Mit Citadella und Kanarček zum Iseosee (1/4 mit 56 B.) (Reiseberichte)

TD, Samstag, 11.12.2021, 14:16 (vor 927 Tagen)

Hallo zusammen,

ich bin weiterhin dabei, meinen Fundus aus unbearbeiteten Reisen abzubauen. Nun kommen wir in den September 2019.

Wir waren damals mit einem Interrail-Ticket unterwegs und hatten mehrere Reisetage für eine Skandinavien-Tour sowie für eine Tagestour durch Jura, Ajoie und Sundgau genutzt. Und die restlichen Tage? Also ich meine ja, da fehlt noch das Ziel auf der Fahrkarte:

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Na, die Stadt erkannt? Das ist Ljubljana. Da wir die üblichen Wege nach Slowenien über Graz als auch über Villach und den Karawankentunnel schon häufiger gefahren sind, lautet der Plan, von Budapest mit dem IC Citadella nach Slowenien zu fahren und für den Rückweg eine Route über Triest zu wählen.

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Wir fahren von Konstanz nach Zürich und von dort mit dem durchgehenden Railjet nach Budapest. Am zweiten Tag reisen wir von Budapest nach Celje und anschließend zurück nach Ptuj. Den dritten Tag prägen Ljubljana, die Bahnstrecke nach Kamnik Graben und die Weiterfahrt nach Triest. Tag vier verbringen wir in Italien mit einem Besuch in Bergamo und der Fahrt zum Iseosee. Und am letzten Reisetag wählen wir für die Rückfahrt an den Bodensee den Bus über den Apricapass und die Berninabahn.


Tag 1: Konstanz – Zürich – Budapest

Recht entspannt starten wir morgens um 9 Uhr am Bahnhof von Konstanz, mit nur einem Umstieg wollen wir in gut zwölf Stunden in Budapest sein. Mit einem InterRegio der SBB fahren wir zunächst nach Zürich.

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Von Zürich nutzen wir den direkten Railjet bis Budapest. Für die lange Strecke gönnen wir uns den Aufpreis für die Business Class. Wir fahren zunächst am Ufer des Zürichsees,…

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…anschließend folgt der Walensee. Nach dem Fahrtrichtungswechsel in Buchs fahren wir durch Liechtenstein und dann auf die Arlbergstrecke. In Strengen an der Ostrampe der Arlbergbahn kommt der Zug zum Stehen. Nach 30 Minuten gibt es eine vernuschelte Ansage mit einem „betriebsbedingten Aufenthalt“ und „Türen geschlossen halten“. Als irgendwann…

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…ein ÖBB-Einsatzleiter vorfährt, wird mir klar, dass das wohl doch eine größere Sache wird. Es scheint ein technisches Problem zu geben, zwischendurch sind Strom und Klima weg, ein Anfahrversuch endet nach wenigen Metern wieder und der Lokführer ist zu Fuß außerhalb des Zugs unterwegs. Nach weiteren 30 Minuten gibt es eine Durchsage, dass im Speisewagen Gratisgetränke ausgeben werden, Grund und Dauer des Halts bleiben weiterhin im Dunkeln. Schließlich wird die Lok vom Zugschluss vor den Zug gefahren und nach gut 90 Minuten setzt sich der Zug wieder in Bewegung.

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Im Unterinntal werfen wir einen Blick auf die Karte im Railnet. Wir durchqueren heute Österreich einmal komplett von West nach Ost, beim nächsten Bild fahren wir entlang des Inns.

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Gut, das mit dem Durchqueren von Österreich stimmt nicht ganz, hier fahren wir im Transit über das Deutsche Eck zwischen Kufstein und Salzburg.

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Während sich bei der Deutschen Bahn das „Bestellen am Platz“ im ICE Portal noch in der Pilotphase befindet, konnten wir das im September 2019 im Railjet schon ausprobieren. Wie wäre es mit Topfenknödel und einem Kaffee?

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Ich kann bestätigen, dass das Aufgeben einer Bestellung funktioniert. Aber leider auch nur das. Als wenig später das Servicepersonal nach Wünschen fragt und wir auf die Onlinebestellung verweisen, heißt es lapidar „ach, das geht eh nicht“.

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Unsere Topfenknödel bekommen wir dann aber trotzdem. [Bevor hier ein falscher Eindruck entsteht: immer Sommer 2021 konnten wir bei einer anderen Reise im Railjet erfolgreich unser Mittagessen über das Portal bestellen.]

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Hier fahren wir in Salzburg über die Salzach, anschließend geht es weiter auf der Westbahn über Wien nach Budapest. Von der weiteren Strecke habe ich dann keine Bilder mehr.
Von Feldkirch bis Wien fährt der Railjet vereinigt mit dem Railjet Feldkirch-Wien Flughafen. Im Hauptbahnhof Wien stehen wir daher länger, da bei der Trennung die Loks wieder umsortiert werden müssen.

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Mit bald zwei Stunden Verspätung kommen wir schließlich am Bahnhof Budapest-Keleti an. Da wir die Reise am nächsten Morgen am Bahnhof Déli fortsetzen werden, hatte ich ein Hotel am Bahnhof Déli gebucht. Bis wir im Hotel sind, ist es fast Mitternacht, den eigentlich geplanten Abendspaziergang durch Budapest lassen wir unter diesen Umständen bleiben.

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Tag 2: Budapest – Celje – Pragersko - Ptuj

Der Südbahnhof Déli pályaudvar ist der drittgrößte internationale Bahnhof von Budapest. Der Bahnhof liegt im Westen der Stadt, die Bezeichnung Südbahnhof orientiert sich an den Zielorten der Züge. Am Bahnhof Budapest-Déli fahren die Züge in Richtung Balaton und Székesfehérvár ab - und auch der Intercity nach Ljubljana.

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Der „Citadella“ ist in Ungarn als Gyorsvonat (Schnellzug) klassifiziert, in den Fahrplanmedien wird er auch als D-Zug geführt. Der Zug ist aus slowenischen und ungarischen Wagen gebildet, wir nehmen im slowenischen AB-Wagen Platz.

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Wir fahren durch die Region Mitteltransdanubien nordwestlich des Balatons, beim nächsten Bild durchfährt der Zug ein Sumpfgebiet des Naturparks Sárréti Tájvédelmi Körzet.

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Auf der 530 Kilometer langen Strecke zwischen Budapest und Ljubljana hält der Zug knapp 30 Mal – darunter auch an kleinen Landbahnhöfen wie in Pétfürdő.

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Im Fahrplanjahr 2015 verkehrte der Zug vorübergehend als Eurocity. Halte in 2.000-Einwohner-Dörfern wie hier in Jánosháza passen aber nicht so recht zu dieser Zuggattung. (Warum muss ich bei diesem Satz jetzt an Golling-Abtenau und Werfen denken?)

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Die Fahrt ist ganz nett, große landschaftliche Höhepunkte hält die Strecke durch die Pannonische Tiefebene jedoch nicht bereit. Unterwegs gibt es zwei Fahrtrichtungswechsel in Boba und Zalaegerszeg. Beim nächsten Bild fahren wir durch den Ort Zalalövő.

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Nach etwa viereinhalb Stunden sind wir am ungarisch-slowenischen Grenzbahnhof Hodoš angekommen, der Bahnhof liegt auf der slowenischen Seite der Grenze.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der grenzüberschreitende Verkehr über Hodoš eingestellt, nachdem sich der Verkehr auf die Route Budapest-Zagreb verlagert hatte. Abschnittsweise wurden im Grenzgebiet die Gleise abgebaut. Durch den Zerfall Jugoslawiens und den zunehmenden Güterverkehr setzte ein Umdenken ein und die grenzüberschreitende Bahnstrecke wurde bis 2001 wiederaufgebaut und teilweise neutrassiert.

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Auf der slowenischen Seite fahren wir nun durch die Hügellandschaft der Region Goričko. Auch in Slowenien dient der internationale Zug gleichzeitig der Naherschließung, wie wir am Halt im 1.000-Einwohner-Dorf Lipovci sehen.

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Einer der Unterwegshalte ist Ptuj, dort wartet ein Hotelzimmer auf uns. Wir wollen den Tag jedoch noch für einen weiteren Stadtbesuch nutzen und außerdem habe ich noch ein besonderes Vorhaben. Und so bleiben wir zunächst im Zug sitzen und fahren weiter durch das Draufeld bis Celje.

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Celje ist nach Ljubljana und Maribor die drittgrößte Stadt Sloweniens. Wir unternehmen einen kleinen Spaziergang durch die Altstadt, links sehen wir das Celjski dom. Es wurde 1907 als „Deutsches Haus“ eröffnet, in dem deutsche Vereine und Firmen ihren Sitz hatten. Nachdem Celje und die Untersteiermark 1919 zum damals gegründeten Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen kam, wurde das Haus enteignet und umbenannt.
Das nächste Bild zeigt die Grafei, das Renaissanceschloss wurde zwischen 1580 und 1603 erbaut und beherbergt heute das Regionalmuseum.

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Der eher unscheinbare Kirchturm gehört zur Kathedrale St. Daniel, rechts davon die Mariensäule.

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Gegenüber am anderen Ufer der Savinja befindet sich die Kirche St. Cäcilia, die zusammen mit einem Kloster im 17. Jahrhundert errichtet wurde. Links sehen wir die Burg von Celje. Angesichts der bedrohlicher werdenden Regenwolken verzichten wir jedoch auf den Aufstieg zur Burg.

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1846 wurde Celje – damals noch unter dem deutschen Namen Cilli – mit Eröffnung der Österreichischen Südbahn von Wien nach Triest an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Wir retten uns nun vor den ersten Regentropfen ins Bahnhofsgebäude.

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Wir fahren jetzt zurück in Richtung Ptuj. Die erste Etappe der Strecke legen wir mit einem slowenischen Pendolino (SŽ-Baureihe 310) zurück. Die dreiteiligen Triebzüge stammen aus der italienischen ETR 460-Familie. Auf der ehemaligen österreichischen Südbahn fahren wir bis Pragersko, wo die Bahnstrecke nach Ptuj und Hodoš abzweigt.

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Hmm, so war das nicht gedacht. Ich hatte mir laut Eintrag auf vagonweb Hoffnung gemacht, dass der IC 520 aus einem der alten Dieseltriebwagen der Baureihe 711 bestehen würde. Der fehlt mir nämlich noch in meiner Sammlung. Stattdessen fährt als „Intercity“ heute ein elektrischer Desiro. Gut zehn Minuten dauert die Fahrt bis Ptuj.

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Warum ausgerechnet Ptuj? Nun, einerseits war das Teil des Baureihe 711-Plans, anderseits ist Ptuj die älteste Stadt Sloweniens und die Bilder von Ptuj sahen ganz nett aus. Hier stehen wir vor dem Rathaus der 23.000 Einwohner-Stadt.

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Wir schaffen es aber nur bis ins Hotel, dann holt uns das Gewitter aus Celje wieder ein. Es regnet so heftig, dass wir erstmal im Hotel bleiben…

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…und uns erst am Abend wieder hinaustrauen. Ptuj liegt am Ufer der Drau, über der Altstadt erhebt sich der Schlossberg. Das Schloss Ptuj geht auf ein römisches Kastell zurück, später wurde es zu einer Festungsanlage mit Türmen und Wohngebäuden umgebaut.

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Mit einem nächtlichen Blick über die Dächer von Ptuj beenden wir den zweiten Reisetag und diesen Berichtsteil. In den nächsten Tagen folgt der zweite Teil mit der Fahrt nach Ljubljana, der Erkundung der Strecke nach Kamnik Graben und der Weiterreise nach Triest.

Viele Grüße und einen schönen Sonntag

Tobias

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


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