Vom Monte Generoso ins Ilztal – 2/5 | 55 Bilder (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum zweiten Teil unserer Rundfahrt durch die Schweiz, Italien, Österreich und Süddeutschland. Im ersten Teil hatten wir die Monte-Generoso-Bahn besucht und waren am Abend in Venedig in den Nachtzug nach Wien gestiegen.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/106-MonteGeneroso-Wien-Ilztal/106-000Karte.jpg)
Am zweiten Reisetag wollen wir das Schweinbarther Kreuz erkunden, außerdem stehen die Badner Bahn und der City Airport Train (CAT) auf unserem Programm.
Tag 2: Nachtzug nach Wien – Wien – Obersdorf – Bad Pirawarth – Groß Schweinbarth – Gänserndorf – Wien – Baden bei Wien – Wien – Flughafen - Wien
Wir erwachen im Nightjet auf der Fahrt von Venedig nach Wien irgendwo auf der Westbahn. Gestärkt mit einem Frühstück starten wir in den neuen Tag. Gegen 8 Uhr sind wir in Wien am Hauptbahnhof, wir haben nun einen ganzen Tag zur Verfügung, den wir für verschiedene Ziele im Umkreis der österreichischen Hauptstadt nutzen wollen.
Als erstes wollen wir uns das Streckennetz des Schweinbarther Kreuzes vornehmen, hierzu fahren wir mit der S 2 von Wien nach Obersdorf, zum Einsatz kommt ein Cityjet. Die Fahrt auf der Laaer Ostbahn durch die flache Landschaft des Weinviertels ist unspektakulär.
Hier sind wir nun am Haltepunkt Obersdorf. Die S-Bahn hält oben auf einer Brücke, vom Bahnsteig schauen wir hinab auf den Haltepunkt der Züge nach Bad Pirawarth – einer der Endpunkte des sogenannten Schweinbarther Kreuzes.
Eine Tafel und eine Installation erinnern an die Geschichte der Stammersdorfer Lokalbahn. Die Lokalbahn führte von Stammersdorf an der Stadtgrenze von Wien über Obersdorf nach Groß Schweinbarth. Der Abschnitt von Wien bis Obersdorf wurde 1988 eingestellt, 1995 wurde die Strecke abgebaut und bis 2005 entstand ein Radweg.
Seither ist Obersdorf Endpunkt der Strecke. Die Strecke wird auch als Weinviertel-Landesbahn bezeichnet, sie ist eingleisig und nicht elektrifiziert. Zur S-Bahn bzw. zur Laaer Ostbahn gibt es keine Gleisverbindung. Oben auf der Brücke der Haltepunkt der S-Bahn. Der Haltepunkt liegt im Grünen, der namensgebende Ort Obersdorf liegt einige hundert Meter entfernt.
Und das ist der eigentliche Grund für unsere Reise: der Bahnverkehr auf dem Schweinbarther Kreuz wird zum Jahresende 2019 eingestellt und durch ein „modernes und zukunftsweisendes Regionalbus-Angebot“ ersetzt.
Mittlerweile ist auch der Zug eingetroffen, der Verkehr auf dem Schweinbarther Kreuz wird ausschließlich mit Dieseltriebwagen der Reihe 5047 abgewickelt. Diese Strecke war bereits 1987 das Erprobungsgebiet für die damals neu entwickelten Nebenbahn-Fahrzeuge.
Der verbliebene Rest der Stammersdorfer Lokalbahn von Obersdorf bis Groß Schweinbarth ist gut 17 Kilometer lang, die Strecke führt landschaftlich unspektakulär durch die Ebene des Weinviertels. Es geht recht gemütlich zu, auf dem nächsten Bild erreichen wir den Bahnhof Groß-Engersdorf.
Am Bahnhof Bockfließ findet eine Zugkreuzung statt, als Gegenzug verkehrt ein modernisierter Triebwagen in anderer Farbgebung. Auf der Strecke gab es damals an Werktagen durch zwei überlagernde Linien einen angenäherten Halbstundentakt.
Das Marchfeld wird sowohl über als auch unter der Erde für die Energiegewinnung genutzt. Neben vielen Windrändern…
…wird hier auch Erdöl gefördert, viele Tiefpumpen prägen die Landschaft.
Hier sind wir am Haltepunkt Raggendorf-Markt. Der Ort Raggendorf liegt zwischen den beiden Strecken des Schweinbarther Kreuzes, später werden wir den zweite Haltepunkt auf der anderen Seite des Orts durchfahren.
Zwischen Raggendorf und Groß Schweinbarth laufen die Stammersdorfer Lokalbahn und die Lokalbahn Gänserndorf-Mistelbach zusammen und führen parallel bis Groß Schweinbarth.
Hier erreichen wir den Bahnhof Groß Schweinbarth, den Endpunkt der Stammersdorfer Lokalbahn. Er ist Kreuzungspunkt, Wendemöglichkeit für Züge zwischen Obersdorf und Gänserndorf und Umstiegsmöglichkeit. Der Bahnhof wurde 1906 eröffnet, im Dezember 2019 verliert er den Personenverkehr.
Wir können im Zug bleiben, unser Zug fährt weiter bis Bad Pirawarth. Beim nächsten Bild blicken wir vom Zug auf den 1.300 Einwohner-Ort Groß Schweinbarth mit seiner Pfarrkirche.
Der Streckenabschnitt zwischen Groß Schweinbarth und Bad Pirawarth gehört zur Lokalbahn Gänserndorf-Mistelbach, die ebenfalls eingleisige und nicht elektrifizierte Nebenbahn bildet den zweiten Teil des Schweinbarther Kreuzes. Die bevorstehende Einstellung des Personenverkehrs wirft bereits ihre Schatten, es heißt aufpassen und rechtzeitig den Kopf einziehen…
…denn die Gehölzpflege entlang der Strecke wurde offenbar bereits eingestellt.
Schließlich erreichen wir den Bahnhof Bad Pirawarth, den nördlichen Endpunkt des Schweinbarther Kreuzes. Der niederösterreichische Ort hat rund 1.800 Einwohner, wir nutzen die Zeit bis zur Rückfahrt für ein paar Schritte durch den Ort.
Und hier sind wir wieder zurück am Bahnhof von Bad Pirawarth. Der Bahnhof war nicht immer Endstation, die Lokalbahn aus Gänserndorf führte weiter bis Mistelbach, dieser Abschnitt wurde etappenweise 1988 bzw. 1995 eingestellt. Außerdem begann hier einst eine Bahnstrecke nach Dobermannsdorf, mittlerweile verkehren auf dieser Strecke Nostalgiezüge.
Die Rückleistung verkehrt nur bis Groß Schweinbarth. Die Triebwagen der Reihe 5047 waren von Anfang an für den Einmannbetrieb konzipiert, anfangs noch für den Fahrscheinverkauf durch den Triebfahrzeugführer, später wurden Fahrscheinautomaten eingebaut.
Das verbliebene Reststück der Lokalbahn Gänserndorf–Mistelbach von Bad Pirawarth bis Gänserndorf ist 18 Kilometer lang. Die erste Etappe zurück nach Groß Schweinbarth kennen wir bereits von der Hinfahrt.
Nach sieben Minuten Fahrzeit erreichen wir den Bahnhof von Groß Schweinbarth. Mit dem Triebzug im moderneren Farbkonzept geht es für uns weiter nach Gänserndorf. Der bahnsteiggleiche Umstieg mit einer Übergangszeit von zwei Minuten erinnert mich an die Schweiz.
Ein Warteraum, drei Bahnsteigkanten, ein örtlicher Fahrdienstleiter – alles da. Nur halt keine Fahrgäste. An einem Freitagmittag im September wirkt alles ausgestorben, abschnittsweise sind wir die einzigen Fahrgäste.
Die modernisierten Triebzüge hatten neue blaue Sitzpolster erhalten, außerdem wurden die Trennwände entfernt.
Hier sind wir wieder zwischen Groß Schweinbarth und Raggendorf, nach rechts läuft die Lokalbahn Richtung Obersdorf, über die wir angereist waren. Das übernächste Bild zeigt den zweiten Haltepunkt von Raggendorf. Bei Zügen, die von Obersdorf nach Gänserndorf fuhren, gab es hier die kuriose Situation, dass sie erst westlich an Raggendorf vorbefuhren und am Haltepunkt Raggendorf-Markt hielten, dann stichbahnartig nach Groß Schweinbarth fuhren und schließlich östlich an Raggendorf vorbeifuhren und den Haltepunkt Raggendorf bedienten.
Die Lokalbahn Gänserndorf–Mistelbach wurde 1906 eröffnet, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 60 km/h. Auf dem nächsten Bild sehen wir wieder einige der Tiefpumpen, die Erdöl fördern. Wir fahren durch das Matzen-Feld, das ist das größte zusammenhängende Erdölvorkommen Mitteleuropas.
Die glanzvollen Lokalbahnzeiten sind längst vorbei und bald ist hier der letzte Zug abgefahren. Das Bahnhofsgebäude von Matzen ist bereits verrammelt. Das nächste Bild zeigt das Bahnhofsgebäude von Prottes mit einem ehemaligen Anschluss zu einem Gewerbebetrieb.
So langsam nähern wir uns dem Ende der Fahrt. Die Zukunft scheint hier wohl eher auf der Straße zu liegen. Den Ausflug zum Schweinbarther Kreuz fand ich sehr interessant, nur einige Kilometer außerhalb von Wien trifft man hier auf eine ganz eigene Welt im Weinviertel. Bald erreichen wir Gänserndorf.
In Gänserndorf trifft die Strecke der Lokalbahn auf die Nordbahn, die Hauptbahn führt von Wien nach Břeclav. Mit einem doppelstöckigen Regionalzug fahren wir von Gänserndorf nach Wien.
Wir fahren zunächst über die weite Ebene des Marchfelds, dann über die Neue Donau und später über den Donaukanal durch Wien.
Hier sind wir schließlich wieder in Wien. Während der Sanierung des Rathauses gibt es dort die größte Kunstinstallation Österreichs zu sehen mit einem Werk des Künstlerduos Ashley Hans Scheirl und Jakob Lena Knebl.
Wir machen jetzt einen Schnitt, in den nächsten folgt der dritte Teil, darin widmen wir uns der Badner Bahn und dem CAT.
Viele Grüße
Tobias
--
"Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/