Das war wieder Spektakel pur! (Aktueller Betrieb)

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Montag, 01.11.2021, 00:01 (vor 1727 Tagen) @ Garfield_1905
bearbeitet von Der Blaschke, Montag, 01.11.2021, 00:04

Hey.

Sperrung aufgehoben. Muß wohl doch alles besser als geplant gelaufen sein.

Yüp!

Ich fuhr 15.03 Uhr Haller Willem Bielefeld Halle(Westf) Osnabrück an 16.15 Uhr.

Ein Kunde wollte nach Bremen, einer nach Lemförde, 3 ältere Semester nach Düsseldorf.

Ich hatte von der notwendigen Sprengung und längerer Sperrung gelesen und auch hier die vorherige Erstmeldung von Kater.

Also informierte ich die Kunden während der Befragung schon mal, dass das mit ihrem Plan vermutlich nichts werden wird. Die Kundin nach Bremen wußte von der NWB RB 58, die über Vechta nach Bremen fährt. Ich erklärte ihr den Weg - dass sie von Gleis 5 nur einmal eine Treppe runter muss, um zu Gleis 13/14 zu gelangen. Die "Lemförderin" konnte ich nur an die Bahninfo in Osnabrück verweisen. Und die 3 Seniorinnen, die mit IC nach Düsseldorf wollten, verwies ich auf den RE 2, der aber heute nur bis Duisburg fährt. Aber ich zeige dann die Verbindung immer im Navigator vor und fordere die Kunden auf, das abzufotografieren - dann bringen sie nix durcheinander und vergessen nicht die Hälfte vor lauter Aufregung. Alle bekamen sich wieder ein. Ich versprach, dass ich in Osnabrück auch noch da bin und ihnen das am Bstg alles zeigen werde.

Kurz hinter Oesede gegen 16 Uhr kam dann die Kundin mit Fahrtwunsch Lemförde zu mir und meinte, in der App stünde, die Strecke sei wieder frei.

Ui!

Ich schaue auch nach. Der RE nach Bremen war tatsächlich auch schon als verkehrend eingetragen. Würde es aber eine Garnitur vor Ort geben? Und Personal?

Bei Ankunft in Osnabrück erschien mir die Lage dann so, dass ein aus Bohmte kommender Zug kurzwenden würde in Osnabrück. Else sprach dann von plus 15. Die Bremer Kundin entschied sich für die RB 58 - lieber etwas später, aber dafür zuverlässig und ohne Umstände.

Die Senioren bekamen das mit der Freigabe auch mit. Und waren dann etwas brummelig: wenn die Strecke doch frei ist, warum fährt unser IC denn trotzdem nicht? Also holte ich etwas aus und erklärte ihnen, dass Umleitungsplanungen immer auch einen gewissen Vorlauf bräuchten. Lokführerarbeitszeiten, Schaffnerdienstplan und wo der Zug hin muss und sowas. Und dass man dann nicht schwuppdiwupp alles ummodeln kann, wenn man nicht genau weiß, ab wann wieder frei ist - das benötige immer auch einen Nachlauf.

Dann erklärte ich, dass ihr IC um 15.45 Uhr in Bremen abgebogen sei zur Umleitung über Hannover, aber erst um 15.55 Uhr die Strecke wieder frei war. Da könne man nicht eben einfach mal rückwärts fahren. Und selbst wenn, dann gäbe das soviel Verspätung, dann seien sie mit ihrem RE auch früher da.

Und dann setzte ich noch einen oben drauf und erklärte ihnen, dass es bei aller Kritik an der Eisenbahn aber einen obersten Merksatz gäbe, der zwar manchmal lästig wirke, den ich aber für richtig halte: immer zur sicheren Seite hin. Und deswegen seien Dinge wie "jetzt machen wir mal eben schnell so und so", "kleiner Dienstweg", "wird schon klappen" und sowas alles keine Optionen. Das wirke zwar manchmal träge und kundenfeindlich - aber wegen des Prinzipes sei die Eisenbahn eben ein extrem sicheres Verkehrsmittel.

Das sahen die Senioren und anderen Zuhörer dann auch so. Wegen der jetzt nutzlosen Platzreservierung konnte ich die 3 älteren Semester dann auch noch beruhigen. Ihr RE 2 fuhr ja direkt nach uns direkt gegenüber ein und so konnten sie sich gleich reinsetzen und sich noch reichlich freie Plätze aussuchen. Jetzt mußten sie nur noch ihre Männer anrufen und die neue Ankunftszeit durchgeben.

Und so waren alle verarztet. Ich hatte sogar noch die Zeit zum Essenfassen bei der Bahnhofsgastronomie vor der Rückfahrt um 16.35 Uhr. Der Schaffner freute sich auch, etwas Unterstützung gehabt zu haben.

An Drabbel und Erregung war es das dann auch. Fast. Auf der Runde drauf um 19.35 Uhr ab Osnabrück waren 2 Damen, bei denen auf dem Hinweg von Dissen nach Norderney ihren Angaben nach 1 1/2 Std Verspätung aufgelaufen waren. Jetzt auf der Rückfahrt über Rheine habe auch mehrfach was nicht geklappt. Ja, die Personale auf den Zügen und in den Bahnhöfen seien ja wirklich alle freundlich gewesen und hätten auch gute Auskünfte erteilt und weitergeholfen. Aber schlußendlich seien sie jetzt über 6 Std unterwegs gewesen, was man mit dem Auto in 3 Std schaffe - ohne Umzusteigen und ohne Warten auf wenig einladenden Bahnhöfen. Was genau war, ließ sich jetzt nicht eruieren. Sie jedenfalls wollten bei aller Liebe beim nächsten Mal doch wieder das Auto nehmen. Was nutze all die Werbung, wenn das Versprochene schlußendlich nicht eingehalten wird.

Dem kann man dann auch nichts hinzufügen. Da gibt's keine Argumente. Und erst neulich erzählte mir eine FV-Schaffnerin, dass es lange nicht so katastrophal wie derzeit gewesen sei. Man frage sich mittlerweile nur noch, wie lange in der Schicht es ohne Störungen gut laufe - besonders frustrierend sei es, wenn schon zum Dienstbeginn die Dinge aus dem Ruder gelaufen sind.

Stimmt das eigentlich, dass man bei FV plant, die Besetzungen auf den Zügen drastisch zu kürzen, soweit zulässig? Stichwort KCI und natürlich 'Digitalisierung'. Wundern würde es mich nicht, auch wenn das natürlich ein Schuß ins eigene Knie wird ...

Na ja, ich sah dann später, als wir NRW erreichten, auf der Fahrt vor allem gruselige Gesichter. Einige wollten zur Helloween-Party nach Bielefeld und etliche in den GO PARC nach Herford. Ich staunte erst, Sonntagabends? - aber dann fiel der Groschen am Stück: is ja Feiertag in NRW am Montag ... Okay, als Niedersachse darf ich das auch mal kurz vergessen ... ;-)

Mit meinem üblichen Helloween-Spott "Hello Wien - ich rufe Peter Nidetzky" konnten die jungen Leute natürlich nichts anfangen und schauten dann echt entgeistert drein ... Dabei lebt der sogar noch. (Na, wer weiß ohne nachzuschauen noch, wie der Kollege aus der Schweiz hieß; der lebt aber nicht mehr ...)

Bei der letzten Tour 21.03 Uhr aus Bielefeld bleibt nur zu erwähnen, dass es gute 10 Minuten Verspätung gab, weil es zwischenzeitlich angefangen hatte zu regnen. Und das mag so ein Triebwägelchen nunmal im Herbst nicht gern, erst recht nicht in den berüchtigten Steigung bei Hankenberge.

So, jetzt erstmal wieder Pillenfahren angesagt ein paar Tage. Zugtechnisch nur einmal abends RE 42 Münster Essen u.z. in der 1. Dann einmal NWB nach Wilhelmshaven und zurück genießen - das Projekt läuft jetzt nach 3 Jahren aus. Am Wochenende ist dann HLB-Kundenzufriedenheitsbefragung vorgesehen mit Übernachtung in Altenkirchen.

Schöne Grüße von jörg


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