Rheintal-Express & ein ICE auf der Neckartalbahn [2/2 60 B] (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
willkommen zum zweiten Teil unserer kleinen Rundfahrt durch den Süden und Westen Deutschlands. Im ersten Teil waren wir vom Bodensee über die Schwarzwaldbahn nach Karlsruhe gefahren, hatten die Albtalbahn besucht und hatten den Rheintal-Express nach Koblenz genutzt. Zuletzt hatten wir den ersten Abschnitt der Eifelquerbahn bereist.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/102-Rheintalexpress-Eifel-Neckar/102-000Karte.jpg)
Wir schreiben den zweiten Reisetag und setzen den Bericht nun ab Mayen Ost fort. Der Bahnhof ist bei unserem Besuch in einem desolaten Zustand und wirkt auf Besucher eher abschreckend. Bei der Recherche für diesen Reisebericht lese ich von hochtrabenden Plänen, dass sich der „Schandfleck“ zu einem „Eyecatcher“ wandeln soll. Hat sich dort schon etwas getan?
Von Andernach bis Mayen Ost besteht durch zwei überlagernde RB-Linien ein angenäherter Halbstundentakt, weiter bis Kaisersesch besteht ein Stundentakt. Mit der RB 38 fahren wir auf der Eifelquerbahn bis Kaisersesch, zum Einsatz kommt ein LINT-Triebzug.
Die Bahnstrecke führt in mehreren Bögen um das Zentrum von Meyen herum und weiter durch die Eifellandschaft. Von Andernach bis Kaisersesch überwindet die Bahn knapp 400 Höhenmeter.
Teilweise geht es recht gemütlich zu, hier haben wir gerade einen Bahnübergang mit 20 km/h überquert. Nach gut 25 Minuten Fahrzeit erreichen wir den Endpunkt Kaisersesch.
Kaisersesch ist ein 3.000-Einwohner-Städtchen am Rande der Eifel zwischen Ost- und Vulkaneifel. Wahrzeichen der Stadt ist der schiefe Kirchturm von St. Pankratius aus dem 14. Jahrhundert, die Kirche selbst stammt aus den Jahren 1898 bis 1900.
Hinter der Kirche lädt der Pilgerbrunnen zum Verweilen ein.
Kaisersesch wurde in seiner langen Geschichte häufiger Ziel von Plünderungen und Brandschatzungen, ein Gebäude überstand jedoch alle Stürme und wurde von wechselnden Obrigkeiten genutzt: das alte Gefängnis. Es war Amtshaus, Gefängnis und Odachlosenasyl, heute dient es als Heimatmuseum und Bücherei.
Nun zurück zum Haltepunkt von Kaisersesch. Der Personenverkehr auf der Eifelquerbahn zwischen Mayen und Gerolstein wurde 1991 eingestellt. Mitte des Jahres 2000 wurde der Personenverkehr bis Kaisersesch wieder aufgenommen. Auf dem Abschnitt zwischen Kaisersesch und Gerolstein gab es dann einen saisonalen Touristenverkehr. Ende 2012 endeten die touristischen Verkehre aufgrund einer infrastrukturbedingten Streckensperrung. „Richtung Gerolstein“ fahren seitdem keine Züge mehr und der Bahnsteig für den Touristenverkehr wächst zu.
Es gab immer wieder Reaktivierungsüberlegungen für die Eifelquerbahn bis Gerolstein, diskutiert wurden verschiedene Alternativen von der Wiederaufnahme des Verkehrs über eine Draisinenstrecke bis hin zur Umwandlung in einen Radweg. Nach den Hochwasserschäden an der Eifelstrecke wurde die Nutzung der Eifelquerbahn wieder ins Spiel gebracht.
So lange Kaisersesch Endpunkt der Strecke ist, bleibt uns für die Rückfahrt nur die RB 38 nach Andernach. Die Strecke wird von DB Regio als Teil des Dieselnetzes Eifel-Westerwald-Sieg betrieben und als Lahn-Eifel-Bahn vermarktet.
Von Kaisersesch bis Andernach sind es rund 42 Kilometer. Die erste Etappe bis Monreal führt recht idyllisch durch ein Tal, dann fällt der Blick auf die benachbarten Ruinen von Löwen- und Philippsburg.
Im weiteren Verlauf ist die Strecke von der offenen Landschaft der Pellenz geprägt. Beim nächsten Bild sehen wir den denkmalgeschützten Bahnhof von Kottenheim.
In Andernach endet unser Ausflug auf der Eifelquerbahn. Da ich den RRX bisher noch nicht kenne, möchte ich nun die Möglichkeit zur ersten Mitfahrt nutzen. Dadurch haben wir jetzt etwas Aufenthalt, die Zeit reicht für den Weg einmal durch die Altstadt von Andernach bis zum Rhein und wieder zurück zum Bahnhof.
Ich muss zugeben, dieser Aufschrift an der Brücke zum Bahnhof von Andernach hätte ich vermutlich keine Beachtung geschenkt…
…wenn nicht diese Tafel auf die Geschichte der Aufschrift hingewiesen hätte.
Andernach ist seit 1858 an das Bahnnetz angeschlossen. Der Bahnhof wurde 1945 bei einem Bombenangriff weitgehend zerstört, das heutige Empfangsgebäude stammt aus dem Jahr 1956. Der Gaststättenflügel des alten Bahnhofs blieb erhalten, aus städtebaulichen Erwägungen wurde die Fassade der neuen Schalterhallte jedoch soweit erhöht, dass der Altbau optisch dahinter verschwindet.
Mit dem Rhein-Ruhr-Express (RRX) fahren wir von Andernach nach Köln. Eingesetzt werden Siemens Desiro HC mit einstöckigen Endwagen und doppelstöckigen Zwischenwagen. Die Linie RE 5 wird von National Express betrieben. Die Züge verfügen über WLAN.
![[image]](https://www.bahnreiseberichte.de/102-Rheintalexpress-Eifel-Neckar/102-089RRX-WLAN.jpg)
Auf der linken Rheinstrecke folgen wir dem Fluss nach Norden. Hier der Blick aus dem Zugfenster hinüber nach Leutesdorf am Fuße des Rheinischen Schiefergebirges. Rechts der Bildmitte das Wahrzeichen des Orts, das Zolltor aus dem Jahr 1547. Den Abend verbringen wir in Köln.
Tag 3: Köln – Stuttgart – Tuttlingen – Engen – Konstanz
Heute heißt es früh aufstehen, unser Zug fährt bereits um 6.11 Uhr. Am und vor dem Kölner Hauptbahnhof herrscht zu früher Stunde noch morgendliche Ruhe. Unser Ziel ist der ICE 715, der über Heilbronn nach Stuttgart fährt.
Wir sind gespannt, ob der Zug auch wirklich fährt, denn die Verbindung über Heilbronn war seinerzeit gerne mal ausgefallen, was selbst dem Heilbronner Oberbürgermeister zu Ohren gekommen war und ihn zu einem Beschwerdebrief veranlasste. Zeitweise waren auch keine Sparpreise für den Zug verfügbar, was man auch als Indiz dafür werten könnte, dass die Ausfälle nicht ganz ungeplant waren.
Aber es sieht gut aus…
…der Zug steht pünktlich bereit. Der Zug bietet eine Genießer-Rundfahrt, er benötigt über vier Stunden bis Stuttgart und fährt zunächst über die Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main, dann über den Abzweig nach Wiesbaden, über Mainz nach Mannheim und schließlich über Heidelberg nach Heilbronn. Durch den Schlenker über die Neckartalbahn verstärkt sich noch der Charakter als „RE 300“ – wie die Verbindung über Wiesbaden scherzhaft genannt wird.
Die Zahl der ICE-Züge, die über die Verbindungskurve nach Wiesbaden fahren, wurde im Laufe der Zeit aufgrund schwacher Fahrgastzahlen stetig reduziert. Und auch dieser Zug ist auf dem Abschnitt bis Wiesbaden nur bescheiden ausgelastet. Wir fahren nun also im Morgennebel auf der Schnellfahrstrecke durch Westerwald und Taunus.
Der Zug fährt weiter über die Verbindungskurve Breckenheim nach Wiesbaden, nach dem Fahrtrichtungswechsel im Hauptbahnhof Wiesbaden geht es über den Rhein nach Mainz und durch Rheinhessen. Hier sehen wir die Kilianskirche über den Weinbergen von Nierstein. Auf diesem Abschnitt ist der Zug ganz gut gefüllt.
Dieses Bild entstand bei der Fahrt über den Rhein zwischen Ludwigshafen und Mannheim. In Mannheim leert sich der Zug schlagartig – in der ersten Klasse bleiben außer uns keine weiteren Fahrgäste. Wir sind wohl die Einzigen, die Spaß an einer knapp zweistündigen Fahrt von Mannheim nach Stuttgart haben, andere Fahrgäste sind mit Umstieg auf einen direkten ICE deutlich früher in Stuttgart.
Mit dem ICE auf der Neckartalbahn: dieses Bild ist so schnell planmäßig nicht wiederholbar. Die Neckartalbahn ist seit Mitte der neunziger Jahre fernverkehrsfrei, zuletzt fuhr hier noch der Interregio Emden-Stuttgart. Für die Zeit der Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn gab der Fernverkehr mit einem ICE-Zugpaar unter der Woche und einem IC am Wochenende nur ein kurzes Gastspiel auf der Strecke.
Landschaftlich reizvoll fahren wir nun durch das Neckartal, in Neckargemünd quert die Bahnstrecke den Fluss. Die Hügel gehören zu den Ausläufern des Odenwalds. Beim nächsten Bild fahren wir durch Neckarsteinach.
Zahlreiche Burgen bzw. Burgruinen prägen das Neckartal, hier blicken wir über die Dächer von Neckargerach zur Minneburg. Die Höhenburg wurde um das Jahr 1250 errichtet.
In Haßmersheim sind Bahnstation und Stadt durch den Fluss getrennt. Bis zum Jahr 2014 verband einer der letzten Oberleitungsfähren in Deutschland den Ort mit der Neckartalbahn, die Fähre wurde durch eine Fußgängerbrücke ersetzt. Rechts sehen wir Burg Hornberg.
Beim nächsten Bild passieren wir Burg Ehrenberg bei Heinsheim.
In Bad Friedrichshall endet die Neckartalbahn, weiter geht die Fahrt nun auf der Frankenbahn über Heilbronn nach Stuttgart. Auch die Frankenbahn ist fernverkehrsfrei – nur im Jahr 2020 gibt es baubedingt eine temporäre ICE-Verbindung von Stuttgart über Würzburg nach Berlin (und ich kenne jemanden, der da mitgefahren ist…).
Durch die Weinberge am Neckar fahren wir nach Stuttgart.
Mit der Ankunft in Stuttgart ist die eigentliche Mission erfüllt, jetzt geht es auf direktem Weg nach Hause. Und der besteht aus einem IC 2 zur Fahrt auf der Gäubahn. Die IC 2 auf dieser Verbindung sind nicht gerade für ihre Zuverlässigkeit bekannt, aber diesmal geht alles gut und der Zug verkehrt pünktlich.
Wir fahren von Stuttgart hinauf auf die Gäuebene und dann hinab ins Neckartal. Der Neckar ist nur bis Plochingen schiffbar, der Oberlauf hat einen ganz anderen Charakter wie vorhin an der Neckartalbahn. Beim nächsten Bild fahren wir in Horb über den Neckar.
Wie auf der Hinfahrt über die Schwarzwaldbahn treffen wir auch hier auf einen Abschnitt mit baubedingtem Schienenersatzverkehr - und so ergibt sich eine ganze ungewohnte Perspektive auf den Bahnhof Tuttlingen. Nun lernen wir also auch mal die Straße von Tuttlingen nach Engen kennen und können die Landschaft der Hegaualb durch das Busfenster betrachten.
In Engen wechseln wir vom Bus…
…auf den seehas nach Konstanz.
Am Fuße des Hohentwiels fahren wir nach Singen und weiter über Radolfzell am Ufer des Bodensees nach Konstanz.
Und damit sind wir auch am Ende angelangt, vielen Dank für das Interesse und fürs Mitkommen.
Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Tobias
PS: meine bisherigen Reiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.
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