Vom Monte Generoso ins Ilztal – 5/5 | 54 Bilder (Reiseberichte)

TD, Samstag, 11.06.2022, 17:29 (vor 1377 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum fünften und letzten Teil unserer Rundfahrt durch die Schweiz, Italien, Österreich und Süddeutschland. Im vierten Teil waren wir von Wien nach Wels gefahren, hatten die Aschauer Bahn besucht und die letzte Etappe auf der Donau bis Passau zurückgelegt. Geendet hatte der vierte Teil mit der Enttäuschung, dass die Fahrt auf der Ilztalbahn nicht geklappt hatte.

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Zwei Wochen nach der ursprünglichen Reise war ich dann nochmals nach Passau gefahren, um den letzten Teil der Tour nachzuholen. Das hängen wir nun einfach an den bisherigen Reisebericht an und tun so, als hätte die Rundfahrt wie geplant stattgefunden.


Tag 4: Passau – Freyung – Grafenau – Zwiesel – Plattling – München – Ulm – Radolfzell - Konstanz

Wir haben uns für die 11-Uhr-Abfahrt der Ilztalbahn entschieden, somit bleibt ausreichend Zeit, um uns in Passau umzusehen. Wir beginnen am Residenzplatz, das übernächste Bild zeigt den Dom St. Stephan.

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Weiter geht es über die Marienbrücke auf die andere Seite des Inns, hier sehen wir die beiden Türme der ehemalige Jesuitenkirche St. Michael. Auf der anderen Seite liegt die Innstadt, der Stadtteil von Passau wird auf der einen Seite durch den Inn, auf der anderen Seite durch die Grenze zu Österreich umschlossen.

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„Innstadtbahnhof“ – das klingt doch interessant. Einen Bahnhof findet man hier jedoch nicht mehr, aber ein Bahngleis. Direkt am Inn verläuft die Bahnstrecke Passau-Voglau–Hauzenberg. Die knapp 24 Kilometer lange Strecke verlor 1970 den Personenverkehr, 2001 wurde der restliche Verkehr eingestellt, 2007 wurde die Strecke stillgelegt.

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Bekannt ist die Strecke auch unter dem Namen Granitbahn. Diese Bilder stammen von unserem Besuch im Oktober 2019. Im Jahr 2020 begann die Reaktivierung der Strecke, im August 2020 befuhr erstmals wieder ein Personenzug die Teilstrecke von Passau bis Rosenau. Parallel gibt es Pläne, Teile der Strecke zu asphaltieren und als Teststrecke für autonome Shuttlebusse zu nutzen.

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Hier sind wir weiter östlich und blicken vom Innsteg auf die Strecke. Beim nächsten Bild geht der Blick zu Füßen der Kirche St. Severin nach Osten, wenige hundert Meter weiter trifft die Granitbahn in der Passauer Voglau auf die Bahnstrecke Wels-Passau.
Ich drücke der Bayerischen Regionaleisenbahn und dem Förderverein die Daumen, dass es gelingt, die Strecke nach dem Vorbild der Ilztalbahn zu beleben und komme gerne wieder, um die Strecke auch als Fahrgast zu erleben.

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Nun machen wir uns langsam auf den Weg zum Bahnhof. Hier blicken wir innaufwärts zur Kaiserin-Elisabeth-Brücke, die von Zügen der Strecke Wels-Passau befahren wird. Sie wurde auch von den Zügen der Granitbahn befahren, dabei wurden die Züge rückwärts aus dem Hauptbahnhof über die Brücke bis zur Haltestelle Voglau geschoben, nach dem Kopfmachen ging es von dort vorwärts weiter nach Hauzenberg. Mit dem nächsten Bild verabschieden wir uns von der Altstadt von Passau.

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So, jetzt wird es spannend. Ich hatte im letzten Teil berichtet, dass schon zwei meiner Anläufe zu einer Mitfahrt mit der Ilztalbahn fehlgeschlagen waren. Ich hoffe doch sehr, dass der dritte Versuch nun von Erfolg gekrönt ist.

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Juchu, es sieht gut aus! Die Ilztalbahn besitzt keine eigenen Fahrzeuge für den Personenverkehr, sondern mietet diese an. Zum Einsatz kommt heute ein Regioshuttle der Waldbahn. Die Ilztalbahn fährt von Passau nach Freyung, die knapp 50 Kilometer lange Strecke ist auch als Untere Waldbahn bekannt.

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Der Zug fährt zunächst auf der Hauptstrecke Richtung Regensburg nach Westen, nach etwa zwei Kilometern zweigt die Ilztalbahn nordwärts ab und überquert auf der Kachletbrücke die Donau. Hier sehen wir das Kraftwerk Kachlet.
Die weitere Fahrt führt hinauf in den Bayerischen Wald, wo die Bahnstrecke auf den Fluss Ilz trifft.

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Ein längerer Streckenabschnitt verläuft reizvoll durch das Ilztal, anschließend folgt die Bahn der Wolfsteiner Ohe. Hier blicken wir über den Nebenfluss der Ilz hinauf zum mittelalterlichen Schloss Fürsteneck. Die Strecke folgt weiterhin einem Flusslauf, das ist nun der Osterbach.

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Die Bahnstrecke von Passau nach Freyung wurde 1892 vollendet. Neben dem Personenverkehr diente die Strecke insbesondere dem Granit- und Holztransport aus dem Bayerischen Wald. Für eine Saison gab es 1979 Fernverkehr auf der Strecke, als der Alpen-See-Express von Dortmund bis Freyung verkehrte, er wurde im Folgejahr Richtung Zwiesel umgelegt. Im Jahr 1980 begann die Reduzierung des Personenverkehrs, 1982 übernahmen Bahnbusse. Der Güterverkehr nahm ab, das Augusthochwasser 2002 besiegelte den Niedergang und 2005 wurde die Strecke stillgelegt.
In der Folge gründeten sich zwei Fördervereine, einer für die Umwandlung der Bahnstrecke in einen Radwanderweg, einer für die Wiederaufnahme des Schienenverkehrs. Letztendlich setzten sich die Bahnbefürworter durch, mit viel ehrenamtlichem Engagement gelang es, bis 2011 die Gesamtstrecke wieder zu eröffnen und einen saisonalen Wochenend- und Feiertagsverkehr zu etablieren.

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Bei Bruckmühle quert die Bahnstrecke den Osterbach, dabei fällt der Blick auf die denkmalgeschützte Steinbogenbrücke mit dem Brückenkapellchen St. Johann von Nepomuk in Brückenmitte. Auf der Fahrt in den Bayerischen Wald überwindet die Bahn rund 340 Höhenmeter, im letzten Abschnitt verlässt die Bahn das Flusstal und führt durch offene Landschaft.

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Die Fahrt endet im Bahnhof von Freyung. Der Bahnhof wurde seinerzeit so angelegt, dass eine Weiterführung der Bahnstrecke in Richtung Grafenau möglich gewesen wäre. Eine solche Querverbindung durch den Bayerischen Wald scheiterte jedoch an den Grafenauern, die sich durch eine andere Trassenführung mehr Vorteile versprachen. Auch andere Pläne für weitere Verbindungen konnten sich nicht durchsetzen, so dass die Ilztalbahn eine Stichstrecke blieb.

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Die 7.000-Einwohner-Stadt Freyung liegt im Südosten des Bayerischen Waldes unweit der Grenze zu Tschechien und Österreich. Hier sind wir am Stadtplatz und blicken zur Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt.

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Da auch die Bahnstrecke Zwiesel-Grafenau noch in meiner Sammlung fehlt, will ich das zu einer Rundfahrt kombinieren. Die Schienenlücke müssen wir nun wohl oder übel mit dem Bus überbrücken, mit dem Schnellbus geht es in etwa 30 Minuten von Freyung nach Grafenau.

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Auch in Grafenau bleibt etwas Zeit für eine kleine Runde durch den Stadtkern. Grafenau erlangte 1376 die Stadtrechte und ist damit die älteste Stadt des Bayerischen Waldes. Auf dem Stadtplatz grüßt St. Johann von Nepomuk.
Das nächste Bild zeigt das ehemalige Rathaus und Amtsgericht, es wurde 1845/46 erbaut unter Einbeziehung älterer Bauteile.

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Schließlich wenden wir uns dem Bahnhof zu, er ist Endstation der Strecke aus Zwiesel. Empfangsgebäude und Güterhalle wurden um 1895 errichtet, sie werden heute anderweitig genutzt. Seit der letzten Modernisierung im Jahr 2008 gibt es nur noch ein Gleis. Auf der Strecke findet regulären Personenverkehr statt, die Waldbahn fährt mit Regioshuttle-Triebwagen.

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Die Nebenbahn von Grafenau nach Zwiesel ist knapp 32 Kilometer lang, sie ist eingleisig und nicht elektrifiziert. Als die Strecke 1890 in Betrieb genommen wurde, lag der Schwerpunkt auf der Förderung der lokalen Glas- und Forstindustrie. Vor uns liegt eine gemütliche Landpartie durch den Bayerischen Wald.

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Die Fahrt mit Ilztalbahn und Bus von Passau nach Zwiesel ist ganz reizvoll – aber in den Jahren 1953 bis 1957 wäre das bestimmt auch ein Erlebnis gewesen, damals fuhr hier der Schienen-Straßen-Omnibus (Schi-Stra-Bus) auf der Linie Passau-Cham: Passau-Grafenau fuhr das Zweiwegefahrzeug auf der Straße, Grafenau-Bodenmais auf der Schiene und dann gab es nochmals zwei Wechsel.

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Interessant wäre auch die Epoche 1980 bis 1987 gewesen, als die Strecke vom Alpen-See-Express aus Dortmund befahren wurde. Einer in den 1980er-Jahren diskutierten Stilllegung entging die Strecke.
Hier sind wir am Bahnhof Frauenau, der mittlerweile nur noch als Haltepunkt fungiert.

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Schließlich erreichen wir den Eisenbahnknoten Zwiesel. Hier blicken wir zunächst auf den Ort mit der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus. Auf dem nächsten Bild sehen wir das prächtige Bahnhofsgebäude. Wir steigen um auf die Waldbahn nach Plattling.

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Auf der Bayerischen Waldbahn fahren wir wieder hinab zur Donau. Hier queren wir aber erstmal den Fluss Schwarzer Regen, weiter geht die Fahr reizvoll durch den Bayerischen Wald. Bei Grafling windet sich die Strecke durch eine doppelte Kehrschleife um die Höhendifferenz vom Bayerischen Wald ins Donautal zu überwinden.

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Zwischen Deggendorf und Plattling queren wir die Donau, parallel dazu der Donausteg für Fußgänger und Radfahrer. Bis Plattling führt die Strecke anschließend über die Ebene des Gäubodens.

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In Plattling wechseln wir auf einen Regionalzug nach München, hier verkehren Alstom Coradia Continental von DB Regio. Ich mag die Züge nicht sonderlich, weil man hier den Querriegel des Fensters genau auf Augenhöhe hat.

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Die Strecke von Plattling nach München ist landschaftlich eher eintönig, vom Gäuboden über das Isartal bis zur Münchner Schotterebene führt die Strecke meist über weite Ebenen. Für den Bau der Bayerischen Waldbahn wählte man damals bewusst Plattling als Ausgangspunkt, da in der Kombination mit der Strecke durch das Isartal eine attraktive Verbindung von München nach Böhmen entstandt.

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Nein, das ist nicht die Isar. Ganz nett ist die Fahrt durch Freising, wo die Strecke parallel zur Moosach verläuft. Freising ist der letzte Unterwegshalt, bald sind wir in München.

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Der Rest ist nun schnell erzählt, von München fahren wir mit dem Eurocity 216 mit den letzten Sonnenstrahlen nach Ulm, von dort mit baubedingtem SEV nach Laupheim und schließlich mit einem Zug der Baureihe 612 als IRE zurück an den Bodensee.

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Damit sind wir am Ende der kleinen Rundfahrt angelangt, ich hoffe es hat gefallen, danke fürs Mitkommen.
Ich fand das eine schöne Tour aus teilweise traurigem Anlass angesichts der (vorläufigen?) Letztbefahrung von Schweinbarter Kreuz und Aschacher Bahn aber auch mit ermutigenden Beispielen wie der Monte-Generoso-Bahn oder der Ilztalbahn, wo Erhalt bzw. Reaktivierung gelangen.


Viele Grüße und einen schönen Sonntag

Tobias


PS: meine bisherigen Reiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.

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