Ich hatte hier ja schon mal über die inzwischen recht verwirrenden Tarife im südwestlichen Ländle geschrieben.
Die ja nicht von "der Bahn" gemacht werden, sondern vom Bundesland BW.
Gerade habe ich im Zug nach Basel eine erregte Diskussion zwischen der Zugbegleiterin und einer jungen Dame mitbekommen, die angeblich das erste Mal mit der Bahn in Deutschland unterwegs war.
Klar, hätte ich an ihrer Stelle auch behauptet.
Letztere hatte sich extra die Jubiläums-Bahncard geholt und war mit einem BW-Abo-Ticket unterwegs. Auf die Frage nach der Abo-Karte zeigte sie die Bahncard vor. Nun gabe es einen heftigen Streit, da die Dame partout behauptete, ein Abo abgeschlossen zu haben: "Ist die Bahncard denn kein Abo?" und "Halbtax ist doch auch ein Abo". Letztlich ließ die Zugbegleiterin sie großzügigerweise weiterfahren, mit weniger Nachsicht hätte es auch 60€ kosten können.
Ich hatte ja keine Ahnung von den Bedingungen, und hab daher einfach kurz gegoogled. Heraus kommt
bwEINFACH ABO.
Als Inhaber*in eines bwtarif-Abonnements (bwABO, bwJOB) oder einer Jahreskarte (bwJAHR) können >Sie ab sofort beim Kauf von bwtarif-Einzeltickets sparen. Wenn Sie auf einer >verbundüberschreitenden Strecke unterwegs sind, die nicht durch Ihre Zeitkarte abgedeckt ist, >bezahlen Sie für das Einzelticket nur den halben Preis. Zeitkarten der Verkehrsverbünde und >das JobTicket BW berechtigen nicht zum Kauf des bwEINFACH ABO bzw. bwHIN UND ZURÜCK ABO.
wo sogar ganz klar die Zeitkarten der Verbünde ausgeschlossen und lediglich bwABO und bwJOB zugelassen werden. Jubiläumsbahncard hat da nichtmals ansatzweise eine Ähnlichkeit mit, selbst wenn man nicht gemerkt hätte, dass die BC kein Ticket ist.
Und woher würde die Info zum Ticket sonst stammen? Andere Quellen geben wohl entweder gar keine Infos, so dass man auch nicht weiß das man überhaupt ein Abo dazu braucht, oder die gleichen.
Die Nachsicht war also völlig unangebracht, genauso wie die Diskussionen. 60er verteilen, verweigert sie die Personalien rückt die Bundespolizei an, fertig.
Es ist schon das zweite Mal, dass ich so eine Diskussion erlebe, meiner Meinung nach hat sich die Bahn das Problem selber eingebrockt, indem sie den Abo-Tarif gleich an erster Stelle der Ticketoptionen auflistet, ohne genau zu erklären, welches Abo dazu nötig ist. Meiner Meinung nach sollten Angebote, die sich an einen eingeschränkten Personenkreis richten, nicht unter den normalen Ticketangeboten erscheinen. Die betreffenden Personen kann man auch explizit informieren bzw. die Abo-Nummer beim Ticketkauf abfragen. Beim BW-Ticket-Young wird das inzwischen auch gemacht.
Wer ist "die Bahn" für dich? Wo ist der Tarif aufgelistet, und mit welchen Infos genau? Und wer hat die Vorgaben dazu gemacht? ich bezweifle mal stark, dass DB Vertrieb da überhaupt einen Einfluß drauf hat.
Und in Zukunft willst du also alle Kinder, Senioren, etc. gezielt über ihre Angebote informieren, aber am Autpmaten nicht mehr drauf hinweisen sondern die Tickets am besten nur unter Eingabe einer Code-Nummer erstellen? Das ist wohl kaum besser zu durchblicken. Wenn die Beschreibung am Automaten wirklich schlechter als das oben von der Website zitierte ist, dann muß eben bei der Beschreibung nachgebessert werden. Wie man sieht braucht es da auch keine Romane für.
Abo-Nr abfragen ist ja schön und gut, die müsste dann aber auch validiert werden können. Dafür brauchts dann wieder online-Verbindung, Anbindung an Fremdsysteme, etc., denn sonst wird dort halt die BC-Nr eingetippt. Beim bwTicket young wird vermutlich nur das Alter abgefragt, nicht der Personalausweis eingelesen um es zu verifizieren.
Vielleicht will man mit besonders niedrigen "ab...€" Preisen locken, letztendlich führt das beim Kunden aber eher zu Enttäuschung und Ärger, wenn er dann feststellt, dass die Fahrkarte dann doch viel teurer ist.
Wer am Automaten steht hat sich doch schon für die Bahn entschieden in den allermeisten Fällen.