Mit Citadella und Kanarček zum Iseosee (3/4 mit 56 B.) (Reiseberichte)

TD, Samstag, 18.12.2021, 17:57 (vor 1552 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum dritten Teil unserer kleinen Rundreise durch Ungarn, Slowenien und Italien. Im zweiten Teil waren wir von Ptuj über Ljubljana nach Triest gereist.

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Heute bewegen wir uns nun westwärts durch Italien, nach einem Abstecher nach Bergamo wollen wir am Abend am Iseosee sein.


Tag 4: Triest – Mailand – Bergamo – Albino – Bergamo – Brescia – Pilzone

Der heutige Tag ist in gewissem Sinne zweigeteilt, während wir am Vormittag eine große Strecke im Fernverkehr zurücklegen, sind wir am Nachmittag kleinteilig im Regionalverkehr unterwegs. Wir haben uns für eine frühe Verbindung entschieden und sind gegen sieben Uhr morgens am Bahnhof Trieste Centrale.

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Der Kopfbahnhof wurde 1878 von der österreichischen Südbahngesellschaft eröffnet. Der historische Neorenaissance-Bau wurde zwischenzeitlich durch einen modernen An- bzw. Umbau ergänzt.
Mit einem Frecciarossa (roter Pfeil) fahren wir von Triest nach Mailand.

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Die erste Etappe führt entlang der Adriaküste, hier sind wir am Vortag bereits mit dem Zug aus Ljubljana gefahren. Die Strecke aus Österreich erreichte Triest bereits 1857, die damals grenzüberschreitende Bahnstrecke von Triest nach Venedig wurde 1897 fertiggestellt.
Die Trenitalia versorgt uns derweil mit Getränken und Gebäck.

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Die weitere Fahrt durch Venetien führt unspektakulär über die flache Norditalienische Tiefebene. Da können wir zwischendurch…

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…auch mal einen Blick in das Portalefrecce werfen. Hier kommen auch deutschsprachige Reisende auf ihre Kosten, die Welt und der Spiegel sind online verfügbar.

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Wir fahren nun über Venedig, Padua, Vincenza und Verona nach Westen. Die Bahnstrecke Venedig-Mailand wird seit 2010 zu einer Hochgeschwindigkeitsstrecke um- bzw. neugebaut, wobei auch die Altstrecke teilweise schnurgerade durch die Tiefebene verläuft.

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Interessant wird dann die Fahrt durch Desenzano del Garda, hier können wir einen Blick über die Dächer der Stadt zum Gardasee erhaschen.
Der Zug hält ferner in Brescia, dort werden wir später am Tag nochmals sein. Unser Zwischenziel Bergamo erreichen wir jedoch schneller, wenn wir einen Bogen über Mailand drehen.

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Und hier fahren wir auch schon in den Bahnhof Milano Centrale ein. Von Mailand aus wären wir mit nur einem Umstieg in weniger als fünf Stunden zu Hause. Wenn wir jedoch die Möglichkeit haben, neue Orte und Routen zu erkunden, ziehen wir das natürlich vor.

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Und so steigen wir in einen Regionalzug der Linie RE 2 von Trenord zur Fahrt nach Bergamo. Gut 50 Minuten dauert die Fahrt durch die Lombardei.

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Eigentlich hatte ich Bergamo wegen der Standseilbahnen als Reiseziel ausgewählt, dann war aber die Tram von Bergamo nach Albino in meinen Fokus geraten. Und so steuern wir zunächst die Endhaltestelle der Stadtbahn an, diese befindet sich neben dem Bahnhofsvorplatz von Bergamo.

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Von 1884 bis 1967 gab es mit der Ferrovia della Valle Seriana eine Bahnstrecke von Bergamo über Albino in das Val Seriana. In den 1990er-Jahren setzte eine Rückbesinnung auf die Bahnstrecke ein und es reifte der Plan, die ehemalige Bahnstrecke als moderne Straßenbahn zu nutzen. Dabei war durchaus Geduld gefragt, von der Gründung der Betreibergesellschaft Tramvie Elettriche Bergamasche (TEB) im Jahr 2000 bis zur Eröffnung vergingen neun Jahre, da zwischenzeitlich das Bauunternehmen in Konkurs ging und ein Tunnel einstürzte.

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Die 12,5 Kilometer lange Strecke führt fast durchgängig durch Ortschaften und bebautes Gebiet, Ausblicke auf die Landschaft sind selten. Es gibt 16 Haltestellen, die gesamte Strecke verläuft auf eigenem Gleiskörper, hiervon ist gut ein Drittel als Rasengleis ausgeführt.

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Die Strecke ist geprägt von modernen Haltestellen, dazwischen lassen sich aber Relikte der früheren Bahnstrecke der Ferrovia della Valle Seriana entdecken wie das Bahnhofsgebäude von Alzano. Seinerzeit gab es durchgehende Züge von Mailand bis an den Rand der Bergamasker Alpen.

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Schließlich erreichen wir Albino, im Hintergrund ist der Monte Rena zu sehen, der zu den Bergamasker Voralpen gehört. Links davon der 1.300 Meter hohe Monte Cornagera.

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Nun drehen wir eine kleine Runde durch Albino, die Stadt ist mit rund 18.000 Einwohnern der größte Ort im Val Seriana.

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Schließlich kehren wir zurück zur Endstation der TBE. Die Bahnstrecke führte früher noch rund zwanzig Kilometer weiter in die Berge mit zwei Ästen nach Ponte Selva und Clusone. Eine weitere Reaktivierung der Strecke bis Vertova kam bisher nicht über eine Studie hinaus.
Für die Strecke wurden 14 Niederflur-Gelenktriebwagen des Typs Sirio von AnsaldoBreda beschafft.

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Wir fahren jetzt zurück nach Bergamo. Von Montag bis Samstag besteht ein Viertelstundentakt, in den Hauptverkehrszeiten verkehrt alle fünf bis zehn Minuten eine Bahn.
Von 1912 bis 1953 gab es schon einmal eine Überlandstraßenbahn zwischen Albino und Bergamo, diese führte damals durch den Straßenraum.

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Viele der Haltestellen sind im Comic- bzw. Graffiti-Stil gestaltet. Die Inneneinrichtung der Bahnen wurde von der Modedesignerin Krizia gestaltet, die in Bergamo geboren wurde.

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Schließlich sind wir zurück in Bergamo. Die Erkundung von Stichstrecken ist immer ganz nett, kostet aber doch viel Zeit. Aber jetzt schauen wir mal, wie weit wir noch kommen. Vom monumentalen Stadttor Porta Nuova machen wir uns auf den Weg…

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…zur Standseilbahn in die Oberstadt. Nachdem die auf einem Hügel gelegene Oberstadt (Città Alta) immer mehr von der florierenden Unterstadt abgehängt wurde, suchte man ab dem Jahr 1880 nach einer Lösung für die Verbesserung der Anbindung der beiden ungleichen Stadtteile. Man entschied sich damals für eine Standseilbahn, welche 1887 eröffnet wurde.

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Seit einem Umbau 1921 handelt es sich eigentlich nicht mehr um eine klassische Standseilbahn, sondern um zwei Schrägaufzüge, die unabhängig voneinander verkehren und deren Seile in der Bergstation auf Trommeln gewickelt werden.

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Die Bahn überwindet einen Höhenunterschied von 85 Metern, die beiden Strecken sind 236 und 240 Meter lang. Die Bahn wird nicht nur von Touristen genutzt, sondern dient auch den Einheimischen als schnelle Verbindung zwischen Unter- und Oberstadt, sie ist tariflich in den örtlichen Verkehrsverbund integriert.

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Die Oberstadt Città Alta steht komplett unter Denkmalschutz und ist von einer Stadtmauer umgeben. Wir drehen eine kleine Runde durch das historische Zentrum, beim nächsten Bild sind wir am Dom von Bergamo angekommen.

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Es gibt noch eine zweite Standseilbahn in Bergamo von der Oberstadt zum Hügel San Vigilio. Für diese Bahn haben wir heute jedoch keine Zeit mehr, da werden wir wohl irgendwann nochmals nach Bergamo reisen müssen. Und so machen wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof, hinter diesen Türen befindet sich die Bergstation der Bahn in die Unterstadt.

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Das vorletzte Bild aus Bergamo zeigt den Torre dei Caduti in der Unterstadt…

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…dann erreichen wir wieder den Bahnhof. Der Bahnhof wurde 1857 von der österreichischen Südbahngesellschaft erbaut, damals erreichte die Bahnstrecke Mailand-Venedig die Stadt. Später wurde Bergamo jedoch vom Hauptnetz abgeschnitten, als die Bahnstrecke Mailand-Venedig auf eine verkürzte Streckenführung ohne den Umweg über Bergamo umgestellt wurde.
Mit einem Elektrotriebwagen des Typs ALe 582 fahren wir von Bergamo nach Brescia.

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Nun befahren wir also den historischen Streckenabschnitt der Bahnstrecke Mailand-Venedig, die seinerzeit von der k.k. priv. lombardisch-venetianische Ferdinands-Bahn durch das österreichische Königreich Lombardo-Venetien gebaut wurde. Die Strecke führt unspektakulär durch die Norditalienische Tiefebene, in der Ferne sind die Ausläufer der Alpen zu sehen.

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Dass Reisende mit Fahrtziel Monaco im Zug nach München sitzen (italienischen Monaco di Baviera), kommt ja schon mal vor. Das könnte wohl auch in Cologne passieren, die Fahrplanauskunft der DB spukt bei der Eingabe Bergamo-Cologne jedenfalls eine Verbindung ins zehn Stunden entfernte Köln aus.

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Das letzte Bild der rund einstündigen Fahrt zeigt den Klosterkomplex der heiligen Annunciata bei Rovato. Das Kloster an den Hängen des Monte Orfano wurde 1449 gegründet.

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In Brescia besteigen wir den letzten Zug des heutigen Reisetags. Mit einem Dieseltriebzug der Reihe ALn 668 fahren wir an den Iseosee, die Strecke gehört zum Netz von Trenord.

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Auf der Fahrt nach Norden verlassen wir die Tiefebene und erreichen das Hügelland der Franciacorta, die Region ist auch als Weinbaugebiet bekannt. Über den Reben thront Castello di Bornato aus dem 13. Jahrhundert.

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Das Torfmoor Torbiere del Sebino kündigt den Iseosee an. Heute fahren wir jedoch nur noch ein kurzes Stück am Ufer des Iseosee (italienisch Lago d’Iseo oder Sebino) entlang, den größeren Teil der Strecke erkunden wir am Folgetag.

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In Pilzone verlassen wir den Zug, der erste Eindruck des Dorfs mit schnuckeligem Bahnhof und der Dorfkirche Chiesa Parrocchiale della Madonna Assunta aus dem 16. Jahrhundert ist schon mal ganz nett.

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Der Iseosee ist der viertgrößte der oberitalienischen Seen, er ist aber weniger bekannt und frequentiert wie Gardasee, Lago Maggiore und Comer See.

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Wir verbringen den Abend am Seeufer, nach dem Sonnenuntergang drehen wir noch eine Runde durchs Dorf und beenden damit diesen Teil des Reiseberichts.

In den nächsten Tagen folgt der vierte und letzte Teil des Reiseberichts, dann erkunden wir die weitere Strecke entlang des Iseosees, fahren bis zur Endstation Edolo und von dort mit Bus und Rhätischer Bahn zurück nach Hause.

Viele Grüße und einen schönen vierten Advent

Tobias

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


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