Mit Citadella und Kanarček zum Iseosee (4/4 mit 62 B.) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum vierten Teil unserer kleinen Rundreise durch Ungarn, Slowenien und Italien. Im dritten Teil waren wir von Triest über Mailand und Bergamo in den kleinen Ort Pilzone am Iseosee gefahren.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/104-Citadella-Kamnik-Iseosee/104-000Karte.jpg)
Wir schreiben nun den fünften und letzten Reisetag, heute führt uns die Tour von Pilzone nach Edolo und von dort mit Bus und Rhätischer Bahn zurück an den Bodensee.
Tag 5: Pilzone – Pisogne – Edolo – Tirano – Alp Grüm – Pontresina – Samedan – Chur – St. Gallen - Konstanz
Zum Abschluss der Tour hatten wir uns ein etwas teureres Hotelzimmer am Ufer gegönnt und werden am Morgen mit einem tollen Blick aus dem Hotelzimmer über den Iseosee begrüßt. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zum Haltepunkt von Pilzone.
Trenord setzt auf der Strecke sowohl urige ALn 668 als auch Stadler-GTW ein, diesmal treffen wir auf einen GTW. Zwischenzeitlich waren auch PESA-Triebzüge im Einsatz, diese wurden jedoch wegen wiederholter Motorschäden ausrangiert. Die eingleisige Strecke ist nicht elektrifiziert.
Die Strecke führt über mehrere längere Abschnitte malerisch direkt am Ufer des Iseosees entlang, gegenüber sehen wir die Insel Monte Isola. 2016 kam es hier zu einem Besucheransturm, als die Insel durch das Kunstprojekt The Floating Piers von Christo auf schwimmenden Stegen zu erreichen war.
Enge Ortsdurchfahrten, zahlreiche Tunnel und immer wieder der Blick über den Iseosee machen diesen Streckenabschnitt wirklich sehenswert. Die Strecke bis Pisogne wurde 1907 eröffnet.
Auf der Strecke verkehren Regio-Züge mit Halt an allen Zwischenstationen und beschleunigte RegioExpress-Züge. Da in Pilzone nur die Regio-Züge halten, wird unterwegs ein Umstieg erforderlich. Wir haben uns hierfür den Ort Pisogne am nordöstlichen Ende des Iseosees ausgesucht. Wobei der „Umsteigezwang“ sehr reizvoll ausfällt. Hier blicken wir vom Zentrum von Pisogne in Richtung See, die Bahnstrecke verläuft direkt zwischen Altstadt und See, rechts der Bildmitte lässt sich eine Schranke erahnen.
Vorbei am Bischofsturm (Torre del Vescovo) laufen wir…
…hinab zum See. Hier ließe es sich auch länger aushalten, gerade bei dem Traumwetter. Da wir jedoch in einem Eisenbahnforum sind…
…betreiben wir nun noch etwas Eisenbahnarchäologie. Dieses Exponat kann ich allerdings nicht so recht einordnen. Weiß jemand vom Fachpublikum, was wir hier sehen?
Ein Gleis führt vom Bahnhof…
…zum Hafen.
Hier gibt es einen Anleger für den Trajektbetrieb. Bis 1999 gab es auf dem Iseosee einen Güterverkehr mit Schlepper und Lastkähnen zu einem Stahlwerk in Lovere. Dazu gibt es einen interessanten Beitrag von Werner Hardmeier im historischen Forum von DSO sowie ein Youtube-Video. Dort wird jedoch Paratico als Ausgangspunkt für den Trajektverkehr genannt, wie der Anleger in Pisogne genutzt wurde, weiß ich nicht.
Nun heißt es Abschied nehmen vom Iseosee, wir müssen zurück…
…zum Bahnhof. Wir fahren nun weiter bis zur Endstation Edolo.
Und da ist er endlich: mit 14 Minuten Verspätung trifft der Zug nach Edolo ein. Das ist gar nicht gut, wenn man am Zielbahnhof nur 8 Minuten Übergangszeit auf den Bus hat. Und wenn man weiß, dass der übernächste Bus erst vier Stunden später fährt, macht es das nicht besser.
Aber immerhin dürfen wir uns nun über einen alten ALn 668-Triebwagen freuen, denn das bedeutet, dass es Fenster zum Öffnen gibt.
Die Bahnstrecke verlässt den Iseosee und folgt dem Fluss Oglio in das Valcamonica. Das Tal erstreckt sich rund 70 Kilometer vom Iseosee in die Südalpen.
Die Regio-Züge enden in Breno, ab hier besteht nur noch ein Zweistundentakt bis nach Edolo. Die Bahnstrecke Brescia-Edolo ist 105 Kilometer lang.
Etwa eine Stunde dauert die landschaftlich reizvolle Fahrt durch das Valcamonica, die Bahn überwindet dabei rund 500 Höhenmeter. Dieser letzte Abschnitt der Strecke wurde 1909 eröffnet. Die Strecke endet in Edolo, einer 4.000-Einwohner-Gemeinde am Nordende des Valcamonica. Pläne, die Bahnstrecke durch einen Tunnel an die Bahnstrecke Sondrio–Tirano und die Berninabahn anzubinden, wurden nie umgesetzt. Und damit wird die Frage nach dem Busanschluss wieder akut. Die Verspätung reduziert sich bis Edolo zwar auf elf Minuten, das ist eigentlich immer noch zu viel…
…aber es geht gut aus, der Bus wartet – und wir sind die einzigen Fahrgäste. Mit dem Bus fahren wir hinauf auf den Passo dell’Aprica, der das Valcamonica mit dem Veltlin verbindet. Der Scheitelpunkt befindet sich bei der Ortschaft Aprica auf 1.176 Meter über dem Meer. Beim nächsten Bild fahren wir durch den Ort Corteno Golgi.
Die Fahrt von Edolo bis Tirano dauert gut eine Stunde, hier sind wir schon auf der Talfahrt und blicken ins Veltlin. Unten im Tal fließt die Adda.
Nachdem sich der Bus in Serpentinen ins Tal hinab gewunden hat, queren wir in Tresenda den Fluss und die Bahnstrecke Mailand – Sondrio – Tirano. Die letzte kurze Etappe fährt der Bus parallel zur Bahnstrecke bis nach Tirano.
Das letzte Bild aus dem Bus zeigt eine Kirche. Na erkannt? Unter Bahnfreunden ist das Gotteshaus recht bekannt, wenn auch nicht aus dieser Perspektive.
Die Bushaltestelle befindet sich jenseits des normalspurigen Bahnhofs von Tirano, durch einen Fußgängertunnel geht es für uns weiter zum Bahnhof der RhB. Nun setzten wir die Tour auf Meterspurgleisen fort.
Der Regionalzug nach St. Moritz wird von einem Allegra-Triebzug gezogen, wir entscheiden uns jedoch für die Mitfahrt im angehängten Wagenzug.
So, das ist nun die bekanntere Perspektive der Santuario della Madonna di Tirano. Die Berninabahn führt hier über einen Kreisverkehr zu Füßen der Basilika. Der Grundstein für den hoch aufragenden Glockenturm wurde 1578 gelegt, vollendet wurde er 1641.
In Straßenlage geht es weiter durch Tirano.
Wir nähern uns jetzt der Grenze zur Schweiz. Beim nächsten Bild sehen wir das verlassene Grenzhotel Castello in Piattamala auf der anderen Talseite des Poschiavino.
Das Kreisviadukt von Brusio darf natürlich auch nicht fehlen. Die Bahnstrecke folgt weiterhin dem Tal des Poschiavino zum Lago di Poschiavo. Der See entstand durch einen prähistorischen Bergsturz, der den Fluss aufstaute.
Schließlich beginnt die Fahrt hinauf zum Berninapass, dabei fällt der Blick noch einmal ins Puschlav. Oben erreichen wir die Station Alp Grüm auf 2.091 Meter über dem Meer.
Schade, dass es im Zug keine Bordgastronomie gibt, ein Kaffee wäre jetzt schön. Aber wir sind ja gut in der Zeit…
…und so steigen wir am Bahnhof Alp Grüm aus und unterbrechen die Reise für eine Tasse Kaffee und ein Stück Engadiner Nusstorte im Bahnhofsbuffet. Wir unternehmen auch ein paar Schritte, allerdings schlägt das Wetter um und während über dem Puschlav noch blauer Himmel herrscht, regnet es hier oben.
Das Bahnhofsgebäude von Alp Grüm wurde 1926 eröffnet, es ist zugleich Restaurant und Hotel. Die Siedlung Alp Grüm ist nicht an das Straßennetz angeschlossen, die Unterkunft reiht sich damit in die Liste der nur per Bahn zu erreichenden Hotels wie auch Finse (Norwegen) oder Corrour (Schottland) ein.
Mit dem nächsten Zug setzen wir die Reise fort.
Bei Ospizio Bernina am Lago Bianco erreicht die Berninabahn auf 2.253 Meter über dem Meer ihren höchsten Punkt. Der Stausee markiert auch die Wasserscheide zwischen Donau und Po. Durch das Val Bernina geht es anschließend wieder hinab, vom schönen Spätsommerwetter müssen wir uns nun endgültig verabschieden.
Da wir nicht bis nach St. Moritz wollen, sondern unser Ziel im Norden liegt, steigen wir in Pontresina um. Für eine Fahrzeit von nur sechs Minuten wechseln wir auf einen Regionalzug nach Samedan. Die sogenannte Pontresinerlinie ist das Bindeglied zwischen Berninabahn und Albulabahn.
In Samedan wechseln wir erneut den Zug. Der sieht auf den ersten Blick auch aus wie ein Allegra-Triebzug, es handelt sich jedoch um einen Alvra-Gliederzug. Die Züge verkehren seit 2016 auf der Albulalinie.
Das Wetter ist mittlerweile wirklich mies, aber ich kenne die Strecke ja schon, da ist es nicht so schlimm, dass wir von der spektakulären Streckenführung der Albulalinie nicht so arg viel sehen. Trotzdem mache ich mich auf den Weg…
…bis zum Endwagen. Denn das Fotoabteil will ich mir schon mal anschauen. Hier gibt es große Panoramafenster fast bis zum Boden, die sich zudem im oberen Bereich elektrisch öffnen lassen. Wirklich angenehm ist die Fahrt bei dem Wetter am offenen Fenster aber nicht,…
…da nehmen wir lieber wieder Platz. Auch sonst hat der Zug einiges an Schnickschnack zu bieten von elektrischer Rollosteuerung, Leselampen und an Tages- und Jahreszeit angepasster LED-Beleuchtung in der ersten Klasse über eine CO2-gesteuerte Klimatisierung bis hin zu Dyson-Händetrocknern in den WCs.
Hier sehen wir übrigens die Pfarrkirche St. Stefan von Tiefencastel.
Der Rest der Tour ist nun schnell erzählt, in Chur wechseln wir auf einen RegioDosto, der als InterRegio durch das Rheintal nach St. Gallen fährt.
In der Empfangshalle des Bahnhofs von St. Gallen verbringen wir den letzten Aufenthalt der Tour, anschließend fahren wir in einem GTW von Thurbo die letzte Etappe bis nach Konstanz.
Und damit sind wir auch am Ende des Reiseberichts angekommen. Vielen Dank für das Interesse und die Rückmeldungen zu den bisherigen Teilen.
Viele Grüße und ein frohes Weihnachtsfest
Tobias
PS: meine bisherigen Reiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de
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