[CZ] Auf nach Luhačovice (mit Arriva-GTW) ! (m.37 B.) (Reiseberichte)

J-C, In meiner Welt, Samstag, 07.08.2021, 08:25 (vor 1687 Tagen)
bearbeitet von J-C, Samstag, 07.08.2021, 08:28

Eigentlich sollte es mit dem Interpanter nach Staré Město u Uherského Hradiště gehen, aber aufgrund der üblichen Verspätungen hat sich ein anderer Zug in dessen Zeitlage getan. Hier hat er noch den Dieselvorspann, da die Strecke zwischen Břeclav und Hodonin ja weiterhin nur mit Diesel passierbar ist.
[image]

Also hatte ich für meine erste Etappe den Komfort eines ÖBB-Großraumwagens:
[image]

Vielleicht kennt wer schon die Geschichte meiner ersten Fahrt damit, aber um die Erinnerungen besser zu verstehen, die das Ding in mir hervorruft, ein Blick zurück:

Vor langer, langer Zeit, als ich noch in Hamburg lebte, war ich früh aufgestanden, um in Hamburg Bergedorf gegen 7 Uhr den Eurocity 173 Vindobona zu besteigen. Ziel: Berlin. Ich kannte schon die Abteilwagen der ÖBB, fand mich jedoch in einem Großraumwagen wieder. Es war das erste Mal. Ein Hauch Reiselust liegt in der Luft. Ich setze mich hin und war sofort baff: so weich! Ich habe noch nie einen so weich gepolsterten Sitz erlebt. Der Zug beschleunigt auf 200, ich lasse das auf mich wirken. Alleine zu reisen war für mich noch gar nicht so selbstverständlich. Ich lausche der Klimaanlage, wie sie arbeitet und reise so nach Berlin. Jede Reise nach Berlin war was besonderes. Vor dem Umzug sind mir genau 10 Reisen dorthin gelungen. Es war ein Morgen und man fand sich bald tief im Sachsenwald wieder, jenseits der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern gibt es dann ja wieder viel Wald. Verbunden mit der gemütlichen Atmosphäre des Wagens hatte das schon was besonderes. Etwas Fernes... aber ich sollte ja nur nach Berlin fahren.

Den selben Zug nutzte ich mit der Familie schonmal für Fahrten von Hamburg bis Břeclav. Gerne im Business-Abteil der ersten Klasse. Das war aufpreisfrei außerhalb Österreichs möglich und ziemlich cool. Zu einer solchen Fahrt war ein Aufenthalt im Bordrestaurant obligatorisch, wo es ein Schweineschnitzel Wiener Art und einen Apfelstrudel gab. Damals nervte mich noch die tschechische Bahn mit ihrem alten ranzigen Material, ich bereute es immer wieder zu sehen, wie dort der Lokwechsel auf einen ÖBB-Taurus nebst Personalwechsel stattfand. Ich wollte dahin... nicht in diesem Land, wo alles alt und verkommen ist, wo die Züge meist nicht klimatisiert sind, hässlich und quietschen.

Zurück zur Reise, man kommt an:
[image]

Mir fiel da ein GTW der Arriva ins Auge:
[image]

Der fuhr nach Uherské Hradiště. Liegt auf meinem Weg und so kann ich die Stadt besuchen.
[image]

Das Interieur lässt seine Herkunft nicht leugnen.

Nach einer kurzen Fahrt kam man dann auch an:
[image]

Da hinten steht ja noch ein importiertes deutsches Fahrzeug...
[image]

Und hier ein Rendezvous bei Arriva:
[image]
Der Bahnhof hat Charme...
[image]

Die Stadt aber erst recht!
[image]
[image]
[image]

Ich hatte eine halbe Stunde Zeit zum Umstieg, der Schnellzug aus Prag war aber noch 10 Minuten verspätet. Also nichts neues im Land der achso tollen Bahnen.

Als ich zurückkehrte, sah ich diese beiden Exemplare:
[image]

Mit so einem Zug käme man per Eilzug nach Brno. War aber weder mein Ziel, noch war es für mich besonders erstrebenswert, so viel Zeit auf rumpeligen tschechischen Nebenbahnen zu verbringen. Genug davon würde ja nach Luhačovice draufgehen.

Wobei ich mir das mit dem Ding etwas mehr hätte vorstellen können... alles besser als ein 810, das ist klar.
[image]
Noch ein Blick in die Bahnhofshalle...
[image]

Schon schön :)

Dann konnte ich aber auch endlich einsteigen:
[image]

Die Wagen waren genau das richtige: Laufruhig, klimatisiert und auch etwas geräuschgedämpft. Die Nebenbahn nach Luhačovice ist teilweise modernisiert und richtig herzeigbar. Wie hier in Uherský Brod:
[image]
[image]

Aber öfters ist es eben das, von dem ich ausging: alte Schienen mit Schienenstößen die Lärm machen, langsames Fahren...

Der Zug hat auf dieser Nebenstrecke jedenfalls 5 Wagen. Auf der Hauptstrecke zählte ich auf meiner ersten Fahrt auf dieser Linie 10 Wagen. Es ist wohl eines der potentesten Schnellzuglinien in Tschechien. Der Zug fährt nämlich unter Elektrotraktion von Prag bis Staré Město, dort wird auf Dieseltraktion gewechselt und es geht mit 3-5 Wagen weiter.

Aufgrund der hohen Frequenz um die Zeit - Luhačovice ist ein beliebter Kurort in Tschechien - waren die 5 Wagen, davon einer in der ersten Klasse, definitiv gerechtfertigt.

Es gibt auf dem Abschnitt zumindest übrigens kein Service mit Minibar, falls das wen interessiert.

Man steigt aus, während der Fahrer des Arriva Lint 27 vorsichtig den Zug an den sich durch den sehr engen Bahnsteig quetschenden Leuten entlang herausfährt.
[image]

Da wäre eine Verbesserung sicher sinnvoll.

Der Bahnhof ist jedenfalls reizvoll.
[image]

Und so bin ich dann spaziert. Der Ort bietet definitiv schöne Erholungsmöglichkeiten. An sich ist der Ort für seine Thermalquellen bekannt. Ich hab mich mit der herrlichen Landschaft und dem Kurpark begnügt:
[image]
[image]
[image]
[image]
[image]
[image]
[image]
[image]

Dann ging es aber auch zurück.

[image]

Eingestiegen bin ich nun in einen LINT27 der Arriva, welcher vorher zu LEO Express gehörte, soweit ich weiß:
[image]

Zumindest sah ich mal einen solchen, wo neben dem Arriva-Kleid noch das Logo von LEO drauf war.
Ich war schon lange nicht mehr in einem Diesel-LINT und in einem LINT27 war es überhaupt das erste Mal.
So sieht's jedenfalls innen aus:
[image]

Es gibt überall Steckdosen auch mit USB:
[image]

Es gab ein Abteil, das mal die erste Klasse war, erst am Ende realisierte ich, dass es deklassiert ist. Es waren aber ohnehin die selben Sitze, nur in grau. Wer würde dafür ernsthaft einen Zuschlag zahlen? :'D

Die Monitore sind nett, aber Arriva verzichtet offenbar gänzlich auf Ansagen. Beim Schnellzug der Hinfahrt gab es nur in der Endstation die eine automatische Ansage. Für Ortsunkundige möglicherweise nicht so prickelnd.
[image]

Man steigt aus in so einem Bahnhof, dessen Namen ich vergaß... war aber auch nix besonderes.
[image]

...und dann ein in einen GTW
[image]

Dieses Mal länger. In so einem Ding war ich mal von Berlin nach Stettin gefahren. In der ersten Klasse. Mit Aufpreis.
Damals war man in Dreifachtraktion unterwegs und trotzdem war die zweite Klasse überfüllt. Die erste Klasse lohnte sich dabei, zumal man freie Sicht auf die Strecke hatte. Es war ein interessantes Erlebnis, im Abteil der ersten Klasse bequem zu sitzen, während man in der zweiten Klasse stehen müsste...
Guess what:
[image]

die haben das Ding nicht nur deklassiert, sondern auch gleich die Tür abgerissen.

Eine Randnotiz: Es gibt immer Zugbeglegleiter, die auch Fahrkarten verkaufen. Auf deren Tasche prangt dann derweil... das DB-Logo. Tja. Déja vu...

Und damit endet der Bericht, aber meine Abenteuer fangen wohl gerade erst an :D

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

[CZ] Auf nach Luhačovice (mit Arriva-GTW) ! (m.37 B.)

Sören Heise, Region Hannover, Samstag, 07.08.2021, 08:59 (vor 1686 Tagen) @ J-C

Moin und besten Dank!

Gibt es schon eine Prognose, wann die Fahrleitung im Tornadogebiet wiederhergestellt ist? Da war ja zumindest teilweise Neuaufbau ab den Fundamenten angesagt.

Interessante und gepflegte Empfangsgebäude im Heimatstil, schön!

Genau, die Mehrheit der HEX-Flotte ist jetzt bei Leo-Express, wobei ein Teil der Fahrzeuge an Arriva weitervermietet ist. (Die in Deutschland verbliebenen Lint27 des HEX sind oder waren derzeit alle außer Betrieb, Hans muss ohne sie zurechtkommen.) Ich meine, sie wären bei Leo gar nicht gefahren. Die Sitzbezüge (inkl. grau der 1. Klasse) sind noch original.

Viele Grüße
Sören

--
[image]

Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

[CZ] Auf nach Luhačovice (mit Arriva-GTW) ! (m.37 B.)

J-C, In meiner Welt, Samstag, 07.08.2021, 09:09 (vor 1686 Tagen) @ Sören Heise

Moin und besten Dank!

Gibt es schon eine Prognose, wann die Fahrleitung im Tornadogebiet wiederhergestellt ist? Da war ja zumindest teilweise Neuaufbau ab den Fundamenten angesagt.

Der zweigleisige Betrieb ist seit einem Monat ja wieder drin. Bei der Fahrleitung wird es noch dauern, der stillgelegte Fahrkartenschalter in Hrušky wurde so stark beschädigt, dass er abgerissen werden muss.

Interessante und gepflegte Empfangsgebäude im Heimatstil, schön!

Das ist gar nicht so selbstverständlich in Tschechien. Wo ich entlang fahre, sind die Unterwegsbahnhöfe kaum einladend. Da bin ich immer froh, wenn man mal die schönen Gebäude hat.

Genau, die Mehrheit der HEX-Flotte ist jetzt bei Leo-Express, wobei ein Teil der Fahrzeuge an Arriva weitervermietet ist. (Die in Deutschland verbliebenen Lint27 des HEX sind oder waren derzeit alle außer Betrieb, Hans muss ohne sie zurechtkommen.) Ich meine, sie wären bei Leo gar nicht gefahren. Die Sitzbezüge (inkl. grau der 1. Klasse) sind noch original.

Achso, spannend. Heißt, ich habe dann mal eben auch die Lint 27 der HEX kennenlernen können. Was man halt alles unerwartet bekommt :D

Viele Grüße
Sören

Liebe Grüße
Jan-Christian

--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

[CZ] Auf nach Luhačovice (mit Arriva-GTW) ! (m.37 B.)

Sören Heise, Region Hannover, Samstag, 07.08.2021, 10:06 (vor 1686 Tagen) @ J-C

Der zweigleisige Betrieb ist seit einem Monat ja wieder drin. Bei der Fahrleitung wird es noch dauern, der stillgelegte Fahrkartenschalter in Hrušky wurde so stark beschädigt, dass er abgerissen werden muss.

Dankeschön.
Die Bilder aus den Dörfern die sahen wirklich schlimm aus.

Wo ich entlang fahre, sind die Unterwegsbahnhöfe kaum einladend.

Für Bahnhofsgebäude aus sozialistischer Zeit wäre ich auch empfänglich.

Achso, spannend. Heißt, ich habe dann mal eben auch die Lint 27 der HEX kennenlernen können. Was man halt alles unerwartet bekommt :D

Es ist doch immer wieder schön, positiv überrascht zu werden. ;-)

Viele Grüße
Sören

[CZ] Auf nach Luhačovice (mit Arriva-GTW) ! (m.37 B.)

guru61, Arolfingen, Dienstag, 10.08.2021, 14:03 (vor 1683 Tagen) @ J-C


Man steigt aus, während der Fahrer des Arriva Lint 27 vorsichtig den Zug an den sich durch den sehr engen Bahnsteig quetschenden Leuten entlang herausfährt.

Hallo
Bas ist gar nicht so blöd, wie du es darstellst.
In der Schweiz Jahrzehntelang auf Nebenbahnen so praktiziert:
Bei Kreuzungen ohne schienenfrei zugänglichen Perrons fuhr der erste Zug immer ins stationsnähere Gleis ein. Damit wurde elegant verhindert, dass die Passagiere über die Gleise hasteten und sich gefährdeten.
Nachher fuhr der Stationsnähere Zug aus und die Gleise konnten gefahrlos überschritten werden.
Die letzte Station, von der ich das sicher weiss, ist Rorschach Hafen, bis in die 2'000er Jahre.
https://flic.kr/p/2kiz6hT
https://flic.kr/p/B3YsTu

Gruss Guru

RSS-Feed dieser Diskussion
powered by my little forum