RhB-Trilogie 3/3: Nostalgie und Bahnwandern | m. 74 B. (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum dritten Teil unserer Reihe zur Rhätischen Bahn. Im ersten Teil waren wir im Spätsommer 2019 mit dem „Erlebniszug Rheinschlucht“ unterwegs, im zweiten Teil aus dem Winter 2020 stand die Mitfahrt mit den Elektrotriebzügen der Baureihen ABe 4/4 III und Be 4/4 im Fokus. Diesmal wird es wieder sommerlich, im August 2020 sind wir erneut bei der RhB, im Mittelpunkt stehen dabei Bahnnostalgie und Bahnwandern.
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Wir fahren von Landquart nach Davos und mit dem Nostalgiezug weiter nach Filisur. Anschließend geht es mit dem Zug nach Preda und zu Fuß zurück nach Bergün. Bei der Rückfahrt an den Bodensee nehmen wir mit dem March-Shuttle von Ziegelbrücke nach Siebnen-Wangen noch einen Exoten mit.
Teil 3: Landquart – Davos – Filisur – Preda – Bergün – Chur – Ziegelbrücke – Siebnen-Wangen- Ziegelbrücke – Uznach – Herisau - Konstanz
Den heutigen Berichtsteil beginnen wir in Landquart, wo der letzte Teil geendet hatte. Zunächst steht ein Regio-Express nach Davos auf unserem Reiseplan. Der Zug wird von einem Allegra-Triebzug gezogen, wir entscheiden uns jedoch für die Mitfahrt im angehängten Wagenzug.
Wir fahren auf der sogenannten Davoserlinie oder auch Prättigauerlinie über Klosters nach Davos. Das Prättigau ist das Tal des Flusses Landquart, es wird auf seiner gesamten Länge von der Rhätischen Bahn erschlossen.
Die Bahnstrecke vom Rheintal nach Davos wurde 1890 eröffnet. Die Davoserlinie führt beständig bergauf, von Landquart bis Klosters überwindet die Bahn rund 600 Höhenmeter.
Von Klosters bis Davos geht es über den Wolfgangpass erneut noch oben, der Zielbahnhof Davos Platz liegt weitere 400 Meter höher.
Das letzte Bild dieser Etappe zeigt den Davosersee. Der See entstand auf natürliche Weise durch einen Bergsturz, heute dient er der Energiegewinnung und ist über einen Druckstollen mit einem Kraftwerk in Klosters verbunden. Früher wurde hier im Winter Eis gewonnen und mit der Bahn in den Rest des Landes transportiert.
Auf dem nächsten Abschnitt von Davos nach Filisur treffen wir auf den Nostalgiezug der RhB. Die historische Zugkomposition ist eher eine Begleiterscheinung, das war nicht unser eigentliches Reiseziel. Bei der Reiseplanung war ich mehr zufällig auf den Nostalgiezug gestoßen, der im Sommer zweimal täglich zwischen Davos und Filisur pendelt und mit normalen Tickets nutzbar ist. Gezogen wird der Zug von einem ‚Rhätischen Krokodil‘, die Lok stammt aus dem Jahr 1929.
Wir schauen kurz in den historischen Wagen der ersten Klasse aus dem Jahr 1903…
…entscheiden uns dann aber doch für den offenen Panoramawagen. Der erste Teil der Strecke führt sanft entlang des Flusses Landwasser, wobei das Tal zunehmend enger wird. An der Strecke finden sich charakteristische Stationsgebäude, die einheitlich als zweigeschossige dunkelbraune Holzbauten mit grünen Fensterläden ausgeführt sind. Der Bahnhof Davos Monstein…
…markiert einen landschaftlichen Wechsel. Die Strecke führt nun spektakulär durch die wildromantische Zügenschlucht. Die rund drei Kilometer lange Schlucht wird mit Hilfe zahlreicher Kunstbauten passiert.
Der Bau der Bahnstrecke Davos-Filisur ging von der aufstrebenden Gemeinde Davos aus, um einen Anschluss an die Albulabahn zu erlangen. Die 19 Kilometer lange Bahnlinie wurde 1909 eröffnet, sie erforderte den Bau von 14 Tunneln und 30 Brücken.
Das bekannteste Bauwerk der Strecke ist der Wiesener Viadukt. Das einspurige Bauwerk ist 210 Meter lang und knapp 89 Meter hoch - und damit die höchste Brücke der Rhätischen Bahn und die zweithöchste Eisenbahnbrücke der Schweiz. Die Brücke verläuft nicht gerade, sondern weist eine Kurve auf.
Die restliche Strecke bis Filisur führt weit oberhalb in Hanglage über der tief eingeschnittenen Landwasserschlucht. In Filisur laufen die Bahnstrecke aus Davos und die Albulabahn zusammen. Links sehen wir das berühmte Landwasserviadukt der Albulabahn.
Hmm, das ist fast etwas viel Sonne – aber trotzdem besser als Regenwetter oder ein wolkenverhangener Himmel. Mit einem Alvra-Gliederzug fahren wir von Filisur über Bergün nach Preda.
Die Strecke von Bergün nach Preda gilt als einer der interessantesten Abschnitte der Albulabahn. Um die Höhendifferenz von 417 Metern zwischen den beiden Orten zu überwinden, wurde die Strecke, die in Luftlinie nur 6,5 Kilometer beträgt, durch Kunstbauten wie Spiraltunnel, Kehrtunnel und talquerende Viadukte auf zwölf Kilometer verlängert.
In Preda befindet sich das Nordportal des Albulatunnels. Seit dem Jahr 2014 wird hier an einem neuen Tunnel gearbeitet, der den bisherigen Tunnel ersetzen soll, im Anschluss wird der alte Tunnel zu einem Sicherheitstunnel umgebaut. Eine Infoarena ermöglicht Einblicke in das Baugeschehen.
Für die Bauzeit wurde ein Baustellenbahnhof errichtet, hierfür wurde das alte Wärterhaus an einen neuen Standort verschoben. Ein Baudorf mit mehr als 100 Containern beherbergt die Mineure und Arbeiter.
So, jetzt aber zum eigentlichen Anlass für die heutige Tour: wir wollen bahnwandern. Von Preda bis zum Landwasserviadukt gibt es einen Wanderweg in drei Etappen, wir haben uns den sieben Kilometer langen Abschnitt von Preda bis Bergün ausgesucht. Hier auf dem Schild ist noch die Rede vom ‚Bahnlehrpfad‘, mittlerweile wird die Wanderung als ‚Bahnerlebnisweg Albula‘ vermarktet.
Insgesamt 26 Informationstafeln entlang des Wegs erklären Technik, Natur, Kultur und den Alltag der Rhätischen Bahn sowie der Menschen im Albulatal. Der Bergwanderweg verläuft anfangs nahe der Bahnstrecke, dann teilweise ober- und unterhalb der Gleise.
Abschnittsweise begegnen wir auch der Albula. Der Fluss entspringt in den Rhätischen Alpen und ist der größte Nebenfluss des Hinterrheins.
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Schließlich erreichen wir Bergün. Das Dorf hat rund 500 Einwohner, es ist geprägt von Häusern im Engadiner Stil aus dem 16. bis 18. Jahrhundert mit Sgraffito-Fassadenmalereien. Das Zentrum prägt der la Tuor aus dem 13. Jahrhundert. Seit dem 17. Jahrhundert dient er als Glockenturm, heute beherbergt er das Gemeindearchiv.
Schließlich kommen wir an den Bahnhof von Bergün. Die Geschichte von Bergün ist eng mit der Albulabahn verbunden, mit der Bahn kamen Arbeitsplätze und Touristen in den Ort, die Schlittelzüge im Winter und der Bahnerlebnisweg sind besondere Anziehungspunkte. Mit dem Bahnmuseum Albula kam 2012 ein weiteres Ziel für Bahnfreunde hinzu. Das Reisezentrum der RhB wurde vom Bahnhofsgebäude in das benachbarte Bahnmuseum verlegt.
Das Bahnmuseum selbst steht heute nicht auf unserem Plan, aber auf die vor dem Bahnmuseum abgestellte Denkmallok können wir noch einen Blick werfen. Die Ge 6/6 I Nr. 407 ist eine Schwesterlok der 415, die uns vorhin beim Nostalgiezug begegnet war, sie wurde 1922 gebaut.
Mit einem Alvra-Gliederzug treten wir den Heimweg an. Für die Fahrt auf der Albulabahn nutzen wir zunächst das Fotoabteil im Endwagen und können so die Fahrt am offenen Fenster genießen.
Bei der Fahrt über das Landwasserviadukt zeigt sich, dass hinter dem Alvra-Modul noch zwei weitere Passagierwagen mitlaufen und hinter der Lok Postcontainer befördert werden.
Das Landwasser mündet unweit des Viadukts in die Albula.
Für den Rest der Strecke nehmen wir Platz in der ersten Klasse im vorderen Zugteil.
Das letzte Bild von der Fahrt mit der Rhätischen Bahn zeigt den Ort Tiefencastel mit der Pfarrkirche St. Stefan. Der Zug hat etwas Verspätung, der Übergang in Chur...
…klappt zwar, aber Zeit für ein Außenfoto des Regio-Dosto bleibt nicht. Da wir heute mit einem Interrail-Resttag unterwegs sind, wollen wir das Ticket noch für einen weiteren Programmpunkt nutzen, da Stichstrecken sonst tariflich immer schwierig sind. Wir fahren mit dem Zug zunächst durch das Rheintal und weiter am Ufer des Walensees nach Ziegelbrücke.
Der Bahnhof Ziegelbrücke ist ein lokaler Eisenbahnknoten auf der Hauptachse Zürich-Sargans. Vor dem Bahnhof verläuft der Linthkanal, der zugleich eine Kantonsgrenze bildet. So liegt der Bahnhof Ziegelbrücke im Kanton St. Gallen, die eigentliche Ortschaft im Kanton Glarus. Der Linthkanal verbindet Walensee und Zürichsee.
Und das hier ist der Grund für den Abstecher nach Ziegelbrücke: die S 27, auch bekannt als March-Shuttle. Die Verbindung trägt zwar eine S-Bahn-Nummer, sie gehört aber weder zur Zürcher noch zur St. Galler S-Bahn. Die S 27 soll für Ortschaften zwischen Ziegelbrücke und Siebnen-Wangen Anschlüsse an die Schnellzüge schaffen, wegen schwacher Auslastung wurde das Angebot auf die Hauptverkehrszeiten gekürzt. Das March-Shuttle ist ein Refugium der NPZ der Schweizerischen Südostbahn (SOB).
Am Westkopf des Bahnhofs Ziegelbrücke führt die Bahnstrecke über den Linthkanal, anschließend fahren wir auf der linksufrigen Zürichseebahn durch die Region Obere March. Die Fahrzeit der S 27 beträgt 12 Minuten, bis Siebnen-Wangen werden drei Unterwegshalte bedient.
Und so stehen wir wenig später am Bahnhof von Siebnen-Wangen. Damit können wir die Mission March-Shuttle auch abhaken und den Heimweg antreten. Mit einem Twindexx fahren wir zurück nach Ziegelbrücke.
Die March erstreckt sich zwischen oberem Zürichsee und Linthebene am Voralpenrand. Beim nächsten Bild sehen wir den Hirschlensee, er entstand durch den Kiesabbau für den Bau einer Autobahn.
Vom Bahnhof Ziegelbrücke geht es mit der S 6 nach Uznach, hier verkehrt ein Flirt der SOB. Für gut 10 Minuten fahren wir durch das flache Linthgebiet des Gasterlands.
In Uznach wechseln wir auf den nächsten Zug der SOB, für die Fahrt Richtung St. Gallen treffen wir auf einen Flirt 3. Durch den Rickentunnel fahren wir ins Toggenburg.
Dieses Bild entstand bei der Einfahrt nach Herisau, hier blicken wir in Richtung Säntis. Wir steigen schon in Herisau aus…
…und wechseln hier auf den Zug nach Konstanz. Ich steige eigentlich lieber in Herisau als in St. Gallen um; da der Zug nach Konstanz hier wendet, gibt es mehr Zeit für ein Foto und freie Sitzplatzwahl. Wobei mich der Sonnenstand heute an der Entscheidung zweifeln lässt. Mit einem GTW von Thurbo fahren wir über St. Gallen hinab zum Bodensee, das letzte Bild entstand am Hafen von Romanshorn.
Damit sind wir am Ende der kleinen Trilogie angelangt, ich hoffe es hat gefallen, danke fürs Mitkommen.
Viele Grüße und einen schönen Sonntag
Tobias
PS: meine bisherigen Reiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.
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