Mit tåg und tog durch Skandinavien (7/7 m. 49 B) (Reiseberichte)

TD, Samstag, 05.06.2021, 17:46 (vor 11 Tagen)

Hallo zusammen,

willkommen zum siebten und letzten Teil unserer kleinen Skandinavien-Rundfahrt. Im letzten Teil waren wir über die Bergensbane von Bergen nach Oslo gefahren. Heute wollen wir am Vormittag Oslo erkunden und am Nachmittag die Fähre nach Kiel besteigen.

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Tag 7: Oslo – Fähre nach Kiel

Da wir am Nachmittag die Fähre erreichen müssen, sind heute keine großen Touren mehr drin. Aber ein kleiner Ausflug mit der U-Bahn (Oslo T-bane) passt sicher noch. Wir fahren hierzu aus dem Zentrum zu Station Majorstuen, einem Verkehrsknoten am Rande des Zentrums.

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Hier befindet sich der Endpunkt der Linie 1 der U-Bahn. Die Linie 1 ist keine banale U-Bahn-Linie, sondern die ehemalige Holmenkollbane. Das war die erste Vorort-Bahn von Oslo, sie wurde 1898 eröffnet und führt zum Berg Holmenkollen. Sie wurde später zu einer U-Bahn-Linie umgebaut. Auf der Strecke verkehren Fahrzeuge der Baureihe MX3000, sie wurden zwischen 2005 und 2010 von Siemens in Wien gebaut.

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Die Strecke verläuft oberirdisch, sie ist die am schwächsten frequentierte Linie im U-Bahn-Netz. Der Umbau zur U-Bahn-Strecke erfolgte nur in einer Sparversion, so sind viele Bahnsteige für die neuen Fahrzeuge zur kurz. Das ist schon etwas sonderbar, wenn man sich in einer modernen U-Bahn wähnt und es dann Aufkleber an den Türen und Durchsagen gibt, dass der Ausstieg nur im vorderen Wagen möglich ist.

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Eine U-Bahn mit Panoramablick – das gibt es auch nicht so häufig. Bis zur Station Holmenkollen überwindet die Bahn 230 Höhenmeter. Den Fahrgästen bietet sich während der Fahrt ein Blick über Oslo und den Fjord.

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An der Station Holmenkollen steigen wir aus. Das frühere Bahnhofsgebäude der Holmenkollbane aus dem Jahr 1916 blieb erhalten, wurde bei der letzten Modernisierung der Station aber verschoben.
Der Holmenkollen ist der Hausberg von Oslo mit Sportanlagen und Freizeitangeboten. 1913 wurde auf dem Holmenkollen eine Holzkapelle errichtet, sie wurde 1992 durch Brandstiftung zerstört und später wiederaufgebaut.

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Bekannt ist der Holmenkollen natürlich insbesondere für die Skisprungschanze. Sie gilt als die älteste Skisprungschanze der Welt und ist zusammen mit einem Skimuseum die meistbesuchte Touristenattraktion in Oslo. Mehrfach wurden hier Skiweltmeisterschaften ausgetragen.

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Ich interessiere mich kein Bisschen für Wintersport und wäre deshalb auch nie hier heraufgekommen…

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…wenn sich das nicht auch wegen der phantastischen Aussicht über Oslo und den Fjord gelohnt hätte.

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Unter uns fällt der Blick auf die weitere Strecke der Holmenkollbane. Sie führt noch gut vier Kilometer weiter in das Wandergebiet Frognerseteren.

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Doch nun zurück nach Oslo, wir wollen ja auch noch etwas von der Stadt sehen. Die Station Holmenkollen wurde für die Ski-Weltmeisterschaft 2011 modernisiert mit längeren Bahnsteigen für 6-Wagen-Züge, die Bahnsteige wurden auch verbreitert und ein Bahnübergang durch eine Überführung ersetzt. Die Holmenkollbane war in der Anfangszeit für den Ausflugsverkehr konzipiert, die Wohnbebauung am Berg setzte erst später ein.

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Wieder zurück im Zentrum unternehmen wir einen kleinen Spaziergang zu den Sehenswürdigkeiten von Oslo. Wir beginnen an der Oper und werfen – wie am Vorabend, aber nun bei Tageslicht – vom begehbaren Dach der Oper einen Blick hinüber zum Hafenspeicher Havnelageret.

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Diese etwas unscheinbare Kirche ist der Osloer Dom. Der Dom ist bereits das dritte Kathedralgebäude von Oslo. Der erste Dom verfiel, nachdem die Stadt nach einem großen Stadtbrand im Jahr 1624 verlagert wurde, der zweite Dom brannte Ende des 17. Jahrhunderts nieder.
Beim nächsten Bild blicken wir über die Prachtstraße Karl Johans gate zum königlichen Schloss.

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Im Herzen von Oslo liegt die Festung Akershus. Die Gebäude um den Schlosshof stammen aus der Jahrhundertwende um 1300. Links der Turm Blåtårnet, rechts das Verwaltungsgebäude Skriverstuefløyen (Schreibstubenflügel).
Die Festung liegt auf einer Halbinsel direkt am Ufer und bietet einen Ausblick über den Oslofjord.

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Hier sind wir am Parlamentsgebäude (Stortinget) angekommen, am Fuße des Parlaments liegt die Grünanlage Eidsvolls plass.

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Die Formulierung „krönender Abschluss“ lasse ich besser weg, das ist doch etwas platt. Das letzte Bild aus dem Zentrum von Oslo jedenfalls zeigt das königliche Schloss. Das klassizistische Gebäude befindet sich in Staatsbesitz, es dient als Residenz des Königs als auch der staatlichen Repräsentation. Mit nur 173 Räumen gehört es allerdings zu den kleineren Residenzen in Europa.

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Mit der Straßenbahn machen wir uns nun auf den Weg zum Fähranleger. Die Straßenbahn fährt zwar nicht direkt zum Anleger, aber so können wir noch ein kleines Stück mit der „Trikken“ (abgeleitet von Elektrikken, deutsch: Elektrische) fahren.
Hier treffen wir zufällig auf ein interessantes Fahrzeug vom Typ SL79. Das Fahrzeug mit der Nummer 140 ist die letztgebaute Einheit aus dem Jahr 1990. Von August 1990 bis Januar 1991 war der Gelenktriebwagen in Chemnitz unterwegs zu Test- und Werbezwecken.

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Von der Straßenbahnhaltestelle Skillebekk der Linie 13 ist es nur ein kurzer Fußweg bis zum Fährterminal der Linie Oslo-Kiel. Auf uns wartet eine Kabine auf der Color Magic, das 2007 ausgelieferte Fährschiff ist die weltweit größte Autofähre. Mit 1.016 Kabinen, Unterhaltungs- und Einkaufsangebot hat das Fährschiff den Charakter eines Kreuzfahrtschiffes.

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Das Fährschiff verlässt Oslo um 14 Uhr, so dass die Ausfahrt über den Oslofjord bei Tageslicht erfolgt – da kommt Kreuzfahrt-Feeling auf. Der Oslofjord ist rund 118 Kilometer lang, neben dem „Fernverkehr“ gibt es hier auch lokale Fährverbindungen zwischen den Ufern und Inseln des Fjords.

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Der Oslofjord ist die am stärksten befahrene Wasserstraße des Nordens. Die Fähre verlässt nun den Fjord und erreicht das Skagerrak. Das Skagerrak gehört zur Nordsee, später fährt die Fähre dann durch das Kattegat, das der Ostsee zugeordnet wird – aber das verschlafen wir dann.

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Tag 8: Fähre – Kiel – Hamburg – Offenburg – Immendingen – Singen - Konstanz

Die Überfahrt dauert rund 20 Stunden, die Ankunft in Kiel ist um 10 Uhr. Das ist ganz angenehm, man kann nämlich gemütlich frühstücken, die Einfahrt in die Kieler Förde bei Tageslicht erleben und schafft es dann am selben Tag noch bis nach Hause am anderen Ende des Landes.

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Monitore auf dem Schiff zeigen den Standort an, bis Kiel ist es noch ein Stück. Nun schließt sich langsam der Kreis, rechts sehen wir Fehmarn und Nykøbing Falster in Dänemark, das war unsere Route in den Norden in Teil 1.

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Mit nur 17 Kilometern kann es die Kieler Förde nicht mit dem Oslofjord aufnehmen. Links sehen wir den Leuchtturm Friedrichsort, er kennzeichnet die engste Stelle der Kieler Förde. Rechts im Hintergrund das Marine-Ehrenmal in Laboe.

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Vom Norwegenkai in Kiel ist es nur ein kurzer Fußweg zum Hauptbahnhof. Hier sehen wir das Ostportal mit der Kaisertreppe, die früher schon den kürzesten Weg vom Hafenbecken mit dem Anleger für die kaiserliche Jacht bot.

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Wir fahren zunächst mit einem Intercity nach Hamburg, zum Einsatz kommt ein Ersatzzug und auch sonst verläuft die Fahrt durch Schleswig-Holstein holprig, so dass der eigentlich großzügige Übergang von 19 Minuten in Hamburg schließlich noch zur Zitterpartie wird.

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Aber es geht gut, unser IC wird vor dem ICE nach Zürich auf die Verbindungsbahn gelassen. Und so wechseln wir in Dammtor auf den ICE 79. Ich wundere mich, warum in unserem Wagen so viele Plätze ab Hannover reserviert sind – bis dann später eine Fußballmannschaft auf dem Weg zu einem Auswärtsspiel zusteigt.

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Eigentlich bevorzuge ich Rundfahrten, aber diesmal hat es nicht anders gepasst und so fahren wir auf der gleichen Strecke wie bei der Hinfahrt wieder rund sechs Stunden im ICE 1 quer durch Deutschland. Gut, die Binnenalster hatten wir auf der Hinfahrt nicht, da hatten wir ab dem Hamburger Hauptbahnhof einen anderen Weg genommen.
Beim nächsten Bild sehen wir das Spiegel-Gebäude Ericusspitze in der Hamburger HafenCity.

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Aber halt, hier waren wir bei der Hinfahrt nicht! Wir fahren diesmal auf der Altstrecke durch das Leinetal mit Blick zum Schloss Marienburg.

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Später fahren wir auf der Schnellfahrtstrecke weiter nach Süden, hier fahren wir gerade über die Fulda, der Fluss ist auf diesem Abschnitt Grenzfluss, das recht Ufer gehört zu Niedersachsen, das linke zu Hessen. Gegenüber die Kragenhöfer Brücke der Altstrecke.
Beim nächsten Bild sind wir in Frankfurt.

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Bei der Fahrt durch das Oberrheintal dann die nächste Zitterpartie. Unser Zug hat mittlerweile knapp 20 Minuten Verspätung - die Übergangszeit auf die Schwarzwaldbahn in Offenburg liegt bei 18 Minuten. Die App meldet, dass der Anschluss nicht erreicht würde.

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Aber die App irrt, der Zug der Schwarzwaldbahn wartet. Und so fahren wir nun durch den Schwarzwald Richtung Bodensee, für weitere Bilder ist es jetzt aber zu dunkel.

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Nachdem sich der Plan, den Schienenersatzverkehr umfahren zu wollen, bei der Hinfahrt nicht bewährt hatte, nehmen wir nun noch eine abendliche Busfahrt in Kauf, von Immendingen geht es mit dem Bus nach Singen und von dort mit einer weiteren Schwarzwaldbahn-Garnitur nach Konstanz.

Und damit sind wir am Ende unserer achttägigen Tour angelangt. Gut, zwischendurch war ich etwas frustriert über das schlechte Wetter, aber dann gab es mit der Sonne auf der Bergensbane und in Oslo doch noch einen versöhnlichen Abschluss. Und es gibt ja noch weitere Ecken in Skandinavien zu entdecken - mal schauen, wann es uns mal wieder in den Norden verschlägt.

Vielen Dank für das Interesse und fürs Mitkommen sowie die Kommentare zu den bisherigen Teilen.


Viele Grüße und einen schönen Sonntag

Tobias

PS: meine bisherigen Reiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de

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www.bahnreisefuehrer.de - Deutschland aus der Fahrgastperspektive
Der Weg ist das Ziel: Meine Bahnreiseberichte.


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