AboUpgrade Teil 2: Lahn, Dill, Lahn und Desiro [m27B] (Reiseberichte)

Math5D, Dienstag, 05.10.2021, 18:40 (vor 1629 Tagen)

Nachdem es gestern quer durch Westerwald und Taunus ging, hatte ich für heute eine Fahrt an deren Grenze, der Lahn, entlang geplant und zurück mit der Kurhessenbahn. Die Anfahrt nach Koblenz war eigentlich mit RE1 ab Aachen, RE8 bis Neuwied und der im letzten Teil erwähnten RB28 bis Niederlahnstein geplant, aber schon beim Aufstehen um 5 Uhr sehe ich die Meldung, dass der RE8 ausfällt (sonntags übrigens der erste RE8 des Tages ab Köln). Na super - immerhin muss ich die Tour nicht ganz umplanen, da mich auch die RB26 von Köln nach Koblenz führt, wenn auch über die morgens lichttechnisch schlechtere Rheinseite. Außerdem fehlt mir so bis heute das kleine Stück der rechtsrheinischen Strecke um Vallendar.

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01 Vorteil der Sache ist neben dem Vermeiden der kleinen Fenster im Continental, dass ich in den RE25 bereits in Koblenz einsteigen kann. Den bildet heute ein LINT, tags zuvor hatte ich den Zug in Limburg mit 2x Talent 1 gesehen.

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02 Hier geht es einmal mehr über den Rhein

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03 mit Blick auf die Festung Ehrenbreitenstein

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04 und wenig später über die Lahn.

Entlang der geht es nun über eine durchaus schöne Strecke, aber Fotos durch die Scheiben sind absolut unmöglich.

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05 In Limburg treffe ich genau den LINT der HLB wieder, mit dem ich gestern von Au nach Altenkirchen gefahren bin. Irgendwann muss der also auch den Südteil der RB90 benutzt haben.

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06 Dieses Ensemble steht dann glaube ich schon in Gießen,

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07 wo der RE25 endet. Der Bahnhof ist als Keilbahnhof angelegt, den man erstmal verstehen muss. Von Südwest (Blickrichtung) kommen die Strecken aus Frankfurt und Koblenz, die Bahnsteige rechts im Bild führen dann in Richtung Marburg. An den Bahnsteigen links halten hingegen die Züge der RBs nach Fulda und Gelnhausen. Beide Strecken wären durchaus auch interessant, aber die muss ich wohl ein anderes Mal mitnehmen.

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08 Aus Frankfurt fährt hier alle 2 Stunden ein recht schneller RE30 in Richtung Marbug und Kassel immer im Wechsel mit diesem Duett: Vorne der RE98, der dieselbe Strecke mit mehr Halten befährt, hinten der RE99, der hier abgekoppelt wird und rückwärts bis Wetzlar und Siegen fährt. Er ist mein nächstes Ziel. (Übrigens fährt in den Stunden des RE30 ein einzelner RE99 nur das Stück Gießen-Siegen)

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09 In Haiger verlasse ich ihn wieder. Von meinem letzten Umstieg habe ich den Bahnhof als besonders ungemütlich, zugig und hässlich in Erinnerung - alles drei trifft immernoch zu. Im Bahnhofsgebäude sind sämtliche Läden nicht nur geschlossen, sondern sogar verbarrikadiert, die Fenster größtenteils kaputt, und ein ehemaliger Brunnen mit Erde aufgefüllt. Nach Duisburg also klar der zweithässlichte Bahnhof Deutschlands.

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10 Direkt hinter meinem Zug fährt auch die RB95 nach Siegen.

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11 Der Grund, warum ich trotzdem hier wende: Hier trifft nämlich die Hellertalbahn von Betzdorf auf die heutige Hauptstrecke - früher ging der Direktverkehr von Köln nach Gießen über die heute unbedeutende und maximal alle 2h bediente Nebenbahn, die ich aber vor Jahren schon gefahren bin. Damals nahm ich den RE99 bis Siegen zurück.

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12 Zwischen den beiden Strecken steht ein Stellwerk - das einzige Gebäude, das noch einigermaßen in Schuss ist.

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13 Nun kommt mein Gegen-RE99, mit dem ich zurück nach Gießen fahre.

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14 Da steht er schon wieder

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15 und bekommt seinen RE98 aus Kassel angekuppelt.

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16 Abfahrt nach Frankfurt Süd, da irgendwas in Richtung Hbf dicht ist. Das betrifft mich zum Glück nicht.

Ich fahre derweil mit dem nächsten RE98 nach Marburg. So habe ich 3 FLIRTS der HLB benutzt mit insgesamt 6 Toiletten - alle waren übrigens kaputt. Mein Verdacht ist, dass es an der seltsamen Schließtechnik liegt, die auch die Toiletten im Süwex-Flirt haben (mehr dazu nächste Woche) - mit einem um ein paar Grad drehbaren, länglichen Hebel muss man die Tür auf- und zuschieben, um sie dann mit einem anderen Drehhebel zu verschließen. Dieser hat, wenn man ihn in die andere Richtung dreht, noch eine Notentriegelung, die eigentlich nicht notwendig sein dürfte, wenn dieser Hebel einfach mechanisch an ein Schloss angeschlossen wäre. Offenbar ist er das aber nicht, sondern eine Elektronik regelt im Hintergund alles und bezieht dabei auch die Stellung des ersten Hebels mit ein. Und die wird eben mit der Notentriegelung überbrückt, deren Benutzung das WC aber in den Defekt-Modus setzt. Da lobe ich mir doch die ganz alten Wagen, in denen man einfach einen mechanischen Riegel vorschob o.Ä. und nichts kaputt gehen konnte.

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17 In Marburg wartet hier schon der RE97, der normalerweise bis Brilon Stadt fährt, auf seine Abfahrt. Leider ist auf einem Teilstück SEV, weshalb ich diese Strecke heute nicht fahre.

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18 An demselben Gleis steht aber auch die RB94 nach Erndtebrück - beide Strecken werden von der Kurhessenbahn mit Desiros bedient, die ich tatsächlich in der "Classic"-Variante noch nie gefahren bin. Innen überzeugen sie mit Tischen an vielen Vierern und sogar einer Art Konferenzbereich beim Gelenk. Dafür können sie die großen Fenster nicht wirklich ausnutzen, da die Gepäckablage einen großen Teil verdeckt.

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19 Der vordere Zugteil hat aus irgendeinem Grund seine Trittstufen nicht ausgefahren.

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20 Hier verzweigen sich die beiden kurhessischen Strecken.

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21 Unterwegs hat man wieder viele schöne Blicke, wie etwa hier auf Schloss Wittgenstein. Die Strecke überwindet nebenbei 350 Höhenmeter.

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22 Dann geht sie wieder runter nach Erndtebrück, wo man einen Anschluss an die RB93 von Bad Berleburg nach Siegen hat.

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23 Noch ein letztes Bild von meiner ersten Desiro-Fahrt.

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24 Da kommt mein nächster Zug mit schon 5min Verspätung - naja, der 10min-Umstieg in Siegen auf den RE9 nach Aachen ist bahnsteiggleich und damit nicht in Gefahr.

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25 Blick auf das durchaus schöne Bahnhofsgebäude. Dann zuckelt der Zug erstmal mit Schrittgeschwindigkeit durch den Ort und holt natürlich keinerlei Verspätung auf.

Hätte auch gar nichts genützt, denn in der einzigen Ausweiche auf der Strecke in Hilchenbach müssen wir 10min auf den Gegenzug warten. Mein Sitznachbar erkundigt sich bei der sehr gesprächigen Schaffnerin nach dem Anschluss nach Aachen - "Nee, der is lange wech - da könn wa nischt machen.". Warum der Gegenzug denn Verspätung hätte? - "Jaa det is weil wir heute um 8 auf nen RE9 warten mussten, seitdem is auf der Strecke alles zu spät". Ja moin. Und umgekehrt wird also nicht gewartet. Allerdings gibt sich der Tf auch absolut keine Mühe, irgendwie aufzuholen - als der Gegenzug einfährt, wird ganz regulär gewartet, bis der alle Leute rausgeschmissen hat und die unser Gleis überquert haben, anstatt dass wir sofort in die nun freie Strecke fahren. Mit also +12 schwindet meine Hoffnung auf den RE9. Ironischerweise soll der Zug laut DB-Navigator bei jeder Station ca. 1min aufholen und damit pünktlich in Siegen sein - solche Anzeigen kenne ich leider nur zu gut, stimmen tun sie nie. Vor allem nicht, wenn wir in jeder Station ganz gemütlich 100m zu früh bremsen, das letzte Stück in Schrittgeschwindigkeit fahren, und beim Ausfahren dasselbe Spiel umgekehrt. Das mag ja im Regelbetrieb so fahrplanmäßig passen, aber warum nutzt man diesen Puffer bei Verspätungen nicht aus, um die aufzuholen?

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26 Hier noch ein schönes Haus entlang der Strecke

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27 sowie eine Werbelok zum AlbatrosExpress, die ich überall nur nicht hier erwartet hätte (Tatsächlich habe ich sie schon ein paar Mal in Aachen und Köln gesehen.)

Und dann, in Kreuztal, findet der Tf plötzlich doch den Fahrthebel und ballert dermaßen schnell weiter, dass wir mit nur noch +10 in Siegen-Geisweid sind und mit +8 direkt VOR Siegen-Weidenau, in den wir dann aber keine Einfahrt bekommen. Ich stelle mich derweil schonmal an die vordere Tür, um nicht hinter den schätzungsweise 15 Fahrrädern festzuhängen, als wir dann wieder mit +11 in den Bahnhof einfahren.
Siegen erreichen wir schließlich mit exakt +10 und ich sehe den RE9 schon vor meiner Nase pünktlich abfahren, als mich der Grund, aus dem wir in Weidenau warten mussten, rettet - die RB91 aus Hagen (heute nur Finnentrop, noch wegen des Unwetters) war ebenfalls 10min zu spät und eine Hundertschaft aus dieser läuft noch zum RE9 und blockiert dessen hinterste Tür. So bekomme ich diesen auch noch locker und dank der Doppelstockgarnitur auch noch einen Sitzplatz, wenn auch nur im Unterdeck. Aachen erreiche ich dadurch, dass alles geklappt hat, schon um 19:44.

Erndtebrück 2012 (m. B.)

Sören Heise, Region Hannover, Dienstag, 05.10.2021, 21:04 (vor 1629 Tagen) @ Math5D

Moin,

besten Dank, besonders für die aktuellen Aufnahmen aus Erndtebrück.
2012 konnte ich einige Aufnahmen bei einem Umstieg in derselben Richtung anfertigen. Ein Klick aufs Bild fürs ganze Portrait.

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Und irgendwo bin ich auch schonmal am Kloschließmechanismus verzweifelt. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? :-(

Viele Grüße
Sören

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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

AboUpgrade Teil 2: Lahn, Dill, Lahn und Desiro [m27B]

bahnfahrerofr., Dienstag, 05.10.2021, 22:00 (vor 1629 Tagen) @ Math5D

Danke für den/die Berichte! Finde auch solche "Erlebnisberichte" mit viel Text sehr lesenswert.

Bummelnde TFs bei verspäteten Zügen kenne ich auch zu Genüge. Bei mir unbekannten Strecken kann ich mir zwar oft kein wirkliches Urteil bilden ob es schneller geht, aber bei Strecken die man gut kennt fällt es dann schon schnell auf, wenn im Verspätungsfall genauso langsam gefahren wird wie im Fahrplan vorgesehen und beim anderen Mal plötzlich 12 Minuten aufgeholt werden.

Elend, Elend, Elend ...

Der Blaschke, Bissendorf-Wissingen, Donnerstag, 07.10.2021, 11:42 (vor 1627 Tagen) @ Math5D

Hey.

So sieht Eisenbahnverkehr in der Realität aus ...

Der erste Zug des Tages fällt mal locker aus. Für einen RegionalEXPRESS, der die schnellste Querverbindung zwischen Kowelenz und Gießen herstellt, aber nur alle 2 Stunden fährt, reicht ein einzelnes Dieseltriebwägelchen völlig aus. Das WC-Elend der Flirts gibt's hier vor Ort genauso - da haben Theoretiker wieder mal praxisuntaugliche Dinge erfunden. Ein Bahnsteig wie in Erndtebrück muß selbstredend gepflastert sein - damit anschließend das Grün überall durchwächst und alles wieder verlottert aussieht, weil natürlich niemand dauerhaft den Greenkeeper bezahlen will. Und zum Verspätungselend, wie es hier beschrieben wird, habe ich ja schon neulich geschrieben.

Elend, wohin das Auge reicht. Alles halber Kram. Mit guten Vorsätzen angefangen und dann aber recht schnell stehen geblieben, weil schlussendlich das Geld ausgegangen ist. Und so bleibt die Eisenbahn auch weiterhin eine Randgruppenveranstaltung für Hartgesottene - wird aber ganz sicher kein ernstzunehmendes Hauptverkehrsmittel für die Zukunft. Da müssen ganz andere Summen und Investitionen und Innovationen her als aktuell.


Schöne Grüße von jörg

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