Chaos in Stuttgart (Aktueller Betrieb)
Mike65, Samstag, 09.07.2022, 18:28 (vor 1465 Tagen)
Bin gerade in Bietigheim-Bissingen gestrandet, wollte eigentlich über S-HBf nach Ulm. Der Bahnhof ist brechend voll und keiner weiß wie es weiter geht. Ich versuche mal mit dem RE12 nach Esslingen zu kommen. Unklar, ob er dort hält. So ein Chaos habe ich noch nie erlebt. Das alles wegen einer defekten Oberleitung?
! Der Fernzug TGV 9579 soll ab Esslingen um 21:36 Uhr
GUM, Samstag, 09.07.2022, 20:42 (vor 1465 Tagen) @ Mike65
Richtung Ulm Hbf, München Hbf verkehren.
Lt. bahn.de, ohne Gewähr
Bild folgt. Hoffe das hilft weiter.
Liebe Grüße
GUM
--
Sicherheitshinweis: Lassen Sie Ihre Politiker nicht unbeaufsichtigt!
Security advice: Don't leave your politicians unattended!
Bild anbei
GUM, Samstag, 09.07.2022, 20:49 (vor 1465 Tagen) @ GUM
bearbeitet von GUM, Samstag, 09.07.2022, 20:50
Hallo Mike65,
wenn es auf die Ankunftszeit nicht unbedingt ankommt, könntest Du vielleicht TGV fahren.
Nehme mal an die Zugbindung bei der Großstörung lässt Du aufheben.
https://abload.de/image.php?img=zusatzhalt_20220709_2cejqr.jpg
Quelle: bahn.de
Liebe Grüße
GUM
--
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Chaos? Weil Züge nicht fahren???
Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Samstag, 09.07.2022, 21:26 (vor 1465 Tagen) @ Mike65
bearbeitet von Der Blaschke, Samstag, 09.07.2022, 21:27
Hallo.
So ein Chaos habe ich noch nie erlebt.
Dann kannst du noch nicht viel Bahnfahrerfahrung haben.
Das alles wegen einer defekten Oberleitung?
Warum nicht? Wenn die sich an einer strategisch günstigen Stelle verabschiedet ...
Zu hinterfragen ist vielmehr: wo kommen denn die mittlerweile ständigen Oberleitungs- und Weichenstörungen her; die technischen Störungen am Zug. Spart der Konzern bis es quietscht? Fehlt überall Wartungspersonal? Ersatzteile? Und wie will der Konzern darauf reagieren? Is halt so?!
Ja, dazu liest man von der Plüschetage keine Pressemitteilungen, vom "Tal der Tränen"-Gequassel mal abgesehen. Aber wie soll auch was kommen? Man muss ja erstmal hinterfragen, wieviel Ahnung und Wissen sie überhaupt haben. Wo sie vorrangig mit ihren Ränkespielchen beschäftigt sind. Und natürlich damit, wie man wo am besten Geld abgreift. Was völlig wirkungslos in einer Art schwarzem Loch verschwindet. Oder sie lassen Geschenkboxen verteilen.
Da gibt es mittlerweile nichts mehr zu retten. Der Peak ist bald erreicht und dann geht es unrettbar direkt ab in den Zusammenbruch. Hat den großen Vorteil, dass Dinge, die sonst vom Bahnverkehr von hinterafrikanischen Chaosstaaten bzw anderen exotischen Ländern berichtet werden, zunehmend hierzulande zu erleben sind. Und dafür sind dann die Flüchtlinge geflüchtet - mein Mitgefühl ...
Kurzum: solch "Chaos" wirst du sicher noch öfters erleben. Gewöhne dich dran! Und nenne es nicht 'Chaos'!
Schöne Grüße von jörg
Chaos? Weil Züge nicht fahren???
Mike65, Sonntag, 10.07.2022, 12:28 (vor 1465 Tagen) @ Der Blaschke
Das Hauptproblem war das fehlende Krisenmanagement. Dass Züge ausfallen, Oberleitungen reißen etc. kommt nun mal gar nicht so selten vor. Ich wundere mich nur, warum es weder ein Krisenzentrum noch einen Notfallplan für so einen Fall zu geben scheint. Da wurden die Passagiere einfach auf einem bereits völlig überfüllten Provinzbahnhof (Bietingen-Bissingen) ausgeladen und sich selbst überlassen. Die Störung dauerte da schon mehrere Stunden.
- Die elektronischen Fahrtzielanzeiger auf den Bahnhöfen und in den Zügen zeigten die Soll- aber nicht die Istfahrstrecke (können die nicht zentral gesteuert werden).
- Die Ansagen empfahlen die S-Bahn nach Stuttgart, die zu diesem Zeitpunkt aber ebenfalls nicht fuhr. Schließlich wurden wir aufgefordert, alternative Verkehrsmittel zu nutzen. Was das sein sollte, wurde nicht erläutert.
- Das Online-Buchungsportal war auch keine Hilfe, lenkte einem auch zunächst noch zum Hauptbahnhof.
Ich bin übrigends über Esslingen mit schlussendlich +160 Minuten mit dem verspäteten ICE611 in Ulm angekommen.
In Esslingen war bereits ein weiterer ICE Richtung München verendet, so dass der 611er
Bahn und Chaos: so kommt man durch als Kunde!
Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Sonntag, 10.07.2022, 23:41 (vor 1464 Tagen) @ Mike65
Hallo
Das Hauptproblem war das fehlende Krisenmanagement. Dass Züge ausfallen, Oberleitungen reißen etc. kommt nun mal gar nicht so selten vor. Ich wundere mich nur, warum es weder ein Krisenzentrum noch einen Notfallplan für so einen Fall zu geben scheint.
Gibt es bestimmt. Aber jede Störung hat ihre Besonderheiten. Und selten tritt sie exakt an derselben Stelle nochmal auf. Wieviele Pläne für jeden Ort zu jeder Uhrzeit müßte es geben? Und wer koordiniert all die jeweiligen Beteiligten?
Hinzu kommt: niemand will reichlich Personal für Störungsmanagement vorhalten. Kostet teuer Geld - und wenn's läuft, wären sie ja ohne Beschäftigung. In größeren Störungsfällen sind sie dann aber natürlich hoffnungslos überfordert.
Nur mal ein Bsp.: gaaaanz früher mal blieb ein Zugteam im FV die gesamte Schicht zusammen. Alle 3 oder 4 hatten eine identische Schicht. Muß man umplanen, muss man es EINMAL für alle 4. Heute haben von den 4 dann 3 oder auch alle unterschiedliche Pläne. Hier steigt einer zu, da eine ab, woanders wechselt der Zugchef. Usw. Im Störungsfall muss man also statt einem dann drei oder vier Schichten neu koordinieren. Aufwand vervielfacht also. Dass das bei größeren Unregelmäßigkeiten ins Chaos führt, sollte einleuchten.
Schließlich wurden wir aufgefordert, alternative Verkehrsmittel zu nutzen. Was das sein sollte, wurde nicht erläutert.
Muss man im Raum Stuttgart erläutern, welches Verkehrsmittel das zuverlässigste und geeignetste ist???
[*]Das Online-Buchungsportal war auch keine Hilfe, lenkte einem auch zunächst noch zum Hauptbahnhof.
Im Störungsfall gibt es eine wichtige Grundvorgehensweise:
VERLASSE DICH NIE, NIE, NIEMALS AUF DAS, WAS DIE BAHN VERKÜNDET!!!!Egal, welche übrigens .... Und egal, über welche Kommunikationswege..
Du musst lernen, alleine klarzukommem. Lage möglichst selbst checken. Auswirkungen abschätzen. Selbst handeln.
Als Profi und langjähriger Bahnfahrer muss man das können - zumindest ich erwarte sowas einfach. Neulinge und Amateure sind verloren; ist so, und nicht zu ändern.
Ansonsten hilft meistens: Geduld haben. Einfach 2 oder 3 Stunden warten und die Sache hat sich entweder erledigt oder man blickt durch, wie es weitergeht.
Ich find das ja total irre, dass man neuerdings wieder auf das gute alte UNBESTIMMT VERSPÄTET zurückgreift. Nicht immer irgendwelche Exaktheit vorgaukelnden Prognosen mit Uhrzeiten und so. Letztens noch gehört: die Weiterfahrt verzögert sich um unbestimmte Zeit. BASTA. Gefällt mir. Klar, für die Terminjunkies - jeder der wichtigste - ein Horror: platzt der Termin, entgehen ihm Billiarden. Und die Menschheit stirbt aus. Trotzdem überleben sie dann ...
Ich schrieb der DB vor bestimmt 15 oder eher 20 Jahren mal, wie Bahnfahren funktioniert - ich hatte das damals schon verstanden:
FAHRE FRÜHZEITIG LOS, PLANE REICHLICH ALTERNATIVEN, UND ERWARTE NIEMALS, DEN NÄCHSTEN ANSCHLUSSZUG ZU BEKOMMEN.
Die DB ergänzte in ihrer Antwort, dass eine Prise Humor manchmal auch hilfreich sei.
Ich bin übrigens über Esslingen mit schlussendlich +160 Minuten mit dem verspäteten ICE 611 in Ulm angekommen.
Na bitte! Sag ich den Kunden mittlerweile auch immer eindringlich: Sie werden ankommen! Später wahrscheinlich oder auch viel später - aber Sie kommen an!
Dann schauen die mich meistens entgeistert an. Aber Gegenargumente haben sie keine parat ...
Schöne Grüße von jörg
Ursache? (mL)
bendo, Sonntag, 10.07.2022, 21:29 (vor 1464 Tagen) @ Mike65
Hallo,
kennt jemand nähere Details zur Ursache und weiteren Zusammenhängen?
Es gibt hierzu einen Artikel mit dem präzisen wie interessanten Titel "Wie legt eine defekte Oberleitung einen ganzen Bahnhof lahm?"
Demzufolge hat sich Folgendes ereignet:
- "defekte Oberleitung" (Abs. 2, Satz 1)
- "Kurzschluss in der Oberleitung" (Abs. 3, S. 1)
- "brennende Oberleitung" fällt offenbar neben einen Zug (Abs. 3, S.2)
- "defektes Stellwerk (Abs. 2, S. 3)
- Beschädigung "zahlreicher Elemente der Leit- und Sicherungstechnik"... (Abs.2, S.4)
- ...z.B. "Signale", "Weichen", "Stellwerkstechnik" (Abs.2, S.4)
Leider gibt der Artikel damit nicht wirklich technischen Aufschluss. Vielmehr ergeben sich mir weitere Fragestellungen:
- "Kurzschluss" der Oberleitung kann ich mir noch irgendwie zusammenreimen: Ich stelle mir da ein wie auch immer gearteter Masseschluss zwischen Oberleitung (Phase L) und Schiene (Masse/N-Leiter) oder einer anderen Masse vor. In so einem Fall nehme ich an, öffnet irgendein Schalter (Sicherung) und bestimmte Bereiche sind stromlos. Wo war dieser Bereich? Wo war genau der Schadensort (ich war heute per Bahn in S, konnte aber nirgends eine "Unfallstelle" ausmachen?
- Dass eine (aus Kupfer bestehende) Oberleitung funkensprüchend verdampft, kann ich mir vorstellen. Dass sie "brennend" herunter fällt, dagegen nicht. Was soll da brennen?!
- Inwiefern sind Leit-/Sicherungstechnik mit dem Bahnstromnetz gekoppelt, so dass sich ein Netzfehler auch dorthin auswirkt?
- Was genau können Folgefehler an "Weichen" sein? Vermutlich auch Leittechnik/Sicherung, Antriebe o.a. elektr. Komponenten?
Vielleicht kann mir ja ein technisch bewanderter Insider meine Fragen beantworten ;-)
Danke und Gruß, bendo
Ursache? (mL)
andreas, Donnerstag, 14.07.2022, 10:55 (vor 1461 Tagen) @ bendo
Naja, die 'brennende Oberleitung' war vermutlich eher ein länger brennender Lichtbogen; die Angelsachsen nennen sowas ja 'electric fire'. Das läßt schonmal vermuten, daß das Netz den Kurzschluß nicht gleich erkannt und abgeschaltet hat.
Und daß die Stellwerkstechnik in Mitleidenschaft gezogen wird, passiert, wenn die Oberleitung noch eingeschaltet auf einen Kabelkanal oder offen liegendes Kabel fällt; dann fließt der Kurzschlußstrom erstmal in die Stellwerkstechnik und richtet dort und in den angeschlossenen Komponenten Unheil an.
Im Bahnumfeld ist ja alles, was aus Metall und nicht spannungsführend ist, geerdet: Lampenmasten, Geländer, Bahnsteigdächer. Damit, wenn die Oberleitung runterkommt, es gleich einen direkten Kurzen nach Erde gibt und nicht erst alles unter Spannung steht - und der Kurzschlußstrom so hoch ist, daß die Schutzschalter es bemerken.
Die bahnüblichen Oberleitungs- und Erdungsquerschnitte sind übrigens so groß, daß sie unter Kurzschlußstrom nicht gleich schmelzen - das dauert mindestens eine Weile. Nur dort, wo der Lichtbogen eintritt, sieht es anders aus; dort kann die Oberleitung schnell so warm werden, daß sie unter ihrer mechanischen Spannung reißt.
Das seltsame hier: Normalerweise reißt die Oberleitung unter dem Einfluß eines durchfahrenden Zuges und fällt auf selbigen, der gut geerdet ist, und der Strom ist weg. Daß sie noch auf dem Boden Dinge zerbraten kann, war mir noch nicht untergekommen.
- Andreas