-Berlin fast nicht mehr machbar.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

Der Irrsinn hat Methode.

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Dienstag, 19.07.2022, 13:34 (vor 1360 Tagen) @ ktmb
bearbeitet von Der Blaschke, Dienstag, 19.07.2022, 13:37

Hallo.

https://www.nzz.ch/meinung/der-andere-blick/deutsche-bahn-wie-sie-ihre-passagiere-vertr...

Zum einen hat die Politik im Autoland Deutschland die Bahn über lange Jahre vernachlässigt. Wechselnde Verkehrsminister haben sich kaum strategisch um sie gekümmert, dafür hat der Staat als Eigentümer den DB-Aufsichtsrat vor allem mit Staatssekretären und Abgeordneten statt Verkehrsexperten aufgefüllt.


Und die Lösung? Die Bahnfanfreakfuzzykommune fordert - und nicht nur die; genug andere gibt's auch -, dass das gesamte Bahnwesen wieder dem Staat unterstellt wird. Schluß mit Privatisierung! Schluß mit Gewinnorientierung! Zurück zu Papa Staat!

Eine Bundesbahn, die massenhaft Strecken stillegte, die Unsummen an Geldern verschlang, die ähnlich unpünktlich war und die 1989 auch ausgemergelt war ==> das haben wir doch alles vergessen oder bestreiten es einfach. Wenn nicht ist, was nicht sein darf. Über die DR brauchen wir gar nicht zu reden, die war genauso marode und dem Tode geweiht wie die ganze DDR mit ihrem dysfunktionalem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem.

Aber jetzt soll es der Staat managen? Warum soll plötzlich funktionieren, was 70 Jahre nicht funktionierte?

Und selbst wenn es denn dann tatsächlich mal eine Regierung gäbe, die der Eisenbahn zugeneigt wäre ==> in 4 Jahren kommt die nächste ...

Die jetzige Regierung steuert jedenfalls auch nicht radikal um. Und wie das 9 Euro-Ticket entstanden ist, läßt sich ja längst nachlesen: am Ende einer nächtlichen Marathonsitzung, als der Morgen schon rief, alle erschöpft waren, aber man noch neben dem Tankrabatt unbedingt ein Benefit für die Grünen brauchte - deren Idee eines Autobahntempolimits als Teil des Kuhhandels war von ihnen nicht durchzudrücken.

Aktuell sieht Verkehrspolitik dann so aus: hey, ihr Grünen, laßt uns unsere 3 AKW noch etwas am Netz - dann bekommt ihr auch euer Tempolimit - temporär!!!!

Und da soll das Bahnwesen in guten Händen sein, wenn es beim Staat ist. Na danke auch ...

Die Eisenbahn leidet nicht unter zu wenig Stastsnähe, sondern unter zuviel Staatsnähe. Noch immer.

Aber mal ganz abgesehen davon: solange der Bürger nicht Druck macht, wird auch in der Politik nichts geschehen! Und der Bürger macht keinen Druck. Im Gegenteil: der Widerstand gegen jede Form des Ausbaus ist vielfältig. Der Deutsche liebt sein Auto. Das ist nichts anderes wie bei den Amerikanern mit ihren Waffen. Wenn da wieder mal wer Amok läuft, ist da nicht das Problem, dass der eine Waffe hatte - das Problem ist, das soviele andere keine hatten, um den Amoklauf zu stoppen. Es muss also mehr Waffen statt weniger geben! Nebenbei bemerkt: ein Prinzip, weswegen der Kalte Krieg 50 Jahre funktioniert und den echten verhindert hat. Zurück zum Auto: wenn die Straße überfüllt ist, besteht die Lösung darin, noch eine zu bauen. Es ist längst erwiesen, dass das nur neuen Verkehr anzieht und anschließend beide überfüllt sind. Aber dann muss eben noch eine her. So bleibt die Mobilität auch erhalten.


Zuguterletzt aber muss man der NZZ attestieren, den Horizont nicht überblickt zu haben - wie auch, wenn man in den Bergen residiert. Schon die Überschrift ist ja zu kurz gedacht.

Wie die Deutsche Bahn ihre Passagiere vertreibt

So einfach isses nicht. Wenn sie es macht, dann für einen guten Zweck im Sinne der Zukunft.

In Summe steigen die Fahrgastzahlen derzeit. Bescheiden zwar und gemessen daran, dass die gesamte Mobilität auch steigt, ist's übersichtlich. Aber sie steigen.

Und es ist gut, dass sie nicht exorbitant steigen - wo sollen all die Leute denn hin? Dann ist der ICE bald so lang, wenn du hinten in Diebsteich einsteigst (für die Ewiggestrigen: Altona geht auch) und durchgehst, steht das Bordrestaurant in Dammtor und dann geht es bis Hamburg Hbf durch die 1. Klasse bis zum vorderen Wagen.

Bald, irgendwann mal, soll auf der internationalen Linie Amsterdam Berlin der Talgo fahren. Also in 15 Jahren für die nächsten 55 Jahre. Dann schaue man sich an, wie voll die derzeitigen IC-Züge teilweise mittlerweile sind, so an Großkampftagen - und schaue anschließend nach, wieviel Kapazität die neuen Talgos im Vergleich zum derzeitigen Gerümpel haben. Ich sag mal so: will man da die Fahrgastzahlen verdoppeln, wird es etwas kuschelig. Die Lösung: bis zum Talgo-Start muss man 50% der heutigen Kundschaft erstmal vergraulen. Nach Talgostart kann sie dann nach und nach wiederkommen, bis das heutige Level wieder erreicht ist. Da kann dann auch der Bahnchef anno 2050 über die erfolgreiche Bahn jubeln. Aber nur, weil der heutige Bahnchef ein paar people vergrämt hat. Aber sowas kapiert die NZZ nicht ...


Schöne Grüße von jörg

Der Irrsinn hat Methode.

Aphex Twin, Dienstag, 19.07.2022, 14:10 (vor 1360 Tagen) @ Der Blaschke

Zuguterletzt aber muss man der NZZ attestieren, den Horizont nicht überblickt zu haben - wie auch, wenn man in den Bergen residiert. Schon die Überschrift ist ja zu kurz gedacht.

Wie die Deutsche Bahn ihre Passagiere vertreibt


So einfach isses nicht. Wenn sie es macht, dann für einen guten Zweck im Sinne der Zukunft.

In Summe steigen die Fahrgastzahlen derzeit. Bescheiden zwar und gemessen daran, dass die gesamte Mobilität auch steigt, ist's übersichtlich. Aber sie steigen.

Und es ist gut, dass sie nicht exorbitant steigen - wo sollen all die Leute denn hin? Dann ist der ICE bald so lang, wenn du hinten in Diebsteich einsteigst (für die Ewiggestrigen: Altona geht auch) und durchgehst, steht das Bordrestaurant in Dammtor und dann geht es bis Hamburg Hbf durch die 1. Klasse bis zum vorderen Wagen.

Bald, irgendwann mal, soll auf der internationalen Linie Amsterdam Berlin der Talgo fahren. Also in 15 Jahren für die nächsten 55 Jahre. Dann schaue man sich an, wie voll die derzeitigen IC-Züge teilweise mittlerweile sind, so an Großkampftagen - und schaue anschließend nach, wieviel Kapazität die neuen Talgos im Vergleich zum derzeitigen Gerümpel haben. Ich sag mal so: will man da die Fahrgastzahlen verdoppeln, wird es etwas kuschelig. Die Lösung: bis zum Talgo-Start muss man 50% der heutigen Kundschaft erstmal vergraulen. Nach Talgostart kann sie dann nach und nach wiederkommen, bis das heutige Level wieder erreicht ist.

Nach dem Motto: Niemand benutzt die Bahn mehr, da sie viel zu voll ist.

15 Jahre?

ktmb, Dienstag, 19.07.2022, 14:27 (vor 1360 Tagen) @ Der Blaschke

Bald, irgendwann mal, soll auf der internationalen Linie Amsterdam Berlin der Talgo fahren. Also in 15 Jahren für die nächsten 55 Jahre.

Sollen die Talgos nicht schon Ende des kommenden Jahres kommen?
https://www.talgo.de/deutschen-bahn-rahmenvertrag/

Verspätung haben sie schon ...

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Dienstag, 19.07.2022, 19:59 (vor 1360 Tagen) @ ktmb

Hallo.

Bald, irgendwann mal, soll auf der internationalen Linie Amsterdam Berlin der Talgo fahren. Also in 15 Jahren für die nächsten 55 Jahre.

Sollen die Talgos nicht schon Ende des kommenden Jahres kommen?
https://www.talgo.de/deutschen-bahn-rahmenvertrag/

Sollten.

Wird aber später:

https://www.hasepost.de/neue-zuege-fuer-die-ice-verbindung-amsterdam-osnabrueck-berlin-...


Schöne Grüße von jörg

Das ist ja "ecelhaft"

ktmb, Dienstag, 19.07.2022, 20:03 (vor 1360 Tagen) @ Der Blaschke

Hoffentlich ist das nur ein Projektname ECE L.

Auf alle Fälle nicht Produktgruppe IC/EC...

GUM, Freitag, 22.07.2022, 18:27 (vor 1357 Tagen) @ ktmb

- kein Text -

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EDO, Dienstag, 19.07.2022, 14:35 (vor 1360 Tagen) @ Der Blaschke

Ein sehr starker Beitrag!

Der Irrsinn hat Methode (Sammelantwort).

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Dienstag, 19.07.2022, 16:56 (vor 1360 Tagen) @ Der Blaschke
bearbeitet von Oscar (NL), Dienstag, 19.07.2022, 16:56

Der Blaschke:

Aber jetzt soll es der Staat managen? Warum soll plötzlich funktionieren, was 70 Jahre nicht funktionierte?

...äh, weil es vielleicht anderswo funktionierte...?

Z.B. "Jede Stunde, jede Klasse", das hatten wir 1956 schon.
Ein zweiklassiger "IC", das hatten wir 1972 schon.

Der Deutsche liebt sein Auto.

Genauso wie der Franzose, der Spanier, der Belgier.
Die Italiener erst recht. Stats.
Nirgendwo auf der Welt soviele Autos pro Einheit Oberfläche wie in NL. 1, 2.

The number of cars per square kilometer in the Netherlands is particularly high at 229. In comparison, there are 192 cars per square kilometer in Belgium, 164 in Luxembourg and 133 in Germany.

Sogar der Schweizer liebt sein Auto. Meistens sind es auch noch "dicke" Autos. Und zurecht, denn dort wo die Öffis buchstäblich die Funktion eines Volkswagens haben, kauft man sich ein Auto, weil Autofahren offenbar Spass macht und nicht weil man vom Auto abhängig ist.

Wenn die Straße überfüllt ist, besteht die Lösung darin, noch eine zu bauen. Es ist längst erwiesen, dass das nur neuen Verkehr anzieht und anschließend beide überfüllt sind. Aber dann muss eben noch eine her. So bleibt die Mobilität auch erhalten.

Ich dachte immer: irgendwann ist es Schluss. Dann haben alle Ü18 ein Auto. Falsch gedacht, Ossi. Nein, es kommen nicht mehr Autos, aber die fahren längere Strecken; man sucht den Spass immer weiter vom Hause weg.

Bald, irgendwann mal, soll auf der internationalen Linie Amsterdam Berlin der Talgo fahren. Also in 15 Jahren für die nächsten 55 Jahre. Dann schaue man sich an, wie voll die derzeitigen IC-Züge teilweise mittlerweile sind, so an Großkampftagen - und schaue anschließend nach, wieviel Kapazität die neuen Talgos im Vergleich zum derzeitigen Gerümpel haben. Ich sag mal so: will man da die Fahrgastzahlen verdoppeln, wird es etwas kuschelig.

Bin ich mir nicht sicher.

Laut Deutschlandtakt soll 2030 stündlich ein Fernzug über die Grenze fahren. Talgo ist der langsame Zug. Der schnelle ist ein ICE International (vermutlich BR408). Doppelte Fahrgäste aber auch doppeltes Angebot (leider nicht doppelter Takt, weil der Talgo öfter hält). Es wird also etwas kuscheliger.

ktmb:

Sollen die Talgos nicht schon Ende des kommenden Jahres kommen?

1. Soweit ich weiss kommen zuerst die BR408 / ICE 3neo. Diese sollen aber vorerst München-Nürnberg-NRW fahren, danach die Internationalen F-AMS/BRX.
2. Kann sein, aber 2024 erst international (B-AMS). Vorher wohl erst national (Sylt, Oberstdorf).


gruß,

Oscar (NL).

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caboruivo, CH, Dienstag, 19.07.2022, 17:00 (vor 1360 Tagen) @ Der Blaschke

Ciao Jörg

Spannender Ansatz, der jedoch einige Fragen bei mir aufwirft.

Warum ist eine private Bahn besser als eine staatlich kontrollierte? Ist nicht eine privatisierte Bahn im freien Wettbewerb gewinnorientierter und konzentriert sich auf rentable Strecken und Linien, während bei einer staatlich kontrollierten Bahn auch die Nebenstrecken betrieben werden können, da die Kommunen oder Bundesländer Verbindungen bestellen und subventionieren können?

Ich weiss, du magst die Schweiz nicht (besonders), trotzdem möchte ich zwei Beispiele aus dieser bringen:

2004 begann der Kanton Glarus, bei den SBB zweistündliche RegioExpress-Verbindungen Zürich HB–Glarus–Schwanden zu bestellen. Bis dahin fristete die Nebenlinie Ziegelbrücke–Linthal ein Schattendasein. Eine privatisierte und gewinnorientierte Bahn im freien Wettbewerb hätte niemals auf so eine Linie gesetzt. Heute ist sie als stündliche S-Bahnlinie S25 Zürich HB–Linthal mit Doppelstockzügen unterwegs und unter der Woche im auf Zürich ausgerichteten Pendlerverkehr und am Wochenende im in entgegengesetzter Richtung laufenden Freizeitverkehr beliebt, jedoch immer noch nicht kostendeckend. Ohne staatliche Einflussnahme würde ein solches Angebot nicht existieren.

Randbemerkung: Ich weiss, dass in Deutschland im Regionalverkehr trotz Subvention Gewinn geschrieben werden darf, und somit auch eine private Bahn Bezuschussungen in Anspruch nehmen darf. Doch vermischen sich da die Grenzen nicht?

Das zweite Beispiel ist der Fernverkehr, der in der Schweiz als Ganzes angeschaut wird: Die Linien werden vom Staat vorgeschrieben und der Konzessionsinhaber ist gezwungen, selbsttragend zu operieren. Im Gegensatz zu grossen Teilen Österreichs ist in der Schweiz der Fernverkehr genauso wie in Deutschland eigenwirtschaftlich. In der Schweiz der Konzessionsinhaber die Anforderung, mit rentablen Linien (wie z.B. Zürich–Bern) eher unrentable wie Luzern–Arth-Goldau querzusubventionieren.
In Deutschland operiert nach meiner Interpretation jede Linie für sich, denn sonst hätte man keine staatliche Subvention mit Regionalverkehrsticketanerkennung wie beispielsweise in der Region Siegen oder in Niedersachsen. Privatisierte Bahnen müssen dann ihr Netz komplett eigenwirtschaftlich fahren, entweder quersubventionieren sie, wenn sie weniger Gewinn in Kauf nehmen, oder konzentrieren sich auf rentable Strecken, wenn sie Gewinne maximieren, mit dem Risiko, dass sie so Zubringerverkehr verlieren. Würden sich dann die einzelnen Anbieter auf Magistralen wie Berlin–München oder Hamburg–Köln stürzen oder würde sich auch weiterhin jemand Linien wie Karlsruhe–München erbarmen? Und wie sieht es mit durchgehenden Fahrkarten für den Reisenden aus? Heute kann er Westerland–Lindau Reutin durchgehend buchen, bei privaten Anbietern im Wettbewerb eher schwierig, es sei denn, ein Eisenbahnverkehrsunternehmen bietet just diese Verbindung an.

Dass die Einführung des 9 Euro-Tickets realitätsfern war, stimme ich dir zu. Doch es zeigt den Ansatz: Ist die Eisenbahn günstig, zieht sie Leute an. Doch muss auch die dafür notwendige Kapazität bereitgestellt werden, was wiederum die Kosten steigen lässt. Dann ist man mit neun Euro pro Monat nicht mehr rentabel. Und wie viele Reisende, die vom 9 Euro-Ticket angezogen wurden, bleiben dann auch? Das ist die grosse Frage, ob es wirklich nachhaltig war. Die Idee klang eigentlich ganz gut, doch die Umsetzung war wie vorhergesehen, eher schwierig.

Gruss

--
Nur falsche Prinzen reiten auf dem Schimmel, richtige in der Lokomotive

Bahnreform 22

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Dienstag, 19.07.2022, 19:54 (vor 1360 Tagen) @ caboruivo

Warum ist eine private Bahn besser als eine staatlich kontrollierte? Ist nicht eine privatisierte Bahn im freien Wettbewerb gewinnorientierter und konzentriert sich auf rentable Strecken und Linien, während bei einer staatlich kontrollierten Bahn auch die Nebenstrecken betrieben werden können, da die Kommunen oder Bundesländer Verbindungen bestellen und subventionieren können?

Rein privat ist das andere Extrem.

Ich habe die Idee, dass das Netz in eine gGmbH überführt wird. Eine gemeinnützige GmbH. Jeder, der auf dem Netz fahren möchte, muss Gesellschafter werden. Dazu staatliche Stellen, evtl auch Fahrgastverbände. Wichtig: kein einzelner hat eine Mehrheit. Die, die drauf rumfahren, wissen aber am besten, wo Geld benötigt wird und Arbeitskraft. Nachteil: die Fa verkommt zu einer Quasselrunde. Inwieweit die allfälligen Kompromisse dann die Eisenbahn als Ganzes weiterbringen, müßte man sehen. Die Lösung ist also auch nicht die Goldene - aber ich halte sie für eine bessere unter den schlechten.

Die EVU sind alle eigenwirtschaftlich unterwegs. Der Konzern DB als Oberbau der einzelnen DB-Gesellschaften wird aufgelöst.

In Deutschland operiert nach meiner Interpretation jede Linie für sich, denn sonst hätte man keine staatliche Subvention mit Regionalverkehrsticketanerkennung wie beispielsweise in der Region Siegen oder in Niedersachsen.

Was übrigens insofern skandalös ist und Richtung Bananenrepublik geht, als dass das der politisch gewollten Trennung von Nah- und Fernverkehr genau entgegenläuft.

Ich würde NV und FV gar nicht trennen. Und ein Grundnetz generell ausschreiben. Aber nicht streckenbezogen, sondern trassenbezogen. Alle Fahrzeuge müssen untereinander kuppelbar sein. Eine Trasse kann auch an mehrere Unternehmen vergeben werden. Die dann vereinigt verkehren. Qualitätsstandards werden kaum vorgegeben - jedes Unternehmen kann selbst entscheiden. Das SPSSP-Fahrpreissystem wird auf alle Zugarten ausgeweitet. Den vorderen Zugteil Köln Berlin stellt die DB mit einem ICE, den hinteren stellt die SNCF mit einem TGV. Der DB-Zug bietet kaum Service, aber günstige Preise; im TGV hinten gibt's opulentes französisches Essen und Luxus zum entsprechenden Preis - der Fahrgast hat die Wahl.

Über das ausgeschriebene Mindestnetz muss es Anreizsysteme geben, zusätzliche Züge auf eigene Rechnung anzubieten; Trassenpreiserlaß o.ä.

Und wie sieht es mit durchgehenden Fahrkarten für den Reisenden aus? Heute kann er Westerland–Lindau Reutin durchgehend buchen, bei privaten Anbietern im Wettbewerb eher schwierig, es sei denn, ein Eisenbahnverkehrsunternehmen bietet just diese Verbindung an.

Es gäbe 2 Preissysteme. Alle EVU sind verpflichtet, einen "Deutschlandpreis" zu akzeptieren. Gilt überall. Immer. Punkt. Darüber hinaus können die EVU nach eigenem Belieben eigene oder in Kooperation gemeinsame Fahrscheine anbieten. Inwieweit man EVU verpflichtet, gegen Fahrgeldeinnahmeanteil solche Tickets Dritter zu akzeptieren, ist zu prüfen.

Fahrscheineinnahmen fließen immer dem EVU zu. Aufgeteilt wird nach nur Nachweis der Nutzung. So hat jedes EVU größtes Interesse daran, die Nutzung nachzuweisen. Sprich, der Schaffner hockt nicht nur im Dienstabteil.

Dass die Einführung des 9 Euro-Tickets realitätsfern war, stimme ich dir zu. Doch es zeigt den Ansatz: Ist die Eisenbahn günstig, zieht sie Leute an.

Ich halte das Ticket für einen interessanten Test. Mir ging es darum, dass die Regierung nicht so tun soll, als sei der große Eisenbahnförderer. So wie damals 1989 bei Krenz und Co., die sich als die großen DDR-Grenzöffner verkauften - aber tatsächlich ahnungslos ob der Folgen ihrer Ideen waren.

Das 9 €-Ticket war ein ursprünglich fauler Kompromiss, dessen Erfolg aber alle überrascht hat.

Und wie viele Reisende, die vom 9 Euro-Ticket angezogen wurden, bleiben dann auch? Das ist die grosse Frage, ob es wirklich nachhaltig war. Die Idee klang eigentlich ganz gut, doch die Umsetzung war wie vorhergesehen, eher schwierig.

Angesichts der bevorstehenden tiefgreifenden Veränderungen würde ich da gar nicht so viel hinein interpretieren. Und die Umsetzung war doch einfach: jeder Anbieter kann das Ticket verkaufen.

Für mich übrigens ist "9 €-Ticket" das Wort bzw der Begriff des Jahres. Zumindest im Bahnsektor!


Soweit in Kürze.


Schöne Grüße von jörg

Ich habe mir erlaubt, das ganze mal selber zu kommentieren..

Frank Augsburg, Ansbach, Dienstag, 19.07.2022, 22:23 (vor 1360 Tagen) @ ktmb

...in unserem Vereinsjournal (hinter dem Kürzel "fa" stehe ich, natürlich):

***

Gescheit, gescheiter… Gescheitert! Ein Kommentar

(fa) Rückblickend spielt es keine Rolle, wann, warum und wie das 9 Euro Ticket zustande gekommen ist. Seit dem 1. Juni gilt es überall im Land im gesamten Öffentlichen Personen- Nahverkehr (ÖPNV). Es gilt in S- Bahnen gleichermaßen wie in Regionalbahnen oder Regionalexpreßzügen. Mehr noch: Es gilt in Trams, U- Bahnen und Bussen. Überall in Deutschland. Es gilt jeweils für einen Monat bzw. den laufenden Monat. Das 9 Euro Ticket ist erhältlich (mittlerweile!) an Fahrkartenschaltern, Fahrkartenautomaten, per Apps und sonstigen Vertriebswegen. Und die Akzeptanz des Angebots ist enorm. Stand heute (14. Juni 2022) wurden 16 Millionen 9 Euro Tickets verkauft. Gleichzeitig ließ sich eine durchschnittliche Mehrauslastung der ÖPNV- Verkehrsmittel um etwa 10% feststellen.
Gemosere und Kritik an dem 9 Euro Ticket gab es gleich nach dessen Bekanntwerden. Hauptein-wand: Die Züge (und Trams, und U- Bahnen, und Busse) würden zu voll. Na ja, wer regelmäßig an den Wochenenden in den Zügen egal welcher EVU unterwegs ist, konnte eine gewisse Fülle der Zü-ge auf den Hauptrouten schon vor dem 1. Juni 2022 feststellen.
Vorhaltungen an das partylaunige junge Publikum sind ebenfalls unangebracht. Denken wir einfach einmal über die letzten beiden Jahre nach, die geprägt waren von Beschränkungen und ausgefalle-nen Veranstaltungen. Keine Abiturientenbälle, keine Abschlußfeiern an Schulen, Reisen, egal zu wel-chem Zweck, nur mit Restriktionen wie Maske und Test. Keine Kerwas, keine Feste, Geburtstage nur im kleinen Kreise, desgleichen Konfirmationen, Taufen und – leider wahr – auch Begräbnisse.
Ergo: Seit Mitte April sind die Beschränkungen nach und nach gefallen und die Menschen machen Gebrauch von der neuen und wiedergewonnenen Freiheit. Sei es uns allen gegönnt.
Wer sich darüber aufregt, daß ganze Menschenpulks von den Alpen nach Sylt auf das 9- Euro- Ticket fahren (und umgekehrt), regt sich über das Falsche auf. Menschen aller Altersklassen testen einfach aus, was möglich ist mit dem Ticket und machen das dann auch, sei die Reise im einzelnen noch so mühselig. Warum denn auch nicht? 12 Stunden in den Regionalzügen unterwegs von Berlin bis an den Bodensee – wer es mag…
Wenngleich das neue Angebot für Tages- und Wochenendpendler gedacht war, wer will die Bedürf-tigkeit schon feststellen und außerdem kontrollieren. Nein, es war absehbar, daß es einen Ansturm auf das 9- Euro Ticket geben würde.
Stellt man sich aber die Frage: Warum 9 Euro und warum ausgerechnet im ÖPNV, landet man sofort bei den Tankrabatten. Die gingen und gehen, nach einem kurzzeitigen Nachgeben der Preise an den Tankstellen nach Einführung des Rabatts, beinahe 1:1 auf die Konten der Ölmultis. Ja, sicher, die Mineralöllobby wird nicht müde, Gründe anzuführen, warum die Preise wieder so hoch oder höher sind als vor dem Tankrabatt. Und nein – mit Raffgier hat das alles überhaupt nichts zu tun! Dabei knallen dort die Sektkorken im Minutentakt und keineswegs nur verschämt in den Hinterzimmern. Was völlig nachvollziehbar ist – in den Vorstandsetagen von Esso oder wem auch immer ist das Glück kaum faßbar ob des unerwarteten und zudem üppigen Geschenks!
Was mich zu folgendem Gedankenexperiment bringt. Angenommen, jeder Bürger kann für jeden der Monate Juni, Juli und August ein 9- Euro- Ticket ziehen. Dafür kann der Bürger dann entweder unbe-grenzt den ÖPNV nutzen oder aber sich jeweils für den Monat beim nächstbesten Autohaus einen Wagen mieten. Vielleicht nicht unbedingt die S- Klasse, aber darunter darf es alles sein. Und – das ist der Clou – mit dem 9- Euro- Ticket gäbe es auch an jeder Tankstelle Sprit. Unbegrenzt!
Jedem, der die Zeilen aufmerksam gelesen hat, ist sofort klar, was passiert wäre, hätte die Regierung das 9- Euro- Ticket nicht nur auf den ÖPNV begrenzt, sondern quasi freigegeben. Ebenso klar ist aber auch, was nicht einmal eine Stunde später passiert wäre: Die Öl- und Automultis wären in Brigadestärke nicht nur vor dem Reichstag an-, sondern ohne irgendwelche Rücksichten in denselben ein-gerückt, und nochmal keine weitere Stunde später wäre das freizügige 9- Euro- Ticket vom Tisch gewesen, die Posten der involvierten Minister inklusive. Sprit und Auto – die Heiligtümer des Abendlan-des verramscht und verschleudert für 9 Euro. Wo kämen wir denn da hin? Bleibt noch der ÖPNV, bestehend aus staatlichen und kommunalen Betrieben, mit denen kann man ja so umgehen.
Weswegen das 9- Euro- Ticket am Ende in ein Desaster mündet, wird hier mehr als deutlich.
Auch eingedenk aller Unzulänglichkeiten, die es zweifelsohne gibt, ist der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in Deutschland sehr gut organisiert und kann alles in allem mit einem guten Angebot aufwarten. Wir hier in Ansbach sehen das quasi vor der eigenen Haustür. Dreimal je Stunde eine Verbindung nach Nürnberg – das schlecht reden zu wollen bedarf es wirklich außerordentlicher „argumentativer“ Verrenkungen. Mit Fug und Recht kann man den ÖPNV in Deutschland als Qualitäts-produkt bezeichnen. Und ausgerechnet dieses Qualitätsprodukt wird auf dem Wühltisch politischen Desinteresses zu einem Preis verramscht, der jedem Mitarbeiter im ÖPNV die Zornesröte ins Gesicht treibt. Das Signal ist ebenso unübersehbar wie fatal: Ihr (die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im ÖPNV) seid uns (der „Politik“) sowas von wurscht, wie es wurschtiger kaum noch geht. 30 Cent je Fahrgast und Tag egal bei welche Reisedauer und -länge (gleichbedeutend mit einem Drittel einer normalen Briefsendung!!!), deutlicher und unverhohlener können politisch Verantwortliche ihre an Verachtung grenzende Geringschätzung gegenüber einer ganzen Branche, die zudem wie keine andere für ein Umdenken angesichts des Klimawandels steht, kaum noch zum Ausdruck bringen. Im gleichen Atemzug wird an der Mär vom wirtschaftlich nicht vermittelbaren 365 Euro- Ticket (pro Jahr!) für Schüler und Studenten und andere Bedürftige festgehalten, was man angesichts des Verramschens einer ganzen Branche beinahe schon wieder verstehen kann.
Und weil das noch nicht reicht, dürfen bei jeder Gelegenheit die Honoratioren dieser Regierung genau dieselbe Sülze zum Besten geben wie vordem schon die der vergangenen. Mit heuchlerischer Empörung werden Zustände auf den Schienen beklagt, die größtenteils durch dasselbe handelnde Personal bzw. deren Amtsvorgänger erst geschaffen wurden. Verantwortlich ist dafür – natürlich – niemand. Im Gegenteil: Aller Bekundungen zur Notwendigkeit anstehender Änderungen zum Trotz darf der ganze Schlendrian – Zerstörung von Infrastruktur und Fahrzeugbeständen – ohne Konsequenzen weiterbetrieben werden. Wer auch nur ansatzweise zu hoffen wagte, es würde sich etwas ändern zugunsten der Bahn, wurde spätestens jetzt eines Besseren belehrt. Nein, es wird sich nichts ändern. Der Umstand beschert freilich keinem der politischen Protagonisten in Berlin, München oder anders-wo schlaflose Nächte, ebenso wenig wie die Tatsache, daß bei 10% mehr Fahrgästen DB Regio & Co. ganz dicht am Kollaps operieren. Das sagt zwar viel über den Zustand der Bahn in Deutschland wie auch über die geistige Verfassung des verantwortlichen politischen Personals angesichts der Frage, womit denn die restlichen 90% mehr Fahrgäste bis 2030 unterzubringen wären. Vielleicht wird noch immer von 20% mehr Zügen allein dank des neuen Zugsicherungssystems ETCS (European Train Control System) geträumt so wie weiland von einem gewissen Herrn Pofalla, der eben (viel zu spät!) die Bahn verlassen hat. Die Träume werden nicht wahr werden, im Gegenteil, schon mit Stuttgart 21 dürfte die große Ernüchterung kommen.
Wer auch immer die 2,5 Milliarden Euro an Kompensationszahlungen aus dem Hut gezaubert hat, muß sich angesichts massivster Warnungen vor allem aus den kommunalen Verkehrsbetrieben angesichts derer Nöte infolge zweier Pandemiejahre die Ohren schon gehörig und mit voller Absicht zustopft haben, anders ist all die politische Ignoranz nicht zu erklären. Nicht wenige kommunale Ver-kehrsbetriebe haben bereits ab September spürbare Angebotskürzungen und/ oder Preiserhöhungen angekündigt. Man kann eben nur jemanden schröpfen, solange noch etwas zu holen ist.
Fazit des Ganzen: „Mehr Fortschritt wagen“ war gestern, heute ist nur noch Klientelpolitik. Die vorige Regierung hat Ärzte und Pflegepersonale vergrätzt, die zwar beklatscht wurden, aber weiterhin schlecht bezahlt werden. Fast untergegangen bei der ganzen Diskussion ist der Notstand an Hebammen (!), der im politischen Betrieb auch niemanden wirklich interessiert. Und „dank“ der Glanzleistung der neuen Regierung dürften jetzt und in den kommenden Monaten Lokführer, Straßenbahnfahrer und Zugbegleiter scharenweise davon laufen. Sie alle werden neue Jobs finden, vor allem im be-nachbarten Ausland, wo man Fachkräfte nicht nur mit Lippenbekenntnissen schätzt, sondern auch mit entsprechender Bezahlung und mit entsprechenden Rahmenbedingungen.
Bleibt festzuhalten: Diejenigen, die den ganzen Tag fremdes Geld umschaufeln, die Blechkästen ge-gen die Klimawende bauen und die den Sprit dafür bereitstellen – die müssen sich hier in Deutschland keine Sorgen machen, die werden gehätschelt und getätschelt und kriegen Geld, wovon andere nur träumen. Wer sich dagegen um Kinder kümmert oder um Kranke, wer Hilfsbedürftigen hilft oder Nachwuchs ausbildet, dem wird nicht nur gesagt, sondern per Bezahlung und Gesetz klargemacht, daß er nichts wert ist. Ob Groko oder Ampel – eine gewisse Kontinuität ist festzustellen.

***

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"Die Ferne ist ein schöner Ort,
doch wenn ich da bin, ist sie fort.
Die Ferne ist wo ich nicht bin,
ich geh und geh und komm nicht hin."

(Silly, mit der leider viel zu früh verstorbenen Tamara Danz)

Das Gejammer der Bahnbefürworter ...

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Dienstag, 19.07.2022, 23:23 (vor 1360 Tagen) @ Frank Augsburg

Hallo.

Gemosere und Kritik an dem 9 Euro Ticket gab es gleich nach dessen Bekanntwerden.

Gibt es in Deutschland immer. Beim kleinsten Pups. Bei der minimalsten Veränderung.

Und in Bahnfreakkreisen sowieso: die sind ja überwiegend sehr konservativ und veränderungsresistent.

Stellt man sich aber die Frage: Warum 9 Euro und warum ausgerechnet im ÖPNV, landet man sofort bei den Tankrabatten. Die gingen und gehen, nach einem kurzzeitigen Nachgeben der Preise an den Tankstellen nach Einführung des Rabatts, beinahe 1:1 auf die Konten der Ölmultis. Ja, sicher, die Mineralöllobby wird nicht müde, Gründe anzuführen, warum die Preise wieder so hoch oder höher sind als vor dem Tankrabatt. Und nein – mit Raffgier hat das alles überhaupt nichts zu tun! Dabei knallen dort die Sektkorken im Minutentakt und keineswegs nur verschämt in den Hinterzimmern. Was völlig nachvollziehbar ist – in den Vorstandsetagen von Esso oder wem auch immer ist das Glück kaum faßbar ob des unerwarteten und zudem üppigen Geschenks!

Da konnte der ÖPNV mit einer gewissen Ehrlichkeit und voraussehbarer fixer Preise punkten.

Was mich zu folgendem Gedankenexperiment bringt. Angenommen, jeder Bürger kann für jeden der Monate Juni, Juli und August ein 9- Euro- Ticket ziehen. Dafür kann der Bürger dann entweder unbe-grenzt den ÖPNV nutzen oder aber sich jeweils für den Monat beim nächstbesten Autohaus einen Wagen mieten. Vielleicht nicht unbedingt die S- Klasse, aber darunter darf es alles sein. Und – das ist der Clou – mit dem 9- Euro- Ticket gäbe es auch an jeder Tankstelle Sprit. Unbegrenzt!
Jedem, der die Zeilen aufmerksam gelesen hat, ist sofort klar, was passiert wäre, hätte die Regierung das 9- Euro- Ticket nicht nur auf den ÖPNV begrenzt, sondern quasi freigegeben. Ebenso klar ist aber auch, was nicht einmal eine Stunde später passiert wäre: Die Öl- und Automultis wären in Brigadestärke nicht nur vor dem Reichstag an-, sondern ohne irgendwelche Rücksichten in denselben ein-gerückt, und nochmal keine weitere Stunde später wäre das freizügige 9- Euro- Ticket vom Tisch gewesen, die Posten der involvierten Minister inklusive. Sprit und Auto – die Heiligtümer des Abendlan-des verramscht und verschleudert für 9 Euro. Wo kämen wir denn da hin? Bleibt noch der ÖPNV, bestehend aus staatlichen und kommunalen Betrieben, mit denen kann man ja so umgehen.

Wie lange hast du darüber nachgedacht, solch atemberaubende Zusammenhänge zu konstruieren, nur damit das Weltbild paßt ... Also, ich bin ja schon sehr deutlich neben der Spur - aber da kann ich nicht mithalten ...

30 Cent je Fahrgast und Tag egal bei welche Reisedauer und -länge (gleichbedeutend mit einem Drittel einer normalen Briefsendung!!!), deutlicher und unverhohlener können politisch Verantwortliche ihre an Verachtung grenzende Geringschätzung gegenüber einer ganzen Branche (...) Im gleichen Atemzug wird an der Mär vom wirtschaftlich nicht vermittelbaren 365 Euro- Ticket (pro Jahr!) für Schüler und Studenten und andere Bedürftige festgehalten

Merke: 30 Cent pro Tag sind ein Riesenskandal! 100 Cent am Tag sind aber angemessen!

Kostet der ÖV Geld, schimpfen alle über die so hohen Fahrpreise! Gibt es dann günstige Preise, ist auch das ein Skandal. Wegen des Personals. Erstaunlich, dass da nicht alle Beschäftigten von Aldi zum teuren Edeka wechseln. Egal.

Wer auch nur ansatzweise zu hoffen wagte, es würde sich etwas ändern zugunsten der Bahn, wurde spätestens jetzt eines Besseren belehrt.

... und ohne 9 €-Ticket ... ???

schon mit Stuttgart 21 dürfte die große Ernüchterung kommen.

JUCHHU!!!!!! 'Stuttgart 21' hat man auch im Beitrag untergebracht! Dann ist ja alles toll!!

Stuttgart 21 wird auf Jahrzehnte ausreichend dimensioniert sein. Und unsere Nachfahren werden uns feiern für unsere Weitsicht. Wie es bei epochalen Bauwerken immer so ist ...

Nicht wenige kommunale Ver-kehrsbetriebe haben bereits ab September spürbare Angebotskürzungen und/ oder Preiserhöhungen angekündigt.

... und ohne 9 €-Ticket ... ???

Fazit des Ganzen: „Mehr Fortschritt wagen“ war gestern, heute ist nur noch Klientelpolitik. Die vorige Regierung hat Ärzte und Pflegepersonale vergrätzt, die zwar beklatscht wurden, aber weiterhin schlecht bezahlt werden. Fast untergegangen bei der ganzen Diskussion ist der Notstand an Hebammen (!), der im politischen Betrieb auch niemanden wirklich interessiert. Und „dank“ der Glanzleistung der neuen Regierung dürften jetzt und in den kommenden Monaten Lokführer, Straßenbahnfahrer und Zugbegleiter scharenweise davon laufen. Sie alle werden neue Jobs finden, vor allem im be-nachbarten Ausland, wo man Fachkräfte nicht nur mit Lippenbekenntnissen schätzt, sondern auch mit entsprechender Bezahlung und mit entsprechenden Rahmenbedingungen.


... und ohne 9 €-Ticket ... ???


So. Und jetzt, nach all dem Gejammer bin ich mal sehr gespannt, was denn so die Alternative gewesen wäre. Und jetzt nicht ein langfristiges hochtheoretisches Megaprogramm für die nächsten 15 Jahre, sondern ganz konkret etwas, was diesen Sommer die Leute ruhig und bei Laune hält. Und was sie halt wenig kostet und sie etwas entlastet.

Und was die Perspektiven anbetrifft: die 2,5 Milliarden, die das gekostet haben soll, ist Kindergarten. Peanuts. Als wenn dir ein Cent aus der Hosentasche fällt. Wie sich der ÖV entwickeln wird, ist angesichts der drohenden sozialen und gesellschaftlichen Umwälzungen, die uns mittelfristig blühen, überhaupt gar nicht absehbar. Geschweige denn, wer das mal bezahlen soll. Und wer da alles arbeiten soll. Die Mitarbeitenden werden auch ohne 9 €-Ticket knapp - wie überall, wo es ohne Studium ginge ... Da gibt es keinen Langzeitplan und auch keine Lösung. Nur umfangreiche Zuwanderung könnte uns retten. Die Wahrscheinlichkeit kann sich jeder selbst ausrechnen. Natürlich wird es zu Angebotskürzungen kommen. Weil Geld fehlt und Mitarbeitende. Nur wäre das ohne ein 9 €-Ticket auch nicht anders.


Schöne Grüße von jörg

+1

agw, NRW, Mittwoch, 20.07.2022, 07:15 (vor 1360 Tagen) @ Der Blaschke

- kein Text -

--
"Mit Vollgas in den Sommer: Sparen Sie 20% bei Europcar."
- bahn.de

Das Gejammer der Bahnbefürworter ...

Frank Augsburg, Ansbach, Donnerstag, 21.07.2022, 22:09 (vor 1358 Tagen) @ Der Blaschke

Hallo Jörg,

Entschuldigung, ich war unterwegs. Und Kommentierungen zu kommentieren ist eigentlich nicht meine Art, aber der Kürze wegen... Ich denke, Du verstehst, und das Forum auch, vielleicht, wer weiß das schon.

Gleich mal vorweg, damit keine Irritationen aufkommen. Bahnbefürworter bin ich, weil Bahn (nicht: DB AG!) mein Hobby ist, und mein Beruf. Allerdings: letzteres nur noch für 8 1/2 Jahre, je nachdem, was meine Rentenversicherung sagt. Aber ungefähr in der Spanne gedenke ich, aus dem aktiven Dienst auch am ÖPNV abzutreten und das Feld den anderen zu überlassen. Voraussetzung: Sofern es dann noch ein Feld gibt, das andere bestellen können. Ist aber mit der Rente genau so. Wer sagt denn, daß ich die noch erlebe, und wenn, ob dann was für mich übrig ist. Mache ich mir keine Gedanken drüber.
Und meckern muß ich, weil ich Deutscher bin, zwar kein Bio- Deutscher, aber immerhin hierzulande geboren. Wenn Du daraus "Gejammer" machst - von mir aus.

Stellt man sich aber die Frage: [...] und zudem üppigen Geschenks!


Da konnte der ÖPNV mit einer gewissen Ehrlichkeit und voraussehbarer fixer Preise punkten.

Voraussehbar fixe Preise: Ja, wenigstens bis Ende August. Ehrlichkeit - im Sinne von Kostenwahrheit, gegenüber der Konkurrenz MIV - nicht wirklich, oder?

Was mich zu folgendem Gedankenexperiment bringt. [...] Bleibt noch der ÖPNV, bestehend aus staatlichen und kommunalen Betrieben, mit denen kann man ja so umgehen.


Wie lange hast du darüber nachgedacht, solch atemberaubende Zusammenhänge zu konstruieren, nur damit das Weltbild paßt ... Also, ich bin ja schon sehr deutlich neben der Spur - aber da kann ich nicht mithalten ...

Uuupssss... Entschuldige bitte, aber: Eine einfache Überlegung "Was wäre, wenn..." ist für Dich schon deutlich mehr neben der Spur, als Du selbst meinst es zu sein? Habe ich das richtig verstanden? Zwei Bemerkungen dazu: Ich glaube, Du stellst Dein Licht gehörig unter den Scheffel. Und: Ich habe noch gar nicht angefangen, meinerseits ist da noch gehörig Luft nach oben, glaub mir das. Was passiert, wenn ich mal richtig aufdrehe? Schickst Du mir dann das bunte Auto? Wobei - wenn die mich mittags holen, lassen die mich abends gehen.

30 Cent je Fahrgast und Tag egal bei welche Reisedauer [...] Im gleichen Atemzug wird an der Mär vom wirtschaftlich nicht vermittelbaren 365 Euro- Ticket (pro Jahr!) für Schüler und Studenten und andere Bedürftige festgehalten


Merke: 30 Cent pro Tag sind ein Riesenskandal! 100 Cent am Tag sind aber angemessen!

Kostet der ÖV Geld, schimpfen alle über die so hohen Fahrpreise! Gibt es dann günstige Preise, ist auch das ein Skandal. Wegen des Personals. Erstaunlich, dass da nicht alle Beschäftigten von Aldi zum teuren Edeka wechseln. Egal.

Warum so kurz gedacht? Allein aus Deiner Praxis als Reisendenzähler/ -befrager hätte ich mehr erwartet als solche Platzhalter, hm, wohl zu Unrecht. Aber gut, dafür bin ich wohl zu sehr neben der Spur. Was ich jedenfalls so mitkriege, aus eigener Erfahrung. Das europäische Ausland ist für Menschen, die z. B. für Kinder da sind, oder für Kranke, dieses Ausland - übrigens einschließlich Insel - ist auf jeden Fall attraktiver als Deutschland. Warum nicht auch für Lokführer, Tramfahrer, Fahrdienstleiter, ... ? Woanders hat man kapiert, daß es hier in Deutschland was abzuschöpfen gibt. Das Angebot braucht nur gut genug zu sein.

Wer auch nur ansatzweise zu hoffen wagte, es würde sich etwas ändern zugunsten der Bahn, wurde spätestens jetzt eines Besseren belehrt.


... und ohne 9 €-Ticket ... ???

"Texte lesen und verstehen" ist eine Pisa- Kategorie, bei die Deutschen nicht besonders gut abschnitten. Wobei ich die Entwicklungen der letzten Jahre nicht mehr so sehr verfolgt habe. Prinzipiell ist es aber so, daß ein Satz eine Aussage beinhaltet. Ob die Aussage mit dem Sinn des ganzen Textes übereinstimmt, ist schon wieder eine andere Frage.

schon mit Stuttgart 21 dürfte die große Ernüchterung kommen.


JUCHHU!!!!!! 'Stuttgart 21' hat man auch im Beitrag untergebracht! Dann ist ja alles toll!!

Oh, dafür kann ich nichts! Nein wirklich. Wieder eine gaaaanz einfache Überlegung: ETCS funktioniert in Deutschland toll, solange auf irgendeiner Piste zwei Züge pro Stunde und Richtung dahinjagen. Halten wir fest: Die Funktionen hauen hin. Da ETCS neben allen Funktionen auch irgendwann seine Leistung unter Beweis stellen muß, ist dieses "irgendwann" nun mal Stuttgart 21. Wäre es die Neubaustrecke Dresden - Prag mit dem Erzgebirgstunnel gewesen, dann hätte ich das so geschrieben. Wobei - es kann ja sein, daß besagte Neubaustrecke Dresden - Prag eher die Betriebsgenehmigung erhält, als Stuttgart 21. Wer weiß das schon? Deutschland ist ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten, nur eben anders.


Stuttgart 21 wird auf Jahrzehnte ausreichend dimensioniert sein. Und unsere Nachfahren werden uns feiern für unsere Weitsicht. Wie es bei epochalen Bauwerken immer so ist ...

Yepp, auch wenn ich mich an die Hoffnung klammere, daß die Bahn noch 8 1/2 Jahre bis zu meinem Renteneintritt besteht, mehren sich die Anzeichen, daß der Laden viel eher vor die Wand gefahren wird. Dann müßte ich vielleicht bei meiner alten Leihfirma anheuern und Geschirrspülautomaten konstruieren. Ziemlich gruselige Vorstellung... Oder ich heuere bei Dir an, als Coke- Träger oder sowas. Ist dann in meinem Alter auch schon egal und Coke- Träger für Blaschi ist allemal interessanter als Geschirrspülautomaten...

Nicht wenige kommunale Ver-kehrsbetriebe haben bereits ab September spürbare Angebotskürzungen und/ oder Preiserhöhungen angekündigt.


... und ohne 9 €-Ticket ... ???

S. unter "Texte lesen und verstehen"...

Fazit des Ganzen: [...] sondern auch mit entsprechender Bezahlung und mit entsprechenden Rahmenbedingungen.

... und ohne 9 €-Ticket ... ???

Vollzöge sich der Prozeß des Niederganges möglicherwiese etwas langsamer.

So. Und jetzt, nach all dem Gejammer bin ich mal sehr gespannt, was denn so die Alternative gewesen wäre. Und jetzt nicht ein langfristiges hochtheoretisches Megaprogramm für die nächsten 15 Jahre, sondern ganz konkret etwas, was diesen Sommer die Leute ruhig und bei Laune hält. Und was sie halt wenig kostet und sie etwas entlastet.

Ah, sehr gut! Also liebe Mitforisten, die Ihr Eltern seid so wie ich: Stellt Euch vor Eure Kinder und sagt: "Vergeßt Freund und Freundin, vergeßt Sex und den ganzen Schmarrn - Eure Kinder und meine Enkel erleben das Ende des aktuellen Jahrhunderts eh nicht. Aber Hauptsache: Gute Laune, jetzt, so viel wie geht und kostenlos. Machen wollen wir nichts, und Alternativen haben wir nicht." Glänzende Idee! Chapeau! (Habe ich das richtig geschrieben...?)


Und was die Perspektiven anbetrifft: die 2,5 Milliarden, die das gekostet haben soll, ist Kindergarten.

Ja, genau, Kindergarten. Deswegen ist mein Sohn ausgewandert. Ich habe ihm übrigens zugeraten, weil Kindergärtner hierzulande nichts wert sind.

Peanuts. Als wenn dir ein Cent aus der Hosentasche fällt.

Ja, genau. Nur weiter so. Das ist ja das, was Du favorisierst, oder?

Die Mitarbeitenden werden auch ohne 9 €-Ticket knapp - wie überall, wo es ohne Studium ginge ... Da gibt es keinen Langzeitplan und auch keine Lösung. Nur umfangreiche Zuwanderung könnte uns retten. Die Wahrscheinlichkeit kann sich jeder selbst ausrechnen. Natürlich wird es zu Angebotskürzungen kommen. Weil Geld fehlt und Mitarbeitende. Nur wäre das ohne ein 9 €-Ticket auch nicht anders.

Irgendwer kann freilich die nicht sehr aussichtsreichen Konsequenzen als gegeben hinnehmen, irgendwer anders kann auch versuchen, das Ganze irgendwie abzuwenden. Ob es gelingt, bleibt abzuwarten, vielleicht bzw. sehr wahrscheinlich erlebe ich das Resultat gar nicht, schon mit Blick auf die Jahrhunderte, die unser neues Erdklima zur Stabilisierung brauchen wird. Aber ich versuche wenigstens etwas mit meinen bescheidenen Möglichkeiten. Auch wenn es hätte mehr sein können. Auch wenn es hätte besser sein können. Da können mir andere zeigen, wie es besser geht.
Sicher nicht mit der Kommentierung von Sätzen aus einem Text.

Schöne Grüße vom Frank

--
"Die Ferne ist ein schöner Ort,
doch wenn ich da bin, ist sie fort.
Die Ferne ist wo ich nicht bin,
ich geh und geh und komm nicht hin."

(Silly, mit der leider viel zu früh verstorbenen Tamara Danz)

Danke für die Meinungsstärke bei Deinem Kommentar!

GUM, Mittwoch, 20.07.2022, 12:03 (vor 1360 Tagen) @ Frank Augsburg
bearbeitet von GUM, Mittwoch, 20.07.2022, 12:03

Der Beitrag gefällt mir einfach so, wie er geschrieben ist.

--
Sicherheitshinweis: Lassen Sie Ihre Politiker nicht unbeaufsichtigt!
Security advice: Don't leave your politicians unattended!

Nein. Der deutsche ÖPNV ist schlecht bis mittelmäßig.

sfn17, Mittwoch, 20.07.2022, 14:10 (vor 1359 Tagen) @ Frank Augsburg

Ansbach-Nürnberg sind grob 60 km. Aber 3x stündlich angebunden!
Überall anderswo gäbe es dafür maximal Stundentakt, womöglich noch mit Umsteigen.

Der deutsche ÖPNV ist mitnichten "im großen und ganzen" "gut" (Politsprech), nur weil ein engagierter Bahnfreund in so einem paradiesischen Flecken wie Ansbach wohnt und das dann ganz bayrisch (obwohl eigentlich noch fränkisch) für "Deutschland" hält.

Wenn jemand mit solchen "Fakten" ÖPNV-Politik machen will: Gute Nacht.

Ich bin hardcore-ÖPNV-Benutzer (nichtmal Fahrrad). Mein Urteil steht im Betreff, und ich weiß, wovon ich rede.

Gut und schlecht sund relative Begriffe.

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 20.07.2022, 17:45 (vor 1359 Tagen) @ Frank Augsburg

Hallo Frank Augsburg,

Danke für Deinen Beitrag.
Ich kann leider nicht für Deutschland urteilen, weil ich nur ein Gelegenheitsnutzer des "neu Neurotickets" bin.
Und die Situation bei uns in NL ist halt nicht mit DE zu vergleichen.
Das heisst aber nicht, dass die beiden Ländern nicht voneinander lernen können.

Haupteinwand: Die Züge (und Trams, und U- Bahnen, und Busse) würden zu voll.

Meine Bange war eher: kriegt die Infra es hin? Ist Reservekapazität vorhanden?

Auch eingedenk aller Unzulänglichkeiten, die es zweifelsohne gibt, ist der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in Deutschland sehr gut [1] organisiert und kann alles in allem mit einem [2] guten Angebot aufwarten.

Zu 1: organisieren ist "the easy part", darstellen "the hard part".
Und zwischen beiden steht offenbar die mangelnde Infra im Wege.

Zu 2: "gut" und "schlecht" sind relative Begriffe. Ich bin Halbstundentakt in NL gewöhnt, muss also einen Schritt zurück wenn ich in Deutschland bin. Denn in DE regiert der Stundentakt. Umgekehrt werden Deutsche sich in NL verwöhnt fühlen. Das passiert schon in Venlo falls die eurobahn den NS-"IC" oder die arriva-Bahn nicht mehr erreicht. 30 Minuten später kommt der nächste Zug.

Wir hier in Ansbach sehen das quasi vor der eigenen Haustür. Dreimal je Stunde eine Verbindung nach Nürnberg – das schlecht reden zu wollen bedarf es wirklich außerordentlicher „argumentativer“ Verrenkungen.

Ich denke nicht, dass sowas schlecht geredet wird. Es ist eher so, dass AN-N nicht das Mass der Dinge in Deutschland ist. Zwischen Düsseldorf und Köln verkehren nebst S-Bahn nur zwei stündliche RE-Linien, und diese bilden zusammen auch nicht mal einen Halbstundentakt. Gut, es verkehren auch IC(E)s aber auch nur wenn man zusätzlich bezahlt.
Utrecht ist um einiges kleiner als Köln, aber nach Amsterdam verkehren zwei 15-Minutentakte "IC" (nach Centraal und nach Zuid). Und das auch noch bei Personalmangel; normal sind das 10-Minutentakte.

Mit Fug und Recht kann man den ÖPNV in Deutschland als Qualitätsprodukt bezeichnen.

Bin ich mir nicht sicher. Es ist für mich ziemlich schwer, das ganze objektiv zu betrachten, da ich kein Heavy User bin.
Zudem lasse ich mich nicht mehr so von Widrigkeiten runterkriegen.

Und ausgerechnet dieses Qualitätsprodukt wird auf dem Wühltisch politischen Desinteresses zu einem Preis verramscht, der jedem Mitarbeiter im ÖPNV die Zornesröte ins Gesicht treibt.

Die Verramschung stört mich auch. In CH sucht man zurecht vergeblich ein 10-Frankenbillett. Und NL fängt auch nicht damit an, auch wenn viele bei uns rumschreien, dass wir es so machen sollten wie die Deutschen.


gruß,

Oscar (NL).

--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

Tageskarte Gemeinde Schweiz

ICE1021, Mittwoch, 20.07.2022, 19:42 (vor 1359 Tagen) @ Oscar (NL)

https://www.tageskarte-gemeinde.ch/de-de/

schon ab 20 Franken pro Tag, je nach Gemeinde, manche geben auch an Auswärtige ab

Tageskarte Gemeinde Schweiz

wachtberghöhle, Donnerstag, 21.07.2022, 22:23 (vor 1358 Tagen) @ ICE1021

https://www.tageskarte-gemeinde.ch/de-de/

schon ab 20 Franken pro Tag, je nach Gemeinde, manche geben auch an Auswärtige ab

Die sind für mich als Urlauber natürlich wertvolle Fahrkarten.
Aber ohne Kontaktperson mit einem Wohnsitz ist der Bezug als Urlauber zwar möglich, aber in der Realität nur mit Glück umzusetzen

so schlecht ist der ÖV i.d. Schweiz halt relativ betrachtet

Benjamin.Keller, Freitag, 22.07.2022, 09:04 (vor 1358 Tagen) @ ICE1021

schon ab 20 Franken pro Tag, je nach Gemeinde, manche geben auch an Auswärtige ab

Wenn ein solches Ticket so verramscht werden muss spricht es eben aber nicht für den ÖV, sondern dafür, dass der ÖV auch in der Schweiz nicht konkurrenzfähig zum Auto ist, sondern auf Deubel komm raus schmackhaft gemacht werden muss. Der Beweis zeigt sich in den höheren gefahrenen PKW-Kilometern in der Schweiz pro Kopf oder auch in dem anderen Schweiz-bezogenen njb-Vlog, wo ziemlich offensichtlich wurde, dass in den meisten schweizerischen Städten das Auto weiterhin großen Vorrang im Straßenraum hat. Nach meinem Eindruck sind viele deutsche Städte da schon viel weiter (und viele dänische und die meisten niederländischen sowieso).

Baut einfach die Städte um, dann kommen die ÖPNV-Kunden schon von selbst.

so schlecht ist der ÖV i.d. Schweiz halt relativ betrachtet

Aphex Twin, Freitag, 22.07.2022, 09:50 (vor 1358 Tagen) @ Benjamin.Keller

schon ab 20 Franken pro Tag, je nach Gemeinde, manche geben auch an Auswärtige ab


Wenn ein solches Ticket so verramscht werden muss spricht es eben aber nicht für den ÖV, sondern dafür, dass der ÖV auch in der Schweiz nicht konkurrenzfähig zum Auto ist, sondern auf Deubel komm raus schmackhaft gemacht werden muss.

Was an 20 CHF pro Tag verramscht sein soll muss mir jemand mal erklären. Ein Baden-Württemberg-Ticket kostet ja z.B. auch 24 Euro pro Tag.

so schlecht ist der ÖV i.d. Schweiz halt relativ betrachtet

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 22.07.2022, 11:00 (vor 1358 Tagen) @ Benjamin.Keller

Benjamin.Keller:

Wenn ein solches Ticket so verramscht werden muss spricht es eben aber nicht für den ÖV, sondern dafür, dass der ÖV auch in der Schweiz nicht konkurrenzfähig zum Auto ist, sondern auf Deubel komm raus schmackhaft gemacht werden muss.

1. Das Auto hat nunmal materielle und immaterielle Vorteile. Es ist dort, wo man ist und bringt einem dorthin, wo man hin möchte, und das auch noch jederzeit. Viele nennen das Mobilitätsfreiheit. Selber sehe ich Mobilitätsfreiheit als die Möglichkeit, ein Transportmittel zu wählen, ohne abhängig vom Auto zu sein. In CH kommt man auch ohne Auto realtiv gut voran. In NL ist die Kombi Bahn + Mietrad schon ein grossere Schritt in die Richtung.

2. Gute Öffis machen Autofahren Spass. Sie machen das Autofahren ein Privileg, statt eine Voraussetzung (wie in den US). Video dazu.

...wo ziemlich offensichtlich wurde, dass in den meisten schweizerischen Städten das Auto weiterhin großen Vorrang im Straßenraum hat. Nach meinem Eindruck sind viele deutsche Städte da schon viel weiter (und viele dänische und die meisten niederländischen sowieso).

Bin ich mir nicht sicher. Ich war noch nicht so oft in der Schweiz, kann also nicht urteilen.
Ich denke, in CH/DE/NL findet man gute und schlechte Beispiele.
Rotterdam und Eindhoven würde ich nicht als Musterbeispiele nennen. Dafür aber Amsterdam und Utrecht.

Baut einfach die Städte um, dann kommen die ÖPNV-Kunden schon von selbst.

Viele NL-Städten waren in den 1970ern auf Ente und Käfer ausgelegt. Das wurde aber Jahr nach Jahr schrittweise umgestaltet und jetzt sieht man keinen Transitverkehr mehr im Grachtengürtel von Amsterdam. Stichwort: Verkehrstrennung. Nicht nur pro Modalität (z.B. freie Busspuren) sondern auch innerhalb einer Modalität. Streets und Roads, statt Stroads.

Aphex Twin:

Was an 20 CHF pro Tag verramscht sein soll muss mir jemand mal erklären. Ein Baden-Württemberg-Ticket kostet ja z.B. auch 24 Euro pro Tag.

Das BaWü-Ticket kann man, in Gegensatz zum 9€-Ticket, aber nicht während der HVZ benutzen. Beim 20-Franken-Ticket bin ich mir nicht sicher.


gruß,

Oscar (NL).

--
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so schlecht ist der ÖV i.d. Schweiz halt relativ betrachtet

Chrispy, Freitag, 22.07.2022, 11:44 (vor 1358 Tagen) @ Benjamin.Keller

schon ab 20 Franken pro Tag, je nach Gemeinde, manche geben auch an Auswärtige ab


Wenn ein solches Ticket so verramscht werden muss spricht es eben aber nicht für den ÖV, sondern dafür, dass der ÖV auch in der Schweiz nicht konkurrenzfähig zum Auto ist, sondern auf Deubel komm raus schmackhaft gemacht werden muss.

Die Anzahl dieser Gemeindetageskarten sind begrenzt und teilweise Monate im voraus ausgebucht. Die Gemeinden bieten dies als einen Service an, nicht die ÖV anbieter. Daher finde ich es sehr absurd, dass du da von "verramschen" spirchst, denn jede Bahn bietet Sparpreise an. Oder

Der Beweis zeigt sich in den höheren gefahrenen PKW-Kilometern in der Schweiz pro Kopf oder auch in dem anderen Schweiz-bezogenen njb-Vlog, wo ziemlich offensichtlich wurde, dass in den meisten schweizerischen Städten das Auto weiterhin großen Vorrang im Straßenraum hat.

Die PKW-Kilometer alleine sind allerdings nicht die richtige Metrik um die Beliebtheit des ÖV zu beurteilen. Dafür braucht betrachtet man im allgemeinen den Modalsplit. Der ÖV in CH kommt auf ca. 30% der personenkilometer leistung, in DE liegt dieser wert bei lediglich ca. 15% (beides vor der Pandemie). Aber es ist tatsächlich so, dass man in CH neben dem dichtesten Bahnnetz auch eines der dichtesten Autobahnnetze Europas vorfindet. Das fördert allgemein die Mobilität der Menschen. Dadurch hat man halt auch induzierten PKW-Verkehr, vorallem aus ländlichen regionen in die Städte.

Nach meinem Eindruck sind viele deutsche Städte da schon viel weiter (und viele dänische und die meisten niederländischen sowieso).

Also ich war jetzt schon in einigen deutschen Städten und die sind nun wirklich nicht besser als die schweizer Städte. Beide Länder leiden unter massivem Car-Brain-Syndrom (CBS).

DE bei Fahrradinfra besser als CH

Alphorn (CH), Freitag, 22.07.2022, 12:03 (vor 1358 Tagen) @ Chrispy

Also ich war jetzt schon in einigen deutschen Städten und die sind nun wirklich nicht besser als die schweizer Städte. Beide Länder leiden unter massivem Car-Brain-Syndrom (CBS).

Dafür ist die Fahrradinfrastruktur deutlich besser. In der Schweiz lassen die mittelalterlichen (und nicht zerbombten) Städte keine erstklassige Infra zu, auch wenn man inzwischen etwas aufholt.

Aber ja, trotzdem sind deutsche Städte einiges schlimmer autoverseucht - wohl mangels erstklassigem ÖV.

DE bei Fahrradinfra besser als CH

Chrispy, Freitag, 22.07.2022, 12:37 (vor 1357 Tagen) @ Alphorn (CH)

Also ich war jetzt schon in einigen deutschen Städten und die sind nun wirklich nicht besser als die schweizer Städte. Beide Länder leiden unter massivem Car-Brain-Syndrom (CBS).


Dafür ist die Fahrradinfrastruktur deutlich besser.

Da kenne ich mich nicht aus, bin noch nie mit dem Fahrrad durch deutsche Städte gefahren.

In der Schweiz lassen die mittelalterlichen (und nicht zerbombten) Städte keine erstklassige Infra zu, auch wenn man inzwischen etwas aufholt.

Die mittelalterlichen Städte sind aber auch nicht für das Auto gemacht, trotzdem konnte man noch in den 90ern in jede Altstadt hinein fahren, ist ja heute zum Glück etwas besser geworden. Platz für Fahrräder hätte es eigentlich genug. Man müsste halt den Mut haben und die Autos durch Mobilitypricing oder Verkehrslenkung aus den Innenstädten verbannen. Denn die Stadtbewohner subventioneren mit der teuren Autoinfrastruktur das Pendlerverhalten der Landbevölkerung. Wer glaubt nicht auf sein Auto verzichten zu können, zahlt dann halt für sein Verhalten mit einer Maut oder einem P&R-Ticket am Stadtrand.

CH/DE/NL: Netzwerkvergleich.

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 22.07.2022, 15:37 (vor 1357 Tagen) @ Chrispy

Hallo Chrispy,

Der Beweis zeigt sich in den höheren gefahrenen PKW-Kilometern in der Schweiz pro Kopf oder auch in dem anderen Schweiz-bezogenen njb-Vlog, wo ziemlich offensichtlich wurde, dass in den meisten schweizerischen Städten das Auto weiterhin großen Vorrang im Straßenraum hat.

Die PKW-Kilometer alleine sind allerdings nicht die richtige Metrik um die Beliebtheit des ÖV zu beurteilen. Dafür braucht betrachtet man im allgemeinen den Modalsplit.

Ist das "modal split", oder "modal share"?

Der ÖV in CH kommt auf ca. 30% der Personenkilometerleistung, in DE liegt dieser Wert bei lediglich ca. 15% (beides vor der Pandemie). Aber es ist tatsächlich so, dass man in CH neben dem dichtesten Bahnnetz auch eines der dichtesten Autobahnnetze Europas vorfindet.

Bin ich mir nicht sicher. In CH gibt es viele Regionen, z.B. die Alpen, wo man vergeblich Autobahnen sucht. Kann es sein, dass CH eine etwas abweichende Definition von Autobahn hat? Sowieso dachte ich, in CH spreche man nicht von Autobahnen sondern von Nationalstrassen. Und nicht jede Nationalstrasse ist eine Autobahn.

S.i.w. sind die Kriterien einer Autobahn:

1. beide Fahrtrichtungen müssen durch eine mittige Böschung getrennt sein
2. beide Fahrtrichtungen müssen links und rechts durch eine Leitplanke geschützt sein
3. es müssen pro Fahrtrichtung mindestens zwei durchgängige Fahrspuren vorhanden sein
4. es muss pro Fahrtrichtung eine unbehinderte Notspur vorhanden sein*
5. sonstige Verkehre dürfen die Autobahn nur niveaufrei kreuzen

* bei uns verkehren teilweise Linienschnellbusse über die Notspuren; ein solches Verfahren wäre auf deutschen Autobahnen s.i.w. nicht zulässig.

Leider konnte ich keine Stats über Autobahnnetzgrössen finden. Dafür aber 1, 2.

Die Metrik für Autobahndichte ist Anzahl km pro 1000 Qkm Landoberfläche.

Zu 1: in der Grafik hat nut die Mittelschweiz die höchste Gradation. Etwas Basel, Zürich, Luzern, Tessin. In Deutschland ist das NRW. In Belgien die westliche Hälfte und NL fast landesweit (nur die Provinzen Groningen, Overijssel und Zeeland nicht).

Zu 2: eine Zahl >100 haben die Randstadprovinzen (Noord-Holland, Zuid-Holland, Utrecht) bei uns. Daran kommt in DE nur das Ruhrgebiet.

Innerhalb der EU findet man das dichteste Schienennetz übrigens in Tschechien. Vor allem dadurch, dass das Land zahlreiche Nebenbahnen beibehalten hat. Auch in BE/LU und sogar DE ist das Schienennetz dichter als in NL (DE wegen der zahlreichen Stadt- und Trambahnen?).


gruß,

Oscar (NL).

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CH/DE/NL: Netzwerkvergleich.

Chrispy, Freitag, 22.07.2022, 16:36 (vor 1357 Tagen) @ Oscar (NL)

Hallo Oscar,

Der Beweis zeigt sich in den höheren gefahrenen PKW-Kilometern in der Schweiz pro Kopf oder auch in dem anderen Schweiz-bezogenen njb-Vlog, wo ziemlich offensichtlich wurde, dass in den meisten schweizerischen Städten das Auto weiterhin großen Vorrang im Straßenraum hat.

Die PKW-Kilometer alleine sind allerdings nicht die richtige Metrik um die Beliebtheit des ÖV zu beurteilen. Dafür braucht betrachtet man im allgemeinen den Modalsplit.


Ist das "modal split", oder "modal share"?

Ich bezog mich auf die zurückgelegten Personenkilometer, nach meiner auffassung sind "modal split" und "modal share" synonyme.

Der ÖV in CH kommt auf ca. 30% der Personenkilometerleistung, in DE liegt dieser Wert bei lediglich ca. 15% (beides vor der Pandemie). Aber es ist tatsächlich so, dass man in CH neben dem dichtesten Bahnnetz auch eines der dichtesten Autobahnnetze Europas vorfindet.


Bin ich mir nicht sicher. In CH gibt es viele Regionen, z.B. die Alpen, wo man vergeblich Autobahnen sucht.

Es gibt in den Alpen sehr gut ausgebaute Strassen (vor allem über die Alpenpässe), obwohl dort die Bevölkerungsdichte sehr klein ist. Dort dominieren dann oft die touristischen Verkehre. Aber die grossen PKW-Verkehrsgeneratoren sind die ländlichen Regionen des Mittellandes und da ist die sehr Autobahndichte hoch.

Kann es sein, dass CH eine etwas abweichende Definition von Autobahn hat? Sowieso dachte ich, in CH spreche man nicht von Autobahnen sondern von Nationalstrassen. Und nicht jede Nationalstrasse ist eine Autobahn.

In CH fasst man Autobahnen und Autostrassen zusammen. Das Nationalstrassennetz und das Autobahnnetz sind nicht deckungsgleich. Nationalstrassen, sind alle Strassen, die vom Bund instand gehalten werden, darunter fallen zum teil sogar gewöhnliche Hauptstrassen. Zudem gibt es auch Kantonale Autostrassen/Autobahnen (siehe hier).

S.i.w. sind die Kriterien einer Autobahn:

1. beide Fahrtrichtungen müssen durch eine mittige Böschung getrennt sein
2. beide Fahrtrichtungen müssen links und rechts durch eine Leitplanke geschützt sein
3. es müssen pro Fahrtrichtung mindestens zwei durchgängige Fahrspuren vorhanden sein
4. es muss pro Fahrtrichtung eine unbehinderte Notspur vorhanden sein*
5. sonstige Verkehre dürfen die Autobahn nur niveaufrei kreuzen

* bei uns verkehren teilweise Linienschnellbusse über die Notspuren; ein solches Verfahren wäre auf deutschen Autobahnen s.i.w. nicht zulässig.

Da ist man in CH nicht ganz so konsistent. Autostrassen erfüllen in der Regel die Punkte 1 und 3 nicht, manchmal ist auch 4 nicht erfüllt. Aber es gibt auch Autobahnen oder Autobahnabschnitte, welche 1, 3 und manchmal auch 4 nicht erfüllen, z. B. der Gotthard Strassentunnel, oder grosse teile der A13 über den San Bernardino.

Leider konnte ich keine Stats über Autobahnnetzgrössen finden. Dafür aber 1, 2.

Die Metrik für Autobahndichte ist Anzahl km pro 1000 Qkm Landoberfläche.

Bei der Aussage habe ich mich auf diesen Swissinfo Artikel bezogen. Da liegt die Schweiz Europaweit auf Platz 4:

1. Niederlande 57.5 km pro 1000 km³
2. Belgien 55.1 km pro 1000 km³
3. Luxemburg 44.5 km pro 1000 km³
4. Schweiz 39.8 km pro 1000 km³

so schlecht ist der ÖV i.d. Schweiz halt relativ betrachtet

TheoretICEr, Freitag, 22.07.2022, 12:50 (vor 1357 Tagen) @ Benjamin.Keller

Ich stimme zu dass das Auto in der Schweiz so gut wie immer die Bahn schlägt. Selbst Punkt-zu-Punkt Verbindungen großer Städte sind mit der Bahn oft nicht schneller als mit dem Auto.
Beispiel: Basel-Zürich mit der Bahn 53min direkt, mit dem Auto von Innenstadt zu Innenstadt auch in unter 1h machbar.
Dann ist klar dass bei Haustür zu Haustür das Auto immer gewinnt (oftmals deutlich).
Der Vorteil in der Schweiz ist dass man, wirklich fast egal wohin man möchte, angenehm mit dem ÖV hinkommt, man braucht halt etwas länger.
In Deutschland sind Punkt zu Punkt Verbindungen zwischen großen Städten oft deutlich schneller als mit dem Auto. Außerhalb davon wird es aber schwierig.

so schlecht ist der ÖV i.d. Schweiz halt relativ betrachtet

Twindexx, St. Gallen (CH), Freitag, 22.07.2022, 15:39 (vor 1357 Tagen) @ Benjamin.Keller
bearbeitet von Twindexx, Freitag, 22.07.2022, 15:41

Hoi,

schon ab 20 Franken pro Tag, je nach Gemeinde, manche geben auch an Auswärtige ab


Wenn ein solches Ticket so verramscht werden muss spricht es eben aber nicht für den ÖV, sondern dafür, dass der ÖV auch in der Schweiz nicht konkurrenzfähig zum Auto ist, sondern auf Deubel komm raus schmackhaft gemacht werden muss.

Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn du dich vor deinem Beitrag erstmal mit informiert hättest. Dann wüsstest du, was du hier für Seich schreibst.

Jeder Kartensatz mit täglich einer Karte über ein Jahr kostet die Gemeinde 14`000.- CHF. Also nur um schon den Kaufpreis reinzuholen, müsste eine Gemeinde pro Karte 38.40 CHF verlangen. Und dann gibts auch Tage, wo nicht alle Karten weggehen, irgendwelche Dienstage im November z.B.
Meine Stadt verlangt dafür 48.- CHF und ich wüsste auch keine Gemeinde, wo man die Karten für unter 40.- CHF bekäme. Vielleicht in der Pandemie mal, wo die Gemeinden froh waren, die Karten überhaupt noch loszuwerden. Aber das ist nun vorüber.

Und dann kommt hinzu, dass die Karten stark kontingentiert sind. Meine Stadt mit 80‘000 Einwohnern hat gerade mal 35 dieser Karten und bezugsberechtigt sind auch noch umliegende Gemeinden, weil davon einige kein eigenes Kontingent haben. Vor diesem Hintergrund den Begriff verramschen zu verwenden zeugt schon von extremer Unkenntnis.

Dazu noch eine Zusatzinformation: Die Tageskarte Gemeinde wird nicht mehr lange existieren. Das Angebot wird seitens der öV-Tariforganisation Alliance Swisspass eingestellt. Allerdings arbeitet die Alliance Swisspass an einer Nachfolgelösung für Gemeinden, damit diese der eigenen Bevölkerung auch weiterhin eine günstige Zugangsmöglichkeit zum öV bieten können.

Der Beweis zeigt sich in den höheren gefahrenen PKW-Kilometern in der Schweiz pro Kopf oder auch in dem anderen Schweiz-bezogenen njb-Vlog, wo ziemlich offensichtlich wurde, dass in den meisten schweizerischen Städten das Auto weiterhin großen Vorrang im Straßenraum hat. Nach meinem Eindruck sind viele deutsche Städte da schon viel weiter (und viele dänische und die meisten niederländischen sowieso).

Auch dieser Teil lässt mich vermuten, dass du vermutlich noch nie in der Schweiz warst und dich auch noch nie näher damit befasst hast. Die Städte in der Schweiz haben durchweg den Ruf, sehr autoUNfreundlich zu sein und der Politik in den Städten wird gern nachgesagt, Autos zu hassen.

In der Tat ist es so, dass Trams und Busse in der Regel nie lange vor Ampeln warten müssen, weil ihnen diverse Vorrangschaltungen zur Übersteuerung der Ampelphasen zur Verfügung stehen. Ebenso sind auch für Fussgänger die Wartezeiten üblicherweise kurz und Autofahrer sehen immer nur kurze Grünphasen und grüne Wellen schon gar nicht. Dagegen warte ich in deutschen Städten manchmal ewig, dass es für Fussgänger grün wird. Da scheint mir doch deutlich mehr das Auto Vorrang zu haben als in Schweizer Städten.

Was die Veloinfrastruktur anbelangt, so haben wir in der Schweiz ein topographisches Phänomen namens Berge und Hügel. Das macht Velofahren sehr unattraktiv, wo viele Steigungen existieren. Weil eben auch die gebauten Städte nicht viel Platz übrig haben, sind auch schnell mal viel mehr finanzielle Mittel nötig, um Unter- und Überführungen zu realisieren. Mit denselben Geldmitteln wie anderswo kommt man bei uns somit nur auf ein Bruchteil desselben Ergebnisses. Derzeit haben allerdings sämtliche Städte ihre Budgets fürs Veloinfrastrukturen deutlich erhöht.

Meine Stadt hat einen Velokorridor quer durch die Stadt beschlossen. Nur schon dieser eine Teil am SBB Sittertobelviadukt kostet 5.3 Mio CHF: https://www.stadt.sg.ch/news/stsg_medienmitteilungen/2021/09/sbb-sitterbruecke--verbrei...
Und damit kann man etwa erahnen, wieviel Geld da noch nötig ist zum die ganze Stadt so durchqueren zu können. Die Planungen für weitere Projekte laufen. Für eine Stadt mit 80‘000 Einwohnern ist das schon nicht zu unterschätzen.


Grüsse aus dem IR 13.

--
[image]

Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.

so schlecht ist der ÖV i.d. Schweiz halt relativ betrachtet

Aphex Twin, Samstag, 23.07.2022, 14:00 (vor 1356 Tagen) @ Twindexx

Der Beweis zeigt sich in den höheren gefahrenen PKW-Kilometern in der Schweiz pro Kopf oder auch in dem anderen Schweiz-bezogenen njb-Vlog, wo ziemlich offensichtlich wurde, dass in den meisten schweizerischen Städten das Auto weiterhin großen Vorrang im Straßenraum hat. Nach meinem Eindruck sind viele deutsche Städte da schon viel weiter (und viele dänische und die meisten niederländischen sowieso).

Auch dieser Teil lässt mich vermuten, dass du vermutlich noch nie in der Schweiz warst und dich auch noch nie näher damit befasst hast. Die Städte in der Schweiz haben durchweg den Ruf, sehr autoUNfreundlich zu sein und der Politik in den Städten wird gern nachgesagt, Autos zu hassen.

Dies ist alles relativ, es hat sich in letztet Zeit schon einiges verändert, aber dennoch ist die Schweiz was die Veloinfrastruktur angeht den Niederlanden und Dänemark einige Jahre hinterher. Es braucht eben Zeit und Geld (ersteres auch um die Einstellung der Menschen zu verändern) und die Schweiz hat erst etwas später angefangen.

Was die Veloinfrastruktur anbelangt, so haben wir in der Schweiz ein topographisches Phänomen namens Berge und Hügel. Das macht Velofahren sehr unattraktiv, wo viele Steigungen existieren. Weil eben auch die gebauten Städte nicht viel Platz übrig haben, sind auch schnell mal viel mehr finanzielle Mittel nötig, um Unter- und Überführungen zu realisieren. Mit denselben Geldmitteln wie anderswo kommt man bei uns somit nur auf ein Bruchteil desselben Ergebnisses. Derzeit haben allerdings sämtliche Städte ihre Budgets fürs Veloinfrastrukturen deutlich erhöht.

Allerdings haben Elektrovelos das topographische Phenomenon deutlich nivelliert (dass es in der Schweiz generell für alle Arten von Verkehrswegen tendenziell mehr Brücken und Tunnel benötigt bleibt davon unberührt). Wo ich lebe haben inzwischen geschätzt 80% der Velos eine elektrische Unterstützung.

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