Mit Citadella und Kanarček zum Iseosee (2/4 mit 56 B.) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum zweiten Teil unserer kleinen Rundreise durch Ungarn, Slowenien und Italien. Im ersten Teil waren wir vom Bodensee über Zürich und Budapest nach Ptuj in Slowenien gereist.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/104-Citadella-Kamnik-Iseosee/104-000Karte.jpg)
Heute setzen wir die Reise in Richtung Italien fort, heute Abend wollen wir in Triest sein, unterwegs machen wir einen Abstecher nach Kamnik.
Teil 3: Ptuj – Ljubljana – Kamnik Graben – Ljubljana - Triest
Der Himmel ist zwar noch wolkenverhangen, aber es regnet nicht mehr und wir können beim morgendlichen Weg vom Hotel zum Bahnhof noch einige Eindrücke der Altstadt von Ptuj sammeln.
Hier sehen wir den Stadtturm von Ptuj mit seinem barocken Zwiebeldach, rechts davon die Sankt-Georgs-Kirche. Seitdem im 17. Jahrhundert der Kirchturm von Sankt Georg abgebrannt war, wird der Stadtturm als Kirchturm mitgenutzt.
Die Bahnstrecke vom Grenzbahnhof Hodoš bis nach Pragersko an der Südbahn wurde zwischen 2009 und 2016 modernisiert und elektrifiziert, sie gehört zum Transeuropäischen Netz der Achse Lyon – Tschop. Wir fahren nun mit dem IC 503 nach Ljubljana.
Ab Pragersko befährt der Zug die ehemals österreichische Südbahn. Landschaftlich besonders reizvoll ist der Abschnitt ab Celje, wenn der Zug erst durch das Tal der Savinja fährt…
…und ab Zidani Most (Steinbrück) dem wild-romantischen Tal der Save folgt.
Die letzten Kilometer bis Ljubljana fährt der Zug durch das Laibacher Becken. Endstation des IC 503 ist Koper an der slowenischen Adriaküste, unser Ziel ist jedoch die italienische Nachbarstadt Triest.
Während wir in Ljubljana bewusst den Zug verlassen, stieg 1904 der damals noch junge Schriftsteller James Joyce auf der Reise von Zürich nach Triest versehentlich in Ljubljana aus, da er sich bereits in Triest wähnte. Die Nacht bis zur Weiterfahrt verbrachte James Joyce dann auf einer Parkbank. Wir Normalsterbliche würden wohl Hohn und Spott ernten, wenn wir Ljubljana und Triest verwechseln würden – für James Joyce hingegen gibt es eine Bodenplatte am Bahnhof mit der etwas beschönigenden Aussage „James Joyce spent the night in Ljubljana“ samt einem Denkmal des slowenischen Künstlers Jakov Brdar.
Wir fahren jetzt mit einem Regionalzug nach Kamnik Graben. Warum? Nun, wir hatten bei der Reiseplanung noch etwas Zeit übrig, das Ziel sah im Internet nett aus und zum Streckensammeln bietet sich die Strecke gerade gut an.
Zum Einsatz kommt ein Dieseltriebzug der Baureihe 713/715, die Züge wurden zwischen 1983 und 1986 von MBB Donauwörth in Kooperation mit einem jugoslawischen Hersteller gebaut.
Vielleicht noch ein Hinweis für unerfahrene Slowenienreisende: lasst Euch nicht vom teilweise versifften Äußeren der Züge abschrecken, innen sind die Züge üblicherweise sehr gepflegt.
Die Bahnstrecke von Ljubljana nach Kamnik ist eine knapp 24 Kilometer lange Stichtrecke, sie ist nicht elektrifiziert. Die Bahnstrecke ist auch unter dem Namen Steinerbahn bekannt, Stein ist der deutsche Name von Kamnik. Die Strecke führt durch das Laibacher Becken in Richtung der Steiner Alpen. Da es später bei der Rückfahrt blauen Himmel und Sonnenschein geben wird, zeige ich lieber später mehr Streckenbilder von der Rückfahrt.
Im Ort Kamnik gibt es drei Stationen, hier sind wir an der südlichsten Station, der Bahnhof heißt schlicht „Kamnik“. Ein ehemaliger jugoslawischer Speisewagen hat hier eine neue ortsgebundene gastronomische Nutzung gefunden.
Wir fahren nun durch Kamnik, den Kirchturm sehen wir später noch aus der Nähe. Hinter der nächsten Kurve kommt der Haltepunkt Kamnik mesto (Stadt). Anschließend führen die Gleise durch einen kurzen Tunnel…
…und wir erreichen die Endstation Kamnik Graben. Das Gleis führt noch einige Meter weiter zu einem Industriebetrieb. Wir machen uns jetzt auf den Weg in die Altstadt.
Kamnik hat knapp 30.000 Einwohner, die Stadt liegt südlich der Steiner Alpen. Im Mittelalter war Stein in Krain ein wichtiger Handelsplatz, später verlagerten sich die Handelsströme und der Ort verlor an Bedeutung. Hier blicken wir vom Felsen bei der der Burg Mali Grad im Ortskern in Richtung Alpen, links das Franziskanerkloster St. Jakob.
Auf der anderen Seite liegt die herausgeputzte Altstadt mit der historischen Hauptstraße Šutna. Die Šutna führt durch den Stadtkern bis zur Marienkirche mit dem gotischen Glockenturm.
Unweit vom Stadtkern liegt der Haltepunkt Kamnik mesto. Die Bahnstrecke bis zum Bahnhof Kamnik wurde 1890 eröffnet. Der letzte Streckenabschnitt bis Kamnik mesto und Kamnik Graben ist jedoch jünger, die Verlängerung erfolgte 1918.
Die Eröffnung der Bahnlinie führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt, da sich verschiedene Industriebetriebe ansiedelten. Heute dient Kamnik auch als Wohnort für Pendler nach Ljubljana.
Vom Weg oberhalb des Tunnelportals fällt der Blick über das Gleis bis zur Burg Zaprice (Steinbüchel). Bis auf wenige Lücken gibt es werktags einen Stundentakt nach Ljubljana, sonntags ruht der Bahnverkehr. Wir haben noch etwas Zeit bis zur Abfahrt des nächsten Zugs und laufen daher zurück zur Endstation Kamnik Graben.
Volltreffer! Wir stoßen zufällig auf den „Kanarček“ (Kanarienvogel). Bei der Auslieferung der Triebzüge hatten diese ein gelb-oranges Farbschema und bekamen daher den Beinamen Kanarienvogel. Alle Einheiten wurden zwischenzeitlich in das rote Farbschema der slowenischen Bahn umlackiert – bis auf dieses eine Exemplar, das im Retrolook unterwegs ist.
Auch die Rückfahrt können wir am offenen Fenster verbringen, die Fahrt bis Ljubljana dauert etwa eine Dreiviertelstunde. Hier eine ähnliche Perspektive vom Haltepunkt mesto zur Burg Zaprice wie vorhin vom Tunnelportal.
Die Strecke führt bis auf den Tunnel in Kamnik ohne größere Kunstbauten durch die Ebene des Laibacher Beckens. Viele kleine Ortschaften, Bahnhöfe und Haltepunkte säumen die Strecke, beim nächsten Bild sind wir in Homec.
Ganz idyllisch geht es weiter…
…bis man sich in Domžale plötzlich in einer anderen Welt wähnt. Aber der Beton-Spuk ist gleich wieder vorbei…
…und wir sind wieder in der ländlichen Idylle der Region Gorenjska (Oberkrain). Hier sehen wir die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt von Domžale. Das übernächste Bild zeigt den Bahnhof von Trzin.
Schließlich sind wir zurück in Ljubljana und drehen nun noch eine Runde durch die slowenische Hauptstadt. Unser erstes Ziel ist die Burg über den Dächern der Altstadt…
…um von oben wieder hinabzublicken. Irgendwo rechts am Horizont liegt Kamnik. Ungefähr in der Bildmitte unterhalb des pyramidenförmigen Gebäudes befindet sich der Bahnhof von Ljubljana.
Das nächste Bild entstand in der Altstadt mit Blick zum Dom St. Nikolaus.
Ok…
…passt – Mission erfüllt!
Nun zurück zum Bahnhof Ljubljana (Železniška postaja Ljubljana), der Bahnhof wurde 1849 errichtet, als die Österreichische Südbahn die Stadt erreichte.
Nachdem es mehrere Jahre lang nicht möglich war, die Österreichische Südbahn auf der vollen Länge bis Triest zu befahren, gibt es seit 2018 wieder durchgehende Regionalzüge von Ljubljana nach Triest. Eingesetzt werden Triebzüge vom Typ ETR 564 aus der Civity-Familie von CAF. Die Züge in Zweisystemausstattung tragen das Farbkleid der italienischen Region Friaul-Julisch Venetien. Die Anzeige am Bahnsteig wechselt zwischen Trieste Centrale (italienisch) und Trst (slowenisch).
Die Fahrt von Ljubljana nach Triest dauert etwa 2 Stunden 45 Minuten. Das Fahrgastinformationssystem spricht sonderbarerweise nur Italienisch und Englisch. Hier fahren wir gerade in einer Schleife um den Ort Borovnica in Zentralslowenien. Wo die Züge heute eine große Kehrschleife befahren, gab es bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ein über 500 Meter langes Viadukt, das als schönstes Viadukt in Europa galt.
Über Postojna und Divača fahren wir Richtung Küste, dann erreichen wir die Karstgebiete der Region Primorska (slowenisches Küstenland).
Zwischen Sežana und Villa Opicina queren wir die Grenze von Slowenien zu Italien. Im italienischen Grenzbahnhof Villa Opicina hat der Zug planmäßig 10 Minuten Aufenthalt für Grenzkontrolle und Personalwechsel, bei uns werden jedoch gut 20 Minuten daraus. Kurz nach der Ankunft des Zugs in Villa Opicina fährt am Bahnhof ein Bus nach Triest ab – ich habe den Verdacht, dass man mit dem Bus schneller unten in Triest wäre als mit dem Zug. Die Straßenbahn zwischen Opicina und Triest fährt ja leider nicht (mehr?), aber ich hatte das Glück, da schon mal mitgefahren zu sein (zum Reisebericht).
Und außerdem wollen wir natürlich die Bahnstrecke von Villa Opicina nach Triest befahren, denn genau dieser Streckenabschnitt fehlt uns noch in der Sammlung. Villa Opicina gehört schon zu Triest, der Ort liegt auf 320 Metern über dem Meer am Rande des Karstplateaus. Das Zentrum von Triest ist nur rund vier Kilometer entfernt; um den großen Höhenunterschied zu überwinden, führt die Bahnstrecke jedoch in einer großen Kehrschleife erst rund zwölf Kilometer nach Nordwesten und dann an der Adriaküste entlang zurück. Der Zug benötigt daher 30 Minuten von Villa Opicina nach Triest und legt dabei 28 Kilometer zurück.
So, wir haben unser Tagesziel erreicht! Den Abend verbringen wir nun in Triest. Das ist nun schon unser zweiter Besuch in der Hafenstadt an der Adria. Die Stadt gefällt mir sehr gut, hier komme ich gerne her. Hier sind wir am Canal Grande.
Triest war von 1382 bis 1918 Teil der Habsburgermonarchie bzw. von Österreich-Ungarn, in Triest war der bedeutendster Handelshafen von Österreich-Ungarn und ein Stützpunkte der k.u.k. Kriegsmarine. Mit der Mischung aus österreichischen als auch italienischen Einflüssen hat die Stadt einen ganz eigenen Charme.
An der Piazza dell’Unità d’Italia beenden wir den Reisebericht, in der Mitte das Rathaus.
In den nächsten Tagen folgt der dritte Teil, dann fahren wir von Triest über Bergamo nach Pilzone am Iseosee.
Viele Grüße
Tobias
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TD,
14.12.2021, 17:38
- Nochmal danke - südkreuz, 16.12.2021, 09:50
- Mit Citadella und Kanarček zum Iseosee (2/4 mit 56 B.) - lokuloi, 16.12.2021, 20:07