RhB-Trilogie 2/3: Im Winter bei den Oldtimern | m. 43 B. (Reiseberichte)

TD, Dienstag, 01.03.2022, 18:09 (vor 1480 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum zweiten Teil unserer Reihe zur Rhätischen Bahn. Im ersten Teil waren wir im Spätsommer 2019 mit dem „Erlebniszug Rheinschlucht“ unterwegs. Nun wird es winterlich, wir kommen in den Februar 2020. Unsere Mission für die heutige Tour ist eine Mitfahrt mit den Elektrotriebzügen der Baureihen ABe 4/4 III und Be 4/4, die noch in meiner Sammlung fehlen.

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Wir fahren von Chur auf der Albulalinie nach Ospizia Bernina. Für die Rückfahrt wählen wir die Engadinerbahn und fahren durch den Vereinatunnel nach Klosters. Den Abschluss bildet die Strecke nach Davos.


Teil 2: Chur – Samedan – Pontresina – Ospizio Bernina – Pontresina – Sagliains – Klosters – Davos - Landquart

Die Fahrt von Konstanz nach Chur hatten wir im ersten Teil beschrieben, das wiederholen wir hier nicht, stattdessen beginnen wir mit dem Bericht direkt in Chur. Zunächst fahren wir mit einem InterRegio Richtung St. Moritz. Zum Einsatz kommt ein Alvra-Gliederzug, gezogen wird der Zug von einer Lok der Bauart Ge 4/4 III. Mit Baujahr 1994 passt die Überschrift Oldtimer hier noch nicht, aber wir sind ja auch noch nicht am Ziel.

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Alvra ist die rätoromanische Bezeichnungen für den Albulapass. Der Name ist Programm, denn wir fahren nun auf der Albulabahn in die Berge. Richtig winterlich ist es hier noch nicht, aber wir wollen ja auch weiter hinauf. Bei diesem Bild fahren wir über das Landwasserviadukt, das nächste Bild zeigt die verschlungene Linienführung zwischen Bergün und Preda.

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Nach einem Umstieg in Samedan erreichen wir Pontresina. Der erste Teil des Plans ist noch nicht so ganz aufgegangen, denn nach dem Wetterbericht hatte ich eigentlich auf blauen Himmel gehofft. Nun wird es spannend, ob wenigstens die übrige Planung aufgeht…

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…und es passt, für die Fahrt auf der Berninabahn rollt ein Zug mit zwei Elektrotriebwagen der Reihe ABe 4/4 III ein. Die Schlepptriebwagen wurden in den Jahren 1988 und 1990 in Betrieb genommen, Triebwagen Nummer 54 ist auf den Namen Hakone getauft. Die japanische Bahngesellschaft Hakone Tozan Tetsudō pflegt eine partnerschaftliche Beziehung zur RhB.

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Die Berninabahn von St. Moritz nach Tirano hat ein anderes Stromsystem als die übrigen Strecken der RhB; während das restlichen Netz mit Wechselstrom betrieben wird, herrscht auf der Berninabahn Gleichstrom. Die ABe 4/4 III sind reine Gleichstrom-Triebwagen und können daher nur auf dieser Strecke eingesetzt werden, die insgesamt sechs Fahrzeuge sind zwischen den zweisystemfähigen Allegra-Triebzügen auf der Berninabahn unterwegs.

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Die Bahnstrecke steigt zwischen Pontresina und Ospizio Bernina fast ununterbrochen an, die Waldgrenze liegt nun unter uns und wir kommen im richtigen Winter an. Im Gegensatz zu vielen anderen Gebirgsbahnen führt die Berninabahn direkt über einen Hochgebirgspass und es gibt keinen Scheiteltunnel.

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Na, da hatte der Wetterbericht doch recht mit der Sonne, wir waren nur etwas zu früh. Wir sind hier am Bahnhof Ospizio Bernina, dies ist die höchstgelegene Bahnstation im Netz der Rhätischen Bahn. Das recht Gleis führt zu einer gedeckten Drehscheibe für Schneepflüge und Schneeschleudern.

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Der Bahnhof liegt am Ufer des Lago Bianco, der Stausee ist jedoch unter einer dicken Schneedecke verborgen.
Mit 2.253 Metern über dem Meer ist die Berninabahn die höchste Eisenbahn-Alpenquerung, gemeinsam mit der Albulabahn gehört sie zum UNESCO-Weltkulturerbe.

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Der Bahnhof wurde 1909 eröffnet, damals noch unter dem deutschen Namen Berninahospiz. Bis 1925 entstand ein Ensemble aus neoklassizistischem Aufnahmegebäude mit Restaurant, Umformerstation, Beamtenwohnhaus und Remise.

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Bei der Rückfahrt treffen wir nun wieder auf einen der allgegenwärtigen Allegra-Triebzüge, die Züge sind seit dem Jahr 2010 auf der Berninastrecke unterwegs. Wir fahren zurück nach Pontresina, die erste Etappe führt am Ufer des Lago Bianco entlang.

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Hier passieren wir einen unbenutzbaren Bahnübergang und die Wasserscheide zwischen Po und Donau. Die Wasserscheide markiert auch die italienisch-romanische Sprachgrenze.

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Schließlich sind wir wieder in Pontresina. Wie in St. Moritz treffen hier die zwei Stromsysteme aufeinander, rechts der Allegra-Triebzug im Bereich der mit Gleichspannung elektrifizierten Berninabahn, links am Hausbahnsteig wenden die Züge des Stammnetzes. Und mit dem Zug links in Richtung Scuol-Tarasp geht es für uns jetzt weiter.

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Der Zug befährt zunächst die Pontresinerlinie nach Samedan und weiter über Bever auf die Engadinerbahn. Die Bahnstrecke verläuft durch das breite Tal des Oberengadins, häufig in Sichtweite zum Inn. Die Orte entlang der Bahnstrecke wie S-chanf und Cinuos-chel klingen für deutsche Ohren sehr ungewöhnlich. Die Ortschaften sind geprägt von Engadinerhäusern mit ihren wuchtigen Steinmauern und Sgraffito-Malereien.

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Dieses Bild aus Cinuos-chel ist der letzte Eindruck von der Engadinerlinie, in Sagliains steigen wir um und fahren durch den Vereinatunnel nach Klosters.

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Wintertouren haben es an sich, dass es früh dunkel wird und so liegt der Bahnhof Klosters Platz schon im Schatten. Früher gab es in Klosters einen Kopfbahnhof, er wurde später durch einen Durchgangsbahnhof ersetzt.

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So, jetzt wird es spannend, denn nun zeigt sich, ob der zweite Teil des Plans aufgeht und sich die dringlichste Mission des heutigen Tages erfüllen lässt. Und das ist die Mitfahrt in einem der vor der Ausmusterung stehenden Elektrotriebwagen der Serie Be 4/4.

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Passt! Insgesamt wurden sechs der Elektrotriebwagen geliefert in zwei Serien 1971 und 1979. Triebzug Nummer 511 stammt aus der ersten Lieferserie. Die Züge sind als auch „Vorortspendel“ oder „Stammnetz-Pendel“ bekannt. Der Triebzug 511 ist übrigens mittlerweile Geschichte, er wurde im Januar 2021 abgebrochen. Zwei der Züge gingen zur Matterhorn Gotthard Bahn und sollen 2022 für Zusatzverkehre während eines Pfadfinderlagers eingesetzt werden.

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Auf der Davoserlinie fahren wir mit dem Elektrotriebwagen hinauf nach Davos. Der Zug windet sich in Schleifen und mit zwei Kehrtunneln nach oben. Von Klosters bis zum höchsten Punkt der Strecke an der Haltestelle Davos Wolfgang liegen rund 430 Höhenmeter. Die weiße Fläche auf dem nächsten Bild ist der Davosersee.

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Klosters und Davos sind in Luftlinie knapp 10 Kilometer voneinander entfernt, die Bahnstrecke ist aufgrund der Kehrschleifen jedoch gut 17 Kilometer lang. Nach rund 30 Minuten erreichen wir die Endstation Davos Platz.

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Wir drehen eine kleine Runde durch den Luftkur- und Wintersportort. Hier sehen wir das Rathaus aus dem Jahr 1564, dahinter die St. Johann Kirche. Im Fokus steht heute jedoch überwiegend die Zugfahrt, daher fahren wir nun bald wieder zurück. Beim nächsten Bild sehen wir den Bahnhof Davos Platz. Der Bahnhof wurde 1890 als Endbahnhof eröffnet, mit dem Bau der Bahnstrecke nach Filisur wurde er zu einem Durchgangsbahnhof. Der Bahnstrecke Davos-Filisur widmen wir uns im nächsten Teil. Mit einem Regio-Express fahren wir für heute wieder hinab nach Klosters und weiter bis Landquart.

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Von Landquart fahren wir am Abend noch nach Hause, das soll aber nicht mehr Teil des Reiseberichts sein. In den nächsten Tagen folgt der dritte und letzte Teil, dieser steht dann im Zeichen von Bahnnostalgie und Bahnwandern.


Viele Grüße

Tobias

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


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