[9TLU] Teil 8: Was die DB besser kann als die SBB [m15B] (Reiseberichte)

Math5D, Dienstag, 18.01.2022, 18:31 (vor 1521 Tagen)

In den letzten Tagen hat die Schweiz gezeigt, dass sie auch einiges drauf hat, was man sonst eher aus Deutschland kennt. Drei verpasste Anschlüsse und ein Zugausfall in einer Woche sind mehr, als ich in meinem kompletten halben Jahr dort erlebt habe, dazu gab es auch mehr überfüllte Züge als damals. Bevor DB FV neidisch wird, zeigt es aber in dieser Folge nochmal sehr deutlich, wo der Hammer hängt.

Vorher habe ich noch einen letzten Tag in der Schweiz und nicht so wirklich Lust auf eine letzte Bahntour. Die soll natürlich am letzten Tag sowieso nicht ewig weit weg führen, damit ich sicher keine Probleme bekomme, am Ende wieder in Luzern anzukommen. 3 Möglichkeiten hatte ich mir überlegt: Die steilste Standseilbahn der Welt in Stoos, die CabriO-Bahn aufs Stanserhorn, oder eine erneute Fahrt auf die Rigi, bei der letztes Mal schlechtes Wetter herrschte. An einem guten Tag hätte ich vermutlich alles drei gemacht (Ja, das ist von Luzern aus tatsächlich sogar mit einer angemessenen Startzeit nach dem Hotelfrühstück locker möglich), aber wie gesagt, irgendwie bin ich nicht gut drauf. Als es dann beim Aufwachen draußen eiskalt und neblig ist, werfe ich alle Pläne über den Haufen und fahre stattdessen nur das kurze Stück nach Engelberg. Schließlich wäre es ja auch seltsam, Urlaub an der Zentralbahn zu machen, ohne deren vor der Tür liegende Strecken zu fahren.

Dabei gehe ich zu Fuß zum Bahnhof Allmend/Messe und fahre schließlich mit der S4 nach Stans, um dort in den Engelberg-Express umzusteigen, der, wie schon zu Beginn der Serie erwähnt, derzeit mit 2xFink fährt. Kurz nach seiner Abfahrt lassen wir zum Glück den Vierwaldstättersee mit seinem Nebel hinter uns und erreichen Engelberg im strahlenden Sonnenschein.

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01 Hier hat der Zug nur eine kurze Wendezeit, deshalb beschließe ich, einmal zum Eugenisee zu gehen, um dort vielleicht ein paar gute Fotos machen zu können.

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02 Gleichzeitig mit mir erreicht der Zug den See - leider etwas zu früh für die perfekte Perspektive.

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03 Dort verschwindet er um die Ecke und wenig später im Tunnel Engelberg.

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04 Hier wäre natürlich der perfekte Ort gewesen, vor uns wie auch im See ist der Scheideggstock zu sehen.

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05 Über dem Ort die Gruppe um den Grossen Sättelistock

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06 auch nochmal mit Seespiegelung.

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07 Aus dem See raus fließt die Engelberger Aa,

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08 gegenüber liegt der Hahnen im Schatten.

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09 Hier liegt das Tunnelportal, in dem man noch so gerade das Anfangsschild der Zahnstange erkennen kann.

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10 Dieses Bild wäre mit Zug natürlich auch schöner, aber ich mache mich dann doch wieder auf den Weg zum Bahnhof und fahre zurück in Richtung Luzern, wo ich zumindest nochmal die Trolleybusse mitnehme und dann von Schönbühl über eine schöne Strecke zu meinem Hotel laufe.

Und dann geht die Rücktour los. Am letzten Tag gilt mein Swiss Travel Pass zwar wieder nicht mehr, aber im Hotel ist ein Ticket des Passepartout (örtlicher Verkehrsverbund) enthalten. Das hätte bei meiner Ankunft prinzipiell natürlich auch gegolten, aber man bekommt es ja erst beim Check-In...

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11 Noch zwei letzte Fotos vom Pilatus,

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12 dann fahre ich sehr rechtzeitig mit S-Bahn und Bahnersatz nach Luzern.

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13 Auf Gleis 9 steht für Sie bereit, der Güterzug zur Zentralbahn-Baustelle. Wie sagt man so schön, unverhofft kommt oft. Da ergibt sich doch tatsächlich endlich die Gelegenheit, eine Re6/6 ordentlich aufzunehmen. Witzigerweise ist der Zug sogar nur mit einer Re4/4 in den Bahnhof reingefahren.

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14 Nebenan steht der IR15, ich nehme aber den IR75 nach Zürich und von dort einen durchgehenden ICE bis Frankfurt Hbf.

Dort habe ich planmäßig eine Umstiegszeit von 37min auf den ICE12, der mich wiederum direkt nach Aachen bringen soll. Naja, wir kommen dann mit +20 in Frankfurt an, aber da habe ich ja immer noch genug Zeit. Also gehe ich rüber zu Gleis 19, wo ich sehe, dass der 12 mit dem 122 nach Amsterdam gekuppelt fährt. Wie das für die Zugtrennung in Köln auch sein muss, steht der Brüsseler Teil dabei vorne, der Amsterdamer hinten - der wird schon falschherum angekündigt (sodass beide Zugteile die 2. Klasse hinten haben, ursprünglich war mal die 1. Klasse an beiden Zugenden), betrifft mich aber ja zum Glück nicht. Einen anderen Sitzplatz als meinen reservierten zu finden, dürfte nämlich schwierig werden - schon in der App stehen beide Züge als außergewöhnlich stark ausgelastet drin und so sieht es auch am Bahnsteig aus. Der ist auf seiner kompletten Länge voll von Leuten, die alle in diesen Zug wollen, denn nebenan auf Gleis 18 sind in der nächsten Stunde nur ankommende Züge geplant.
Apropos ankommen, wann kommt eigentlich unsere Garnitur mal an? Nun ja, ich bin es aus Frankfurt ja gewohnt, dass die Züge erst ganz kurz vor knapp bereitgestellt werden, um dann etwas zu spät abzufahren, weil der Tf noch seine 400m ans andere Zugende zurücklegen muss. Aber als bei unserer Abfahrtszeit noch nichts da ist, beginne auch ich mich zu wundern. Zumal der Zugzielanzeiger keine neuen Informationen preisgibt. Nach 5min wird dann +15 angeschlagen und auch durchgesagt. Erst für den ICE122 nach Amsterdam mit Zugteil nach Brüssel, dann nochmal für den ICE12 nach Brüssel mit Zugteil nach Amsterdam. Und da beides ICE International sind, das Ganze nochmal auf Englisch. Dabei kann es sich schon jetzt nur um einen schlechten Scherz handeln, denn selbst wenn die Züge sofort aus dem Werk kämen, wären die +15 schon nicht mehr möglich. Meine Vermutung ist jedoch: Nebenan auf Gleis 18 sollte 2min nach unserer Abfahrtszeit der 125 aus Amsterdam kommen - wird der Tz vielleicht für unseren Zug gebraucht? Aber warum fahren sie dann nicht einfach den Brüsseler Teil schon rein und den Amsterdamer direkt an den dran?

Der 125 kommt dann irgendwann in Form des Tz "Forbach-Lorraine", und auch auf unser Gleis kommt Bewegung:

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15 Allerdings in Form dieses TGV, der nicht nur nach uns abfahren soll, sondern insbesondere auch nach den hier noch angeschlagenen +15 für unsere Komposition. Da glaubt sich die DB offensichtlich selbst nicht. Übrigens zeigte die Anzeige bei der Einfahrt des TGV auch noch unsere Züge oben an...

Wenigstens welchselt unsere Verspätung nach 15min auf +25, nach 25min auf +35 und nach 35min auf +45, jedes Mal mit der vierfachen Ansage, jedes Mal mit der Sicherheit, dass die neue Zahl wieder nicht stimmen kann. Ich schaue mich derweil nach Alternativen um, aber es gibt keine - der durchgehende ICE nach Aachen ist einfach zu viel schneller als die übrigen Verbindungen, für die man ja auch oft erst zum Flughafen gondeln muss. Dann werden wir auf Gleis 18 verlegt, das der ICE125 inzwischen frei gemacht hat. Zum Glück bahnsteiggleich, sonst wäre hier gleich eine schöne Völkerwanderung gewesen. Und dann, niemand hatte mehr so wirklich damit gerechnet, kommt tatsächlich ein doppelter ICE3 rein - jedoch ohne den Forbach-Lorraine. Heißt also, unsere Garnitur stand die ganze Zeit im Werk rum, und es war wohl nur keiner da, der sie in den Bahnhof ziehen konnte. Und nun geht ein absoluter Hexentanz los: Während schon 6 Wagen an mir vorbeigerauscht sind, sehe ich, dass an dem (noch vorderen) hinteren Zugteil "ICE 12 Brüssel" dransteht. Und am anderen steht "ICE122 Amsterdam". Auch wenn ich nicht weiß, wie das in Köln gehen soll (vielleicht eine Fahrt über die Kölner Südbrücke?), bleibt mir nichts anderes übrig, als mich gemeinsam mit allen anderen am Bahnsteig in die sich kreuzenden Menschenströme zu stürzen. Auch die DB bemerkt offenbar erst jetzt, dass die Züge vertauscht stehen, und macht schnell eine entsprechende Durchsage. Nach 5min Gedrängel - wie gesagt waren beide Zugteile bis oben hin voll - darf ich dann noch jemanden von meinem Platz verscheuchen, der erstaunlicherweise sogar die korrekte Reservierung anzeigt.

Immerhin sitze ich, so viel kann jetzt nicht mehr passieren - weit gefehlt. Denn was ich schon oben dachte, macht wohl inzwischen auch der DB zu schaffen - wie bekommen wir die Zugteile in Köln in die richtigen Richtungen getrennt? Im Gegensatz zu mir fällt ihnen aber offenbar keine Lösung ein und so verschwinden, gerade als alle sitzen und sich wundern, dass wir immer noch nicht fahren, erst alle Reservierungen, dann die Wagennummer und dann auch die Zugnummer. Schließlich kommt eine eiskalte Durchsage "Wenn Sie diese Durchsage hören, sitzen Sie im Zugteil nach Amsterdam" - nichts von wegen "Tut uns Leid, dass wir die Zugteile nochmal vertauschen mussten, bitte welchseln Sie ggf. in den anderen Teil" oder so. Es wird einfach so getan, als hätten sich 800 Leute (inkl. des jeweiligen Zugpersonals, das nun auch nochmal aussteigt und wechselt) in den falschen Zugteil gesetzt. Nicht nur ich fluche daraufhin lautstark, und erneut geht die Völkerwanderung am Bahnsteig los, wieder alle gegen alle. In meinem neuen Wagen ist mein Platz dann ein zweites Mal besetzt, und da dieses Mal keine Reservierungsanzeigen funktionieren, glaubt mir der unfreundliche Herr auf dem Platz nicht, dass ich tatsächlich reserviert habe, und will die Bestätigung sehen. Kein Problem, die habe ich natürlich dabei, und er zischt grummelnd ab, mit dem Kommentar "Sie hätten doch auch bis Köln im anderen Zugteil sitzen bleiben können". Er führe die Strecke ja dauernd und da wäre genug Zeit zum Wechseln. Sehr witzig, 1. würde ich einfach mal vermuten, dass ich schon mehr Bahnkilometer gesammelt habe als er, 2. habe ich nunmal hier reserviert, 3. habe ich keine Lust, mit meinem schweren Koffer in Köln nochmal zu wechseln, und 4. hätte ich im Amsterdamer Zugteil mit Sicherheit keinen Platz mehr gefunden. 5. wäre dann in Köln auch mein Sitzplatz bis Aachen futsch gewesen, denn obwohl ich nicht "dauernd" mit dem ICE F-AC fahre, weiß ich doch, dass der in Köln immer nochmal richtig voll wird. Und der Anspruch erlischt nunmal 15min nach der Abfahrt in Frankfurt.
Mit etwa +70 fahren wir dann los - kleine Randnotiz: Den Tz Forbach-Lorraine sehe ich dann doch nochmal wieder, nämlich auf Gleis 19, wo er den ICE 814 nach Messe/Deutz bildet. Schon stark, da faselt die DB was von 406-Mangel und fährt dann mit einem 406 ne innderdeutsche Verbindung.

Jedenfalls bin ich nach dem ganzen Hin und Her dermaßen geladen, dass ich bei der Ticketkontrolle fast sowas rausgehauen hätte wie "Mein Ticket ist leider noch eine Stunde später und im anderen Zugteil" - aber gut, die Zugbegleiter können ja auch nichts dafür, so kann ich mir den blöden Spruch gerade noch verkneifen. Immerhin ballern wir nun anständig mit 300 über die KRM und erreichen Köln fast pünktlich - ach ne, die Minute stimmt zwar, aber +60 sind es dann doch noch. Wie erwartet wird unser Zug nochmal extrem voll und es dauert bis Düren, bis alle in meinem (hintersten) Wagen Stehenden kapiert haben, dass der Zug nach vorne hin noch länger ist und dort wohl noch ein paar Plätze frei sind. Da ich in Aachen den nun wieder recht knappen Anschluss auf den RE4 bekommen möchte, stehe ich schon rechtzeitig auf, als wir zum Stehen kommen und auf der falschen Seite ein Bahnsteig erscheint. Das stellt sich allerdings als Aachen Rothe-Erde heraus - schließlich will sich die DB nochmal Mühe geben, damit ich wenigstens auch etwas Geld wiederbekomme. So zuckeln wir nach einer Minute Wartezeit in den Hauptbahnhof rein und erreichen ihn mit genau +61 - Jackpot! Noch im RE4 mache ich das FGR-Formular fertig und habe nun zwei Tage Wochenende, um mich vom anstrengenden Urlaub wieder für die Arbeit auszuruhen.

PS: Ca. 1 Monat nach Einreichen der FGR-Fälle bekam ich dann per Post mitgeteilt, dass ich das Geld wiederbekomme. Irgendwie irrsinnig, somit spart man beim Online-Einreichen ja doch kein Papier ein, und Zeit erst recht nicht. Die sofortige Bearbeitung am Schalter ist da deutlich schneller. Also nächstes Mal wieder klassisch? Naja, bei meiner Hintour war ich ja auch schon zu spät und bekam deshalb 25% wieder. Mit etwas Erstaunen habe ich dann aber gesehen, dass ich auch meine Reservierung für den ICE101 Köln-Basel erstattet bekommen habe. Erst nach einigem Nachdenken fiel mir ein, dass ich den mit dem RE auf dem Ticket tatsächlich nicht erreicht hätte, aber ja schon eine Stunde früher aus Aachen gekommen war. Da online aber nur die Verspätung am Zielort angegeben werden kann und nicht wie sonst der erste verspätete Zug, konnten die das nicht wissen. Nun frage ich mich allerdings, ob vielleicht dann auch der ICE eine Stunde später mehr als +2 in Basel hatte und ich da meinen Anschluss um nochmal 60min verpasst hätte? Oder gar schon den in der Stunde notwendigen Umstieg in Mannheim, und dann nochmal in Basel... Wer weiß!

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