Eine Tagestour durch Jura, Ajoie und Sundgau | 2/2 m. 59 B (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum zweiten Teil unserer kleinen Rundfahrt durch die Schweiz und durch Frankreich. Im ersten Teil hatten wir die Meterspurbahn Le Locle–Les Brenets besucht und waren weitergereist nach Porrentruy.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/103-Jura-Belfort/103-000Karte.jpg)
Im zweiten Teil stehen die CJ-Strecke Porrentruy–Bonfol und die reaktivierte Bahnstrecke von Delle nach Belfort auf der Agenda.
Nach der Ankunft in Porrentruy steigen wir in einen Zug der Chemins de fer du Jura (CJ). Der Pendelzug aus dem Jahr 1974 war ursprünglich bei der Regionalverkehr Mittelland (RM) im Einsatz. Die Strecke von Porrentruy nach Bonfol ist die einzige Normalspurstrecke der CJ, daneben betreibt die CJ noch ein längeres Meterspurnetz (das hatten wir hier und hier besucht).
Die Nebenbahn ist eingleisig und heute noch gut 10 Kilometer lang. Die Strecke wird im Stundentakt bedient, wobei es auf dem ersten Abschnitt bis zum Ort Alle auch Verstärkerzüge gibt. Beim nächsten Bild sehen wir den Bahnhof Alle, er wurde im Jahr 1901 eröffnet.
Wir fahren durch die Ajoie, eine weite und fruchtbare Fläche des Tafeljuras. Die deutsche Bezeichnung der Region „Pruntruter Zipfel“ finde ich nicht unpassend, denn man hat schon etwas das Gefühl, hier im letzten Zipfel unterwegs zu sein. Auch die Bahn und die Strecke führen ein ziemliches Schattendasein, man sieht und hört auch hier im Forum kaum etwas aus dieser Ecke der Schweiz.
Nach einer Fahrzeit von 18 Minuten erreichen wir den Endbahnhof Bonfol, wo der Zug von der interessierten Dorfjugend erwartet wird. In dem Holzgebilde vor dem Schuppen befindet sich übrigens ein Verkaufsautomat mit regionalen Erzeugnissen.
Im Schatten des Bahnhofsgebäudes haben die Eisenbahner wohl etwas zu feiern. Mehrere Gebäude wie auch einer der Pendelzüge sind mit Kinder- und Comicmotiven verziert. Seit 1946 ist Bonfol Endbahnhof im Personenverkehr.
Die Bahnstrecke führt noch gut einen Kilometer weiter zu einer Mülldeponie. Die Strecke von Porrentruy nach Bonfol wurde 1901 eröffnet. 1910 wurde eine grenzüberschreitende Verlängerung nach Pfetterhausen (Pfetterhouse) im Elsass eröffnet, welches damals zum Deutschen Reich gehörte. Die Grenze ist knapp drei Kilometer von Bonfol entfernt. Von Petterhausen führte die Largtalbahn weiter nach Dannemarie. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs begann der Niedergang der grenzüberschreitenden Verbindung, 1970 wurde die Largtalbahn schließlich stillgelegt und die Grenzstrecke zurückgebaut.
Wir drehen nun eine kleine Runde durch Bonfol. Das Dorf liegt in einer Talniederung und hat gerade mal 650 Einwohner, seit dem Jahr 1900 hat sich die Einwohnerzahl des ehemaligen Straßenzeilendorfs halbiert. Die Pfarrkirche Saint-Laurent wurde 1783-84 erbaut.
Nun zurück zum Bahnhof von Bonfol. Zur Blütezeit der internationalen Strecke gab es täglich fünf grenzüberschreitende Zugpaare, die schweizerischen Lokomotiven verkehrten bis Pfetterhausen, die französischen bis Bonfol. Der Bahnhof Bonfol wurde damals für den Grenzverkehr um ein Zollbüro erweitert.
Für die Rückfahrt treffen wir auf den zweiten – nicht verzierten – Pendelzug.
Die Strecke wurde früher von der Bahngesellschaft Régional Porrentruy-Bonfol (RPB) betrieben, seit 1944 gehört sie zu den Chemins de fer du Jura (CJ). 1952 wurde die Strecke elektrifiziert.
Das Bahnhofsgebäude von Vendlincourt ist augenscheinlich kein historisches Gebäude, auch dieses Gebäude wurde im Rahmen einer Aktion zur Einbindung der Bevölkerung von Schulkindern gestaltet.
Hier fahren wir nun durch Alle, mit nur 1.900 Einwohnern gehört der Ort schon zu den größeren Gemeinden des Kantons Jura. Beim nächsten Bild verlassen wir den Bahnhof von Alle. Die Orte an der Strecke hatten früher auch deutsche Namen, heute findet man Hall (Alle), Wendelinsdorf (Vendlincourt) und Pumpfel (Bonfol) jedoch nicht mehr in der Fahrplanauskunft.
Schließlich erreichen wir wieder den Bahnhof von Porrentruy. Wikipedia verwendet für die Kleinstadt den deutschen Namen Pruntrut und auch die SBB-App weiß mit Pruntrut etwas anzufangen und schlägt Porrentruy als Ziel vor.
Wir haben in Porrentruy eine kleine Pause eingeplant und machen uns auf den Weg zum Château de Porrentruy / Schloss Pruntrut. Die Höhenburg oberhalb des Städtchens stammt aus dem 13. Jahrhundert. Rechts der Hahnenturm (Tour du Coq).
Hier blicken wir über den Innenhof des Schlosses, rechts der um 1700 errichteten Schatzturm (Tour du Trésor). Die Burganlage wurde von den Grafen von Mömpelgard (Montbéliard) errichtet, sie diente später als Residenz der Fürstbischöfe von Basel.
Mit rund 6.500 Einwohnern ist Porrentruy das regionale Zentrum der Ajoie. Die Altstadt ist geprägt von zahlreichen Bürgerhäusern im gotischen, barocken und neoklassizistischen Stil.
Der Bahnhof von Porrentruy wurde 1872 von der Chemin de fer Porrentruy–Delle (PD) eröffnet. Die schweizerische Bahngesellschaft hatte die 12 Kilometer lange Strecke von Porrentruy nach Delle erbaut, sie verfügte aber nicht über eigenes Rollmaterial, sondern überlies den Fahrdienst der französischen Mittelmeerbahn (Compagnie des Chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée / PLM). Porrentruy hatte anfangs nur einen Anschluss an das französische Bahnnetz, der Anschluss an das schweizerische Bahnnetz erfolgte erst später.
Mit einem „Flirt France“ fahren wir zum Grenzbahnhof Delle. Auf der Strecke verkehrten früher neben internationalen Personenzügen auch zahlreiche Güterzüge zwischen der Frankreich und der Schweiz, insbesondere zu der Zeit, als das Elsass zum Deutschen Reich gehörte und Güterzüge über Basel eine zusätzliche Zollbehandlung erforderten. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die französische Seite das Interesse an der Strecke, eine beabsichtige Elektrifizierung der französischen Strecke bis Delle kam nicht zustande, 1992 wurde der grenzüberschreitende Personenverkehr nach Belfort eingestellt, 1993 folgte die Einstellung des Güterverkehrs und 1996 wurde der Abschnitt zwischen dem letzten schweizerischen Bahnhof Boncourt und Delle stillgelegt und de-elektrifiziert.
Um das Jahr 2000 begannen Überlegungen zur Reaktivierung der Strecke Delle-Belfort und zur Wiederaufnahme des grenzüberschreitenden Personenverkehrs. Hintergrund war die Anbindung der Region an die LGV Rhin-Rhône. 2006 wurde der schweizerische Abschnitt bis Delle reaktiviert und re-elektrifiziert, 2018 folgte die Wiederaufnahme des Betriebs auf der französischen Seite von Delle bis Belfort.
Die Strecke führt durch die Talniederung des Flusses Allaine, hier fahren wir durch das Dorf Buix. Wir sind noch immer in der Ajoie und fahren durch die Ausläufer des Tafeljuras.
Der Grenzbahnhof Delle befindet sich auf der französischen Seite der Grenze. Für rund elf Jahre war der Bahnhof ganz ohne Personenverkehr, zeitweise war er auch komplett der Schienen beraubt. Mittlerweile kann man von hier wieder in beide Richtungen fahren. Wir steigen um auf einen französischen Regionalzug nach Belfort.
Hier blicken wir auf das Dorf Joncherey. Die Landschaft vor dem Zugfenster hat sich unterdessen verändert, wir fahren nun durch das Flachland der Burgundischen Pforte.
Am Bahnhof von Morvillars wirbt ein Plakat für die reaktivierte Verbindung. Die 1868 eröffnete Verbindung führte ursprünglich von Morvillars nach Montbéliard, die heute genutzte kürzere Verbindungsstrecke von Morvillars nach Belfort wurde 1877 eröffnet.
Im Bereich der LGV Rhin-Rhône wurde die ursprüngliche Trasse bei der Reaktivierung leicht verlegt. Der Haltpunkt Meroux befindet sich direkt über den Gleisen der LGV Rhin-Rhône, vom Mittelbahnsteig geht es hinab zum Bahnhof Belfort-Montbéliard TGV – es ist vielleicht etwas verwirrend, dass die Bahnhöfe unterschiedliche Namen haben, man könnte das auch als Turmbahnhof verstehen. Die Reaktivierung der Regionalverbindung dient auch dem Anschluss der Jura-Gemeinden an das TGV-Netz.
Die meisten schweizerischen Züge sind bis Meroux durchgebunden, dazwischen gibt es (so wie von uns gewählt) Verbindungen mit Umstieg in Delle, die bis Belfort führen. Vom TGV-Bahnhof Belfort-Montbéliard auf der grünen Wiese bis ins Zentrum zum Bahnhof Belfort Ville sind es noch zehn Minuten.
In Belfort haben wir wieder eine Pause eingeplant. Über den Fluss Savoureuse laufen wir in die Altstadt. Das nächste Bild zeigt das Rathaus, es wurde 1724 als Stadtpalais erbaut und später von der Bürgerschaft aufgekauft.
Die Kathedrale Saint-Christophe de Belfort wurde in den Jahren von 1727 bis 1752 aus Vogesen-Sandstein erbaut, der Place d’Armes vor der Kathedrale präsentiert sich während unseres Besuchs als Sandkasten für Groß und Klein.
Über den Dächern von Belfort ist die Zitadelle zu sehen, die 1687 auf einem Felsvorsprung erbaut wurde - der Weg dorthin ist uns heute aber zu weit.
Der Bahnhof von Belfort wurde 1858 in Betrieb genommen, das heutige repräsentative Empfangsgebäude mit Glockenturm ist jedoch jünger, es wurde 1934 in Auftrag gegeben.
Mit einem Regionalzug fahren wir von Belfort nach Mulhouse. Die Strecke führt durch den Sundgau, die Landschaft im Süden des Elsasses liegt zwischen den Städten Basel, Belfort und Mulhouse. Wir fahren nun auf der historischen Bahnstrecke Paris–Mulhouse, an der Strecke liegt auch der Ort Dannemarie, wo einst die Largtalbahn nach Pfetterhouse und Bonfol abzweigte.
In Mulhouse wechseln wir auf einen TER 200, die 200 km/h schnellen Wagenzüge von TER Grand Est verkehren zwischen Straßburg und Basel. Gut zwanzig Minuten fahren wir im Corail-Wagen durch das Rheintal bis Basel.
Der Rest der Tour ist nun schnell erzählt, denn für Streckenbilder ist es jetzt zu dunkel. Von Basel fahren wir mit einem Intercity nach Zürich, hier treffen wir auf einen Panoramawagen.
Und von Zürich geht es mit einem Interregio zurück nach Konstanz, zur Fahrt an den Bodensee kommt eine IC2000-Garnitur zum Einsatz.
Und mit einem nächtlichen Bild des Bahnhofs von Konstanz mit seinem Glockenturm beenden wir den Bericht, vielen Dank für das Interesse und fürs Mitkommen.
Viele Grüße
Tobias
PS: meine bisherigen Reiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.
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