Polens prächtige Perlen in der Pandemie-Plage – Juni 1/3 (Reiseberichte)
Eigentlich wäre der Plan gewesen, dass ich gleich am Sonntag nach Auschwitz gefahren wäre. Der Eintritt in Auschwitz ist kostenlos, wirklich etwas sehen kann man aber nur mit einer Führung, die gleich mal fast 20 € kostet (es gibt in Polen wenige Dinge für Touris, die so teuer sind^^). Die Führung sollte besser vorab online reserviert werden, gerade wenn man auf eine deutschsprachige aus ist. Und das Reservierungssystem war Samstagabend tot. Hätte das dämliche Reservierungssystem funktioniert, wäre ich gar nicht am Sonntag in der dämlichen Franziskanerbasilika gewesen und hätte mir gar nicht das dämliche Knie gestoßen! -.-
Ich disponierte um, legte Auschwitz auf den Montag und reservierte gleich Sonntag früh die Führung zur exakt passenden Zeit. Nach der Rückkehr aus Auschwitz wollte ich nach Lublin weiterfahren.
Nachts um 2 stellte ich deprimiert fest, dass ich für diesen Urlaub erstmals nicht einmal Schmerzmittel eingepackt hatte. -.- Scheiße wenn man alt wird! Sowas kannste halt auch niemandem erzählen. :D
Spätestens jetzt war mir klar, dass ich nicht in 4½ h nach Auschwitz aufbrechen würde, denn ich würde definitiv nicht an der 3½-stündigen Führung teilnehmen können. Das Geld für die Führung war natürlich weg. -.-
Ich blieb morgens noch länger als geplant im Hotelzimmer und ging dann am Vormittag zum Bahnhof, wo ich erstmal die Fahrkarten nach Auschwitz zurückgab und die nach Lublin auf vormittags umbuchte. Immerhin war das wohl weitestgehend ohne Gebühren möglich. In der Apotheke bekam ich eine Salbe gegen Schwellungen. Wenn’s nicht hilft, dachte ich mir, hole ich mir beim Umsteigen Ibuprofen.^^ Ich weiß ja, dass die osteuropäischen Medikamente krass sind und von der Dosierung eher auf Pferde ausgelegt denn auf Menschen. Aber diese Brühe faszinierte mich völlig! Nur mit dem bloßen Auftragen der Salbe, selbst vor dem Verschmieren, sanken die Schmerzen schlagartig und immens auf ein zumindest erträgliches Niveau. Laufen ging zwar immer noch nicht gut (zumal mit Koffer), aber wenigstens war es nicht mehr zum Verrücktwerden. Praktischerweise erlaubten die Temperaturen eine kurze Hose (trage ich eher selten^^).
Meine neue Verbindung nach Lublin war zunächst von Krakau 1:50 h bis Kielce, dort knapp 2 h Umsteigezeit. Wenn es richtig schlecht läuft, kann in Polen selbst so ein Anschluss schiefgehen. :D Der IC nach Kielce entpuppte sich als Flirt. Die Stimme für die englischsprachigen Seuchenansagen von PKP ICCC…CCC war glaube ich dieselbe wie bei Trenitalia. :D Der Zub machte eine Willkommensansage und sagte den nächsten Halt samt Anschlussinfos durch – alles einsprachig. Der nächste Halt wurde auch automatisch (PL & EN) durchgesagt.^^ Bevor mein Zug das Stadtgebiet von Krakau verlassen hatte, blieb er schon das erste Mal stehen. :D Bald ging es schon wieder weiter, von dieser einen Aktion abgesehen verlief die Fahrt pünktlich. Kielce ist die Hauptstadt der Woiwodschaft Heiligkreuz (die 16 Woiwodschaften sind vergleichbar mit den deutschen Bundesländern, aber ohne entsprechende weitgehende Befugnisse in der Gesetzgebung). Mit fast 200.000 EW ist die Stadt alles andere als klein, aber am dermaßen hässlichen Bahnhof gab es keinen einzigen Aufzug und keine einzige Rolltreppe. -.-
Nachdem ich den Bahnhof hinter mir gelassen hatte, humpelte ich planlos etwas durch die Innenstadt. Von Kielce hatte ich überhaupt keine Peilung, diesmal hatte ich mir nur die Orte angeschaut, in die ich auch tatsächlich kommen würde. Kenntnisse zu Kielce hätten mir aber eh nichts gebracht, da ich eben kaum laufen konnte.^^ Dem Einkaufszentrum namens Galeria Korona stattete ich aus Prinzip keinen Besuch ab. (Eins mit dem Namen „Ta Zaraza“ fand ich nicht.) Schließlich fand ich auf der Karte nicht allzu weit entfernt ein Restaurant, das sich auf Piroggen spezialisiert hatte – Jackpot! *‿*
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95 Langstrecken-Lang-Flirt
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96 Angekommen
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97 Oh mein Gott! Wie hässlich!
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98 Die Hauptachse von Kielce
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99 Lecker!
Anschließend lief ich zurück zum Bahnhof. Mein Zug zur Weiterfahrt war an seinem Startbahnhof Breslau mit etwas mehr als einer Viertelstunde gestartet und hatte sich in seinen gut 3 h Fahrt mittlerweile auf mehr als + 30 hochgearbeitet.^^ Er hatte hier Fahrtrichtungswechsel, die Lok fuhr einmal rundrum. Im letzten Wagen, durch den ich eingestiegen war, war die Klimaanlage ausgefallen, lt. Zugpersonal in meinem Wagen ebenfalls. Man sollte auf die anderen Wagen ausweichen. Ich wies darauf hin, dass die Klimaanlage in diesem Wagen doch funktionierte. (Dass es nach dem Kopfmachen mit Lokumlauf ne Weile dauerte, bis es sich wieder abgekühlt hat, ist ja klar). Die junge Zubine sagte, ach super. Ich begann also, rundrum die Fenster zu schließen, woraufhin ich den vereinigten Zorn der Polen auf mich zog. Ich sagte: „Die Klimaanlage funktioniert doch, aber halt nicht, wenn ihr die Fenster offen habt.“ – „Nein, die funktioniert nicht, ist doch warm hier!“ – „Also an meinem Platz funktioniert sie." Just in dem Moment kommt die Zugchefin vorbei, noch von der alten Schule (Sternzeichen Drache): „Klimaanlage funktioniert nicht, alle Fenster auf!!!“ Bevor die Leute wirklich ihre Mistgabeln rausholten, flüchtete ich in den nächsten Wagen. Da war es natürlich gut voll (Der Seuche gefällt das), nachdem zwei der vier 2.-Klasse-Wagen ohne Klima waren. -.- Die Fahrt führte durch unspektakuläre Landschaft. Östlich von Radom gab es zahlreiche unbeschrankte Bahnübergänge, für die jedes Mal neu auf 30 (?) km/h runtergebremst werden musste. Da könnte man mit wenig Investitionen viel an Geschwindigkeit rausholen. Aber auch Polen baut lieber Autobahnen, während die Bahn immer weiter verkommt. -.- Einmal (nee, öfter^^) stoppte der Zug an einem Bahnsteig im Nirgendwo. Ich vermutete, wir warteten auf einen entgegenkommenden Zug. Aber was weiß ich schon? Ansagen in den Zügen sind grundsätzlich nur auf Polnisch, aber dort kam gar nicht erst eine. Nach ein paar min ging es kommentarlos und ohne Gegenzug weiter. :D Losgefahren waren wir in Kielce mit + 43, nachdem wir in Radom nicht die gesamten planmäßigen 10 min gestanden sind, waren wir zwischenzeitlich mal bei + 27. Vor der Aktion schon wieder bei + 33. Und danach interessanterweise immer noch bei + 33. It’s magic! Offizielle Verspätungsbegründung aus dem PKP-Wunderkasten war übrigens „Bad Weather Conditions“. :D :D :D Gut zweieinhalb Stunden nach Abfahrt in Kielce erreichte mein Zug mit + 35 sein Ziel Lublin. Mit meinem kaputten Knie wollte ich mir zum Hotel nun doch ein Taxi gönnen. Der Fahrer trug selbstverständlich keine Seuchenmaske (immerhin hatte er das Fenster offen^^). Seine Arme waren voll mit Narben, bestimmt gehörte er der örtlichen Mafia an.^^
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100 Putzig!
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101 Da schleicht sich was heran
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102 Die Lok dampft ab
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103 Hier kommt sie zurück
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104 Die Heiligkreuz-Kirche von Kielce in der Woiwodschaft Heiligkreuz
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105 Żółw
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106 Schön hier! Eine Info, warum hier rumstanden, gab’s ebensowenig wie einen Gegenzug^^
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107 Müsste die Weichsel sein
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108 – 109 Nach der Ankunft kurz Züge gucken
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110 Der Bahnhof aus dem Taxi^^
Im Hotel angekommen beobachtete ich noch den Abendzug aus Krakau nach Lublin (via Rzeszów), den ich eigentlich hatte nehmen wollen. Der ist mit + 1 in Krakau los und hatte ohne Begründung am ersten Zwischenhalt + 18. Normalerweise begründet man jeden Scheiß mehr oder weniger geistreich (ich sag nur „Bad weather conditions“), manchmal steht für fast jeden Zwischenhalt was drin.^^ Hinter Krakau hatte er dann gleich 3 x „Rolling Stock Failure“ eingetragen. :D An dem Halt, wo die Kurswagen nach Hrubieszów abgehangen werden, waren eigentlich 15 min Pause, aber da das Abhängen nicht so lange dauert, wurden die natürlich gestrichen, sodass der Zug danach fast pünktlich war. Schön, das wäre meine Esspause gewesen.^^
Von Lublin sind es nur 85 km bis zur weißrussischen Grenze. Zum Glück gibt's in Włodawa keinen Übergang (wobei das dem KGB egal ist – wenn’s sein muss, holen sie einen auch in Warschau ab :-) ).
Ob des wenigen Schlafs in der Nacht zuvor würde ich sicher friedlich schlafen – auch wenn Weißrussland so nah war. ;-) Nachdem die Salbe heute schon einiges geleistet hatte, war ich auch recht zuversichtlich, dass es meinem Knie in den nächsten Tagen schon wieder deutlich besser gehen würde.
Ob dies beides geklappt hat, erfahrt ihr im nächsten Teil. ;-)
So lange grüßt
Das Krümelmonster
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gesamter Thread:
- Polens prächtige Perlen in der Pandemie-Plage – Juni 1/3 -
Krümelmonster,
10.03.2022, 19:33
- Polens prächtige Perlen in der Pandemie-Plage – Juni 1/3 -
Krümelmonster,
10.03.2022, 19:33
- Polens prächtige Perlen in der Pandemie-Plage – Juni 1/3 - Krümelmonster, 10.03.2022, 19:33
- Vielen Dank für Deinen Bericht!
-
heinz11,
11.03.2022, 18:16
- Immer wieder gern ;-)
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Krümelmonster,
12.03.2022, 19:04
- Immer wieder gern ;-)
- Polens prächtige Perlen in der Pandemie-Plage – Juni 1/3 -
Sören Heise,
12.03.2022, 10:35
- Polens prächtige Perlen in der Pandemie-Plage – Juni 1/3 - Krümelmonster, 12.03.2022, 19:04
- Polens prächtige Perlen in der Pandemie-Plage – Juni 1/3 -
Krümelmonster,
10.03.2022, 19:33